Sachverhalt
Die Rekurrenten Samuel Sägesser und J ohann
Geiser betreiben jeder für sich von ihrem 'Vohnsitz in
den bernischen Gemeinden Bützberg und Madiswil aus
den Viehhandel in der Weise, dass sie hauptsächlich im
Kanton Bern, in geringerem Masse auch in den Kantonen
Solothurn und Luzern Schlachtware aufkaufen oder durch
Unterhändler aufkaufen lassen und nach Zürich in den
Schlachthof an ihre Kunden, dortige Metzger, . liefern.
Zur Verteilung der Sendungen unter die Abnehmer und
zur Abrechnung mit diesen (wohl auch zur Entgegennahme neuer Bestellungen) begeben sie sich wöchentlich
einmal nach Zürich. Ein Bureau oder Stallungen, überhaupt Betriebseinrichtungen irgendwelcher Art .besitzen
sie dort unbestrittenermassen nicht.
Wegen des geschilderten Obergreifens ihrer Tätigkeit auf den Kanton Zürich wurden die Rekurrenten
schon unter der Herrschaft des alten zürcherischen Gesetzes betreffend den Viehverkehr von 1895 verhalten,
das darin für den gewerbsmässigen Betrieb des Viehhandels im Kanton geforderte Patent zu lösen und
haben die entsprechenden Patenttaxen, die mit Rücksicht auf den Umfang ihres Verkehrs jeweilen auf den
nach § 12 des Gesetzes zulässigen Maximalbetrag von
500 Fr. festgesetzt wurden, bis und mit 1922 anstandslos
bezahlt. Am 1. Juli 1922 trat im Kanton Zürich das
neue Gesetz über den gewerbsmässigen Viehhandel vom
4. April 1922 in Kraft. Danach bedarf «wer im KantOn'
gewerbsmässig Tiere des Pferde-, Rinder-, Schaf-:-. Zie-
184
Staatsrecht.
gen- und Schweinegeschlechts kaufen. verkaufen, vertauschen oder vermitteln will, einer staatlichen Bewilligung » (Viehhandelspatent § 2). Sie setzt die. Erfüllung
bestimmter Erfordernisse durch den Bewerber (W ohnsitz oder Geschäftsdomizil in der Schweiz; guter Leumund namentlich auch hinsichtlich der Einhaltung der
tierseuchen-polizeilichen Vorschriften; wo es sich nicht
bloss um den Verkauf in Schlachthöfen handelt, ferner
den Besitz seuchenpolizeilich einwandfreier Stallungen)
Imd die Leistung einer Kaution voraus, die je nach der
Grösse des Umsatzes von 1000 bis 20,000 Fr. geht, und
wird jeweilen für das laufende Kalenderjahr erteilt
(§§ 3 bis 8). Über die damit verbundene Abgabepflicht
bestimmt
§ 9. « Für jede Bewilligung ist eine Grundtaxe und
eine Umsatzgebühr zu entrichten.
Die Grundtaxe beträgt:
a) für den Handel mit Kleinvieh 50 Fr.;
b) für den Handel mit Tieren des Rinder- und Pferdegeschlechtes 100 Fr.
Die Umsatzgebühr beträgt :
für jedes umgesetzte Stück Kleinvieh (Schaf, Ziege,
Schwein) ........ 50 Rp.
»
»
Kalb im Alter bis zu zwei
Monaten
1 Fr.
»»
»
Stück Rindvieh . . . . .
2 Fr.
l)
»
Pferd.
~ . . . . . . . . 5 Fr.
Um die Ermittlung des Umsatzes und die sonstige
polizeiliche Kontrolle des Geschäftsbetriebes zu ermöglichen, haben die Patentinhaber über ihren Viehverkehr
genaue Geschäftsverzeichnisse nach einem amtlich vorgeschriebenen Formular zu führen. Die Feststellung der
Umsatzgebühr erfolgt nach den §§ 8 und 12 der Ausführungsverordnung des Regierungsrates vom 20. Oktober 1922 bei erstmaligen Patenterteilungen auf Ende
des Jahres, bei Patenterneuerungen mit dieser nach dem
Umsatz des vorletzten Jahres. In Anwendung dieser
Doppelbesteuerung.. N° 34.
185
Vorschriften forderte die zürcherische Volkswirtschaftsdirektion für die Erneuerung der Patente pro 1923 als
Grundtaxe . und Umsatzgebühren vom Rekurrenten
Geiser 8820 Fr. und vom Rekurrenten Sägesser 3849 Fr.
Inzwischen war der Kanton Bern, in dem der Viehhandel bisher frei gewesen war, mit Wirkung ab 1. Januar 1923 der von den Kantonen Luzern, Baselland und
Aargau abgeschlossenen, vomBundesrat am 29. November
1921 genehmigten übereinkunft betreffend die Ausübung des Viehhandels (Viehhandelskonkordat) beigetreten, dem heute ausserdem noch Solothurn und Basel-Stadt angehören. Es sieht für den Betrieb des Viehhandels
im Konkordatsgebiete, der als « der gewerbsmässige An- und Verkauf, sowie Tausch von Tieren des Pferde-,
Rindvieh-, Schaf-, Ziegen- und Schweinegeschlechts und
die gewerosmässige Vermittlung solcher Geschäfte»
definiert wird, ebenfalls den Besitz eines Patents «(Viehhandelsausweises)l) vor, der, sofern der Händler seinen
Wohnsitz oder sein Hauptgeschäftsdomizil in einem
Konkordatskanton hat, von der zuständigen Behörde
dieses Kantons mit Giltigkeit für das ganze Konkordatsgebiet ausgestellt wird, von analogen Bedingungen persönlicher und sachlicher Art wie im zür~herischen Gesetz
und von der Stellung einer Kaution abhängig gemacht
ist, die im einzelnen Falle innert der durch das Konkordat bestimmten Mindest- lind Höchstansätze festgesetzt wird. Nach § 8 sind für die Erteilung und Erneuerung der Viehhandelsausweise ausser der Kanzleigebühr pro Jahr folgende Gebührell zu entrichten: 1. eine
Grundtaxe, die für Händler mit Grossvieh und Pferden
100 Fr., für Händler mit Kleinvieh 50 Fr. beträgt.
2. Eine Umsatzgebühr für den Umsatz im gesamten
Gebiete der Übereinkunft, die minimal pro umgesetztes Stück Rindvieh 1 Fr., Kleinvieh (Schafe, Ziegen
und Schweine über 8 Wochen) 50 Rp., Ferkel (Schweine
unter 8 Wochen) 20 Rp. und Pferde 5 Fr. beträgt;
die Kantone sind berechtigt, auf das Doppelte. dieser
186
Staatsrecht.
Ansätze zu gehen und zu bestimmen, dass in der Grundtaxe die Gebühren für einen gewissen Umsatz inbegriffen
seien. Von beiden Möglichkeiten hat der Grosse Rat des
Kantons Bern Gebrauch gemacht, indem er in dem
Dekret vom 12. September 1922, womit er den Beitritt
zum Konkordat beschloss, die Umsatzgebühr für Pferde
auf 10 (statt 5 Fr.) festsetzte, andererseits bestimmte,
dass in der Grundtaxe für die Kleinviehhändler die Um-
sal zgebühren für 100 Stück inbegriffen seien. Infolgedessen mussten die Rekurrenten auch im Kanton Bern
pro 1923 ein Patent (Viehhandelsausweis) lösen und
werden dort ausser der Grundtaxe mit den durch das
Konkordat und kantonale Dekret vorgesehenen Umsatzgebühren für jedes im Konkordatsgebiet aufgekaufte Stück Vieh ohne Rücksicht auf den Ort, wohin
es beim Weiterverkauf gebefert wird, belastet.
