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Obllgationenrecht. No 60.
il Tribun ale federale
pronuncia:
L'appellazione principale dei convenuti e respinta.
ammessa invece l'adesiva degli attori nel senso ehe agli
attori vkn accordato l'interesse deI 5 % a partire dal
28 gennaio 1913 sul somme loro dovute a mente della
querelata, sentenza, Ia quale viene deI resto eonfermata
su tutti gli altri punti.
60. 'Urteil der I. Zivilabteilung vom 3. Juli 1915
i. S. Dr. lIaass, Beklagter, gegen Leopold Wyler, Kläger.
Rechtsverhältnis zwischen Anwalt nnd Klient =
ist regelmassig das des zivilrechtlichen Auftrages.
Befugnis der K an ton e, es zu regeln, soweit die In te-
ressen der Rechtspflege in Betracht kommen, nament-
lich betreffend die H 0 n 0 r i er u n g des Anwaltes. Begriff
der Anwaltstätigkeit; Verhältnis zur Tätigkeit des
MakI e rs bei der aussergerichtlichen Geltendmachung
bestrittener Ansprüche. -
Kantonales Verbot des pa c -
tu m d e q u 0 tal it i s. Die;Rechtsfolgen der Ucbertre-
tung kantonaler Verbotsgesetze richten sich
grundsätzlich nach Art. 20 0 R. -
Rückforderung nach
Ar t. 63 0 R der vom Klienten indebite bezahlten quota
litis. Frage, ob Art. 66 OR entgegenstehe.
A. -
Der Ehefrau des Beklagten Dr. Haass-Sterchi,
Frieda Sterchi, waren während ihrer Minderjährigkeit
zwei Erbschaften angefallen: im Jahre 1901 die ihrer
Tante ElisabethSeiler-Sterchi zu '/6 und im Jahre 1904 die
des Rudolf Sterchi zu 1/3. Nach Anfall der ersten bestellte
die Vormundschaftsbehörde der Frieda Sterchi einen
Vogt in der Person des Wilhelm Stoll-Sttrchi. Die bei-
den Erbschaftsmassen verwaltete ein Miterhe, Gustav
Reber-Sterchi, Handelsmann in Interlaken. Am 4. August
1908 verheiratete sich Frieda Sterchi mit dem Beklagten.
Dieser drang auf Teilung der Erbschaften, begegnete
Obligationenreeht. N° 60.
aber bedeutenden Schwierigkeiten, indem der Erbschafts-
verwalter Reber dazu nicht Hand bieten wollte und der
frühere Vogt mit der RechnungsabIegung säumte. Mit
der Wahrung seiner und seiner Ehefrau Interessen be-
traute der Beklagte zunächst Fürsprecher Lohnerund
danu Fürsprecher Scheurer, und nachdem beide infolge
ihrer Wabl in den Regierungsrat ihr Mandat nicht mehr
erfüllen konnten, den heutigen Kläger. Fürsprecher
Wyler in Bern. Nach verschiedenen Verhandlungen er-
strebte man eine Erledigung der Angelegenheit durch
Verkauf der Erbschaftsansprüche des Beklagten und
seiner Ehefrau an den Miterben Reber. Es fanden mehr-
fach Erörterungen hierüber statt. Nachdem dann ab~r
Reber die von ihm verlangte Offerte nicht innert Frist
gesteHt hatte, drohte der Kläger am 19. Septemher 1910
mit einem Prozesse. Reber antwortete durch seinen An-
walt mit einem Auskaufsangebot von 300,000 Fr., das
nicht angenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit machte
auch der Kläger dem Beklagten eine Offerte und
zwar von 301,000 Fr. und es wurde zwischen ihnen
sogar ein Kaufvertrag über den Erbteil abgeschlossen.
Die Parteien machten aber diesen Vertrag wieder rück-
gängig und es schlug nach weitern Verhandlungen der
Beklagte dem Kläger mit Brief vom 28. September 1910
vor, ihm, wenn ein Prozess gegen Reber vermieden
würde, für Vermittlung des mit diesem abzuschliessenden
Auskaufes 331/3 % Provision von dem 340,000 Fr. über-
steigenden Betrage der Auskaufssumme zu bezahlen, also
z. B. bei einer Auskaufssumme von 400.000 Fr. eine
Provision von 20,000 Fr. Der Kläger scheint diesen Vor-
schlag nicht angenommen zu haben. Am 7. Oktober
machte ihm nämJich der Beklagte einen andern, wonach
dem Kläger bei einer Auskaufssumme von 330,000 Fr.
