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52_III_118

BGE 52 III 118

Bundesgericht (BGE) · 1926-06-08 · Deutsch CH
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118

Schuldhetreibungs- und Konkursreeht. N0 32.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :

Der Rekurs wird gutgeheissen, der Entscheid der

Aufsiehtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs

des Kantons Bern vom 8. Juni 1926 aufgehoben und die

Verfügung des Betreibungsamtes Biel vom 5. März 1926

geschützt.

32. IntscbeJd vom 16. September 1926 i S. ÄerD1.

Bei einem N ach 1 ass ver t rag mit Ver m ö gen s-

abt r e tun g hat der Sachwalter für die Verteilung des

Erlöses aus den Aktiven, gleich wie im Konkurs, einen

KoUokationsplan und eine Verteilungsliste zu errichten.

Eine Berichtigung eines rechtskräftigens Kollokationsplanes

wegen

nachträglichen Unterganges einer

k 0 11 0 Z i e r t e n F 0 r der u n g ist nicht zulässig; dage-

gen kann die Masse in einem solchen Falle die Auszahlung

der betr. Dividende verweigern, worauf der Gläubiger seinen

Anspruch durch eine g e w ö h n I ich e

Z i viI k lag e

geltend zu machen hat (Änderung d~r bisherigen Praxis).

\ A. -

Durch Vertrag vom 16. Juni 1925 eröffnete

die Schweizerische Volksbank in Bern der Kollektiv-

gesellschaft Heber & Haldemann in Bern einen Konto-

korrentkredit bis zum Betrage von 12,000 Fr. Zur

Sicherstellung dieses Kredites verbürgte sich Jakob

Leutenegger in Beru unter solidarischer Haftbarkeit

~

bis zum Höchstbetrage von 14,000 Fr. Ferner wurde

der Schweizerischen Volksbank ein auf die Ehefrau

des Gesellschafters Heber, Frau Martha Heber-Käser.

ausgestellter Eigentümerschuldbrief von 12,000 Fr.,

lastend auf den Besitzungen Marzilistrasse 28, 30 und

32 in Bern, als Pfand übergeben.

In der Folge wurde der Finna Heber & Haldemann

ein Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung bewilligt,

in welchem Verfahren die Schweizerische Volksbank

mit Eingabe vom 3. Februar 1926 eine Forderung von

12,085 Fr., die den Saldo der Bank aus dem Geschäfts-

verkehr mit der Nachlasschuldnerin darstellt, anmeldete.

SebWdbet.reibmlgs- und Kcmkorsncht. N° 32.

119

Dieser Betrag wurde vom Sachwalter im Kollokations-

plan aufgenommen.

Hierauf befriedigte der Solidarbürge Leutenegger

die Bank im vollen Umfange, worauf ihm der für die

Schuld der Nachlasschuldnerin verpfändete Schuldbrief

der Frau Heber-Käser herausgegeben wurde. Der Sach-

walter erhielt von dieser Zahlung Kenntnis und weigerte

sich daher in der Folge, als die erste Nachlassdividende

von 30% zur Auszahlung gelangte, das auf die Bank

entfallende Betreffnis dieser auszuzahlen, da deren

Forderung durch die Zahlung Leuteneggers unter-

gegangen sei, indem Leutenegger die von ihm verb~rgte

Schuld nachträglich gegen Aushändigung des fraghchen

Schuldbriefes übernommen habe.

B. -

Hiegegen beschwerten sich der Kollektivgesell-

schafter Reber sowie dessen Ehefrau, Frau Martha

Heber-Käser. bei der Aufsichtsbehörde, mit dem Be-

gehren, es sei der Sachwalter, Notar Aerui, zu v:rhalten,

die Forderung der Schweizerischen Volksbank In Beru,

welche nunmehr auf Herrn Leutenegger übergegangen

sei, in die dividendenberechtigten Forderungen einzu-

beziehen, und es sei auf diese Forderung eine erste

Nachlassdividende von 30% zu entrichten.

C. -

Mit Urteil vom 14. Juli 1926 hat die kantonale

Aufsichtsbehörde die Beschwerde gutgeheissen mit der

Begründung, dass gemäss den Art. 505 und 508 OH

die Hechte der Bank auf den zahlenden Bürgen Leuten-

egger übergegangen' seien. Da die Forderung aber schon

von der Bank im Nachlassverfahren eingegeben worden

und der Gläubigerwechsel dem Sachwalter bekannt

gewesen sei, stelle sich eine Neueingabe der Forderung

durch den neuen Gläubiger Leutenegger als überflüssig

dar. Solange also der letztere auf die Geltendmachung der

Forderung gegenüber der Schuldnerin nicht ausdrücklich

verzichtet habe, sei der Sachwalter somit verpflichtet,

diese Forderung zu kollozieren und auch eine Nachlass-

dividende auf sie auszurichten.

