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1903 bedeute nicht eine oberinstanzliche Bestätigung des inhaltlich streitigen Regierungsbeschlusses aus dem Jahre 1900, oder eine authentische Gesetzesinterpretation, sondern lediglich eine in Aus¬ übung des dem Großen Rat nach § 36 lit. 1 der KV zustehen¬ den allgemeinen Aufsichtsrechtes ausgesprochene Gutheißung jenes Regierungsbeschlusses; denn nach thurgauischen Staatsrecht habe der Große Rat — wie er schon in seiner Rekursantwort an das Bundesgericht in Sachen des landwirtschaftlichen Bezirks¬ vereins Kreuzzlingen vom 21. März 1902 eingehend dargetan habe — nicht die Kompetenz, Beschlüsse des Regierungsrates als Staatsgerichtshof oder Rekursinstanz direkt zu bestätigen oder aufzuheben, sondern nur als Aufsichtsbehörde seine Billigung oder Mißbilligung derselben auszudrücken. Dieser Akt aber habe nicht verbindlichen Charakter; es liege darin weder eine allgemein verbindliche, noch eine persönliche Verfügung im Sinne des Art. 178 OG. Somit sei der Rekurs formell unstatthaft; even¬ tuell sei er auch materiell unbegründet. Es werde deshalb Ab¬ weisung desselben beantragt. D. In ihrer Replik anerkennen die Rekurrenten die Richtigkeit der Ausführungen der Rekursantwort über die staatsrechtliche Natur des angefochtenen Großratsbeschlusses; sie bestreiten aber, daß diesem deswegen der Charakter der Verfügung im Sinne des Art. 178 OG abgehe, weil der ihm zu Grunde liegende Regie¬ rungsbeschluß erst durch die Sanktion des Großen Rates allge¬ meine Verbindlichkeit erlangt habe, indem derselbe erst in Zukunft, gestützt auf diese Sanktion, allgemein angewendet würde; in Erwägung: Der Beschluß des thurgauischen Großen Rates vom 10. März 1903, gegen den allein der vorliegende Rekurs gerichtet ist und nach dem Zeitpunkt seiner Einreichung allein gerichtet sein kann, qualifiziert sich — wie die Rekurrenten selbst zugeben — als eine vom Großen Rat in der ihm durch § 36 lit. 1 der Ver¬ fassung zugewiesenen Funktion der „Ueberwachung des Geschäfts¬ ganges aller Behörden und Gerichte“ ausgesprochene Gutheißung der sachlich streitigen Schlußnahme des Regierungsrates vom Jahre 1900. Es handelt sich somit dabei um einen rein admi¬ nistrativen Akt, welcher die ihm zu Grunde liegende Schlußnahme des Regierungsrates nicht etwa mit neuer rechtlicher Autorität versieht, sondern vielmehr lediglich als rechtlich unverbindliche wenn auch faktisch für den Regierungsrat bedeutsame Meinungs¬ äußerung des Großen Rates über die in jener Schlußnahme ent¬ haltene Anordnung und Rechtsauffassung erscheint. Hierin aber kann, wie auch der Große Rat anzunehmen scheint, eine „Ver¬ fügung“ oder ein „Erlaß im Sinne des Art. 178 OG nicht gefunden werden; denn das Charakteristische dieser Akte ist eine bestimmte, für einen einzelnen Fall, oder allgemein rechtlich ver¬ bindliche Weisung, ein Dispositiv im Rechtssinne. Ein solches liegt jedoch hier nicht vor. Der fragliche Beschluß des Großen Rates hat unzweifelhaft nicht dispositiven, sondern lediglich dekla¬ ratorischen Charakter. Demnach kann er, dem cit. Art. 178 OG gemäß, nicht Gegenstand eines staatsrechtlichen Rekurses bilden. Dieser wäre vielmehr nur direkt gegen den grundsätzlichen Be¬ schluß des Regierungsrates vom Jahre 1900 zulässig gewesen und ist natürlich auch noch zulässig gegen zukünftige Regierungs¬ beschlüsse, welche die streitige Rechtsauffassung im konkreten Falle zur Anwendung bringen werden. Folglich ist der vorliegende Re¬ kurs als unstatthaft von der Hand zu weisen; erkannt: Auf den Rekurs wird nicht eingetreten.