Sie bestritten deshalb die Pflicht zur Bezahlung der
in Zürich von ihnen geforderten Grundtaxe und Umsatzgebühren (wobei sie sich immerhin bereit erklärten, aus
freien Stücken und ohne Präjudiz Hir die Zukunft eine
feste Taxe von maximal 500 Fr. zu entrichten), indem sie
geltend machten : nach dem Urteile des Bundesgerichts
in Sachen Verband aargauischer Vichhändler gegen
Grossen. Rat des Kantons Aargau vom 12. Mai 1922
(AS.m I S. 269ff.}stellten sich diegemäss dem Konkordat
fiir die Viehhandelsbewilligung zu zahlenden Grundtaxen und Umsatzgebühren nicht als wirkliche Gebühren, sondern als von einem bestimmtel: Gewerbezweige erhobene Sondersteuern dar, was auch für die
durchaus gleichartigen Auflagen des neuen zürcherischen
Viehhandelsgesetzes zutreffen müsse. Als Steuern könnten sie aber nach Art. 46 BV vom gleichen Objekte,
bezw. der gleichen geschäftlichen Transaktion (An- und Weiterverkauf eines bestimmten Stückes Vieh) nur
einmal erhoben werden, wobei' die Bezugsberechtigung
nach der bundesgerichtlichen Praxis dem Kanton des
Wohnsitzes bezw. Geschäftssitzes des Händlers zu-
Doppelbesteuerunc. N· 34.
187
stehen müsse. Die Rekurrenten könnten somit dazu im
Kanton Zürich nur dann herangezogen werden, wenn
sie bier eine Geschäftsniederlassung und damit ein
sekundäres Steuerdomizil im Sinne jener Praxis, ständige
körperliche Anlagen oder Einrichtungen besässen, mil.-
telst deren sich ein 'wesentHcher Teil ihres Geschäftsbetriebes abspiele, was nicht der Fall sei. Wenn dicse
Grundsätze vom Bundesgericht zunächst für die alJgemeinen direkten Steuern (Vermögens-, Einkornmens- und Erwerbssteuern) entwickelt
worden
seien,
so
müssten sie doch auch auf indirekte Angaben der vorliegenden. Art nicht weniger Anwendung finden. Art. 46
Abs. 2 BV laute allgemein und schliesse die Doppelbesteuerung schlechthin, nicht nur für bestimmte Steuerarten aus. Eine solche würde aber durch die Erhebung
von Grundtaxen und Umsatzgebühren im Kanton des
Wohnsitzes bezw. Geschäftsdomizils des Händlers und
in dem Kanton, wohin er die angekaufte Ware liefere,
notwendig eintreten.
Die zürcherische Volkswirtschaftsdirektion beharrte
jedoch auf der angefochtenen Auflage und ein dagegen
erhobener Rekurs wurde vom Regierungsrat des Kantons Zürich am 13. September 1923 mit der Begründung
abgewiesen: da der Kanton Zürich dem Viehhandelskonkordat nicht beigetreten sei, bedürften die Rekurrenten, um den Viehhandel im Kanton zu betreibcn,
des im kantonalen Gesetz vom 4. April 1922 vorgeschriebenen Patents. Die Höhe der Gebühr dafür seI in § 9 des
Gesetzes festgelegt. Eine Ausnahmestellung hinsichtlich
der Gebührenfestsetzung, wie sie in der Rekursschrift
beansprucht werde, sei gesetzlich unzulässig.
Sollte
das Bundesgericht dazu kommen, die gleichzeitige Erhebung von Patentgebühren durch Bern und Zürich
als Doppelbesteuerung aufzufassen, so werde es auch
Grundsätze für eine Steuerausscheidung festsetzen müssen. Heute beständen solche Grundsätze nicht.
B. -
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 3Ö. Ok-
188
Staatsrecht.
tober 1923 haben darauf Sägesser und Geiser beim
Bundesgericht unter Berufung auf Art. 46 Abs. 2 BV
die Begehren gestellt, es sei :
1. der Beschluss des zürcherischen Regierungsrates
vom
13. September 1923 aufzuheben und auszusprechen, dass der Kanton Zürich nicht berechtigt sei,
von den RekUlrenten für ihren Viehhandel Patent- und
Umsatzgebühren zu erheben und dass er die auf Zwang
hin, unter Vorbehalt vorläufig bezahlten Beträge zurückzuerstatten habe;
2. eventuell zu bestimmen, in welchem Verhältnis
und in welchem Umfange die Kantone Bern und Zürich
an den von den Rekurrenten zu bezahlenden Umsatzgebühren berechtigt seien.
Sie halten an der bereits im kantonalen Verfahren
vor den zürcherischen Behörden vertretenen Rechtsauffassung fest. Sollte entgegen derselben angenommen
werden, dass die Rekurrenten durch den von ihnen ausgeübten Viehhandel auch zum Kanton Zürich in einer
Beziehung stehen, die sie seiner Steuerhoheit für die in
Betracht fallenden Abgaben unterwerfe, so dürften jedenfalls, entsprechend dem Zweck des Doppelbesteuerungsverbots zu verhindern, dass dem Pflichtigen aus seiner
wirtschaftlichen Verbindung mit mehreren Kantonen
ein Nachteil, eine stärkere Belastung erwachse, als wenn
er nur der Hoheit eines vQn ihnen unterstände, die
Rekurrenten
nicht in bei den Kantonen mit
der
vollen Steuer, sondern nur mit einem Teil derselben
belastet werden, der der in jedem ausgeübten geschäftlichen Tätigkeit entspreche, und insgesamt nicht mit
einer höheren Summe, als sie zu bezahlen wäre, wenn die
gesamte Handelstätigkeit ausschliesslich im Domizilkanton vor sich ginge. Die Ausscheidung wäre demnach
richtiger Weise so vorzunehmen, dass die zürcherischen
Abgaben auf eine jenem Verhältnis entsprechende
Quote der Gesamtsumme beschränkt würden, die Bern
nach seinem Recht unter der letzteren Voraussetzung
erheben könnte.
DoppelbesteueniIig. N° 34.
189
C . ...:....:.. Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat auf
Abweisung der Beschwerde angetragen. Er weist darauf
hin,. dass die im zürcherischen Viehhandelsgeselz vor- .
gesehenen Grundtaxen und Umsatzgebühren nicht zur
Bestreitung des allgemeinen öffentlichen Finanzbedarfes
dienen, sondern je zur Hälfte in den kantonalen Tierseuchen- und Tierversicherungsfonds fallen (§' 10 des
kantonalen Gesetzes betreffend die obligatorische Viehversicherung und die Entschädigung für Tierverlust
durch Seuchen). Bedenke man weiter, in welchem Umfange die Behörden durch die Feststellung der Erfordernisse für die Patenterteilring (Untersuchung der Leumundsverhältnisse und Führung der dazu nötigen Vorstrafenverzeichnisse über die übertretung der sanitäts- und
gewerbep~lizeilichen Vorschriften; Prüfung der
Güte der anerbotenen Kautionen;
Iilspektionder
Händlerstallungen und der Desinfektionseiilrichtungen
der Viehtransportwagen usw.) sowie durch die polizeiliche Überwachu,ng des ganzen Viehverkehrs der
Händler in Anspruch genpmmen würden, so gingen die
streitigen Abgaben über den Rahmen eines angemessenen
Entgelts für die durch den Abgabepflichtigen veranlassten Leistungen des Staates und damit einer wirklichen Gebühr nicht hinaus. Jedenfalls könne von einer
irg~ndwie drückenden Belastung nicht gesprochen werden: Geiser habe im Durchschnitt der letzten drei
Jahre im Schlachthof Zürich einen Umsatz von 8000
Kälbern, Sägesser einen solchen von 3000 Stück gehabt;
die von ihnen geforderten, anscheinend hohen Gesamtgebühren von rund 9000 und ::5000 Fr. machten 0,4 %
des Verkaufswertes der entsprechenden Viehware aus.
Tatsächlich würden die Umsatzgebühren übrigens vom
Händler einfach auf den Metzger und vom Metzger auf
die Konsumenten überwälzt, sodass letztere in Wahrheit die Last tragen. Selbst wenn der Abgabe Steuercharakter beigemessen werden sollte, so wäre damit angesichts der bisherigen Praxis, die das Doppelbesteuerungsverbot nur auf die allgemeinen Steuern, nicht auf
190
Staatsrecht.
