Sachverhalt
Im Nachlassverfahren über die Stickereifirma
Brunne!: und Hofstetter wurde eine pfandversicherte
Forderung des Schweiz. Bankvereins in St. Gallen von
69,000 Fr. als mit 49,000 Fr. durch das Pfand gedeckt
erklärt und der RestbetIag 'als ungedeckte Kurrentfor-
derung behandelt. Die Kollokation beruhte auf einer
Bewertung des pfandbelasteten Gebäudes mit 240,000 Fr.
nebst Zinsen.
Gegen diese Bewertung beschwerte sich der Bankverein
bei der kantonalen Aufsichtsbehörde von St. Gallen. Er
machte geltend, die Liegenschaft sei höchstens auf
190,000 Fr. zu schätzen, und verlangte daher Behandlung
der ganzen Forderung als ungedeckt. Die. im Auftrag
der Aufsichtsbehörde vorgenommene Expertise stellte
vorerst fest, dass Geschäftsgebäude' .zur Zeit· infolge der
Schuldhetreibungs- und Konkursrecht. N0 26.
111
geringen Nachfrage nur zu sehr gedrückten Preisen ver-
mietet werden können, erklärte aber im weitern, dass
sie von normalen Zeitverhältnissen ausgehe und kam so
zu einem Schätzung3werte von 240,000 Fr. Die Aufsichts-
behörde schloss sich. in ihrem Entscheide vom 25. Mai
1923, eröffnet am 28. gl. Mts., diesem Gutachten an und
wies die Beschwerde ab.
B. -
Hiergegen rekurriert der Schweiz. Bankverein
St. Gallen unterm 7. Juli 1923 rechtzeitig an das Bundes-
gericht. Er wiederholt das an die Vorinstanz gestellte
Begehren und führt zur Begründung an, dass für die
Schätzung ausschliesslich auf die heutigen Verhältnisse
abzustellen sei.
Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer. zieht
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
26. Entscheid vom la.Juni 1928 i. S. Schweiz. 13a.nkverein
Die Schätzung eines Pfandobjektes nach Art. 305 Abs. 2
S~hKG hat auf Grund der gegenwärtigen Marktverhält-
nIsse zu erfolgen. Nur unmittelbar bevorstehende Aende-
rungen in der Marktlage dürfen noch mitberücksichtigt
werden.
.
A. -
Im Nachlassverfahren über die Stickereifirma
Brunne!: und Hofstetter wurde eine pfandversicherte
Forderung des Schweiz. Bankvereins in St. Gallen von
69,000 Fr. als mit 49,000 Fr. durch das Pfand gedeckt
erklärt und der RestbetIag 'als ungedeckte Kurrentfor-
derung behandelt. Die Kollokation beruhte auf einer
Bewertung des pfandbelasteten Gebäudes mit 240,000 Fr.
nebst Zinsen.
Gegen diese Bewertung beschwerte sich der Bankverein
bei der kantonalen Aufsichtsbehörde von St. Gallen. Er
machte geltend, die Liegenschaft sei höchstens auf
190,000 Fr. zu schätzen, und verlangte daher Behandlung
der ganzen Forderung als ungedeckt. Die. im Auftrag
der Aufsichtsbehörde vorgenommene Expertise stellte
vorerst fest, dass Geschäftsgebäude' .zur Zeit· infolge der
Schuldhetreibungs- und Konkursrecht. N0 26.
111
geringen Nachfrage nur zu sehr gedrückten Preisen ver-
mietet werden können, erklärte aber im weitern, dass
sie von normalen Zeitverhältnissen ausgehe und kam so
zu einem Schätzung3werte von 240,000 Fr. Die Aufsichts-
behörde schloss sich. in ihrem Entscheide vom 25. Mai
1923, eröffnet am 28. gl. Mts., diesem Gutachten an und
wies die Beschwerde ab.
B. -
Hiergegen rekurriert der Schweiz. Bankverein
St. Gallen unterm 7. Juli 1923 rechtzeitig an das Bundes-
gericht. Er wiederholt das an die Vorinstanz gestellte
Begehren und führt zur Begründung an, dass für die
Schätzung ausschliesslich auf die heutigen Verhältnisse
abzustellen sei.
Die Schuldbelreibungs- und Konkurskammer. zieht
in Erwägung:
Auf welchen Grundlagen eine Schätzung nach Schuld-
betreibungsrecht vorzunehmen sei, ist eine Rechts-
frage, die der Entscheidung des Bundesgerichts unter-
liegt. Auf den Rekurs ist somit einzutreten.
Die Schätzung nach Art. 305, Abs. 2 SchKGhat zwei-
fellos den Wert zum Gegenstand, welcher sich bei einer
derzeitigen Verwertung ergeben würde. Es folgt daraus,
dass für sie nur die gegenwärtigen Marktverhältnisse
massgebend sein können und höchstens unmittelbar be-
vorstehende Schwankungen der Marktlage noch mitzu-
berücksichtigen sind. Dagegen ist es unzulässig, ein
Mittel zwischen dem für normalen Zeiten und dem für
eine Krisenzeit gültigen Werte als Schätzungswert an-
zunehmen.
Der Entscheid der Aufsichtsbehörde von St. Gallen
ist also insofern ungesetzlich, als er auf eine Schätzungs-
taxation abstellt, die auf normalen Verhä\tnissen statt
auf der gegenwärtigen Marktlage beruht, und. es ist daher
die Sache zur Neubegutachtung auf der 'Gfundlage des
gegenwärtigen Verkehrswertes allein an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
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Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 27.
Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :
Der Rekurs wird gutgeheissen und die Sache zur noch-
. maligen Schätzung der Liegenschaft im Sinne der Er-
wägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.