Sachverhalt
1.
X.___, geboren 1982, nimmt aufgrund seiner Opiatabhängig keit an einem ärztlich kontrollierten Substitutionsprogramm teil (Urk. 9/21 S. 2). Die in den Jahren 2000 und 2007 begonnenen Ausbildungen zum Psy chiatrie pfleger und zum Mecha praktiker Metalltechnik
schloss er
nicht ab (vgl. Urk. 9/7 S. 5, Urk. 9/3).
Am 11.
November 2016 (Urk. 9/7) meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression sowie ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) bei der Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen an. Die Sozialversicherungs anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Auskünfte über die erwerbliche und medizinische Situation ein und teilte dem Versicherten am
29. August 2017 (Urk. 9/20) mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt s eien . Mit Vorbe scheid vom 10.
Januar 2018 (Urk. 9/23) stellte sie dem Versicherten die Abwei sung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach erfolgten Einwänden vom 12. Februar 2018 (Urk. 9/24) und 15. März 2018 (Urk. 9/29) liess die IV-Stelle den Versicherten psychiatrisch begutachten (Expertise vom 28. Januar 2019; Urk. 9/41). Mit Schreiben vom 12. Februar 2019 (Urk. 9/42) gab die IV-Stelle dem Versicherten die Möglichkeit, sich zum Gutachten zu äussern, was dieser mit Stel lungnahme vom 22. Februar 2019 (Urk. 9/43) auch tat. Mit Verfügung vom 3. Juni 2020 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren schliesslich ab. 2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 24. Juni 2020 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 3. Juni 2020 sei aufzuheben und ihm sei eine Rente zuzusprechen, eventualiter seien weitere medizinische Mass nahmen in die Wege zu leiten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (S. 2). Die IV-Stelle schloss am 8. Oktober 2020 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde führer mit Verfügung vom 12. Oktober 2020 (Urk. 10) zur Kenntnis gebracht wurde. Das Gericht zieht in Erwägung: 1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetz es über den Allge meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ ATSG ]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 1. 2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 1 43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13 9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 1. 3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden einge treten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung in BGE 145 V 215 E. 4.1).Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215
vom 11. Juli 2019 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diag nostizierten - Abhängigkeitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsum störungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva nz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenver sicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fal len (E.
6). Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits syndrome (E. 6.2). Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio kulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän gigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit . b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1. 4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die: a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 3. Juli 2020 (Urk. 2) damit, dass die Arbeitsfähigkeit nach wie vor auf den Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen zurückzuführen sei. Das erstellte psychiat rische Gutachten vom 29. Januar 2019 sei zudem schlüssig und nachvollziehbar. Ebenso entspreche es den Vorgaben, weshalb darauf abgestützt werden könne. Das Sucht leiden sei als primär zu werten und ein eigenständiges psychisches Lei den liege nicht vor. Die von der Z.___ dargelegten Befunde seien aufgrund des fortgesetzten Substanzkonsums mit Beikonsum diagnostisch nicht verwertbar (S. 2). 2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), das Gutachten sei nicht beweiswertig. Es nehme keine Unterscheidung von Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Zudem ha be sich der Gut achter zu wenig mit dem Bericht der Z.___ auseinandergesetzt. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass sich die Rechtsprechung sänderung zu den Suchtleiden nicht auswirke, sei zu beanstanden . Das Gutachten sei noch vor Erlass der neuen Rechtsprechung verfasst worden. Auch der RAD nehme keine differenzierte Prüfung unter Berücksichtigung der neusten Rechtsprechung vor (S. 6 f.). 3. 3.1
Lic . phil. A.___, klinischer Psychologe und Neurobiologe und Dr. med. B.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, von de n
Z.___ und C.___ der D.___ hielten in ihrem Bericht vom 28. September 2017 (Urk. 9/21) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 2): - Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, vermeidend-selbst unsicheren und zwanghaften Zügen (ICD-10: F61): bestätigt nach SKID-II; mit sehr frühen Auffälligkeiten (seit Kindheit/Jugend und Persistierung bis heute) - Sonstige hyperkinetische Störung (ICD-10: F90.8), nicht näher bezeich nete Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung NNB (DSM-V: 314-01); Erstdiagnose E.___ 2005 - Mit frühen Auffälligkeiten in der Kindheit bei Störung des Sozial verhaltens in der Kindheit/Adoleszenz (ICD-10: F91.8) und Verdacht auf Dyslalie und Dyslexie - Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1);
seit Jugend/frühem Erwachsenenalter
