Sachverhalt
- In der Betreibung der Fa. Renfer & OIe in Biel gegen H. U. Müller erteilte der GerichtspräBident II von Bial die provisorische Rechtsöffnung. Dieses Urteil focht der Schuldner durch Nichtigkeitsklage an. Als das Be- treibungsamt Biel ihm die provisorische Pfändung an- kündigte,. führte er dagegen Beschwerde mit dem Antrag, es sei der Nichtigkeitsklage aufschiebende Wirkung zuzu- erkennen. B. -,- Die kantollale Aufsichtsbehörde wies die Be- schwerde am 5. November 1929 ab. O. - Diesen Entscheid zog der Schuldner durch Eingabe vom 11. November an das Bundesgericht weiter. Die Schuldbetrtibungs- und KQ'nkurskammer zieht
Erwägungen (3 Absätze)
E. 1 Der Rekurrent widerspricht sich, indem er einer- seits behauptet, der Nichtigkeitsklage komme von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu, anderseits aber um eine Verfügung ersucht, durch welche diese Wirkung der Klage erst noch beigelegt werden soll. Auf das Begehren, es sei eine solche die Suspension herbeüührende Verfügung;l'U erlassen, kann zum vome- herein nicht eingetreten werden. Zuständig für eine Verfügung dieser Art wären keinesfalls die Aufsichts- behörden, sondern nur das Gericht, bei welchem die Nichtigkeitsklage hängig ist.
E. 2 Dass aber die Nichtigkeitsklage schon von Gesetzes wegen die provisorische Pfändung ausschliesse, trifft nicht zu. Die provisorische Pfändung stellt eine rein vorsorgliche Massnahme dar, welche der Gläubiger selbst dann ver- langen kann, wenn der Schuldner gegen den die proviso- rische Rechtsöffilung erteilendenerstinstanzlichen Ent-, Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 43. 175 scheid ein ordentliches Rechtsmittel ergriffen hat. Um- somehr muss das gelten, wenn bloss ein ausserordentliches Rechtsmittel, wie hier dasjenige der Nichtigkeitsklage, eingelegt worden ist (vgl. JAEGER, Komm. Art. 83 N.2; BGE 47 111 S. 68). Das hat schon die Vorinstanz zutreffend dargetan. :Missverstanden wurde aber vom Rekurrenten ihre an sich vielleicht etwas irreführende Bemerkung, das ordentliche Rechtsmittel der Appellation habe von Gesetzes wegen Suspensiveffekt. 'Wie sich aus dem Zusammenhang ergibt, machte die Vorinstanz hiebei gerade für die pro- visorische Rechtsöffnung einen Vorbehalt : wenn die provisorische Pfändung trotz der Appellation, die im allgemeinen suspensiv wirke, zulässig sei, so müsse dies erst. recht der Fall sein bei der Nichtigkeits~age, der ja auch im übrigen die aufschiebende Wirkung abgehe. Hieraus folgt im weitem, dass auch eine vom Gerichte, welches für die Beurteilung der Nichtigkeitsklage zustän- dig ist, resp. von dessen Präsidenten erlassene Suspensiv- verfügung sich nicht auf die provisorische Pfändung hätte beziehen können.