20,000 Fr. zukommen sollten, bei einer 340,000 Fr. über-
steigenden Auskaufssumme die Hälfte des 300,000 Fr.
übersteigenden Betrages, ebenso bei einer Auskaufs-
summe unter 330,000 Fr., letzteres falls der Beklagte
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Obligatlonemecht. N· 60.
eine solche Offerte annehme. « Mit der Auszahlung einer
der genannten Provisionen », wird weiter gesagt, (! ist
auch Ihre Anwaltsrechnung bis 15. Oktober 1910 erle-
digt.» Diese Abmachung sollte bis zum genannten Zeit-
punkte gelten, (ihre Dauer wurde aber später bis zum
1. November verlängert). Am 8. Oktober antwortete der
Kläger auf den Brief vom 7.: «Ich bestätige dankend
l) den Empfang Ihrer Zuschrift von gestern. Ich bin mit
»deren Inhalt von Herzen gern einverstanden und danke
» Ihnen für die mir in so bereitwilliger Weise zugesicherte
» Gratifikation.» Am gleichen Tage, dem 8. Oktober,
kam durch Vermittlung des Klägers ein provisorischer
Kaufvertrag zustande, laut dem der Beklagte seinen
Anteil an den beiden unverteilten Erbschaften dem
Reber um 400,000 Fr. verkaufte. Am 18. Oktober 1910
endlich trafen sich die Beteiligten und ihre Anwälte und
der als Vermittler beigezogene Gerichtspräsident Lauener
in Interlaken in der Wohnung Rebers und es wurde da-
selbst der Kaufvertrag unter der Bezeichnung «Gericht-
licher Vergleich» in Schrift verfasst und unterschrieben.
Die Auskaufssumme ist darin auf 409,000 Fr. erhöht.
Am 20. Oktober leistete Reber an diese Summe die erste
Anzahlung in der vertraglichen Höhe von 155,000 Fr.
und am gleichen Tage zahlte der Beklagte dem Kläger
auf Rechnung seiner Provisionsforderung 30,000 Fr.
Dieser quittierte für den B~trag « a conto meiner Pro-
visionsforderung I). Am 11. Januar 1911 erhielt der Be-
klagte von Reber die zweite und Schlusszahlung von
254,000 Fr. Dagegen bezahlte er seinerseits die verblei-
benden 24,000 Fr. der Provisionssumme nicht, die anfäng-
lich auf den 15. Dezember, später auf den Zeitpunkt
der zweiten Zahlung Rebers fällig gestellt waren. Es
kam hierüber in der Folge zu Misshelligkeiten zwischen
den Parteien, die zu keiner Einigung führten.
B. -
Im vorliegenden Prozess hat nunmehr der Klä-
ger unter Berufung auf das Uebereinkommen vom 7. /8.
Oktober 1910 kostenfällige Verurteilung des Beklagten
Obligationenrecht. N° 60.
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zur Bezahlung von 24,000 Fr. nebst Zins zu 4% 0/0 vom
20. Oktober bis zum 15. Dezember 1910 und von 5 0 / 0
seit da an verlangt. Zur Begründung berief er sich auf
den Art. 405 a OR und bezeichnete die streitige Verein-
barung als Mäklervertrag, gerichtet anf das Zustande-
kommen des Erbauskaufes.