120

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 32.

D.

Hiegegen hat der Sachwalter, Notar Aerni.

rechtzeitig den Rekurs an das Bundesgericht erklärt,

indem er die Aufhebung des angefochtenen Entscheides

verlangte.

Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer zieht

in Erwägung:

1. ~ In erster Linie ist festzustellen, dass -

was

zwar vom Rekurrenten selber nicht geltend gemacht

worden ist -

die Vorinstanz auf die Beschwerde der

Eheleute Reber mangels Aktivlegitimation der beiden

Beschwerdeführer gar nicht hätte eintreten sollen.

Denn die Beschwerdeführer behaupteten nicht etwa,

dass sie einen Anspruch auf die streitige Nachlass-

dividende besässen, sondern nur, dass ein solcher dem

Leutenegger zukomme. Dies geltend zu machen wäre

jedoch ausschliesslich dem Leutenegger oder allenfalls

noch -

was hier unentschieden bleiben mag -

der

für die bezügliche Forderung kollozierten Bank zuge-

standen, welche jedoch ihrerseits keine Beschwerde. er-

hoben haben.

2. -

Die Beschwerde hätte aber auch aus sachlichen

Gründen abgewiesen werden müssen. Bei einem Nach-

lassvertrag mit Vermögensabtretung, wie er hier vor-

liegt, hat der Sachwalter für die Verteilung des Erlöses

der Aktiven, gleich wie im Konkurs, einen Kollokations-

plan und eine Verteilungsliste zu errichten, und es

gelten hiefür die bezüglichen für das Konkursverfahren

aufgestellten Vorschriften (vgl. BGE 42 111 S.455 ff.).

Nun hat das Bundesgericht schon früher entschieden

(vgl. BGE 30 IS. 438 ff. = Sep.-Ausg. 7 S. 178 ff.), dass,

wenn ein kolloziertes Forderungsrecht erlischt und

infolgedessen eine Zulassung der Forderung zum Kon-

kurs sich nicht mehr rechtfertigt, der betreffende kollo-

zierte Gläubiger auch seine konkursmässigen Gläubiger-

rechte und speziell dasjenige auf die Auszahlung einer

Dividende verliere. Dabei stellte es fest, dass in einem

Sehnldhetreibungs- und Konkursrecht. N° 32.

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solchen Falle eine nachträgliche Berichtigung des Kollo-

kationsplanes vorgenommen werden müsse und dem

betreffenden Gläubiger eine Frist zur Klage analog

derjenigen des Art. 250 SchKG anzusetzen sei. Diese

letztere Auffassung hält allerdings einer erneuten über-

prüfung nicht stand. Denn ein einmal in ~ech~skra!t

erwachsener. Kollokationsplan kann sowemg Wie em

gerichtliches Urteil nachträglich einseitig abgeändert

werden. Das hat aber nicht zur Folge, dass deshalb

eine kollozierte Forderung, trotzdem sie nachträglich

untergegangen ist, unter allen Umständen eine Divi-

dendenberechtigung begründe. Die Masse kann vielmehr

in einem solchen Falle die Auszahlung der betreffenden

Dividende verweigeru, worauf der Gläubiger seinen

Anspruch durch eine gewöhnliche Zivilklage geltend

zu machen hat, in welchem Prozesse dann die Masse

die Einrede des Unterganges der Forderung erheben

kann (vgl. auch JÄGER, Kommentar zu Art. 249 SchKG

Note 2 S. 228; BLUMENSTEIN, Handbuch S. 777 Note

20). Da ein solcher durch den nachträglichen Unter-

ga~lg einer kollozierten Forderung frei

geword~ner

Dividendenbetrag den übrigen Gläubigeru zuzuweIsen

ist, hat aber die Masse, um im Falle des Unterganges

über den Betrag verfügen zu können, dem betreffenden

Gläubiger im Momente der Dividendenauszahlun~ mit-

zuteilen, dass die auf ihn entfallende Quote Infolge

Unterganges der Forderung nicht ausbezahlt werde und

ihm zugleich eine -angemessene Klagefrist anzusetzen,

unter der Androhung, dass bei Nichteinhaltung der

Frist der Betrag den übrigen Gläubigern zugewiesen

werde.

