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50_II_119

BGE 50 II 119

Bundesgericht (BGE) · 1924-01-01 · Deutsch CH
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Erbreclrt. N° 23.

fran~a.ise (art. 502) tantöt de l'expression allemande

(art. 501), on constate, en effet, que cette diatinctioa

n'est pas reproduite, et qu'au 1ien de considmr la aigna-

ture comme un element qui viendrait s'ajouter ä ratte.

tation, il l'envisage simplement comme le mogen· par

lequel les temoins manifesteront leur volonte de confir-

mer la realite des laits qu'ils sont appeles ä attester

autrement dit comme une forme d'attestation suffilJall~

Or des l'instant que !'un des textes legaux autorise ~tte

interpretation, il convient evidemment d'y donner la

preference.

Que cette forme d'attestation s'adapte a la forme du

testament prevue aux art. 500 et 501 Ce, cela n'est pas

contestable. Aussi bien, de par la force des choses, les

temoins, qui n'ont a intervenir qu'une fois le testament

proprement dit redige et clöture, se trouveront-ils alors

devant un texte qui se bornera en general a rappeier

les faits qu'ils ont a certifier, et le fait d'apposer leur

signature au pied de ce texte constituera evidemment

,une manifestation suffisante de leur volonte ..

La question est plus delicate en ce qui concerne le

testament prevu a l'art. 502. Il se pourra, en effet, que

le testament renferme de nomhreuses dispositions et que

les faits a certifier ne soient pas tous groupes au bas de

l'acte. Or s'il ne ressort pas de l'acte que le notaire a

pris soin d'attirer l'attenti9n des temoins sur les faits

qu'ils sont appeIes a certifier, un doute pourra naitre

sur le point de savoir si les temoins se sont rendus compte

de l'importance de leur mission. Ainsi, si tant est qu'il

faille admettre que, m~me en cas de testament redige

dans la forme prevue a l'art. 502 Cc, une signature puisse

tenir lieu d'attestation, encore resteril-t-il a rechercher

dans chaque cas si par sa teneur ou sa disposition l'acte

revele l'existence d'un rapport suffisant entre la signature

et les constatations qu'il renferme.

En l'espece, etant donnee la place respective du mot

t(Iu J) et des signatures, on doit admettre que les temoins

Sachenrecht. N0 24.

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ont bien entendu certifier la realite de la lecture de l'acte,

et ainsi Ie testament apparait-il en definitive comme

conforme aux prescriptions legales,

Le Tribunal lideral prononce:

Le recours est admis et le jugement attaque reforme

en ce sens que les conclusions de la demanderesse sont

rejetees.

IV. SACHENRECHT

DROITS REELS

24. lJrteU der II. ZivilabteUung vom 14. Kai 19a4

i. S. Alpgenossenschaften Öschinenholz, Inner-Öachinen

und Öschinen-Sche.fberg gegen Sta.a.t Dem.

Art. 6 6 1 Z G B fordert zur Ersitzung zehnjäbrigen Besitz

sei t der Ein t rag u n g im Grundbuch.

A. -

Bei der Bereinigung des Grundbuches von Kan-

dersteg wurde für den Öschinensee ein Grundstückblatt

errichtet und es wurden die drei 'beklagten Alpgenossen-

schaften, ehedem eine einzige Genossenschaft, der seit

unvordenklicher Zeit die umliegenden Alpweiden ge-

hörten, als Eigentümer des Sees eingetragen. Das be-

reinigte kantonale Grundbuch trat für die Gemeinde

Kandersteg am 1. August 1912, das in bezug auf den

erwähnten Eintrag damit übereinstimmende schweize-

rische Grundbuch am 1. August 1922 in Kraft. Seither

wurden auf Grund einer Einigung der drei Alpgenossen-

schaften, dass der See zur Alp Öschinenholz gehöre,

·die Alpgenossenschaften Inner-Öschinen und Öschinen-

Schafberg ~ls Eigentümer gelöscht.

Entgegen diesem Grundbucheintrag nimmt der Staat

120

Sachenrecht. N0 24.

Bern als Rechtsnachfolger der Stadt Bern gestützt auf

den von dieser im Jahre 1400 mit dem Ritter Anton

zum Thurm abgeschlossenen Kauf über die Herrschaft

Frutigen das Privateigentum am Öschinensee für sich

in Anspruch. Am 3. Juli 1922 erwirkte er gemäss Art.