Der Beklagte hat auf Abweisung der Klage angetragen
und widerklagsweise beantragt 1. den Kläger zur Rück-
zahlung der geleisteten 30,000 Fr. eventuell von 3000
Fr. zu verhalten, beides nebst Zins zu 5 0/0 seit dem
7. Oktober 1911 (Datum des Zahlungsbefehls). 2. even-
tuell den vereinbarten Mäklerlohn des Klägers auf einen
angemessenen Betrag herabzusetzen und den Kläger zu
verurteilen, dem Widerkläger den zuviel bezogenen Be-
trag nebst Verzugszinsen zu 5 0/0 herauszuzahlen, unter
Kostenfolge. Die Widerklage stellt darauf ab, dass der
Kläger in der Sache nicht als Mäkler, sondern als An-
walt gehandelt habe. Alsdann aber sei die Vereinbarung
vom 7./8. Oktober 1910 nichtig, da das bernische
Advokatengesetz vom 10. Dezember 1840 solche Ab-
kommen zwischen Advokat und Klient verbiete und
vorschreibe, dass der Advokat für seine Verrichtungen
oder Schliften nicht mehreres verlangen dürfe, als der
Tarif dafür zulasse. Hienach müsse der Kläger die er-
haltenen 30,000 Fr. zurückgeben und könne die gefor-
derten 24,000 Fr. nicht beanspruchen. Die Nichtigkeit
des Provisionsabkommens ergäbe sich zudem auch aus
Art. 17 a (20 rev.) OR. Eventuell, bei Gültigkeit des
Abkommens, habe der Kläger als Provision nur 50 0 / 0
der Forderung von 54,000 Fr. zu beanspruchen gehabt,
die ihm über die Vorempfänge seiner Ehefrau hinaus
gegenüber Stoll entstanden sei, also nur 27,000 Fr., und
da er nun bereits 30,000 Fr. bezogen habe, sei er für
3000 Fr. rückerstattungspflichtig.
Gegen die Widerklageforderung hat der Kläger im
Laufe des Prozesses die Uneinlässlichkeitseinrede erhoben,
der Rückforderungsanspruch sei verjährt, da er als erst
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Obligationenrecht. N° 60.
am 15. Juli 1914 erhoben gelten müsse, an welchem
Tage der Beklagte hinsichtlich seiner anfänglichen Wider-
klage die Reform erklärt hatte. Materiell verlangt der
Kläger Abweisung der Widerklage.
C. -
Neben dem Zivilprozess ging ein durch Be-
schwerde des Beklagten veranlasstes Disziplinarverfahren
gegen den Kläger als Anwalt einher. Durch Entscheid
vom 16. Januar 1912 erteilte das bernische Obergericht
unter Gutheissung der Beschwerde dem Kläger in An-
wendung von Art. 16 und 17 des bernischen Advokaten-
gesetzes vom 10. Dezember 1840 einen Verweis und legte
ihm die Kosten des Verfahrens auf. In der Begründung
wurde ausgeführt: Die Erzielung des « GerichUichen
Vergleichs ~) vom 18. Oktober 1910. der den in Aussicht
stehenden Prozess erledigte, sei als Anwaltstätigkeit an-
zusehen, die der Kläger von seinen Vorgängern Lohner
und Scheurer übernommen habe. Für diese Tätigkeit
aber habe er sich gesetzwidrigerweise nicht mit der tarif-
mässigen Entschädigung begnügt. Da Art. 17 Abs. 1 des
Advokatengesetzes, wonach das Obergericht als Auf-
sichtsbehörde auch über die Rückgabe des zu viel Be-
zogenen zu entscheiden habe, durch § 82 des Gesetzes
über die Gebühren im Zivilprozess aufgehoben sei.
werde auf die Zivilfolgen nicht eingetreten und nament-
lich nicht entschieden, ob das vom disziplinarischen
Standpunkte aus widerrechtliche Abkommen unter den
Parteien selbst zu Recht bestehe.
D. -
Im Zivilprozesse hat der bernische Appellationshof
als erste Instanz am 27. Januar 1915 erkannt: « 1. Die
) Parteien sind mit ihren Beweisbeschwerden abgewiesen.
»2. Der Kläger ist mit seiner Vorklage abgewiesen.
I} 3. Derselbe ist mit seinem Uneinlässlichkeitsschluss
» betreffend die Widerklage abgewiesen. 4. Der Beklagte
I) ist mit seinem Widerklagsbegehren abgewiesen. 5. Die
» Kosten des Prozesses sind zwischen Parteien wettge-
}) schlagen.)