Gewerbebewilligungsabgaben angewendet habe, der Rekurs noch nicht begründet. Es frage sich fernertob nicht
die bernische und die zürcherische Steuer verschiedene
Vorgänge träfen, nämlich in Bern den dortigen Anmut
in Zürich den Verkauf des Viehs im Kanton. Diese
Handänderungen bildeten das Steuerobjekt und nicht
die gehandelten Tiere.
D. -
Ebenso hat der Regierungsrat des Kantons
Bern für diesen Kanton das Recht zur Erhebung der
vollen konkordatsmässigen Umsatzgebühren von den
Rekurrenten ohne Rücksicht auf das Bestehen oder
Nichtbestehen eines Rechts Zürichs zum Bezuge ähnlicher Abgaben beansprucht.
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Die Frage der rechtlichen Natur der von den Viehhändlern für das Viehhandelspatent zu entrichtenden Grundtaxen und Umsatzgebühren, wie sie die Interkantonale Übereinkunft über die Ausübung des Viehhandels für das Konkordatsgebiet und analog das zürcheri.,che Gesetz vom 4. April 1922 für den Viehhandel im Kantonsgebiet vorsehen, ist vom Bundesgericht schon in dem von dem Rekurrenten angerufenen Urteile in Sachen Verband der aargauischen Viehhändler gegen Aargau vom 12. Mai 1922 geprüft und dahin entschieden worden, dass es sich nicht um wirkliche Gebühren, sondern um einer bestimmten Klasse von Gewerbetreibenden auferlegte (Sonder-}Steuern handle. Die Vernehmlassung des Kantons Zürich macht für die entgegengesetzte Auffassung keine Argumente geltend, welche nicht schon damals gewürdigt und als nicht schlüssig befunden worden wären, sodass zur Widerlegung statt weiterer Ausführungen einfach auf die Erwägungen des erwähnten Urteils verwiesen werden kann. Dass die Abgaben nicht in die allgemeine Staatskasse fallen, sondern zur Deckung von Ausgaben aus der Seuchenpolizei und von Seuchenschäden verwendet werden und dass die Patent-Doppelbesteuerung. N. 34. 191 erteilung zwecks Einschränkung der Seuchengefahr an die Erfüllung bestimmter Bedingungen durch den Bewerber geknüpft ist, deren Feststellung den Behörden eine gewisse Mühewalt verursachen mag, rechtfertigt eine andere Beurteilung, wie ebenfalls schon in jenem früheren Falle ausgeführt wurde, deshalb nicht, weil die Seuchenbekämpfung und -polizei im Interesse der Gesamtheit und nicht bloss in demjenigen der Viehhändler durchgeführt wird, es sich dabei um Leistungen, die zur Erfüllung einer allgemeinen staatlichen Aufgabe erfolgen, und nicht um einen zu Gunsten der betreffenden Gewerbetreibenden für ihre Bedürfnisse organisierten Dienst handelt.
E. 2 Andererseits glauben die Rekurrenten zu Unrecht,
dass mit dem Charakter der streitigen Abgaben als
Steuer im Gegensatz zu einer blossen Gebühr auch ihre
Unterstellung unter Art. 46 Abs. 2 BV und die aus dieser
Vorschrift abzuleitenden Regeln hinsichtlich der grundsätzlichen Zulässigkeit oder doch des statthaften Masses
einer gleichzeitigen Belastung desselben Steuerobjektes
durch mehrere Kantone ohne weiteres gegeben sei. Die
Praxis der Bundesbehörden seit 1848 in interkantonalen
Steuerkonflikten, die die Veranlassung zur Aufnahme
des Art. 46 Abs. 2 in die BV von 1874 gegeben hat, bezog
sich auf die allgemeinen direkten Steuern -
Vermögens-,
Einkommens-, Erwerbs-, Kopfsteuern- -
und die mit
der Vermögenssteuer verwandte Erbschaftssteuer. Das
Bundesgericht hat denn auch die Anwendung des Artikels auf andere indirekte Abgaben spezieller Art
Wagen-, Luxuspferde-, Hundesteuern, « Gewerbebewilligunsgebühren» -
mit einer noch zu erwähnenden
Ausnahme bisher stets abgelehnt, wobei der Begriff der
((Gewerbebewilligungsgebühren » im
weitesten,
auch
Auflagen, die nach der allgemeinen Verwaltungsrechtslehre unzweifelhaft zu den Steuern, nicht zulden wirklichen Gebühren gehören, umfassenden Sinne einer
Abgabe definiert wurde, die von einzelnen Gewerben -
192
Staatsrecht.
mit Inbegriff der freien, lediglich gewissen . polizeilichen
Einschränkungen nach Art. 31 litt. e BV unterworfenen
-- wegen der besonderen Inanspruchnahme der öffentlichen Polizei erhoben wird. Die Urteile i. S. der Internationalen Schlafwagengesellschaft und i. S. Esseiva gegen
'Vallis (AS 25 I S. 197 und 2G I S. 277), auf die die Rekurrenten sich berufen, stehen damit nicht in Widerspruch; sie beruhen auf der Annahme, dass die Gewerbesteuer nach § 18 ff. des Walliser Finanzgesetzes von 1874
sich in Wirklichkeit nicht als eine solche Gewerbebewilligungsgebühr, sondern als eine allgemeine Erwerbssteuer, ein auf Grund des Erwerbes des einzelnen Pflichtigen auf ihn verlegter direkter Beitrag an die Kosten
des Staatshaushaltes darstelle und sich von den in
anderen Kantonen bestehenden Steuern dieser Art nur
durch die besondere Art der Einschätzung unterscheide.
Dasselbe gilt für die Urteile i. S. der Versicherungsgesellschaft « Winterthur» und der Jura-Simplon-Bahn
gegen Genf in Bezug auf die genferische I(taxe municipale)J. Wenn zugegeben werden mag, dass roe erwähnte
Entstehungsgeschichte des Art. 46 Abs. 2 BV bei der
allgemeinen Fassung der Bestimmung selbst
einer
weiteren Ausdehnung des darin . ausgesprochenen Doppelbesteuerungsverbotes nicht zwingend entgegensteht
und wenn sich fragen mag, ob sich nicht dieselbe bei
einzelnen bisher davon ausgenommenen Abgaben mit
Rücksicht auf die seitherige 'Entwicklung der Verhältnisse vielleicht rechtfertigen Hesse, wie denn das Gericht
nach einer Richtung, in Bezug auf die Automobilsteuer
-
in der in Genf und Waadt bestehenden Ansgestaltung -. tatsächlich zu diesem Ergebnis gekommen ist
(AS 44 I S. 11), so ist doch jedenfalls bei Abgaben, wie
sie hier in Frage stehen, davon abzusehen.
Es handelt sich dabei nicht etwa um eine· besondere
Besitzessteuer, die an das Vorhandensehl gewisser Gegenstände im Vermögen einer Person anknüpfen würde
(wie es· der Rekurs Init der Formulierung: dasselbe
Doppelbesteuerung. N° 34.