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie die f olgen den auf (S. 2 f.) : - Substanzstörungen als sekundäre Folgestörungen der Diagnosepunkte 1 bis 3 - Sekundäre Opiatabhängigkeit, Teilnahme an einem ärztlich kontrol lierten Substitutionsprogramm (ICD-10: F11.22) - Sekundäre Kokainabhängigkeit, sporadischer Konsum (ICD-10: F14.26), ausserhalb eines arbeitsfähigkeitstangierenden Ausmasses - Anämie - Rezidivierendes Ulcus cruris recht s, seit Dezember 2013 - Status nach Abszess Unterarm links
Des Weiteren gaben sie an, aufgrund der medizinischen Abklärungen im Verlauf seien die Kriterien nach ICD-10 für eine kombinierte Persönlichkeitsstörung erfüllt und diese Störung führe zu einer starken Einschränkung der Arbeits fähigkeit. Der Beschwerdeführer sei bei einer zusätzlich diagnostizierten rezidi vierenden depressiven Störung instabil mit stark schwankendem psychischem Zustand und er leide stark unter innerer Unruhe und Ängsten und ziehe sich tagelang in seiner Wohnung zurück. Er könne dabei nicht einmal leichteste Haus haltsarbeiten verrichten. Es sei eine latente Aggression spürbar, die dann ausbreche, wenn er sich ungerecht behandelt fühle. Gesamthaft sei seine Persönlich keit geprägt von starkem pathologischem Vermeidungsverhalten . Nach eigenen Angaben fürchte er die Konfrontation seiner gegenwärtigen Lebensumstände. Dies zeige sich daran, wenn er zum Beispiel die Post nicht öffne oder e r Termine bei wichtigen psychiatrischen Gesprächen oder somatischen Untersuchungen intern
meide . Was sein seelisches Befinden anbelange, öffne er sich gegenüber dem Personal der Z.___ nicht oder nur wortkarg und ungern. Er schäme sich, über persönliche Dinge zu sprechen. Der Beschwerdeführer habe ausserdem starke Versagensängste bei der Arbeit. Zusammenfassend umfasse seine psychiatrische Grundstörung der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vermeidend-selbst unsicheren, zwanghaften und dissozialen Anteilen tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeig t en und mit persönliche m Leiden und gestörter sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einhergingen. Dies habe zu einer Ent gleisung seiner allgemeinen Lebenssituation geführt. Den Leistungsdruck und die daraus entstehenden Versagensängste bei beruflichen Anforderungen
– wie sich dies bei den zwei abgebrochenen Berufslehren gezeigt habe - habe er sekundär mit psychotropen Substanzen im Sinne einer Selbstmedikation zu mildern ver sucht, was ihn im Sinne einer Spirale immer weiter runtergezogen habe. Diese schweren Störungen/Einschränkungen würden sich negativ auf die Arbeits fähigkeit auswirken. Aufgrund der Fehlentwicklung sei die Zumutbarkeit für Vor gesetzte oder Mitarbeiter nicht gegeben. Der Beschwerdeführer sei nicht belastbar und nicht anpassungsfähig . Er sei nicht zuverlässig, vermeide oft Termine und habe starke emotionale Schwankungen mit tagelangem bis wochenlangem Rück zug in seine Wohnung (S. 16 f.).
Des Weiteren führten sie aus, mehrere Psychotherapie-Settings seien ebenso gescheitert wie mehrere Arbeits-Integrationsversuche. Wenn die Belastung zu gross ge w orden sei, habe der Beschwerdeführer wieder angefangen, vermehrt psychotrope Substanzen zu nehmen. Seine Medikation werde laufend angepasst, verbessere seine Arbeitsfähigkeit jedoch nicht. Momentan sei dem Exploranden eine Ausbildung beziehungsweise eine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt nicht mög lich. Eine Arbeitsfähigkeit habe wohl noch nie bestanden. Es werde versucht, ihn in einem geschützten Rahmen arbeiten zu lassen und ihm so eine Tagesstruktur zu ermöglichen. Die Prognose sei ungünstig (S. 21). 3.2
Dr. med. F.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem Gutachten vom 28. Januar 2019 (Urk. 9/41) folgende Diagnosen fest (S. 34): - Abhängigkeitssyndrome multipler Substanzen (ICD-10: F19.2): Diaphin (F11.22), Kokain (F14.26), Benzodiazepine (F13.22), Cannabis (F12.26) und Tabak (F17.25) - Verdacht auf iatrogene Methylphenidat -induzierte Hyper- und Dyskinesie (ICD-10: T88.8) - Anamnestisch Nickelallergie
Gemäss Dr. F.___
liess sich zum Zeitpunkt der Begutachtung keine Persön lichkeitsstörung gemäss ICD-10 diagnostizieren. Weder die aktenkundige hohe Impulsivität noch die aktenkundigen Beziehungs- und andere Verhaltens auffälligkeiten würden sich unter dem stetigen Einfluss psychotroper Substanzen als Persönlichkeitsmerkmale interpretieren lassen. Der verlässliche Ausschluss oder die verlässliche Bestätigung der aktenkundigen Komorbiditäten erfordere eine Sistierung des Beikonsums, insbesondere von Kokain und Cannabis und eine lege artis Pharmakotherapie mit Sistierung der Gabe von Methylphenidat und einer leitliniengerechten Entwöhnung von Benzodiazepinen und Z-Substanzen. Insbesondere liessen sich die aktenkundige kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, zwanghaften und vermeidend-selbstunsicheren Zügen, die aktenkundige hyperkinetische Störung beziehungsweise die aktenkundig nicht näher bezeichnete Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung und die akten kundige Störung des Sozialverhaltens in der Kindheit nicht bestätigen. Auch die rezidivierende depressive Störung habe sich nicht bestätigen lassen. Gegen eine Persönlichkeitsstörung spreche die Biographie des Beschwerdeführers bis zum Erwachsenenalter. Beim Beschwerdeführer lag und liege vor Beginn des gesund heitlich beeinträchtigenden Substanzkonsums keine tiefgreifende und schwer korrigierbare Verhalt en s- und Erlebensrigidität in den meisten Lebenslagen mit zeitlich überdauernder Beeinträchtigung der sozialen Funktions- und Leistungs fähigkeit vor (S. 35). Zum Untersuchungszeitpunkt habe kein anderes relevantes Leiden als Ursache der Suchtentwicklung definiert werden können und gegen wärtig würden keine irreversiblen Suchtfolgeschäden vorliegen (S. 39).