In der Begründung wird zunächst im Anschluss an die
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Erwägungen des Disziplinarentscheides ausgeführt, dass
der Kläger nicht als Mäkler, sondern als Anwalt gehan-
delt habe, wobei es nicht darauf ankomme, dass die Er-
teilung einer schriftlichen Prozessvollmacht an den
Kläger nicht hergestellt sei. Das streitige Provisions-
versprechen sei ein vom öffentlichen Recht des Kantons
Bern -
dem Advokatengesetz -
verpöntes, daher un-
sittliches und nichtiges Rechtsgeschäft, auf das ferner
der Art. 20 OR Anwendung finde, so dass man es auch
mit einem nichtigen Vertrage im Sinne dieses Artikels
zu tun habe. Hieraus folge, dass der Anspruch des Klä-
gers auf Bezahlung des Restbetrages der Provision nicht
geschützt werden könne. Dem Rückforderungsanspruch
des Beklagten anderseits stehe Art. 66 OR entgegen.
ß. - Gegen dieses Urteil hat der Beklagte die Berufung
an das Bundesgericht ergriffen mit den Anträgen:
« 1. Es sei in Anwendung von Art. 79 OG das Urteil
,) aufzuheben und an das kantonale Gericht zurückzu-
»weisen. 2. Es sei zur Feststellung der Tatsache, dass
» Wyler den Berufungskläger zu dem im Vorschlage vom
» 7. Oktober 1910 liegenden Provisionsversprechen ver-
I) anlasst habe, das Urteil aufzuheben und die Sache zur
»Aktenvervollständigung und zu neuer Entscheidung
» an das kantonale Gericht zurückzuweisen» (- zu wel-
chem Antrage eine Anzahl Beweismittel angegeben wer-
den -). « 3. Falls Begehren 1 und 2 abgewiesen werden
» sollten: Es sei in Abänderung des Urteils vom 27. Ja-
» nuar 1915 die Widerklage des Berufungsklägees auf
»Rückzahlung der 30,000 Fr. nebst Zins zu 5 % seit
I) 7. Oktober 1911 zuzusprechen und die Gegenpartei zu
I) der Bezahlung der Prozesskosten zu verurteilen.,)
Der Kläger hat sich der Berufung angeschlossen mit
dem Begehren:
(! 1. Es sei, in teilweiser Aufhebung des
» kantonalen Entscheides, die Vorklage gutzuheissen.
I) 2. Eventuell: Die Sache sei, unter Aufhebung von
,) Ziff. 1 und 2 des kantonalen Urteils-Dispositifs zu
» neuer Entscheidung an das kantonale Gericht zurück-
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Obligationenrecht. No 60.
& zuweisen.» Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Gegenpartei.
F. -
In der heutigen Verhandlung haben die Vertre-
ter der Parteien die genannten Anträge erneuert und auf
Abweisung der gegnerischen Begehren geschlossen.
Das Bundesgericht zieht
in Erwägung:
1. -
Was die K lag e f 0 r der u n g betrifft, so
macht der Kläger gegenüber dem angefochtenen Urteil,
das sie wegen Nichtigkeit des ihr zu Grunde liegenden
Vertrages abweist, vor allem geltend. dass dieser Ver-
trag ein Mäklervertrag sei, und nicht, wie die Vorinstanz
annimmt, ein Vertrag, durch den der Kläger sich als
Anwalt sein Honorar in Form einer nach dem Streit-
ergebnis sich richtenden Provision ausbedungen hätte
(pactum de palmario). Hat man diesen Punkt im letztem
Sinne zu entscheiden, so frägt sich im weitern, wie es
sich mit der Gültigkeit und den Rechtsfolgen einer all-
fälligen Ungültigkeit des streitigen Provisionsvertrages
vom 7./8. Oktober 1910 verhalte, wobei in erster Linie
zu prüfen sein wird, inwiefern eidgenössisches oder kan-
tonales Recht Anwendung finde~ In allen diesen Bezie-
hungen ist des nähern folgendes zu bemerken:
a) Das Verhältnis zwischen dem Anwalt und seinem
Klienten ist nach schweizeri~chem Rechte regelmässig
das des entgeltlichen Auftrages (vergl. z. B. OSER, Kom-
mentar zum OR Art. 319, V, 2, GMÜR, Die zivilrechtliehe
Stellung des Rechtsanwalts, Zürcher Dissertation, 1907.
S. 57 ff.), ausnahmsweise das des Dienstvertrages, jeden-
falls ein zivilrechtliches Vertragsverhältnis,
dessen Regelung im allgemeinen dem OR unterliegt.
Der Anwalt verpflichtet sich zur Arbeitsleistung. der
Klient zur Honorierung der geleisteten Arbeit und es
kann z. B. der Anwalt bei mangelhafter Geschäftsführung
zivilrechtlich auf Entschädigung belangt werden und
anderseits das geschuldete Honorar im Zivilprozess vom
Obligationenrecht. N° 60 •.