193
Objekt (Stück Vieh) dürfe nicht beim gleichen Eigen;.
tÜffier. durch. zwei Kantone belastet werden, zu postulieren scheint), 'was sIch, abgesehen davon, dass die
Höhe der Abgabe vom Werte des angeblich besteuerten
Objektes durchaus unabhängig ist, schon darin zeigt,
das!' sie keineswegs von allen Viehbesi tzern, sondern
nur von den gewerbsmässigen Händlern mit Vieh erhoben wird, ebensowenig trotz des Namens « Umsatzgebühr »um eine Verkehrssteuer, die von einem bestimmten Vorgang des rechtlichen oder wirtschaftlichen Verkehrs (Handänderung von Vieh) erhoben würde. Denn
als solche müsste sie wiederum alle derartigen Handänderungen, nicht nur die von gewerbsmässigen Viehhändlern
abgeschlossenen Kaufverträge treffen. Besteuert wird
vielmehr die Ausübung einer bestimmten gewerblichen
Tätigkeit, die Vornahme dazu gehörender Handlungen
durch den Betriebsinhaber im betreffendeJl Steuergebiet und nur sie. und der Charakter der Abgabe
ist der einer besonderen Gewerbesteuer, die von den Angehörigen eines einzelnen Gewerbes neben den allgemeinen Steuern, denen sie wie alle anderen Bürger
unterliegen, bezogen wird. Diese Auffassung ihrer rechtlichen Natur liegt denn auch schon dem eingangs erwähnten Urteil i. S.des Verbandes aargauischer Vieh·
händler und dem nicht publizierten früheren i. S. Cuche
gegen Waadt vom 19. Sept. 1913 (das waadtlä~dis~he
Viehhandelsgesetz betreffend) zu Grunde. DamIt fallt
aber das Verhältuis unter die spezielle Bestimmung des
Art. 31 Abs. 2 litt. e BV. 'Venn hier gegenüber der allgemeinen Garantie des Abs. 1 « Verfügungen über die
Besteuerung des Gewerbebetriebes)) vorbehalten werden,
solange sie « den Grundsatz der Handels- ulld Gewerbefreiheit selbst nicht beeinträchtigen I), so ist dabei nicht
sowohl an die allgemeinen Steuern auf· Vermögen und
Erwerb der Staatsbürger gedacht, die, weil eine von der
Tatsache der Ausübung eines Gewerbes unabhängige
Belastung darstellend, ohnehin von der Schranke, welche
AS 50 I -
1924
14
194
Staatsrecht.
Art. 31 BV der kantonalen Staatsgewalt zieht, nicht
betroffen werden können. Vielmehr sollte den Kantonen
dadurch, wie unbestritten ist, gerade auch die Belegung
einzelner Gewerbe oder gewisser Betriebsformen eines
Gewerbes mit besonderen Abgaben .vorbehalten werden,
die nicht in einer verhältnismässigen Erhöhung der allgemeinen Steuern bestehen, sondern auf selbständiger
Grundlage beruhen, wobei sich allerdings aus Art. 4 BV
dem Grundsatz der Rechtsgleichheit, die Einschränkung
ergibt, dass die so entstehende Mehrbelastung gegenüber
anderen Gewerben nicht eine rein willkürliche sein darf,
sich durch sachliche Erwägungen muss rechtfertigen
lassen können. Als ein solcher zureichender Grund fiir
die Erhebung einer Sondersteuer ist aber immer u. a. die
Tatsache betrachtet worden, dass die Ausiibung des
belasteten Gewerbes wegen der damit verbundenen
Gefahren in besonderem Masse polizeiliche Schutzmassregeln und entsprechende Aufwendungen des Staates
nötig macht, wie es beim Viehhandel im Hinblick
auf die Gefahr der Seuchenverschleppung zutrifft. Ist
es dieser polizeiliche Gesichtspunkt, der die Erhebung
der Steuer veranlasst und rechtfertigt, so muss sie aber
auch überall da erhoben werden können, wo zum Betrieb
des betreffenden Gewerbes gehörende Handlungen, welche
die den polizeilichen Präventivrnassregeln rufende Gefahr mitbegründen, vorgenommen werden. Speziell kann
die Bezugsberechtigung danach bei Handelszweigen, bei
denen diese Gefahr mit beiden Teilen der Handelstätigkeit, dem Ankauf der Ware und dem Weiterverkaufe
bezw. der Lieferung derselben an die Abnehmer verbunden ist, wenn beide Tätigkeiten in verschiedenen
Kantonen vor sich gehen, nicht auf einen dieser Kantone,
denjenigen des An- oder Verkaufes oder gar des Geschäftssitzes des Händlers beschränkt sein. Die Folge
der kumulativen Belastung des interkantonalen Distanzhandels in allen I{antonen, auf deren Gebiet er sich erstreckt und mit Handlungen der erwähnten Art über-
Doppelbesteuerung. N- 34.
195
greift, ist daher mit der Zulassung der Abgabe als solcher
nach ihrem Wesen von vorneherein, notwendig gegeben.
Nachdem Art. 31 litt. e den Kantonen die Einführung
solcher Steuern, unter dem einzigen Vorbehalte, dass sie
den Grundsatz der Gewerbefreiheit selbst nicht beeinträchtigen dürfen, ausdrücklich gestattet, kann deshalb
auch der daraus für den interkantonalen Gewerbebetrieb sich ergebenden Erschwerung das allgemeine Doppelbesteuerungsverbot des Art. 46 Abs. 2 BV nicht entgegengehalten werden, sondern sich eine Schranke dagegen, sowohl grundsätzlich, was die Erhebung .der
Steuer in diesem oder jenem Kanton überhaupt betnfft,
als nach der Seite des Masses der Belastnng am einzelnen
Orte, nur aus jenem Vorbehalte ergeben. Auf diesen Bode~
hat sich denn auch das Bimdesgericht noch in neuerer Zel t
wiederholt gestellt. So im Urtcile i. S. Meier gegen Aarg~u
vom 18. Dezember 1913 (AS 39 I S.557) inBezug auf dIe
Verkaufssteuer vom Kleinverkaufe gebrannter Wasser,
in einem Falle, wo die bezügliche (Patentgebühr »)
vom Händler ausser im Kanton seines Geschäftssitzes
noch in einem anderen gefordert worden war, wohin er
Spirituosen geliefert hatte. Ferner in dem bereits erwähnten nicht publizierten Urteile i. S. Cuche gerade
auch für die heute streitigen Patenttaxen der Viehhändler (die sich nach dem waadtländischen Gestze
in ähnlicher \Veise wie nach dem Konkordat und dem
zürcherischen Gesetz nach dem Umsatze abstufen und
ebenfalls eine sehr beträchtliche Höhe erreichen können).
Es könnte daher auch im vorliegenden Falle die gleichzeitige Belegmlg der Reknrrenten mit Grundtaxen und
Umsatzgebühren in Bern für das Konkordatsgebiet, ':0
der Ankauf der Ware durch sie vor sich geht, und m
Zürich für die dort stattfindende Ablieferung des Viehs
an die Abnehmer nur aus dem Gesichtspunkte eines
Verstosses gegen den Grundsatz der Gewerbefreiheit.
wie ihn Art. 31 litt. e BV gegenüber derartigen Sonderstene.rn vorbehält, angeforhten werden. Dass hier ein
198
Staatsrecht.
solcher Verstoss vorliege, sei es weil die Abgaben im
einzelnen Steuergebiet oder zusammengererhnet wegen
ihrer Höhe prohibitiv wirken oder nach. ihrer Ausgestaltung und Bemessung im einzelnen Kanton auf eine
höhere Besteuerung (Sonderbelastung)dt's interkanto:.,;
nalen Handels als solchem gegenüber dem gleichartigen
interkantonalen Verkehr hinauslaufen würden oder
~ndlich weil die eine oder andere jener Tätigkeiten nicht
zu denjenigen Handlungen gehören würde, die nach der
Veranlassung der ratio der Steper deren Ausdehnung
darauf zu rechtfertigen vermögen, solange damit nicht
noch andere Betriebshandlungen im Kantonsgebiet Hand
in Hand gehen (vgl. über diese verschiedenen Ge...,ichtspunkte das zit. Urteil Meyer), machen aber die Rekurrenten nicht geltend, geschweige versuchen sie es irgendwie nachzuweisen. Da es sich dabei nicht um ein Versehen
in der Bezeichnung der anwendbaren Verfassungsvorschrift, sondern um tatsächliche Behauptungen handelt,
die notwendig zum Fundament einer -solchen Beschwerde
gehören würden, kann es nicht Sache des Bundesgerichts
sein, den Rekurs nach dieser Richtung zu ergänzen und
zu untersuchen, ob sich allenfalls die streitigen Steuerauflagen im einen oder anderen Kanton aus solchen ErwäglUlgen beanstanden liessen.
Dispositiv
- Der Rekurs wird abgewiesen. Doppelbesteuerung. N. 35.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
34. Urteil vom 91. Kärz 1994 i. S. Sigelser und Geiser
gegen Zürich und Bern.
.