Dr. F.___ f ührte sodann aus, die zur Diaphi n -Substitution zusätzliche Phar makotherapie (Benzodiazepine, Z-Substanzen, hoch dosiertes retardiertes Methyl phenidat) stelle sich nicht lege artis dar und es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass durch eine solche zusätzliche Pharmako therapie unüberschaubare Interaktionen zwischen stimulierenden und sedieren den Effekten entständen, welche sowohl die Affekte wie auch die Kognition nach teilig beeinfluss t en und dadurch die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers signifikant beeinträchtig t en. Begleitend zur Etablierung einer Tagesstruktur sei daher eine Anpassung der Pharmakotherapie zwingend, mit Entwöhnung von Ben zodiazepinen und Z Substanzen und einem Sistieren von Methylphenidat sowie mit einem Sistieren des Beikonsums (THC, Kokain) und einem aussagekräftigen Monitoring des dabei erzielten therapeutischen Effekts (Haar- und Urinproben). Aufgrund des jungen Alte r s des Beschwerdeführers lasse sich durch eine Benzodiazepin-Entzugsbehandlung eine Verbesserung der kogni tiven Leistung, beispielsweise der Ausdauer sowie der affektiven Stabilität erwar ten. Eine solche Entzugsbehandlung sei lege artis mittel- bis langfristig anzu setzen um akute und protrahierte Benzodiazepin-Entzugssymptome zu vermeide n oder gering zu halten (S. 42). Eine Fortführung der Opiatsubstitution sei in jedem Fall zu empfehlen, wobei die Resultate der Untersuchungen des Beikonsums definierten, welche Art der Substitutionsbehandlung sich am zweckmässigsten erweise (S. 42).
Zur Arbeitsfähigkeit gab Dr. F.___ an, eine Fortsetzung der früher begonnenen Ausbildungen in den Bereichen Psychiatriepflege und Mechanik sei aufgrund der Vorgaben des kantonalen Bildungsamtes nicht mehr möglich. Grundsätzlich stelle sich daher die Frage, ob der Beschwerdeführer auch eine ungelernte Tätig keit (im Sinne eines fehlenden Berufsabschlusses) in den Bereichen Pflege oder Mechanikpraktik zu leisten im Stande sei. Der Pflegeberuf sei aufgrund des derzeit aktiven Suchtgeschehens auszuschliessen. Anders stelle sich die Sachlage im handwerklichen Bereich dar, wobei hier nicht explizit ein aktive s Sucht geschehen, sondern die allgemeine Arbeitssi cherheit im Umgang mit Werkstoff en und bedienbaren Maschinen im Vordergrund stehe. Dies könne den Suchtbereich aber mitbetreffen. Der Umgang mit Werkstoffen bei stabil eingestellter Opiat substitution und bei Einhalten einer Abstinenz des Beikonsums könne bedenken los empfohlen werden. Solange die Sicherheit am Arbeitsplatz durch akute Intoxikationen unterschiedlichster Substanzen nicht kompromittiert sei, würden sich für Menschen mit Opiatsubstitution kei ne Einschränkungen ergeben. Dr. F.___ gelangte zur Beurteilung, dass gegenwärtig weder eine der genannten angestammten noch eine Hilfstätigkeit im freien Arbeitsmarkt unter Wahrung der erwähnten Sicherheitsaspekte medizinisch zumutbar sei. Es bestehe derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, begründet durch eine die Sicherheit und Leistungs fähigkeit erheblich kompromittierende Pharmakotherapie und
aggraviert durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen. Eine verlässliche Quantifi zierung dieser Leistungsminderung lasse sich nicht vornehmen, da sich der Effekt psychotroper Substanzen in hohem Masse dynamisch darstelle. Zum Zeitpunkt der Begutachtung hätten sich relevante, substanzbedingte und soziale Faktoren erkennen lassen, welche einer derzeitigen Reintegration in den ersten Arbeits markt im Weg ständen. Die genannten Faktoren würden aber keine nicht-steuer baren Krankheitsfaktoren darstellen und liessen sich somit durch geeignete sozial-therapeutische Interventionen vollständig beseitigen. Eine der Beschwer den angepasste Tätigkeit sei als Hilfstätigkeit im handwerklichen Bereich, mit Vorteil im Bereich Mechanikpraktik, zu definieren. Andere handwerkliche Tätig keiten unter Ausschluss des Führens oder Bedienens von Maschinen seien ebenso möglich (beispielsweise Arbeiten im Bereich des Gebäudeunterhaltes). Dem Beschwerdeführer sei dabei eine strukturiert-ausführende Tätigkeit zuzuweisen, welche nach initialer Instruktion in Eigenverantwortung ausgeführt werden könne. Eine adäquate Supervision stelle eine notwendige Rahmenbedingung dar (S. 47 f.).
Nach erfolgreicher Entwöhnung der leistungsmindernden Substanzen und einer therapeutisch motivierten Etablierung einer Tagesstruktur in beschützendem Rah men sei nach längsten s ¾ Jahren eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgewiesen. Das derzeit limitierende Behandlungssetting mit drei maliger, ortsgebundener, direkt supervi s ierter Verabreichung von intravenösem Diaphin stelle längerfristig keine Limitation dar, da bei fehlendem Beikonsum die zweite Diaphin -Injektion zur Mittagszeit auch durch Mitgabe von Diaphin Tab letten ersetzt werden könne (S. 49). 3.3
Facharzt für Psychiatrie- u nd Psychotherapie G.___ vom R egionalen ärzt lichen Dienst (RAD) der IV-Stelle führte am 7. Februar 2019 aus, das Gutachten von Dr. F.___ weise eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, welche durch eine die Sicherheit und die Leistungsfähigkeit erheblich kompromittierende Pharmako therapie begründet und durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substan zen aggraviert sei, aus. Aus versicherungsmedizinischer Sicht liege kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor, denn die Arbeits fähigkeit sei durch die Sucht verursacht. Aus diesem Grund (Fehlen eines ver sicherungsmedizinischen Gesundheitsschadens) seien die medizinischen Mass nahmen zur Erreichung einer Arbeitsfähigkeit nic ht aufzuerlegen (Urk. 9/44 S. 5 f.). 4. 4.1
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer an keinen somatischen Beschwerden leidet, die eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten. 4.2
Bezüglich der psychischen Symptomatik stützte die Beschwerdegegnerin ihre leistungsabweisende Verfügung in erster Linie auf das psychiatrisch e Gutachten von Dr. F.___, welches sie zu Recht als beweiskräftig erachtete (Urk. 9/44/5).