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Klienten einklagen (vergl. z. B. BGE 2G I S. 180, 31 I
S. 594). Damit ist aber den Kantonen noch nicht jede
Einwirkung auf das Verhältnis verschlossen. Vielmehr
können sie innerhalb des Rahmens, in dem ihnen die
Rechtspflege als öffentlich-rechtliche Auf-
gabe zukommt, Vorschriften über die zur Anwalts-
tätigkeit gehörenden Verrichtungen erlassen, namentlich
auch was die Honorierung dieser Verrichtungen
anbetrifft. In letzterer Beziehung anerkennt denn auch
eine ständige Praxis des Bundesgerichts das Recht der
Kantone, Vorschriften über die behördliche Moderation von
Anwaltsrechnungen aufzusteHen (so ausser den schon ge-
nannten Bundesgerichtsentscheiden der in Sachen Stattel-
mann und Konsorten gegen Vuille & Dunant, BGE 41 II
N°21) und Honoraransätze der zur Rechtspflege gehören-
den Verrichtungen der Anwälte tarifmässig zu fixieren
(vergl. das genannte Urteil in Sachen Stattelmann, ferner
Entscheid in Sachen Buzzi gegen Erben Lepori vom
23. Dezember 1899, abgedruckt im Journal des Trib.
1901 S. 132 ff.). Hienach müssen aber die Kantone im
weitem auch befugt sein, die Art der Retribution. auf
die der Anwalt für in Frage stehenden Dienste Anspruch
hat. zu bestimmen, und dabei im besondern zu verbieten,
dass die Höhe des Honorars nach dem Ergebnis der
Tätigkeit bemessen werde (Ausschluss des paclum de
palmario). Rechtfertigen sich die vorher genannten kan-
tonalen Bestimmungen schon aus der rechtlichen und
faktischen Monopolstellung der Anwälte, so kommt bei
der Beteiligung am Streitergebnis noch das weitere
Moment hinzu, dass darin eine Spekulation liegt. bei der
sich der Anwalt mit seiner Rechtskenntnis, die eine
leichtere Abschätzung der Chancen ermöglicht, gegen-
über der Gegen partei in einer superioren Machtstellung
befindet.
b) Nach dem Gesagten müssen aber die Kantone im
weitem auch bestimmen können. welche Handlungen
der Anwälte sie in Hinsicht auf die Regelung der Hono-
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Obligationenrecht. No 60.
rierung als zur Rechtspflege gehörig ansehen. Dabei
dürfen sie freilich nicht Verrichtungen diesem Begriff
unterstellen, die nach allgemeiner Anschauung nicht
darunter fallen können. Denn sonst würden sie unzu-
lässigerweise in das Gebiet übergreifen, auf dem die für
die möglichen Vertragsbeziehungen zwischen Anwalt und
Klient massgebenden Vorschriften des Bundeszivilrechts
vorbehaltslose, durch das kantonale öffentliche Recht
nicht eingeschränkte Geltung beanspruchen können.
Eine solche, den Geltungsbereich des Bundesrechts
missachtende Auffassung des Begriffes der Rechtspflege
liegt jedoch nicht vor, wenn die Vorinstanz die in Betracht
kommenden Ver r ich tun gen des K I ä ger s als
eigentliche A n wal t s t ä t i g k e i t ansieht, die, beson-
ders auch hinsichtlich - der Honorierung, nach dem
bernischen Advokatengesetz vom 10. Dezember 1840 zu
beurteilen sei. Die Betätigung des Klägers bestand darin,
dass er für den Beklagten die Ansprüche an den Erb-
scbaften der Elisabeth Seiler-Sterchi und des Rudolf
Sterchi gegenüber dem Miterben und ErbschaftsverwaIter
Reber geltend machte, dabei zunächst die Einleitung
zum Vermittlungsvorstand besorgte und die Klage in
Aussicht steIJte, dann aber die Sache in gütlicher Weise
erledigen half und zwar so, dass unter Zuziehung des
Gerichtspräsidenten von Interlaken der « Gerichtliche
Vergleich}) vom 18. Oktober 1910 abgeschlossen wurde,
durch den der Beklagte auf sein Miteigentum an den
Erbschaftsmassen gegen Bezahlung einer Auskaufssumme
verzichtete. Alle diese Vorkehren lassen sich ohne Ver-
letzung von Bundesrecht dem allgemeinen Begriff der
Rechtspflege unterordnen. Namentlich erfordert dieser
nicht etwa, dass die Geltendmachung streitiger Ansprüche,
bei der der Anwalt seine Dienste leistet, durch I na n-
s p ru c h nah m e der G e ri c h te erfolge. Auch die
aussergerichtliche Erzielung eines Vergleiches kann von
den Kantonen als mit der Rechtspflege in Beziehung
stehende Tätigkeit des Anwaltes behandelt und hinsicht-
Obligationenrecht. No 60.