961 Ziffer 1 ZGB die vorläufige EintragtJ.ng seines be-

haupteten Rechts im Grundbuch und reichte sodann

binnen der ihm zur gerichtlichen Geltendmachungdie-:-

ses Rechts gesetzten Frist Klage ein mit dem Begehren,

dass er als Eigentümer des Öschinensees erklärt und

demgemäss seine Eintragung als solcher im Grundbuch

angeordnet und die Löschung des entgegenstehenden

Eintrags der Beklagten verfügt werde.

. Die Beklagten beantragten die Abweisung der Klage.

SIe bestritten, dass die Stadt Bern und von ihr der

Kläger jemals das privatrechtliche Eigentum am See

erworben habe; eventuell machten sie für sich die Er-

sitzung geltend.

~.-Durch Urteil vom 18. Januar'l924 hat der Appel-

latIonshof des Kantons Bern die Klage zugesprochen.

~: ~ Gegen dieses Urteil haben die Beklagten recht-

zeItIg die Berufung an das Bundesgericht erklärt mit dem

Antrag auf Abweisung der Klage, eventuell auf Rück-

weisung der Sache an das kantonale Gericht zur Akten-

v~~ol~tändigung und neuen Entscheidung. In der

mundlIchen Verhandlung h31ben sie diesen Antrag er-

neuert. Der Berufungsbeklagte hat auf Abweisung der

Berufung angetragen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

(Streitwert.)

2. -

Durch das in Fragen des kantonalen Rechts end-

~ltige U~il. der Vorinstanz steht für das Bundesge-

ncht verbmdlIch fest, dass der Kläger unter der Herr-

S~haft des ~antonalen Rechtsprivatrechtlicher Eigen-

tumer des Öschinensees geworden und bis zum Inkraft-

treten des schweizerischen Zivilgesetzbuches geblieben

Sachenrecht. N° 24.

121

ist. Die Prüfung des Bundesgerichts beschränkt sich

daher, wie auch die Berufung anerkennt, auf die Frage,

ob die Beklagten seither nach Massgabe von Art. 661

. ZGB das Eigentum am See ersessen haben.

Diese Frage ist, abgesehen von andern Gründen,

schon darum zu verneinen, weil seit der am 1. August

1912 in Kraft getretenen Eintragung der Beklagten im

Grundbuch bis zu der die Vollendung einer allfällig be-

gonnenen Ersitzung hindernden richterlichen Verfügung

vom 3. Juli 1922 keine zehn Jahre verstrichen sind.

Entgegen der in den Kommentaren von WIELAND und

LEEMANN vertretenen Auffassung nämlich, dass das

zeitliche Erfordernis des Art. 661 ZGB nur für den Be-

sitz. nicht auch für den Grundbucheintrag gelte, die

vor der Eintragung verstrichene Zeit gutgläubigen un-

angefochtenen Besitzes also für die Ersitzungsfrist mit-

zähle, muss nach Sinn und Zweck der Bestimmung

zehnjähriger Besitz sei t der Ein t rag u n g ver-

langt werden. Die Ersitzung nach Art. 661 ZGB bildet

das Korrektiv zu dem durch Art. 975 sanktionierten

Grundsatz, dass der ungerechtfertigte, d. h. ohne Rechts-

grund oder aus einem unverbindlichen Rechtsgeschäft

(Art. 974) erfolgte Eintrag dem Eiugetragenen selbst

bei gutem Glauben das Eigentum nicht verschafft.

Dieser Diskrepanz zwischen der wirklichen und der

durch das Grundbuch ausgewiesenen Rechtslage soll

durch Art. 661, wie aus der Beratung der Expertenkom-

mission und der daraus hervorgegangenen Fassung der

Bestimmung, zumal der französischen, deutlich erhellt,

zu Gunsten des gutgläubigen Besitzers eine zeitliche

Grenze gesetzt werden dadurch. dass nach zehnjährigem

Besitz eine Anfechtung seines buchmässigen Eigentums

nicht mehr zugelassen wird. Die· Ersitzung vollzieht

sich also im Anschluss an das Grundbuch (Tabularer-

sitzung) durch Heilung des in seiner Grundlage mangel-

haften Eintrages und bedeutet insofern gleichzeitig

die Verjährung der Löschungsklage nach Art. 975.