Eine spezielle Gewerbesteuer auf dem Viehhandei (Grundtaxe und Umsatzgebiihr für jedes umgesetzte Stück Vieh)
fällt nicht unter das Verbot der Do.ppelbesteuerung, sondem steht nur unter den aus Art. 31 BV sich ergebenden
Schranken.
.
A. -
Die Rekurrenten Samuel Sägesser und J ohann
Geiser betreiben jeder für sich von ihrem 'Vohnsitz in
den bernischen Gemeinden Bützberg und Madiswil aus
den Viehhandel in der Weise, dass sie hauptsächlich im
Kanton Bern, in geringerem Masse auch in den Kantonen
Solothurn und Luzern Schlachtware aufkaufen oder durch
Unterhändler aufkaufen lassen und nach Zürich in den
Schlachthof an ihre Kunden, dortige Metzger, . liefern.
Zur Verteilung der Sendungen unter die Abnehmer und
zur Abrechnung mit diesen (wohl auch zur Entgegennahme neuer Bestellungen) begeben sie sich wöchentlich
einmal nach Zürich. Ein Bureau oder Stallungen, überhaupt Betriebseinrichtungen irgendwelcher Art .besitzen
sie dort unbestrittenermassen nicht.
Wegen des geschilderten Obergreifens ihrer Tätigkeit auf den Kanton Zürich wurden die Rekurrenten
schon unter der Herrschaft des alten zürcherischen Gesetzes betreffend den Viehverkehr von 1895 verhalten,
das darin für den gewerbsmässigen Betrieb des Viehhandels im Kanton geforderte Patent zu lösen und
haben die entsprechenden Patenttaxen, die mit Rücksicht auf den Umfang ihres Verkehrs jeweilen auf den
nach § 12 des Gesetzes zulässigen Maximalbetrag von
500 Fr. festgesetzt wurden, bis und mit 1922 anstandslos
bezahlt. Am 1. Juli 1922 trat im Kanton Zürich das
neue Gesetz über den gewerbsmässigen Viehhandel vom
4. April 1922 in Kraft. Danach bedarf «wer im KantOn'
gewerbsmässig Tiere des Pferde-, Rinder-, Schaf-:-. Zie-
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Staatsrecht.
gen- und Schweinegeschlechts kaufen. verkaufen, vertauschen oder vermitteln will, einer staatlichen Bewilligung » (Viehhandelspatent § 2). Sie setzt die. Erfüllung
bestimmter Erfordernisse durch den Bewerber (W ohnsitz oder Geschäftsdomizil in der Schweiz; guter Leumund namentlich auch hinsichtlich der Einhaltung der
tierseuchen-polizeilichen Vorschriften; wo es sich nicht
bloss um den Verkauf in Schlachthöfen handelt, ferner
den Besitz seuchenpolizeilich einwandfreier Stallungen)
Imd die Leistung einer Kaution voraus, die je nach der
Grösse des Umsatzes von 1000 bis 20,000 Fr. geht, und
wird jeweilen für das laufende Kalenderjahr erteilt
(§§ 3 bis 8). Über die damit verbundene Abgabepflicht
bestimmt
§ 9. « Für jede Bewilligung ist eine Grundtaxe und
eine Umsatzgebühr zu entrichten.
Die Grundtaxe beträgt:
a) für den Handel mit Kleinvieh 50 Fr.;
b) für den Handel mit Tieren des Rinder- und Pferdegeschlechtes 100 Fr.
Die Umsatzgebühr beträgt :
für jedes umgesetzte Stück Kleinvieh (Schaf, Ziege,
Schwein) ........ 50 Rp.
»
»
Kalb im Alter bis zu zwei
Monaten
1 Fr.
»»
»
Stück Rindvieh . . . . .
2 Fr.
l)
»
Pferd.
~ . . . . . . . . 5 Fr.
Um die Ermittlung des Umsatzes und die sonstige
polizeiliche Kontrolle des Geschäftsbetriebes zu ermöglichen, haben die Patentinhaber über ihren Viehverkehr
genaue Geschäftsverzeichnisse nach einem amtlich vorgeschriebenen Formular zu führen. Die Feststellung der
Umsatzgebühr erfolgt nach den §§ 8 und 12 der Ausführungsverordnung des Regierungsrates vom 20. Oktober 1922 bei erstmaligen Patenterteilungen auf Ende
des Jahres, bei Patenterneuerungen mit dieser nach dem
Umsatz des vorletzten Jahres. In Anwendung dieser
Doppelbesteuerung.. N° 34.
185
Vorschriften forderte die zürcherische Volkswirtschaftsdirektion für die Erneuerung der Patente pro 1923 als
Grundtaxe . und Umsatzgebühren vom Rekurrenten
Geiser 8820 Fr. und vom Rekurrenten Sägesser 3849 Fr.
Inzwischen war der Kanton Bern, in dem der Viehhandel bisher frei gewesen war, mit Wirkung ab 1. Januar 1923 der von den Kantonen Luzern, Baselland und
Aargau abgeschlossenen, vomBundesrat am 29. November
1921 genehmigten übereinkunft betreffend die Ausübung des Viehhandels (Viehhandelskonkordat) beigetreten, dem heute ausserdem noch Solothurn und Basel-Stadt angehören. Es sieht für den Betrieb des Viehhandels
im Konkordatsgebiete, der als « der gewerbsmässige An- und Verkauf, sowie Tausch von Tieren des Pferde-,
Rindvieh-, Schaf-, Ziegen- und Schweinegeschlechts und
die gewerosmässige Vermittlung solcher Geschäfte»
definiert wird, ebenfalls den Besitz eines Patents «(Viehhandelsausweises)l) vor, der, sofern der Händler seinen
Wohnsitz oder sein Hauptgeschäftsdomizil in einem
Konkordatskanton hat, von der zuständigen Behörde
dieses Kantons mit Giltigkeit für das ganze Konkordatsgebiet ausgestellt wird, von analogen Bedingungen persönlicher und sachlicher Art wie im zür~herischen Gesetz
und von der Stellung einer Kaution abhängig gemacht
ist, die im einzelnen Falle innert der durch das Konkordat bestimmten Mindest- lind Höchstansätze festgesetzt wird. Nach § 8 sind für die Erteilung und Erneuerung der Viehhandelsausweise ausser der Kanzleigebühr pro Jahr folgende Gebührell zu entrichten: 1. eine
Grundtaxe, die für Händler mit Grossvieh und Pferden
100 Fr., für Händler mit Kleinvieh 50 Fr. beträgt.
2. Eine Umsatzgebühr für den Umsatz im gesamten
Gebiete der Übereinkunft, die minimal pro umgesetztes Stück Rindvieh 1 Fr., Kleinvieh (Schafe, Ziegen
und Schweine über 8 Wochen) 50 Rp., Ferkel (Schweine
unter 8 Wochen) 20 Rp. und Pferde 5 Fr. beträgt;
die Kantone sind berechtigt, auf das Doppelte. dieser
186
Staatsrecht.
Ansätze zu gehen und zu bestimmen, dass in der Grundtaxe die Gebühren für einen gewissen Umsatz inbegriffen
seien. Von beiden Möglichkeiten hat der Grosse Rat des
Kantons Bern Gebrauch gemacht, indem er in dem
Dekret vom 12. September 1922, womit er den Beitritt
zum Konkordat beschloss, die Umsatzgebühr für Pferde
auf 10 (statt 5 Fr.) festsetzte, andererseits bestimmte,
dass in der Grundtaxe für die Kleinviehhändler die Um-
sal zgebühren für 100 Stück inbegriffen seien. Infolgedessen mussten die Rekurrenten auch im Kanton Bern
pro 1923 ein Patent (Viehhandelsausweis) lösen und
werden dort ausser der Grundtaxe mit den durch das
Konkordat und kantonale Dekret vorgesehenen Umsatzgebühren für jedes im Konkordatsgebiet aufgekaufte Stück Vieh ohne Rücksicht auf den Ort, wohin
es beim Weiterverkauf gebefert wird, belastet.