E. 3 Der NichtigkeitslJ.age kommt nach der für das Bundesgericht verbindlichen Auslegung des kantonalen Zivilprozessrechtes durch die Vorinstanz aufschiebende Wirkung nicht zu. Damit erweist sich auch die in der Rekurseingabe vertretene Auffassung als irrig, die Nich- tigkeitsklage verhindere wenigstens, dass die provisorische Rechtsöffnung zu einer definitiven werde. Die Nichtig- keitsklage, wie es der Rekurrent im übrigen noch ver- sucht, der Aberkennungsklage gleichzustellen, geht aber anderseits schon deswegen nicht an, weil es sich bei der Aberkennungsklage im Gegensatz zu jener nicht um ein, Rechtsmittel gegen den Rechtsöffnungsentscheid handelt (vgl. JAEGER, Komm. Art. 83 N. 10). AJIerdingshätte das Gericht resp. dessen Präsident nach der von der Vorinstanz zitierten Bestimmung der . kantonalen Zivilprozessordnung auf das, Gesuch des Nichtigkeitsklägers hin die Einstellung der Vollstreck- \76 Schuldbetreibung". wld KOllkllFSrecht. No ••. barkeit verfügen können, was dann die provisorische Rechtsöffnung nicht zu einer definitiven hätte werden assen. Dass eine solche Verfügung nicht erlassen worden ist, gibt jedoch der Rekurrent selber zu. Demnach erken.nt die 8chuldbetr. - und Konku'Fskamrner : Dcr Rekurs wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
43. Entscheid Tom 27. November 1929 i. S. Müller.
Pro v iso r i s c heR e c h t s ö f f nun g.
R e c I: t s mit tel gegen Entscheide, durch welche die provisO:lsche .Rechtsöffnung erteilt ist, hin der n die p r 0-
v 1 S 0 r 1 S ehe
P f ä n dun g
n ich t,
gleichviel,
ob
ihnen aufschiebende Wirkung zukomme
od~r nicht Ulld
ob diese auf Gesetz oder auf besonderer Verfügung der
Rechtsmittelinstanz beruhe.
Dagegen lässt das Rechtsmittel, aolerne es kraft Gesetzes oder
besonderer Verfügung auf 8 chi e ben d €I Wir ku n g
hat, die provisorische Pfänd\illp: 11 ich t zu einer d e f i n i-t i v €I n werden.
lllain-levee provi.eoire.
Les nwyens souleves a l'encont!'o d'Ull pronollce de mainlevee
provisoire n'e1rl,pooltent pas la saisie p1'ovisoire. Peu importe
a cst egsrd qu'ils aient ou non un effet suspensif, et peu importe
egalement que cet effet de(\oule de la loi ou d'une de·(\iRion
specisle de l'instance competente pour eIl connaitre.
1!:n revanche de tels moyens, lorsqu'ils out uu eIlet suspent:tij eIl
vertu de 180 loi ou d'une decision speciale, mettent obstaclft
a ce que la srusie proviaoire se transforme €In AAisle definitive.
Rigetto provvisorio dell'opposiziou6. I rimedi giuridici interposti
contro una sentenza di rigetto provvisorio di una. opposizione,
non possono impedire il pignoramento provvisorio anche se per
AS (;(; III -
1929
14
174
S"huldootreibungB- und Konkursrecht_ ~o 43_
avventura avessero effetto sospensivo per virtil di legge 0
d'una apposita decisione dell'autorita incaricata deI giudizio.
Essi impediscono invece, . quando per virtil di Iegge 0 d'una
decisione speciale spetti ad essi 1m effeUo sospensivo, ehe
il pignoramento provvisorio diventi definit,ivo.
A. -- In der Betreibung der Fa. Renfer & OIe in Biel
gegen H. U. Müller erteilte der GerichtspräBident II von
Bial die provisorische Rechtsöffnung. Dieses Urteil focht
der Schuldner durch Nichtigkeitsklage an. Als das Betreibungsamt Biel ihm die provisorische Pfändung ankündigte,. führte er dagegen Beschwerde mit dem Antrag,
es sei der Nichtigkeitsklage aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.
B. -,- Die kantollale Aufsichtsbehörde wies die Beschwerde am 5. November 1929 ab.
O. -
Diesen Entscheid zog der Schuldner durch Eingabe
vom 11. November an das Bundesgericht weiter.
Die Schuldbetrtibungs- und KQ'nkurskammer zieht
in Erwägung:
1. -
Der Rekurrent widerspricht sich, indem er einerseits behauptet, der Nichtigkeitsklage komme von Gesetzes
wegen aufschiebende Wirkung zu, anderseits aber um
eine Verfügung ersucht, durch welche diese Wirkung der
Klage erst noch beigelegt werden soll.