AS 00 11 -

1324

9

122

Sachenrecht. No 24.

Daraus folgt aber, dass sie auch zeitlich nur vom Ein-

trag ihren Ausgang nehmen und nicht schon vorher

beginnen kann. Ein früherer Beginn ist regelmässig

schon wegen des dannzumal noch vorhandenen älteren

Eintrags nicht möglich, weil die Publizität des Grund-

buchs eine Ersitzung im Widerspruch zu demselben

(Kontratabularersitzung) schon im Entstehen verhindert,

und ebenso kann, vom Gesichtspunkt der Verjährung

der Löschungsklage aus betrachtet, von einem Ver-

jährungsbeginn nicht die Rede sein, so lange der unge-

rechtfertigte Eintrag noch gar nicht existiert. Ist aus-

nahmsweise, wie hier, ein früherer Eigentümer nicht

eingetragen, so steht allerdings das Grundbuch dem

Beginn der Ersitzung sofort mit dem Besitzerwerb nicht

entgegen, aber die so beginnende Ersitzung stützt sich

auch nicht auf das Grundbuch (Extratabularersitzung)

und führt gemäss Art. 662 ZGB erst nach dreissig Jahren

zum Eigentumserwerb und auch dann nur, wenn der

wirkliche Eigentümer sich im Ausschlussverfahren nicht

meldet. Eine begonnene Extratabularersitzung kann aber

auch nicht etwa, nachdem der Ersitzende einen unge-

rechtfertigten Eintrag zu seinen Gunsten erwirkt hat,

einfach als Tabularersitzung f Q r t g e set z t werden,

da eine Kombinierung der beiden Ersitzungsmöglich-

keiten in der Weise, dass von· der einen der frühere Be-

ginn und von der andern die kürzere Frist entlehnt wird,

selbstverständlich nicht angängig ist.

Aus diesen Erwägungen muss die behauptete Ersit-

zung des Eigentums am Öschinensee durch die Beklagten

verneint werden.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des

Appellationshofes des Kantons Bern vom 18. Januar

1924 bestätigt.

Obligationenreeht. N° 25.

V. OBLIGATIONENRECHT

DROIT DES OBLIGATIONS

25. 'tlrteU der I. ZivllabteUung vom 4. Kärz 1994

i. S. Bank in Schaffhausen gegen Firma. K. Stromeyer.

123

Pro kur a. Stillschweigende Einräumung einer Einzel-

prokura. Art. 459 OR. Guter Glaube des Dritten.

A. -

Die Klägerin. Kommanditgesellschaft Stromeyer

mit Sitz in Konstanz, führt seit 1891 in Kreuzlingen

eine Filiale. Die Eintragung im Handelsregister des

Kantons Thurgau vom 7. November 1891 erwähnt, dass

die genannte Kommanditgesellschaft aus Wilhelm Stie-

geIer in Konstanz, als unbeschränkt haftendem Gesell-

schafter, und mehreren (näher bezeichneten) Komman-

ditisten bestehe, dass sie am 1. Januar 1891 in Kreuz-

lingen eine Zweigniederlassung errichtet habe unter der

Firma M. Stromeyer, Lagerhausgesellschaft, Filiale

Kreuzlingen, und dass die «Firma» Kollektivprokura

erteile an Konrad Schilling, Kaufmann in Konstanz, und

Hermann Straubinger, Kaufmann in Kreuzlingen.

Der tatsächliche Leiter der Kreuzlinger Filiale war

ein Heinrich Johann Roth-Frommherz, welcher zwar

im thurgauischen· Handelsregister nicht eingetragen

wurde, trotzdem aber bis 1917 die « Einzelprokura »

für die Zweigniederlassung in Kreuzlingen besass.

Am 27. November 1917 erliess die Kommanditgesell-

schaft Stromeyer von Konstanz aus folgendes Zirkular,

und sandte es u. a. auch der beklagten Bank in Schaff-

hausen, mit der sie in Geschäftsverkehr stand :

« Wir beehren uns, Sie davon zu benachrichtigen,

)) dass wir unser provisorisches Büro in Kreuzlingen er-

» weitert, bezw. zu einem Vollbetrieb umgestaltet haben,