Sie bestritten deshalb die Pflicht zur Bezahlung der
in Zürich von ihnen geforderten Grundtaxe und Umsatzgebühren (wobei sie sich immerhin bereit erklärten, aus
freien Stücken und ohne Präjudiz Hir die Zukunft eine
feste Taxe von maximal 500 Fr. zu entrichten), indem sie
geltend machten : nach dem Urteile des Bundesgerichts
in Sachen Verband aargauischer Vichhändler gegen
Grossen. Rat des Kantons Aargau vom 12. Mai 1922
(AS.m I S. 269ff.}stellten sich diegemäss dem Konkordat
fiir die Viehhandelsbewilligung zu zahlenden Grundtaxen und Umsatzgebühren nicht als wirkliche Gebühren, sondern als von einem bestimmtel: Gewerbezweige erhobene Sondersteuern dar, was auch für die
durchaus gleichartigen Auflagen des neuen zürcherischen
Viehhandelsgesetzes zutreffen müsse. Als Steuern könnten sie aber nach Art. 46 BV vom gleichen Objekte,
bezw. der gleichen geschäftlichen Transaktion (An- und Weiterverkauf eines bestimmten Stückes Vieh) nur
einmal erhoben werden, wobei' die Bezugsberechtigung
nach der bundesgerichtlichen Praxis dem Kanton des
Wohnsitzes bezw. Geschäftssitzes des Händlers zu-
Doppelbesteuerunc. N· 34.
187
stehen müsse. Die Rekurrenten könnten somit dazu im
Kanton Zürich nur dann herangezogen werden, wenn
sie bier eine Geschäftsniederlassung und damit ein
sekundäres Steuerdomizil im Sinne jener Praxis, ständige
körperliche Anlagen oder Einrichtungen besässen, mil.-
telst deren sich ein 'wesentHcher Teil ihres Geschäftsbetriebes abspiele, was nicht der Fall sei. Wenn dicse
Grundsätze vom Bundesgericht zunächst für die alJgemeinen direkten Steuern (Vermögens-, Einkornmens- und Erwerbssteuern) entwickelt
worden
seien,
so
müssten sie doch auch auf indirekte Angaben der vorliegenden. Art nicht weniger Anwendung finden. Art. 46
Abs. 2 BV laute allgemein und schliesse die Doppelbesteuerung schlechthin, nicht nur für bestimmte Steuerarten aus. Eine solche würde aber durch die Erhebung
von Grundtaxen und Umsatzgebühren im Kanton des
Wohnsitzes bezw. Geschäftsdomizils des Händlers und
in dem Kanton, wohin er die angekaufte Ware liefere,
notwendig eintreten.
Die zürcherische Volkswirtschaftsdirektion beharrte
jedoch auf der angefochtenen Auflage und ein dagegen
erhobener Rekurs wurde vom Regierungsrat des Kantons Zürich am 13. September 1923 mit der Begründung
abgewiesen: da der Kanton Zürich dem Viehhandelskonkordat nicht beigetreten sei, bedürften die Rekurrenten, um den Viehhandel im Kanton zu betreibcn,
des im kantonalen Gesetz vom 4. April 1922 vorgeschriebenen Patents. Die Höhe der Gebühr dafür seI in § 9 des
Gesetzes festgelegt. Eine Ausnahmestellung hinsichtlich
der Gebührenfestsetzung, wie sie in der Rekursschrift
beansprucht werde, sei gesetzlich unzulässig.
Sollte
das Bundesgericht dazu kommen, die gleichzeitige Erhebung von Patentgebühren durch Bern und Zürich
als Doppelbesteuerung aufzufassen, so werde es auch
Grundsätze für eine Steuerausscheidung festsetzen müssen. Heute beständen solche Grundsätze nicht.
B. -
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 3Ö. Ok-
188
Staatsrecht.
tober 1923 haben darauf Sägesser und Geiser beim
Bundesgericht unter Berufung auf Art. 46 Abs. 2 BV
die Begehren gestellt, es sei :
1. der Beschluss des zürcherischen Regierungsrates
vom
13. September 1923 aufzuheben und auszusprechen, dass der Kanton Zürich nicht berechtigt sei,
von den RekUlrenten für ihren Viehhandel Patent- und
Umsatzgebühren zu erheben und dass er die auf Zwang
hin, unter Vorbehalt vorläufig bezahlten Beträge zurückzuerstatten habe;
2. eventuell zu bestimmen, in welchem Verhältnis
und in welchem Umfange die Kantone Bern und Zürich
an den von den Rekurrenten zu bezahlenden Umsatzgebühren berechtigt seien.
Sie halten an der bereits im kantonalen Verfahren
vor den zürcherischen Behörden vertretenen Rechtsauffassung fest. Sollte entgegen derselben angenommen
werden, dass die Rekurrenten durch den von ihnen ausgeübten Viehhandel auch zum Kanton Zürich in einer
Beziehung stehen, die sie seiner Steuerhoheit für die in
Betracht fallenden Abgaben unterwerfe, so dürften jedenfalls, entsprechend dem Zweck des Doppelbesteuerungsverbots zu verhindern, dass dem Pflichtigen aus seiner
wirtschaftlichen Verbindung mit mehreren Kantonen
ein Nachteil, eine stärkere Belastung erwachse, als wenn
er nur der Hoheit eines vQn ihnen unterstände, die
Rekurrenten
nicht in bei den Kantonen mit
der
vollen Steuer, sondern nur mit einem Teil derselben
belastet werden, der der in jedem ausgeübten geschäftlichen Tätigkeit entspreche, und insgesamt nicht mit
einer höheren Summe, als sie zu bezahlen wäre, wenn die
gesamte Handelstätigkeit ausschliesslich im Domizilkanton vor sich ginge. Die Ausscheidung wäre demnach
richtiger Weise so vorzunehmen, dass die zürcherischen
Abgaben auf eine jenem Verhältnis entsprechende
Quote der Gesamtsumme beschränkt würden, die Bern
nach seinem Recht unter der letzteren Voraussetzung
erheben könnte.
DoppelbesteueniIig. N° 34.
189
C . ...:....:.. Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat auf
Abweisung der Beschwerde angetragen. Er weist darauf
hin,. dass die im zürcherischen Viehhandelsgeselz vor- .
gesehenen Grundtaxen und Umsatzgebühren nicht zur
Bestreitung des allgemeinen öffentlichen Finanzbedarfes
dienen, sondern je zur Hälfte in den kantonalen Tierseuchen- und Tierversicherungsfonds fallen (§' 10 des
kantonalen Gesetzes betreffend die obligatorische Viehversicherung und die Entschädigung für Tierverlust
durch Seuchen). Bedenke man weiter, in welchem Umfange die Behörden durch die Feststellung der Erfordernisse für die Patenterteilring (Untersuchung der Leumundsverhältnisse und Führung der dazu nötigen Vorstrafenverzeichnisse über die übertretung der sanitäts- und
gewerbep~lizeilichen Vorschriften; Prüfung der
Güte der anerbotenen Kautionen;
Iilspektionder
Händlerstallungen und der Desinfektionseiilrichtungen
der Viehtransportwagen usw.) sowie durch die polizeiliche Überwachu,ng des ganzen Viehverkehrs der
Händler in Anspruch genpmmen würden, so gingen die
streitigen Abgaben über den Rahmen eines angemessenen
Entgelts für die durch den Abgabepflichtigen veranlassten Leistungen des Staates und damit einer wirklichen Gebühr nicht hinaus. Jedenfalls könne von einer
irg~ndwie drückenden Belastung nicht gesprochen werden: Geiser habe im Durchschnitt der letzten drei
Jahre im Schlachthof Zürich einen Umsatz von 8000
Kälbern, Sägesser einen solchen von 3000 Stück gehabt;
die von ihnen geforderten, anscheinend hohen Gesamtgebühren von rund 9000 und ::5000 Fr. machten 0,4 %
des Verkaufswertes der entsprechenden Viehware aus.
Tatsächlich würden die Umsatzgebühren übrigens vom
Händler einfach auf den Metzger und vom Metzger auf
die Konsumenten überwälzt, sodass letztere in Wahrheit die Last tragen. Selbst wenn der Abgabe Steuercharakter beigemessen werden sollte, so wäre damit angesichts der bisherigen Praxis, die das Doppelbesteuerungsverbot nur auf die allgemeinen Steuern, nicht auf
190
Staatsrecht.