42 A. Staatsrechtliche Entscheidungen. II. Abschnitt. Bundesgesetze. in Erwägung: Daß auf die formelle Beschwerde, der Kleine Rat sei zum Erlaß des angefochtenen Entscheides nicht zuständig gewesen, nicht eingetreten werden kann, weil der Rekurrent keinen in den Kom¬ petenzkreis des Bundesgerichtes fallenden Beschwerdegrund geltend gemacht hat (ganz abgesehen davon, daß vom Rekurrenten in seiner Vernehmlassung an den Kleinen Rat die Kompetenz dieser Behörde ausdrücklich anerkannt worden ist); daß auch in materieller Hinsicht keine Verfassungsbestimmung als verletzt bezeichnet ist, sondern offenbar nur wegen Verletzung des Art. 4 des Fabrikgesetzes und Art. 8 des Haftpflichtgesetzes vom Jahre 1887 Beschwerde geführt wird; daß dem Bundesgerichte als Staatsgerichtshof jede Kompetenz zur Behandlung einer solchen Beschwerde mangelt (Art. 175 ff. G); erkannt: Auf den Rekurs wird nicht eingetreten. II. Civilrechtliche Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter. Rapports de droit civil des citoyens établis ou en séjour.
9. Arrêt du 21 janvier 1904, dans la cause Hoirs Sterro¬ contre Tribunal cantonal vaudois. Loi vaudoise du 28 déc. 1901 sur la perception du droit de muta¬ tion, art. 30 et 31. Méconnaissance manifeste des art. 22 et 23 loi féd. sur les rapports civils des Suisses établis ou en séjour; nullité des dispositions de la loi vaud. susrappelée. Art. 2 CF, disp. transit. Le 19 septembre 1902, est décédé à la Tour-de¬ A. Trême (Fribourg), où il était domicilié, Martin-Nicolas dit Joseph Sterroz, laissant comme héritiers ab intestat diffé¬ rents parents en ligne collatérale domiciliés les uns dans le II. Civilrechtl. Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter. No 9. canton de Fribourg, d'autres dans le canton de Vaud, d'au¬ tres encore soit en France, soit en Russie. Le 27 septembre 1902, le Tribunal civil de la Gruyère accorda le bénéfice d’inventaire de cette succession, à la demande des héritiers domiciliés dans les cantons de Fribourg et de Vaud. La dite succession comprenant entre autres des immeubles sis à Lucens (Vaud), le Président du Tribunal de la Gruyère dé¬ cerna une commission rogatoire, le 30 septembre 1902, au Président du Tribunal de Moudon ou à tout autre magistrat compétent, aux fins de procéder à la taxation de ces immeu¬ bles; cette taxation eut lieu le 16 octobre 1902 par les soins du Juge de Paix du cercle de Lucens pour la somme de 10000 fr. Les inscriptions ou interventions des créanciers au bénéfice d’inventaire ayant été clôturées le 18 novembre 1902, le Tribunal de la Gruyère prononça « la ratification de l’expédition du bénéfice d’inventaire » conformément à l’art. 947 C. civ. frib., ce dont avis fut donné aux héritiers bénéfi¬ ciaires le 30 décembre 1902. Ceux-ci devinrent héritiers purs et simples de la succession le 21 janvier 1903 par l’effet de l’art. 952 eod. B. — Les hoirs Sterroz voulant réaliser les immeubles dépendant de la succession, sis à Lucens, s'adressèrent le 20 mars 1903, par l'intermédiaire du notaire Pasquier, à Bulle, au notaire et greffier de paix Porchet, à Lucens. Le notaire Porchet avisa, le 5 mai 1903, le notaire Pasquier que, pour procéder à la vente des dits immeubles, il fallait d'abord que les héritiers de Sterroz obtinssent un envoi en possession du Juge de Paix du cercle de Lucens; cet envoi en possession fut accordé le 16 mai 1903; après quoi, la vente des immeubles susrappelés intervint sans aucune oppo¬ sition, ni aucune observation de personne. C. — Cependant, le 15 juin 1903, le Conservateur des Droits réels du district de Moudon dénonça au Préfet de ce district les hoirs Sterroz comme coupables de contravention aux art. 30 et 31 de la loi vaudoise sur la perception du droit de mutation, du 28 décembre 1901, articles conçus comme suit :