So beruht da s
Gutachten von Dr.
F.___
(Urk. 9/41) auf einer einlässlichen psychiatrischen Untersuchung, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorak ten erstellt. Der Experte legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilte die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, Dr.
F.___ habe in seinem Gutachten keine Unterscheidung von Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit vorgenommen, ist festzuhalten, dass sich aus dem Gutachten zweifels frei ergibt, welche Leiden diagnostiziert werden und inwieweit diese Auswir kungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen (S. 34, S. 47 ff.). Dass nicht «formal» zwischen Diagnosen mit und ohne Auswirkung unterschieden wird, vermag den Beweiswert des Gutachtens somit nicht zu schmälern.
Die Fachpersonen der Z.___ und C.___
gingen im Bericht vom 28. September 2017 davon aus, beim Beschwerdeführer lägen neben der Sucht erkrankung weitere erhebliche psychische Leiden vor (E. 3.1) . D er Umstand, dass Dr. F.___
im Gutachten vom 28. Januar 2019 zu einem anderen Schluss gelangt e, vermag seine gutachterliche Einschätzung nicht in Frage zu stellen.
D enn d ie psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Daher bleibt dem begutachtenden Psychiater praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 29. Dezember 2017 E. 4.3). D ies trifft vorliegend zu, leitete d er Gutachter die von ihm gestellte Diagnose des Abhängigkeitssyndroms multipler Substanzen unter eingehender und detaillierter Würdigung der Aktenlage und nach eigener Erhebung des Status des Versicherten unter anderem mittels AMDP, das ein Instrument zur standardisierten Erfassung des psychopathologischen Befundes und körperlicher Symptome bereit hält, her (Urk. 9/41 S. 33 ff.). Er wies insbe sondere darauf hin, dass und weshalb er beim Beschwerdeführer keine Persön lichkeitsstörung sowie keine Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend diagnostizieren konnte . Dabei legte er einleuchtend dar, dass unter dem stetigen Einfluss psychotroper Substanzen weder die in den Akten beschriebene hohe Impulsivität noch die Beziehungs- und andere n Verhaltens auffälligkeiten als Persönlichkeitsmerkmale interpretiert werden könnten. Der Gutachter wies insbesondere auf das angemessene Funktionsniveau hin, welches der Beschwerdeführer im Rahmen seiner zwei Ausbildungen gezeigt habe, wobei die Beeinträchtigungen zu einem späteren Zeitpunkt eng mit dem problemati schen Substanzkonsum korreliert hätten. Damit ist auch die Schlussfolgerung, dass vor Beginn de s gesundheitlich beeinträchtigenden Substanzkonsums keine tiefgreifende und schwer korrigierbare Verhaltens- und Erlebensrigidität in den meisten Lebenslagen mit zeitlich überdauernder Beeinträchtigung der sozialen Funktions- und Leistungsfähigkeit vorgelegen hat, nachvollziehbar (Urk. 9/41 S. 35; vgl. auch S. 21, S. 40 und S. 45 f.) .
Auch die von den Fachpersonen der Z.___ und C.___
diagnostizierte rezidivierende depressive Störung lässt sich gemäss Dr.
F.___ weder aus dem dargelegten Befund noch aus der Anamnese mit fehlender Schilderung symptomarmer oder symptomfreier Intervalle im Zeitverlauf nachvollziehen . Sodann hielt Dr. F.___ fest, dass d epressive Items im Kontext einer Substitutionsbehandlung mit Opioiden und Benzodiazepinen und insbesondere im Kontext eines dokumentierten Beikonsums von Kokain und Cannabis vorrangig der Abhängigkeitsstörung zuzuordnen seien (S. 46). Damit ist der Einwand, dem Gutachten von Dr. F.___ mangle es an einer genügenden Auseinandersetzung mit dem Bericht der Fachpersonen der Z.___ und C.___
vom 28. September 2017 (E. 3.1), unbegründet . Soda nn ist darauf hinzuweisen, dass auch RAD-Arzt G.___
die im genannten Bericht diagnostizierten suchtfremden Leiden am 18. Dezember 2017 nicht hatte nachvollziehen können (vgl. Urk. 9/22 S. 3) .
Zusammengefasst ist daher auf das beweiskräftige psychiatrische Gutachten ab zustellen (vgl. E. 1.5 hiervor) und von weiteren Abklärungen ist abzusehen. 4.3
4.3.1
Nach d er Beurteilung von Dr. F.___
ist d er Beschwerdeführer auf eine Fort setzung der
Opiatsubstitution angewiesen (vgl. Urk. 9/41 S. 42 und S. 43) . Bei substituiertem Opiatkonsum ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers inso weit eingeschränkt, als Hilfstätigkeiten in der Pflege und Tätigkeiten an Maschi nen mit Gefährdung Dritter ausgeschlossen sind (S. 47 f.) . Eine leidensangepasste Tätigkeit wäre dagegen
– bei «ausschliesslicher» Opiatsubstitution - zu 100 % zumutbar (S. 48 oben, S. 50). Dagegen ergibt sich zusätzlich aus der ärztlich ver ordneten Pharmakotherapie (Benzodiazepine, Z-Substanzen, Methylphenidat) sowie aus dem Beikonsum psychotroper Substanzen (THC, Kokain) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch leidensangepasst (S. 48) . Hinsichtlich der Pharmako therapie und des Beikonsums ist dem Beschwerdeführer eine Sistierung und ein Entzug zumutbar und ein e
Wiederherstellung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ist innert festgesetzter Frist von einem ¾ Jahr zu erwarten (S. 49). 4.3.2
Die Beschwerdegegnerin ging nach einer Rücksprache mit dem RAD angesichts der Behandelbarkeit des Suchtleidens innert unterjähriger Frist von keiner dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus (vgl. «Feststellungsblatt Ein wand», Urk. 9/44 S. 8) beziehungsweise begründete die Abweisung des Leistungs begehrens mit dem Umstand, dass ein primäres Suchtgeschehen vorliege (Urk. 2).
Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung für sich allein betrachtet, sagt nichts über deren invalidisierenden Charakter
aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vo m 7. November 2019 E. 4.3.1) . Für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfäh igkeit nach Art. 29 Abs. 1 lit . b IVG bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht (vorne E. 1.4; vgl. BGE 127 V 294 E. 4c).
Damit erweisen sich die S chlussfolgerung en der Beschwer degegnerin, wonach beim Beschwerdeführer die funktionellen Einschränkungen aufgrund deren Behandelbarkeit keine relevante Einschränkung der Arbeits fähigkeit begründen, als nicht gerechtfertigt.
Hinzu kommt, dass einer Suchterkrankung, welche gemäss Dr. F.___ im Vor dergrund steht, in Nach achtung der geänderten bundesgerichtlichen Praxis nicht mehr per se jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen wer den kann (BGE 145 V 215). Vielmehr ist – wie grundsätzlich bei sämtlichen psy chischen Leiden – in Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 festzustel len, ob und inwiefern sich das Abhängigkeitssyndrom auf das funktionelle Leistungsvermögen auswirkt (vgl. E. 1.3) .
Vorliegend deuten nicht nur die ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeiten, sondern namentlich auch die erstmals im Jahr 2004 erfolgte und seit April 2010 durchgängige Substitu tionsbehandlung und der stetig vorhandene Konsum, die lange Behandlungs dauer und die abgebrochenen Berufsausbildungen auf einen relevanten Schweregrad der psychischen Gesundheitsschädigung hin, sodass von einem strukturierten Beweisverfahren nicht abgesehen werden kann .
4.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1): - Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) - Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1) - Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1) - Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2) - Komorbiditäten (E. 4.3.1.3) - Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res sourcen, E. 4.3.2) - Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) - Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4) - gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich baren Lebensbereichen (E. 4.4.1) - behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4). 4.5 4.5.1
Was den K omplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Aus prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 5.2.2). Bei Abhängigkeitserkrankungen ist ins besondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung zu tragen (vgl. BGE 145 V 215 E. 6.3; vgl. auch E. 5.2.1 und 5.2.2).
Der Beschwerdeführer leidet an einem Abhängigkeitssyndrom multipler Substan zen (ICD-10: F19.2) und befindet sich seit 2004 beziehungsweise seit 2010
in einem überwachten Heroinprogramm. Ein schädlicher Konsum von Cannabis lässt sich mit Beginn in der frühen Jugend festhalten und ein Beginn eines schäd lichen Gebrauchs von Kokain in der Spätadoleszenz. Der Erstkonsum von Heroin erfolgte im frühen Erwachsenenalter (Urk. 9/41 S. 21). Trotz frühen Drogen programmteilnahmen gelang es dem Beschwerdeführer nicht, den harten, geschweige denn den weichen Drogen gänzlich zu entsagen.
Die 2007 begonnene Ausbildung zum Mechapraktiker
war vorerst erfolgreich und
wurde dennoch -
wegen erneuten Drogenkonsums trotz Substitution – offenbar noch vor der prak tischen Endprüfung abgebrochen (Urk. 9/21 S. 19, 9/41 S. 24). Die bereits seit 2010 bestehende Teilnahme an der Behandlung bei de n
Z.___
und C.___
kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Suchtproblematik sowohl eine erhebliche Schwere aufweist als auch chronifiziert ist, was sich aus der Biographie des Beschwerdeführers fraglos ergibt. Die Sistierung der Opiat substitution und ein Entzug
sind denn nach gutachterlicher Einschätzung auch nicht zumutbar (Urk. 9/41 S. 43). Obwohl D r. F.___ in seinem Gutachten keine abschliessende n Feststellung en zur Schwere der Abhängigkeit macht (Urk. 9/41 S. 36 f.), leuchtet es dennoch ein, dass er
angesichts der ebenfalls gegebenen Opiat abhängigkeit und unter Einbezug einer kompromittierenden Pharmako therapie und aggraviert durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausging. In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diag noserelevanten Befunde als schwer ausgeprägt. 4.5.2
Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz » ist festzuhalten, dass gemäss Gutachten die Sistierung der Opiat substitution nicht zumutbar ist und insoweit von einer ausgewiesenen Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers auszugehen ist (Urk. 9/41 S. 43, S. 41) .
Dagegen ist di e aktuelle zusätzliche Pharmakotherapie (Benzodiazepine, Z-Sub stanzen, Methylphenidat), welche ärztlich verordnet ist, nicht lege artis und min dert die Leistung des Beschwerdeführers bei gleichzeitig nicht erkennbaren positiven gesundheitlichen Effekten. Die aus Sicht von Dr. F.___ nicht empfohlene Pharmakotherapie ist dem Beschwerdeführer aber nicht als fehlende Mitwirkung anzulasten (Urk. 9/41 S. 45).