Gewerbebewilligungsabgaben angewendet habe, der Rekurs noch nicht begründet. Es frage sich fernertob nicht
die bernische und die zürcherische Steuer verschiedene
Vorgänge träfen, nämlich in Bern den dortigen Anmut
in Zürich den Verkauf des Viehs im Kanton. Diese
Handänderungen bildeten das Steuerobjekt und nicht
die gehandelten Tiere.
D. -
Ebenso hat der Regierungsrat des Kantons
Bern für diesen Kanton das Recht zur Erhebung der
vollen konkordatsmässigen Umsatzgebühren von den
Rekurrenten ohne Rücksicht auf das Bestehen oder
Nichtbestehen eines Rechts Zürichs zum Bezuge ähnlicher Abgaben beansprucht.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1. -
Die Frage der rechtlichen Natur der von den
Viehhändlern für das Viehhandelspatent zu entrichtenden
Grundtaxen und Umsatzgebühren, wie sie die Interkantonale Übereinkunft über die Ausübung des Viehhandels für das Konkordatsgebiet und analog das zürcheri.,che Gesetz vom 4. April 1922 für den Viehhandel
im Kantonsgebiet vorsehen, ist vom Bundesgericht
schon in dem von dem Rekurrenten angerufenen Urteile
in Sachen Verband der aargauischen Viehhändler gegen
Aargau vom 12. Mai 1922 geprüft und dahin entschieden
worden, dass es sich nicht um wirkliche Gebühren, sondern
um einer bestimmten Klasse von Gewerbetreibenden
auferlegte (Sonder-}Steuern handle. Die Vernehmlassung
des Kantons Zürich macht für die entgegengesetzte Auffassung keine Argumente geltend, welche nicht schon
damals gewürdigt und als nicht schlüssig befunden
worden wären, sodass zur Widerlegung statt weiterer
Ausführungen einfach auf die Erwägungen des erwähnten Urteils verwiesen werden kann. Dass die Abgaben
nicht in die allgemeine Staatskasse fallen, sondern zur
Deckung von Ausgaben aus der Seuchenpolizei und von
Seuchenschäden verwendet werden und dass die Patent-Doppelbesteuerung. N. 34.
191
erteilung zwecks Einschränkung der Seuchengefahr an
die Erfüllung bestimmter Bedingungen durch den Bewerber geknüpft ist, deren Feststellung den Behörden
eine gewisse Mühewalt verursachen mag, rechtfertigt
eine andere Beurteilung, wie ebenfalls schon in jenem
früheren Falle ausgeführt wurde, deshalb nicht, weil die
Seuchenbekämpfung und -polizei im Interesse der Gesamtheit und nicht bloss in demjenigen der Viehhändler
durchgeführt wird, es sich dabei um Leistungen, die zur
Erfüllung einer allgemeinen staatlichen Aufgabe erfolgen, und nicht um einen zu Gunsten der betreffenden
Gewerbetreibenden für ihre Bedürfnisse organisierten
Dienst handelt.
2. -
Andererseits glauben die Rekurrenten zu Unrecht,
dass mit dem Charakter der streitigen Abgaben als
Steuer im Gegensatz zu einer blossen Gebühr auch ihre
Unterstellung unter Art. 46 Abs. 2 BV und die aus dieser
Vorschrift abzuleitenden Regeln hinsichtlich der grundsätzlichen Zulässigkeit oder doch des statthaften Masses
einer gleichzeitigen Belastung desselben Steuerobjektes
durch mehrere Kantone ohne weiteres gegeben sei. Die
Praxis der Bundesbehörden seit 1848 in interkantonalen
Steuerkonflikten, die die Veranlassung zur Aufnahme
des Art. 46 Abs. 2 in die BV von 1874 gegeben hat, bezog
sich auf die allgemeinen direkten Steuern -
Vermögens-,
Einkommens-, Erwerbs-, Kopfsteuern- -
und die mit
der Vermögenssteuer verwandte Erbschaftssteuer. Das
Bundesgericht hat denn auch die Anwendung des Artikels auf andere indirekte Abgaben spezieller Art
Wagen-, Luxuspferde-, Hundesteuern, « Gewerbebewilligunsgebühren» -
mit einer noch zu erwähnenden
Ausnahme bisher stets abgelehnt, wobei der Begriff der
((Gewerbebewilligungsgebühren » im
weitesten,
auch
Auflagen, die nach der allgemeinen Verwaltungsrechtslehre unzweifelhaft zu den Steuern, nicht zulden wirklichen Gebühren gehören, umfassenden Sinne einer
Abgabe definiert wurde, die von einzelnen Gewerben -
192
Staatsrecht.
mit Inbegriff der freien, lediglich gewissen . polizeilichen
Einschränkungen nach Art. 31 litt. e BV unterworfenen
-- wegen der besonderen Inanspruchnahme der öffentlichen Polizei erhoben wird. Die Urteile i. S. der Internationalen Schlafwagengesellschaft und i. S. Esseiva gegen
'Vallis (AS 25 I S. 197 und 2G I S. 277), auf die die Rekurrenten sich berufen, stehen damit nicht in Widerspruch; sie beruhen auf der Annahme, dass die Gewerbesteuer nach § 18 ff. des Walliser Finanzgesetzes von 1874
sich in Wirklichkeit nicht als eine solche Gewerbebewilligungsgebühr, sondern als eine allgemeine Erwerbssteuer, ein auf Grund des Erwerbes des einzelnen Pflichtigen auf ihn verlegter direkter Beitrag an die Kosten
des Staatshaushaltes darstelle und sich von den in
anderen Kantonen bestehenden Steuern dieser Art nur
durch die besondere Art der Einschätzung unterscheide.
Dasselbe gilt für die Urteile i. S. der Versicherungsgesellschaft « Winterthur» und der Jura-Simplon-Bahn
gegen Genf in Bezug auf die genferische I(taxe municipale)J. Wenn zugegeben werden mag, dass roe erwähnte
Entstehungsgeschichte des Art. 46 Abs. 2 BV bei der
allgemeinen Fassung der Bestimmung selbst
einer
weiteren Ausdehnung des darin . ausgesprochenen Doppelbesteuerungsverbotes nicht zwingend entgegensteht
und wenn sich fragen mag, ob sich nicht dieselbe bei
einzelnen bisher davon ausgenommenen Abgaben mit
Rücksicht auf die seitherige 'Entwicklung der Verhältnisse vielleicht rechtfertigen Hesse, wie denn das Gericht
nach einer Richtung, in Bezug auf die Automobilsteuer
-
in der in Genf und Waadt bestehenden Ansgestaltung -. tatsächlich zu diesem Ergebnis gekommen ist
(AS 44 I S. 11), so ist doch jedenfalls bei Abgaben, wie
sie hier in Frage stehen, davon abzusehen.
Es handelt sich dabei nicht etwa um eine· besondere
Besitzessteuer, die an das Vorhandensehl gewisser Gegenstände im Vermögen einer Person anknüpfen würde
(wie es· der Rekurs Init der Formulierung: dasselbe
Doppelbesteuerung. N° 34.