3. -

Daraus folgt, dass -

entgegen der Auffassung

der Vorinstanz -

im vorliegenden Falle der Sachwalter,

nachdem er die fragliche Forderung für untergegangen

erachtet, nicht verhalten werden kann, die streitige

Dividende auszuzahlen. Doch hat er die vorerwähnte

Klagefristansetzung noch zu erlassen, und zwar ist diese

AS 52 III -

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Schuldbetreibungs- und KonkUl'Sl'eeht. No 33.

an die im Kollokationsplan als Gläubigerin aufgeführte

Schweizerische Volksbank in Bem zu richten, es wäre

denn, dass der Sachwalter VOll dieser seinerzeit aus-

drücklich darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass

die fragliche Forderung infolge . Zahlung durch den

Bürgen Leutenegger an diesen übergegangen sei. Das

ist aus den Akten nicht ersichtlich. Darnach steht

lediglich fest, dass der Sachwalter von der betreffenden

Zahlung Kenntnis hatte.

Demnach erkennt die Schuldbdr.- und KQnkurskammer :

Der Rekurs wird im Sinne der Motive gutgeheissen.

33. Anit ein 'l3 saptembre 1996

dans la cause Gardet et Bernard.

Art. 284 LP. Lorsque les droits du requerant sont contestes

par le locataire, les autorites de ponrsuite doivent, avant

de se prononcer sur la reintegration, examiner sommaire-

ment le point de savoir si le bailleur possMe un droit de

retention sur les objets emportes clandestinement on avec

violence. Leur decision ne prejuge pas Ia question, que les

interesses peuvent soumettre aqx tribunaux.

A. -

Par bail du 14 septembre 1922, passe avec

H. Wakker, regisseur, les recourants ont loue pour six

ans a compter du 1 er novembre 1922 un appartement

dans l'immeuble n° 2 de la rue Verdaine, aujourd'hui

propriere de la Sociere Saturne. Le loyer, payable par

trimestre et d'avance, fut fixe a 1800 fr. pour les trois

premieres, et a 1900 fr. par an pour les trois demieres

annees.

Le 25 juin 1926, les recourants informerent le regis-

seur qu'ils avaient l'intention de quitter la rue Ver-

daine le 15 juillet et de transferer leurs bureaux au

n° 11 de la rue de la Tour-Maitresse. Wakker leur demanda

de fournir des cautions en banque pour Ie loyer a courir

jusqu'a l'echeance du bail. Les recourants estimerent

SelmIdbetreilltmgs- und Konknrsrecht. N° 33.

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que cette pretention etait inadmissible du moment que

le droit de retention du bailleur ne pouvait s'exercer

legalement que pour le loyer de I'annee ecoulee et du

semestre courant, soit a leur egard pour le loyer du

l er mai 1925 au 30 avril 1926 (annee ecoult~e) et du

ler mai au 31 ociobre 1926 (semestre courant). lls

firent observer qu'ils avaient paye le loyer jusqu'au

31 juillet 1926 et offrirent de verser le montant du

loyer jusqu'au 31 octobre 1926 en echange de l'autori-

sation de demenager le 15 juillet. lls payerent le 14 juil-

·let, par 475 fr., le loyer des mois d'aout, septembre et

octobre 1926, et aviserent le regisseur, par lettre du

m~me jour, que le demenagement etait fixe au 17 juillet,

des 8 heures du matin.

Wakker s'opposa ce jour-la a l'enh~vement des meubles

et requit l'assistance de la force publique. Mais le com-

missaire de police et le Parquet refuserent d'intervenir

par le motif que le droit de retention du bailleur n'existait

plus ensuite du paiement du loyer jusqu'au 31 octobre

1926. Le mobilier fut transporte par les recourants a la

rue de la Tour-Maitresse, malgre les protestations du

regisseur.

Le 22 juillet, Gardet et Bernard declarerent vouloir

resilier leur bai! pour la date du 31 octobre 1926, en

invoquant l'art. 269 CO.

B. -

Le 19 juillet, la Societe Satume deposa une

demande de reintegration des meubles et de prise d'in-

ventaire. Elle alleguait que les objets soumis a son droit

de retention avaient ete emportes avec violence par ses

locataires.

L'office des poursuites de Geneve decida de donner

suite acette requisition.

Gardet. et Bernard porterent plainte a l'Autorite

cantonale de surveillance, en soutenant que le droit de

retention de la Societe requerante n'existait plus et

qu'en consequence, l'art. 284 LP n'etait pas applicable

a leur egard.