Durch eine entsprechende Sistierung und Entwöh nung kann eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden.
Nach gutachterlicher Einschätzung sind die weiteren Kooperationsprobleme des Versicherten ressourcenbedingt, besitzen keinen Krankheitswert und sind zudem das Resultat eine r langjährigen Dekonditionierung mit fehlender Tagesstruktur (Urk. 9/41 S. 41). Insgesamt ergibt sich daraus, dass der Beschwerdeführer grund sätzlich verlässlich am Substitutionsprogramm teilnimmt und sich damit bemüht, seinen Gesundheitszustand zu stabilisieren, jedoch die Behandlungsmöglich keiten nicht vollständig aus ge schöpft respektive angepasst sind. 4.5.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Der Beschwerdeführer leidet neben den Abhängigkeits yndromen an einer Nick el allergie und es besteht der Verdacht auf iatrogene Methylphenidat -induzierte Hyper- und Dyskinesie (ICD-10: T88.8) . Gemäss Gutachten liegt keine weitere F Störung vor und es ist nicht von einer Dualdiagnose auszugehen (Urk. 9/41 S. 34, S. 46 f.). Relevante Komorbiditäten
liegen neben den möglichen Folgen der Fehl medikation mit Methylphenidat
damit nicht vor. 4.5.4
Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes:
Der Beschwerdeführer zeigte bis zum Übergang ins dritte Lebensjahrzehnt keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden körperlichen oder psychischen Leiden und war zudem fähig, ab 2007 einer Ausbildung zum Mechapraktiker während drei er Jahre nachzugehen (vgl. Urk. 9/41 S. 40) . Der Beschwerdeführer lebt in einem Zimmer mit Kochnische, wobei es sich um ein begleitetes Wohnen der H.___ handelt. Das Bad und WC steht ihm auf der Etage zur Mitbenützung zur Verfügung. Im Rahmen des Wohnens wird dem Beschwerdeführer eine Dop pelbetreuung zuteil, da jeweils dienstags und freitags jemand vorbeikomme. Der Beschwerdeführer hat kein aktives Sozialleben, jedoch auch keine nennenswerten Schwierigkeiten. Er hat zudem Schulden in Höhe von Fr. 30'000. -- und lebt ansonsten von Fürsorgegeldern (Urk. 9/41 S. 25 f.) . Grundsätzlich ist damit mit Dr. F.___ von gewissen Ressourcen auszugehen, wobei er
aber auch darauf hinwies, dass diese letztlich aktuell nur ungenügend erfass t werden könnt en, was eine zusätzliche Empfehlung zur Etablierung eine r therapeutisch motivierten Tagesstruktur in beschützendem Rahmen und einer Entwöhnung beziehungs weise Sistierung der Einnahme oder des Be ikonsums von Benzodiazepinen, Z Substanzen, Methylphenidat, Cannabinoiden und Kokain begründe
(S. 40) . 4.5.5
In der Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/ Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt der Indikator « gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1). Der Tagesablauf des Beschwerdeführers gestaltet sich so, dass er um 07.00 Uhr aufsteht und sich zur Z.___
begibt, wo er sich 200mg Diaphin parenteral verabreicht und andere Medikamente erhält. Zu Hause verbringt er den Vormittag im Internet, liest eine Tageszeitung, spielt Computerspiele oder bewegt sich in Chatforen. Zur Mittagszeit macht er sich erneut auf zur Z.___ . Die Nachmittage verbringt er ähnlich wie seine Vormittage und geht am Abend ein drittes Mal zu Z.___ (Urk. 9/41 S. 26 f.). Nach nachvollziehbarer Einschätzung von Dr. F.___ haben die aktuell erkennbaren sowie früheren Einschränkungen des Aktivitätsniveaus sich nach Massgabe eines schädlichen und leistungsmindernden Substanzkonsums entwickelt mit gleichmässiger Beei n trächtigung aller vergleichbaren Lebensbereiche (Urk. 9/41 S. 45). 4.5.6
Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus gewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht spre chung, S. 129) weist d ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie de rung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemacht e Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver sicherte Gesundheitsbe ein trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Zum Aspekt des Leidensdruckes ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer bei der Z.___ unter anderem in hochfrequenter Substitutions behandlung befindet, wobei die Psychopharmaka-Therapie von Dr. F.___ als nicht lege artis eingeschätzt wird. Subjektiv traut sich der Beschwerdeführer auf grund seiner derzeitigen psychosozialen Situation gänzlich keine Tätigkeit mehr zu und macht eine erhebliche Leistungseinschränkung geltend . Die Leistungs einschränkung wird nach der gutachterlichen Einschätzung durch den Beschwer deführer überbewertet (Urk. 9/41
S. 45) . 4.5.7
Zusammenfassend kann bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren und in Anbetracht der Ausprägung des psychischen Gesundheits schadens
die gutachterlich angegebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von aktuell 100 % (mit der ausgewiesenen Möglichkeit zur Verbesserung; vgl. E. 4.3.1) auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollzogen werden . 5.
5.1
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2020 aufzu heben. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer – in Beachtung der sechsmonatigen Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) – ab dem 1. Mai 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten. 5.2
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer bis anhin weder eine Schadenminderungspflicht nach Art. 21 Abs. 4 ATSG auferlegt noch ein Mahn-und Bedenkzeitverfahren durchgeführt (vgl. E. 3. 1) beziehungsweise ihn nicht auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen (vgl. BGE 145 V 215 Sachverhalt A). Sollten die dem Beschwerdeführer zumutbaren Massnahmen zwischenzeitlich noch nicht durchgeführt worden sein, wird dies die Beschwerdegegnerin gege benenfalls noch nachzuholen haben.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest zulegen (Art. 69 Abs. 1 bis IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unter liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess führung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos. Das Gericht erkennt: 1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der Sozial versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
3. Juni 2020 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat . 2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800 .-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt. 3.