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lieh ihrer Honorierung geregelt werden, denn auch sie
dient dazu, dem streitigen Rechte zum Durchbruch zu
verhelfen. Eine der Nachprüfung des Bundesgerichts ent-
zogene Frage des kantonalen Prozessrechts betrifft es
sodann wenn die Vorinstanz die Nichterteilung einer
schriftlichen Prozessvollmacht an den Kläger·als
kein Hindernis ansieht, um seine Besorgungen als An-
waltstätigkeit zu qualifizieren. An dem Gesagten würde
ferner auch nichts geändert, falls -
wie der Kläger
hauptsächlich geltend macht -
die Tätigkeit, die er für
die Herbeiführung des Auskaufsvertrages entfaltet hat,
inhaltlich die eines M ä k 1 e r s gewesen wäre, (was nicht
näher geprüft zu werden braucht); denn daneben bliebe
immerhin noch als Bestandteil seines Auftrages, die
s t r e i t i gen Ansprüche zur Geltung zu bringen, also
eine mit der Rechtspflege zusammenhängende und dem
Anwaltsberufe als solchem zukommende Aufgabe, die sich
hieI mit der des gewöhnlichen Mäklers im zivilrechtlichen
Sinne kombiniert hätte. Eine solche Mäklertätigkeit des
Anwaltes aber, wonach dieser den Verkauf be s t ri t t e n e r
Rech' e vermittelt, muss wegen der in Betracht kommen-
den öflentlichen Interessen ebenfalls den für die Aus-
übung des Anwaltsberufes geltenden kantonalen Vor-
schriften ullters~ellbar sein, wenn dies nicht überhaupt
schon für jede Betätigung des Anwaltes als Mäkler der
Fall sein s lUte. Hienach setzt sich also die vorinstanz-
liehe Würdigung der Verrichtungen des Klägers auch
nicht über die den Mäklervertrag regelnden Normen des
Bundesrechts hinweg. Damit erledigt sich zugleich der
vom Kläger besonders heute vertretene Standpunkt,
seine Verrichtungen seien zwar nicht von Anfang an,
aber in der Folge und namentlich beim Abschluss des
Vergleiches vom 18. Ok'ober 1910 die eines Mäklers
gewesen. Unwesentlich ist endlkh. dass das bernische
Tarifgesetz die in Frage stehende T .itigkeit des Klägers
nich besonders vorsieht. Deshalb greifen nicht etwa die
bundesrechtlichen B~stimmungen über den Auftrag er-
AS 41 11 -
1;115
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484
Obllgationenrecht. N° 60.
gänzend Platz. Vielmehr hat in solchen Fällen der kan-
tonale Richter den geschuldeten Ersatz auf Grund seines
Tarifgesetzes nach freier Würdigung festzustellen (vergl.
die genannten Entscheide in Sachen Buzzi und in Sachen
Stattelmann und Konsorten).
c) Die Vorinstanz nimmt nun an, das streitige Ab-
kom me n vom 7./8. 0 k tob er 1 91 0, durch das
sich der Kläger für seine Dienste eine nach dem Ergebnis
seiner Bemühungen bemessene, die tarifmässigen Ge-
bühren weit übersteigende Vergütung habe zusichern lassen,
verstosse gegen ein gesetzli ches Verbot, denn das
kantonale Gesetz vom 10. Dezember 1840 untersage den
Advokaten, wenn nicht ausdrücklich, so doch implicite,
für ihre Verrichtungen mehr, als der Tarif vorsehe, zu
verlangen und namentlich einen Vertrag über einen Teil
des Rechtsstreites (paclum de quota [Ws) abzuschliessen.
