Sachverhalt
Ueber den Rekurrenten Georg Lohrer in Basel
wurde am 9. Januar 1917 der Konkurs eröffnet. Kurz
vorher hatte er ein Jahresgeneralabonnement für die
schweizerischen Transportanstalten genommen. Durch
Verfügung vom 14. März 1917 verlangte das Konkursamt
Basel-Stadt von ihm die Herausgabe der Abonnements-
karte, um von den Schweiz. Bundesbahnen die tarif-
mässige Rückzahlung wegen der Unterlassung weiterer
Benützung des Abonnements beanspruchen zu können.
B. -
Hiegegen erhob der Rekurrent Beschwerde mit
dem Begehren, die Abonnementskarte sei ihm zu über-
lassen.
Er machte geltend, dass er Handelsreisender und
Seifenagent sei und das Generalabonnement daher ihm
als unentbehrliches Berufswerkzeug überlassen werden
müsse. Dabei berief er sich auf einen Entscheid des
zürcherischen Obergerichtes (s. BI. f. z. Rspr. Bd. XIV
Heft 23/24 N° 182).
Das Konkursamt bemerkte zur Beschwerde: Der
Rekurrent sei nicht Reisender, sondern habe seit 1913
auf eigene Rechnung Seifenhandel getrieben. Er habe
dem Amte erklärt, dass er das Abonnement brauche,
um sich eine Stelle zu suchen.
Die Aufsichtsbehörde des Kantons Basel-Stadt wies
die Beschwerde durch Entscheid vom 17. März 1917
mit folgender Begründung ab : Der Rekurrent sei zur
Zeit der Konkurseröffnung nicht als eigentlicher Ge-
schäftsreisender tätig gewesen, sondern habe als selb-
ständiger Kaufmann ein Handelsgeschäft getrieben.
Dieser Geschäftsbetrieb habe mit dem Konkurse auf-
188
Entscheidungen dar $hufabetretbungs-
gehört und sei zudem nicht Berufsausübung nach Art.
92 Zift. 3 SchKG, sondern ein kapitalistisches Unter-
nehmen gewesen. Das Generalabonnement könne daher
nicht als sein Berufswerkzeug gelten, selbst wenn die
vom Rekurrenten angeführte Entscheidung des zürche-
rischen Obergerichtes richtig sein sollte. Zudem habe
der Rekurrent dessen überlassung seinerzeit nur dazu
verlangt, um eine Stelle zu suchen.
C. -
Diesen Entscheid hat der Rekurrent am 19.
März 1917 unter Erneuerung seines Begehrens an das
Bundesgericht weitergezogen.
Er führt noch aus, dass er gegenwärtig tatsächlich
Handelsreisender sei und als Vertreter der Waschpulver-
fabrik Ibis in Genf in der ganzen Schweiz herumreise.
Zum Beweise legte er eine Bescheinigung dieser Fabrik
vor, dass er ihr Vertreter für Basel, Solothurn und Biel sei.
Die Schuldbet.reibungs- und Konkurskammer zieht
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
25. Entscheid vom as. Xä.rz 1917
i. S. Lohrer.
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Rechtliche Natur der Generalabonnementskarte. Beschlag-
nahme im Pfändungs- oder Konkursverfahren.
A. -
Ueber den Rekurrenten Georg Lohrer in Basel
wurde am 9. Januar 1917 der Konkurs eröffnet. Kurz
vorher hatte er ein Jahresgeneralabonnement für die
schweizerischen Transportanstalten genommen. Durch
Verfügung vom 14. März 1917 verlangte das Konkursamt
Basel-Stadt von ihm die Herausgabe der Abonnements-
karte, um von den Schweiz. Bundesbahnen die tarif-
mässige Rückzahlung wegen der Unterlassung weiterer
Benützung des Abonnements beanspruchen zu können.
B. -
Hiegegen erhob der Rekurrent Beschwerde mit
dem Begehren, die Abonnementskarte sei ihm zu über-
lassen.
Er machte geltend, dass er Handelsreisender und
Seifenagent sei und das Generalabonnement daher ihm
als unentbehrliches Berufswerkzeug überlassen werden
müsse. Dabei berief er sich auf einen Entscheid des
zürcherischen Obergerichtes (s. BI. f. z. Rspr. Bd. XIV
Heft 23/24 N° 182).
Das Konkursamt bemerkte zur Beschwerde: Der
Rekurrent sei nicht Reisender, sondern habe seit 1913
auf eigene Rechnung Seifenhandel getrieben. Er habe
dem Amte erklärt, dass er das Abonnement brauche,
um sich eine Stelle zu suchen.
Die Aufsichtsbehörde des Kantons Basel-Stadt wies
die Beschwerde durch Entscheid vom 17. März 1917
mit folgender Begründung ab : Der Rekurrent sei zur
Zeit der Konkurseröffnung nicht als eigentlicher Ge-
schäftsreisender tätig gewesen, sondern habe als selb-
ständiger Kaufmann ein Handelsgeschäft getrieben.
Dieser Geschäftsbetrieb habe mit dem Konkurse auf-
188
Entscheidungen dar $hufabetretbungs-
gehört und sei zudem nicht Berufsausübung nach Art.