Zustellung gegen Empfangsschein an: - Stadt Zürich Soziale Dienste - Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle - Bundesamt für Sozialversicherungen sowie an: - Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft) 4.
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin GräubBabic
Erwägungen (26 Absätze)
E. 1 X.___, geboren 1982, nimmt aufgrund seiner Opiatabhängig keit an einem ärztlich kontrollierten Substitutionsprogramm teil (Urk. 9/21 S. 2). Die in den Jahren 2000 und 2007 begonnenen Ausbildungen zum Psy chiatrie pfleger und zum Mecha praktiker Metalltechnik
schloss er
nicht ab (vgl. Urk. 9/7 S. 5, Urk. 9/3).
Am 11.
November 2016 (Urk. 9/7) meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression sowie ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) bei der Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen an. Die Sozialversicherungs anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Auskünfte über die erwerbliche und medizinische Situation ein und teilte dem Versicherten am
29. August 2017 (Urk. 9/20) mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt s eien . Mit Vorbe scheid vom 10.
Januar 2018 (Urk. 9/23) stellte sie dem Versicherten die Abwei sung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach erfolgten Einwänden vom 12. Februar 2018 (Urk. 9/24) und 15. März 2018 (Urk. 9/29) liess die IV-Stelle den Versicherten psychiatrisch begutachten (Expertise vom 28. Januar 2019; Urk. 9/41). Mit Schreiben vom 12. Februar 2019 (Urk. 9/42) gab die IV-Stelle dem Versicherten die Möglichkeit, sich zum Gutachten zu äussern, was dieser mit Stel lungnahme vom 22. Februar 2019 (Urk. 9/43) auch tat. Mit Verfügung vom 3. Juni 2020 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren schliesslich ab.
E. 1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetz es über den Allge meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ ATSG ]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 1.
E. 1.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 2.
E. 2 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 1 43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13 9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 1.
E. 2.1 Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 3. Juli 2020 (Urk. 2) damit, dass die Arbeitsfähigkeit nach wie vor auf den Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen zurückzuführen sei. Das erstellte psychiat rische Gutachten vom 29. Januar 2019 sei zudem schlüssig und nachvollziehbar. Ebenso entspreche es den Vorgaben, weshalb darauf abgestützt werden könne. Das Sucht leiden sei als primär zu werten und ein eigenständiges psychisches Lei den liege nicht vor. Die von der Z.___ dargelegten Befunde seien aufgrund des fortgesetzten Substanzkonsums mit Beikonsum diagnostisch nicht verwertbar (S. 2).
E. 2.2 Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), das Gutachten sei nicht beweiswertig. Es nehme keine Unterscheidung von Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Zudem ha be sich der Gut achter zu wenig mit dem Bericht der Z.___ auseinandergesetzt. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass sich die Rechtsprechung sänderung zu den Suchtleiden nicht auswirke, sei zu beanstanden . Das Gutachten sei noch vor Erlass der neuen Rechtsprechung verfasst worden. Auch der RAD nehme keine differenzierte Prüfung unter Berücksichtigung der neusten Rechtsprechung vor (S. 6 f.). 3.
E. 3 Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden einge treten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung in BGE 145 V 215 E. 4.1).Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215
vom 11. Juli 2019 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diag nostizierten - Abhängigkeitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsum störungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva nz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenver sicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fal len (E.
6). Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits syndrome (E. 6.2). Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio kulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän gigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit . b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.
E. 3.1 ) . D er Umstand, dass Dr. F.___
im Gutachten vom 28. Januar 2019 zu einem anderen Schluss gelangt e, vermag seine gutachterliche Einschätzung nicht in Frage zu stellen.
D enn d ie psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Daher bleibt dem begutachtenden Psychiater praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 29. Dezember 2017 E. 4.3). D ies trifft vorliegend zu, leitete d er Gutachter die von ihm gestellte Diagnose des Abhängigkeitssyndroms multipler Substanzen unter eingehender und detaillierter Würdigung der Aktenlage und nach eigener Erhebung des Status des Versicherten unter anderem mittels AMDP, das ein Instrument zur standardisierten Erfassung des psychopathologischen Befundes und körperlicher Symptome bereit hält, her (Urk. 9/41 S. 33 ff.). Er wies insbe sondere darauf hin, dass und weshalb er beim Beschwerdeführer keine Persön lichkeitsstörung sowie keine Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend diagnostizieren konnte . Dabei legte er einleuchtend dar, dass unter dem stetigen Einfluss psychotroper Substanzen weder die in den Akten beschriebene hohe Impulsivität noch die Beziehungs- und andere n Verhaltens auffälligkeiten als Persönlichkeitsmerkmale interpretiert werden könnten. Der Gutachter wies insbesondere auf das angemessene Funktionsniveau hin, welches der Beschwerdeführer im Rahmen seiner zwei Ausbildungen gezeigt habe, wobei die Beeinträchtigungen zu einem späteren Zeitpunkt eng mit dem problemati schen Substanzkonsum korreliert hätten. Damit ist auch die Schlussfolgerung, dass vor Beginn de s gesundheitlich beeinträchtigenden Substanzkonsums keine tiefgreifende und schwer korrigierbare Verhaltens- und Erlebensrigidität in den meisten Lebenslagen mit zeitlich überdauernder Beeinträchtigung der sozialen Funktions- und Leistungsfähigkeit vorgelegen hat, nachvollziehbar (Urk. 9/41 S. 35; vgl. auch S. 21, S. 40 und S. 45 f.) .