Diese Auffassung ist nach dem Gesagten für das Bundes-
gericht massgebend, da die Vorinstanz insoweit kanto-
nales Recht anwendet und sich hiebei innE'rhalb der
diesem vom Bundesrecht gesetzten Schranken hält. Das
gilt auch für den Hinweis des Klägers darauf, dass der
Beklagte und nicht er den Anstoss zum Abschluss des
Provisionsvertrages gegeben habe: ob die Vorinstanz
aus diesem Grunde die Widerrechtlichkeit des Vertrages
hätte verneinen sollen, beurteilt sich ebenfalls nach kan-
tonalem Rechte.
d) Bundesrecht kommt dagegen zur Anwendun.g, sowe.it
endlich die Rechtsfolgen der Widerrech tll eh kel t
des streitigen Abkommens festzustellen sind, und zwar
greift hier nach Art. 2 SchlT zum ZGB in zwischenzeit-
lieher Hinsicht der Art. 20 revOR und nicht Art. 17
aOR Platz, trotzdem der Provisionsvertrag unter dem
alten Rechte abgeschlossen wurde. Verstösst nun auch
der Vertrag gegen kein eidgenössisches, sondern gegen
ein kantonales Verbotsgesetz, so schliesst das nicht aus,
die Frage nach der zivilrechtlithen Wirkung der Verbots-
übertretung als eine solche des Bundesrechts zu betrach-
Obligationenrecht. N° 60
485
ten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass in diesen
Fällen das eidgenössische dem kantonalen Rechte vor-
gehe und dass also der Art. 20 OR und im besondern
die darin aufgesteUte Sanktion der Nichtigkeit auch für
Verträge gelte, deren widerrecht1icher Inhalt in der Mis&-
achtung einer vom kantonalen Rechte innerhalb seines
Herrschaftsgebietes aufgestellten zwingenden Norm sei-
nen Grund hat. Anders könnte es sich nur verhalten,
wenn das kantonale Gesetz selbst, dem der zivilrecht-
liehe Inhalt des Vertrages zuwiderläuft, Gegenteiliges
anordnet, also aus Erwägungen irgend welcher Art es
nicht für nötig hält, an die Verletzung der kantonalen
Gesetzesnorm eine die Gültigkeit des Vertrages ab-
schwächende zivilrechtliehe Folge oder doch die der
Nichtigkeit des Vertrages zu knüpfen (im gleichen Sinne
die Regelung in § 134 des deutschen BGB). Diese Voraus-
setzung trifft aber hier nicht zu. Im Gegenteil erklärt die
Vorinstanz ausdrücklich, das fragliche Provisionsverspre-
chen sei «(als ein vom öffentlichen Rechte des Kantons
Bern verpöntes, daher unsittliches und nichtiges zu be-
trachten I). Die eingeklagte Forderung muss somit, weil
nicht zu Recht bestehend, abgewiesen werden. Hienach
bedarf es auch keiner Prüfung mehr, ob der streitige
Provisionsvertrag auch als ein (I gegen die guten Sitten
verstossender) im Sinne des Art. 20 zu gelten habe, von
welchem Gesichtspunkte aus die Vorinstanz den Streit-
fall hauptsächlich erörtert hat.
2. - Die Nichtigkeit des Provisionsvertrages vom 7./8.
Oktober 1910 führt anderseits zur Gutheissung der W i d er-
klage, womit der an die vertragliche Provision bezahlte
Teilbetrag von 30,000 Fr. zurückgefordert wird. Indem
der Beklagte, um seinem Provisionsversprechen llachzu-
kommen, diese Summe dem Kläger entrieh! ete, hat er
im Sinne von Art. 63 OR eille Nichlschuld freiwillig
(zum Teil) bezalIlt. Ferner hat er sirh über seine Schuld-
pflicht im Irrtum befunden, indem er der Meinung war,
auf Grund eines für ihn verbindlichen und jedenfalls
486
Obligationenrecht. N° 60.
keines wegen seines Inhaltes gesetzlich verpöllten Ver-
trages zu leisten. Dies muss in der Tat als erwiesen
gelten, da kein anderes Motiv ersichtlich ist, wegen
dessen er zu der fraglichen Zahlung als Teilleistung an
einen Betrag sich hätte verstehen können, der nach seiner
Höhe das dem Kläger von Rechtswegen zukommende
Honorar weit überstieg (verg1. BGE i. S. Werthmüller.