92 Zift. 3 SchKG, sondern ein kapitalistisches Unter-
nehmen gewesen. Das Generalabonnement könne daher
nicht als sein Berufswerkzeug gelten, selbst wenn die
vom Rekurrenten angeführte Entscheidung des zürche-
rischen Obergerichtes richtig sein sollte. Zudem habe
der Rekurrent dessen überlassung seinerzeit nur dazu
verlangt, um eine Stelle zu suchen.
C. -
Diesen Entscheid hat der Rekurrent am 19.
März 1917 unter Erneuerung seines Begehrens an das
Bundesgericht weitergezogen.
Er führt noch aus, dass er gegenwärtig tatsächlich
Handelsreisender sei und als Vertreter der Waschpulver-
fabrik Ibis in Genf in der ganzen Schweiz herumreise.
Zum Beweise legte er eine Bescheinigung dieser Fabrik
vor, dass er ihr Vertreter für Basel, Solothurn und Biel sei.
Die Schuldbet.reibungs- und Konkurskammer zieht
in Erwägung:
Die Generalabonnementskarte bildet einen Ausweis
über die dem· Inhaber aus dem Abonnementsvertrag
zustehenden Rechte, insbesondere über seine Fahrbe-
rechtigung, und sie steht insofern den Wertpapieren
gleich, als die Rechte des Inhahers nur unter Vorweisung
oder Übergabe der Abonnementskarte geltend gemacht
werden können. Eine solche Karte kann nun auch bei
noch so weitgehender Aus1egung des Gesetzes nicht als
Werkzeug, Gerätschaft, Instrument oder Buch nach
Art. 92 Ziff. 3 SchKG angesehen werden. Das vom
Rekurrenten angeführte Urteil des zürcherischen Ober-
gerichtes gibt keinen stichhaltigen Grund für die An-
wendbarkeit des Art. 92 Zifi. 3 SchKG auf eine General-
abonnementskarte an. Unter den Begriff eines Werk-
zeuges, Gerätes u. s. w. kann keineswegs jeder beliebige
Gegenstand oder· jedes beliebige Vermögensstück, das
der Berufsausübung dient, subsumiert werden.
Es kann sich nur fragen, ob die Rechte aus dem Abon-
und Konkurskammer. N° 25.
139
nementsvertrag höchstpersönlicher Natur seien und aus'
diesem Grunde nicht im Pfändungs- oder Konkursver-
fahren verwertet werden können. Diese Frage ist in
Beziehung auf die Fahrberechtigung ohne weiteres zu
bejahen. Dagegen hat der Anspruch auf Rückzahlung
eines Teiles der Abonnementstaxe wegen Unmöglichkeit
der weitern Ausübung der Fahrberechtigung oder Ver-
zichtes hierauf in der Regel keine
höchstpersönlich:~
Natur und unterliegt daher jedenfalls dann, wenn, wie
jm yorliegenden Falle, die Abonnementstaxe aus dem
den Gläubigern haftenden Vermögen bezahlt worden
ist, dem Pfändungs- oder dem Konkursbeschlage. Damit
ist allerdings noch nicht dargetan, dass die angefochtene"
Verfügung des Konkursamtes gesetzmässig sei; denn
das Amt hat nicht lediglich über einen schon bestehenden
Rückzahlungsanspruch verfügt, sondern die erwähnte
Verfügung soll dem Konkursamt die Möglichkeit ver-
schaffen, wirksam auf die weitere Ausübung der Fahrbe-
rechtigung für den Rekurrenten zu verzichten und damit
den dem Konkursbeschlag unterliegenden Rückzahlungs-
anspruch zu begründen, m. a. W. das Recht auf Gebrauch
der Transportmittel in eine Forderung auf eine Geld-
zahlung umzuwandeln. Ob ein solches Vorgehen im
Pfändungsverfahren möglich und zulässig sei, braucht
hier nicht entschieden zu werden. Es genügt, darauf
hinzuweisen, dass einer derartigen Massnahme jeden-
falls keine Grundsätze des Konkursverfahrens im Wege
stehen. Wie die Konkursmasse regelmässig über die
Verträge des Gemeinschuldners verfügen, also z. B. an
seiner Stelle den Rücktritt erklären oder die Erfüllung
sonst verweigern und damit die vertraglichen Ansprüche
so verändern kann, wie es der Gemeinschuldner selbst
.hätte tun können, so muss ihr auch das Recht zustehen,
in der erwähnten Weise über einen Generalabonnements-
vertrag zu verfügen. Die Unmöglichkeit, die Fahrbe-
rechtigung auf einen andern zu übertragen, schliesst
. die Zulassigkeit des Verzichts auf die Fahrberechtigung
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Entscheidungen der Schuldbetreibungs-
zum Zwecke der Realisierung des hierin liegenden Ver-
mögenswertes nicht aus. Im vorliegenden. Falle besteht
um so weniger Veranlassung, der Konkursmasse das
Recht zu' einer solchen Realisierung zu versagen, als
nach der für das Bundesgericht massgebenden Feststel-
lung . der Vorinstanz der Rekurrent' seine bisherige
Geschäftstätigkeit, wozu er das Generalabonnement
benützt hatte, aufgegeben hat und nicht als Handels-
reisender tätig geworden ist, sondern erklärt hat, er
brauche das Abonnement, um sich eine Stelle zu suchen.
~ie erst vor Bundesgericht vorgelegte Bescheinigung
emer Genfer Fabrik kann nicht mehr berücksichtigt
werden.
Demnach hat die Schuldbetreibungs- u. Konkurskammer
erkannt:
Der Rekurs wird angewiesen.