Auf das Begehren, es sei eine solche die Suspension
herbeüührende Verfügung;l'U erlassen, kann zum vomeherein nicht eingetreten werden. Zuständig für eine
Verfügung dieser Art wären keinesfalls die Aufsichtsbehörden, sondern nur das Gericht, bei welchem die
Nichtigkeitsklage hängig ist.
2. -
Dass aber die Nichtigkeitsklage schon von Gesetzes
wegen die provisorische Pfändung ausschliesse, trifft nicht
zu. Die provisorische Pfändung stellt eine rein vorsorgliche
Massnahme dar, welche der Gläubiger selbst dann verlangen kann, wenn der Schuldner gegen den die provisorische Rechtsöffilung erteilendenerstinstanzlichen Ent-
, Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 43.
175
scheid ein ordentliches Rechtsmittel ergriffen hat. Umsomehr muss das gelten, wenn bloss ein ausserordentliches
Rechtsmittel, wie hier dasjenige der Nichtigkeitsklage,
eingelegt worden ist (vgl. JAEGER, Komm. Art. 83 N.2;
BGE 47 111 S. 68). Das hat schon die Vorinstanz zutreffend
dargetan. :Missverstanden wurde aber vom Rekurrenten
ihre an sich vielleicht etwas irreführende Bemerkung, das
ordentliche Rechtsmittel der Appellation habe von Gesetzes
wegen Suspensiveffekt. 'Wie sich aus dem Zusammenhang
ergibt, machte die Vorinstanz hiebei gerade für die provisorische Rechtsöffnung einen Vorbehalt : wenn die
provisorische Pfändung trotz der Appellation, die im
allgemeinen suspensiv wirke, zulässig sei, so müsse
dies erst. recht der Fall sein bei der Nichtigkeits~age,
der ja auch im übrigen die aufschiebende Wirkung abgehe.
Hieraus folgt im weitem, dass auch eine vom Gerichte,
welches für die Beurteilung der Nichtigkeitsklage zuständig ist, resp. von dessen Präsidenten erlassene Suspensivverfügung sich nicht auf die provisorische Pfändung
hätte beziehen können.
3. -
Der NichtigkeitslJ.age kommt nach der für das
Bundesgericht verbindlichen Auslegung des kantonalen
Zivilprozessrechtes durch die Vorinstanz aufschiebende
Wirkung nicht zu. Damit erweist sich auch die in der
Rekurseingabe vertretene Auffassung als irrig, die Nichtigkeitsklage verhindere wenigstens, dass die provisorische
Rechtsöffnung zu einer definitiven werde. Die Nichtigkeitsklage, wie es der Rekurrent im übrigen noch versucht, der Aberkennungsklage gleichzustellen, geht aber
anderseits schon deswegen nicht an, weil es sich bei der
Aberkennungsklage im Gegensatz zu jener nicht um ein,
Rechtsmittel gegen den Rechtsöffnungsentscheid handelt
(vgl. JAEGER, Komm. Art. 83 N. 10).
AJIerdingshätte das Gericht resp. dessen Präsident
nach der von der Vorinstanz zitierten Bestimmung der
. kantonalen Zivilprozessordnung auf das, Gesuch des
Nichtigkeitsklägers hin die Einstellung der Vollstreck-
\76
Schuldbetreibung". wld KOllkllFSrecht. No ••.
barkeit verfügen können, was dann die provisorische
Rechtsöffnung nicht zu einer definitiven hätte werden
assen. Dass eine solche Verfügung nicht erlassen worden
ist, gibt jedoch der Rekurrent selber zu.
Demnach erken.nt die 8chuldbetr. - und Konku'Fskamrner :
Dcr Rekurs wird abgewiesen.