40 II S. 253, Erw. 4, OSER, Kommentar, Art. 63 V, 4).
Ein solcher Rechtsirrtum aber ist zur Begründung der
Rückforderung aus Art. 63 geeignet (vergl. den genannten
Bundesgerichtsentseheid). Sodann triHt auch keiner der
in Abs. 2 des Artikels angeführten Ausschlussgründe
der Rückforderung zu: Der Anspruch auf Rückerstat-
tung ist nicht, wie der Kläger behauptet, verjährt, da
ihn der Beklagte innerhalb eines Jahres, nachdem er
davon Kenntnis erhielt, eingeklagt hat und da, wie die
Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich ausführt,
durch die vom Kläger im Prozesse erklärLe Reform die
Rechtshängigkeit des Anspruches nicht aufgehoben und
somit an der Unlerbrechung der Verj'ihrung nichts ge-
ändert wurde. Ebensowenig hat der Kläger durch die
Entrichtung der Teilzahlung ({ in Erfüllung einer sitt-
lichen Pflichl geleistet). Eine solche Pflicht erfüllt nicht,
wer leistet, was nach ausdrücklicher Gesetzesvorschrift
nicht vertraglich Leistungsinhalt bilden darf -
wie hier
die Quote des Streitgegenstm~des, -
auch dann nicht,
wenn er die Leistung auf Grund eines vorherigen _
rech lieh ungültigen -
Versprechens vollzieht. Dagegen
lässt das Gesagte anderseits die Schuldpflicht des Be-
klagten s:Jweit unberührt, als sie sich aus den Grund-
s~tzen über die Honorierung der Anwaltsverrichtungen,
im besondern den Tarifbestimmungen ergibt, und es
bleiben in dieser Beziehung die Ansprüche des Klägers
gewahrt.
Mit Unrecht endlich glaubt die Vorinstanz die Rück-
forderung auf Grund von Art. 66 ÜR abweisen zu
sollen. Der Beklagte hat nicht « in der Absicht, einen
Obligationenrecht. N° 61.
487
rechtswidrigen oder unsittlichen Erfolg herbeizuführen,),
bezahlt, vielmehr in der irrtümlichen Meinung, einen
rechtsgültigen und vom Gesetze als zulässig anerkannten
Vertrag zu erfüllen. Aber auch insofern trifft die Bestim-
mung nicht zu, als die Rechtswidrigkeit und (allfällige)
Unsittlichkeit des Erfolges nur besteht in Hinsicht auf
die Person und die Gesinnung des Klägers als Empfän-
gers, nicht des Beklagten als Gebers des Geldes und die
gesetzliche Reprobation gerade den Interessen des Be-
klagten dienen soll. Der Grundsatz in pari turpitudine
melior est causa possidentis, den die Vorinstanz unter
Berufung auf den (anders gearteten) Fall Schmid-Zürrer
gegen Zürrer (BGE :17 11 S. (8) anführt, lässt sich also
auf den vorliegenden Tatbestand nicht anwenden.
fpernnach hal das Buudcsgerichlr
erkannt:
; Die Hauptberufung wird im Sinne des Berufungs-
antrages 3 gutgeheissen und demnach der Widerbeklagte
verurteilt, dem Widerkläger 30,000 Fr. nebst Zins zu
5 % seit dem 7. Oktober 1911 zu bezahlen.
61. Arret da 1a Ire Seotion oivila du 3 juillet 1915
,dans la cause Ba.nque federale contre Laa.gar.
Responsabilite a raison du domrnage resultant de paiements
faits sur le vu de cheques falsifies. Clause contractuelle
exonerant la hanque de toute responsabilite. Validite de
cette clause, sous reserve du cas de doI ou de faute lourde
de la banque. Ne commet pas une faute lourde l'employe
de banque qui neglige de verifier soigneusement la signa-
ture du tireur, alors que le cheque est presente par la femme
meme du tireur, mandataire habituelle de ce dernier dans
ses relations avec la banque.
Henri Laager a epouse Rose Steiner le 23 mai 1908.
Le mariage a ete dissous par le divorce prononce aux