193
Objekt (Stück Vieh) dürfe nicht beim gleichen Eigen;.
tÜffier. durch. zwei Kantone belastet werden, zu postulieren scheint), 'was sIch, abgesehen davon, dass die
Höhe der Abgabe vom Werte des angeblich besteuerten
Objektes durchaus unabhängig ist, schon darin zeigt,
das!' sie keineswegs von allen Viehbesi tzern, sondern
nur von den gewerbsmässigen Händlern mit Vieh erhoben wird, ebensowenig trotz des Namens « Umsatzgebühr »um eine Verkehrssteuer, die von einem bestimmten Vorgang des rechtlichen oder wirtschaftlichen Verkehrs (Handänderung von Vieh) erhoben würde. Denn
als solche müsste sie wiederum alle derartigen Handänderungen, nicht nur die von gewerbsmässigen Viehhändlern
abgeschlossenen Kaufverträge treffen. Besteuert wird
vielmehr die Ausübung einer bestimmten gewerblichen
Tätigkeit, die Vornahme dazu gehörender Handlungen
durch den Betriebsinhaber im betreffendeJl Steuergebiet und nur sie. und der Charakter der Abgabe
ist der einer besonderen Gewerbesteuer, die von den Angehörigen eines einzelnen Gewerbes neben den allgemeinen Steuern, denen sie wie alle anderen Bürger
unterliegen, bezogen wird. Diese Auffassung ihrer rechtlichen Natur liegt denn auch schon dem eingangs erwähnten Urteil i. S.des Verbandes aargauischer Vieh·
händler und dem nicht publizierten früheren i. S. Cuche
gegen Waadt vom 19. Sept. 1913 (das waadtlä~dis~he
Viehhandelsgesetz betreffend) zu Grunde. DamIt fallt
aber das Verhältuis unter die spezielle Bestimmung des
Art. 31 Abs. 2 litt. e BV. 'Venn hier gegenüber der allgemeinen Garantie des Abs. 1 « Verfügungen über die
Besteuerung des Gewerbebetriebes)) vorbehalten werden,
solange sie « den Grundsatz der Handels- ulld Gewerbefreiheit selbst nicht beeinträchtigen I), so ist dabei nicht
sowohl an die allgemeinen Steuern auf· Vermögen und
Erwerb der Staatsbürger gedacht, die, weil eine von der
Tatsache der Ausübung eines Gewerbes unabhängige
Belastung darstellend, ohnehin von der Schranke, welche
AS 50 I -
1924
14
194
Staatsrecht.
Art. 31 BV der kantonalen Staatsgewalt zieht, nicht
betroffen werden können. Vielmehr sollte den Kantonen
dadurch, wie unbestritten ist, gerade auch die Belegung
einzelner Gewerbe oder gewisser Betriebsformen eines
Gewerbes mit besonderen Abgaben .vorbehalten werden,
die nicht in einer verhältnismässigen Erhöhung der allgemeinen Steuern bestehen, sondern auf selbständiger
Grundlage beruhen, wobei sich allerdings aus Art. 4 BV
dem Grundsatz der Rechtsgleichheit, die Einschränkung
ergibt, dass die so entstehende Mehrbelastung gegenüber
anderen Gewerben nicht eine rein willkürliche sein darf,
sich durch sachliche Erwägungen muss rechtfertigen
lassen können. Als ein solcher zureichender Grund fiir
die Erhebung einer Sondersteuer ist aber immer u. a. die
Tatsache betrachtet worden, dass die Ausiibung des
belasteten Gewerbes wegen der damit verbundenen
Gefahren in besonderem Masse polizeiliche Schutzmassregeln und entsprechende Aufwendungen des Staates
nötig macht, wie es beim Viehhandel im Hinblick
auf die Gefahr der Seuchenverschleppung zutrifft. Ist
es dieser polizeiliche Gesichtspunkt, der die Erhebung
der Steuer veranlasst und rechtfertigt, so muss sie aber
auch überall da erhoben werden können, wo zum Betrieb
des betreffenden Gewerbes gehörende Handlungen, welche
die den polizeilichen Präventivrnassregeln rufende Gefahr mitbegründen, vorgenommen werden. Speziell kann
die Bezugsberechtigung danach bei Handelszweigen, bei
denen diese Gefahr mit beiden Teilen der Handelstätigkeit, dem Ankauf der Ware und dem Weiterverkaufe
bezw. der Lieferung derselben an die Abnehmer verbunden ist, wenn beide Tätigkeiten in verschiedenen
Kantonen vor sich gehen, nicht auf einen dieser Kantone,
denjenigen des An- oder Verkaufes oder gar des Geschäftssitzes des Händlers beschränkt sein. Die Folge
der kumulativen Belastung des interkantonalen Distanzhandels in allen I{antonen, auf deren Gebiet er sich erstreckt und mit Handlungen der erwähnten Art über-
Doppelbesteuerung. N- 34.
195
greift, ist daher mit der Zulassung der Abgabe als solcher
nach ihrem Wesen von vorneherein, notwendig gegeben.
Nachdem Art. 31 litt. e den Kantonen die Einführung
solcher Steuern, unter dem einzigen Vorbehalte, dass sie
den Grundsatz der Gewerbefreiheit selbst nicht beeinträchtigen dürfen, ausdrücklich gestattet, kann deshalb
auch der daraus für den interkantonalen Gewerbebetrieb sich ergebenden Erschwerung das allgemeine Doppelbesteuerungsverbot des Art. 46 Abs. 2 BV nicht entgegengehalten werden, sondern sich eine Schranke dagegen, sowohl grundsätzlich, was die Erhebung .der
Steuer in diesem oder jenem Kanton überhaupt betnfft,
als nach der Seite des Masses der Belastnng am einzelnen
Orte, nur aus jenem Vorbehalte ergeben. Auf diesen Bode~
hat sich denn auch das Bimdesgericht noch in neuerer Zel t
wiederholt gestellt. So im Urtcile i. S. Meier gegen Aarg~u
vom 18. Dezember 1913 (AS 39 I S.557) inBezug auf dIe
Verkaufssteuer vom Kleinverkaufe gebrannter Wasser,
in einem Falle, wo die bezügliche (Patentgebühr »)
vom Händler ausser im Kanton seines Geschäftssitzes
noch in einem anderen gefordert worden war, wohin er
Spirituosen geliefert hatte. Ferner in dem bereits erwähnten nicht publizierten Urteile i. S. Cuche gerade
auch für die heute streitigen Patenttaxen der Viehhändler (die sich nach dem waadtländischen Gestze
in ähnlicher \Veise wie nach dem Konkordat und dem
zürcherischen Gesetz nach dem Umsatze abstufen und
ebenfalls eine sehr beträchtliche Höhe erreichen können).
Es könnte daher auch im vorliegenden Falle die gleichzeitige Belegmlg der Reknrrenten mit Grundtaxen und
Umsatzgebühren in Bern für das Konkordatsgebiet, ':0
der Ankauf der Ware durch sie vor sich geht, und m
Zürich für die dort stattfindende Ablieferung des Viehs
an die Abnehmer nur aus dem Gesichtspunkte eines
Verstosses gegen den Grundsatz der Gewerbefreiheit.
wie ihn Art. 31 litt. e BV gegenüber derartigen Sonderstene.rn vorbehält, angeforhten werden. Dass hier ein
198
Staatsrecht.
solcher Verstoss vorliege, sei es weil die Abgaben im
einzelnen Steuergebiet oder zusammengererhnet wegen
ihrer Höhe prohibitiv wirken oder nach. ihrer Ausgestaltung und Bemessung im einzelnen Kanton auf eine
höhere Besteuerung (Sonderbelastung)dt's interkanto:.,;
nalen Handels als solchem gegenüber dem gleichartigen
interkantonalen Verkehr hinauslaufen würden oder
~ndlich weil die eine oder andere jener Tätigkeiten nicht
zu denjenigen Handlungen gehören würde, die nach der
Veranlassung der ratio der Steper deren Ausdehnung
darauf zu rechtfertigen vermögen, solange damit nicht
noch andere Betriebshandlungen im Kantonsgebiet Hand
in Hand gehen (vgl. über diese verschiedenen Ge...,ichtspunkte das zit. Urteil Meyer), machen aber die Rekurrenten nicht geltend, geschweige versuchen sie es irgendwie nachzuweisen. Da es sich dabei nicht um ein Versehen
in der Bezeichnung der anwendbaren Verfassungsvorschrift, sondern um tatsächliche Behauptungen handelt,
die notwendig zum Fundament einer -solchen Beschwerde
gehören würden, kann es nicht Sache des Bundesgerichts
sein, den Rekurs nach dieser Richtung zu ergänzen und
zu untersuchen, ob sich allenfalls die streitigen Steuerauflagen im einen oder anderen Kanton aus solchen ErwäglUlgen beanstanden liessen.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Der Rekurs wird abgewiesen.
Doppelbesteuerung. N. 35.