Auch die von den Fachpersonen der Z.___ und C.___
diagnostizierte rezidivierende depressive Störung lässt sich gemäss Dr.
F.___ weder aus dem dargelegten Befund noch aus der Anamnese mit fehlender Schilderung symptomarmer oder symptomfreier Intervalle im Zeitverlauf nachvollziehen . Sodann hielt Dr. F.___ fest, dass d epressive Items im Kontext einer Substitutionsbehandlung mit Opioiden und Benzodiazepinen und insbesondere im Kontext eines dokumentierten Beikonsums von Kokain und Cannabis vorrangig der Abhängigkeitsstörung zuzuordnen seien (S. 46). Damit ist der Einwand, dem Gutachten von Dr. F.___ mangle es an einer genügenden Auseinandersetzung mit dem Bericht der Fachpersonen der Z.___ und C.___
vom 28. September 2017 (E. 3.1), unbegründet . Soda nn ist darauf hinzuweisen, dass auch RAD-Arzt G.___
die im genannten Bericht diagnostizierten suchtfremden Leiden am 18. Dezember 2017 nicht hatte nachvollziehen können (vgl. Urk. 9/22 S. 3) .
Zusammengefasst ist daher auf das beweiskräftige psychiatrische Gutachten ab zustellen (vgl. E. 1.5 hiervor) und von weiteren Abklärungen ist abzusehen.
E. 3.2 Dr. med. F.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem Gutachten vom 28. Januar 2019 (Urk. 9/41) folgende Diagnosen fest (S. 34): - Abhängigkeitssyndrome multipler Substanzen (ICD-10: F19.2): Diaphin (F11.22), Kokain (F14.26), Benzodiazepine (F13.22), Cannabis (F12.26) und Tabak (F17.25) - Verdacht auf iatrogene Methylphenidat -induzierte Hyper- und Dyskinesie (ICD-10: T88.8) - Anamnestisch Nickelallergie
Gemäss Dr. F.___
liess sich zum Zeitpunkt der Begutachtung keine Persön lichkeitsstörung gemäss ICD-10 diagnostizieren. Weder die aktenkundige hohe Impulsivität noch die aktenkundigen Beziehungs- und andere Verhaltens auffälligkeiten würden sich unter dem stetigen Einfluss psychotroper Substanzen als Persönlichkeitsmerkmale interpretieren lassen. Der verlässliche Ausschluss oder die verlässliche Bestätigung der aktenkundigen Komorbiditäten erfordere eine Sistierung des Beikonsums, insbesondere von Kokain und Cannabis und eine lege artis Pharmakotherapie mit Sistierung der Gabe von Methylphenidat und einer leitliniengerechten Entwöhnung von Benzodiazepinen und Z-Substanzen. Insbesondere liessen sich die aktenkundige kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, zwanghaften und vermeidend-selbstunsicheren Zügen, die aktenkundige hyperkinetische Störung beziehungsweise die aktenkundig nicht näher bezeichnete Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung und die akten kundige Störung des Sozialverhaltens in der Kindheit nicht bestätigen. Auch die rezidivierende depressive Störung habe sich nicht bestätigen lassen. Gegen eine Persönlichkeitsstörung spreche die Biographie des Beschwerdeführers bis zum Erwachsenenalter. Beim Beschwerdeführer lag und liege vor Beginn des gesund heitlich beeinträchtigenden Substanzkonsums keine tiefgreifende und schwer korrigierbare Verhalt en s- und Erlebensrigidität in den meisten Lebenslagen mit zeitlich überdauernder Beeinträchtigung der sozialen Funktions- und Leistungs fähigkeit vor (S. 35). Zum Untersuchungszeitpunkt habe kein anderes relevantes Leiden als Ursache der Suchtentwicklung definiert werden können und gegen wärtig würden keine irreversiblen Suchtfolgeschäden vorliegen (S. 39).
Dr. F.___ f ührte sodann aus, die zur Diaphi n -Substitution zusätzliche Phar makotherapie (Benzodiazepine, Z-Substanzen, hoch dosiertes retardiertes Methyl phenidat) stelle sich nicht lege artis dar und es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass durch eine solche zusätzliche Pharmako therapie unüberschaubare Interaktionen zwischen stimulierenden und sedieren den Effekten entständen, welche sowohl die Affekte wie auch die Kognition nach teilig beeinfluss t en und dadurch die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers signifikant beeinträchtig t en. Begleitend zur Etablierung einer Tagesstruktur sei daher eine Anpassung der Pharmakotherapie zwingend, mit Entwöhnung von Ben zodiazepinen und Z Substanzen und einem Sistieren von Methylphenidat sowie mit einem Sistieren des Beikonsums (THC, Kokain) und einem aussagekräftigen Monitoring des dabei erzielten therapeutischen Effekts (Haar- und Urinproben). Aufgrund des jungen Alte r s des Beschwerdeführers lasse sich durch eine Benzodiazepin-Entzugsbehandlung eine Verbesserung der kogni tiven Leistung, beispielsweise der Ausdauer sowie der affektiven Stabilität erwar ten. Eine solche Entzugsbehandlung sei lege artis mittel- bis langfristig anzu setzen um akute und protrahierte Benzodiazepin-Entzugssymptome zu vermeide n oder gering zu halten (S. 42). Eine Fortführung der Opiatsubstitution sei in jedem Fall zu empfehlen, wobei die Resultate der Untersuchungen des Beikonsums definierten, welche Art der Substitutionsbehandlung sich am zweckmässigsten erweise (S. 42).
Zur Arbeitsfähigkeit gab Dr. F.___ an, eine Fortsetzung der früher begonnenen Ausbildungen in den Bereichen Psychiatriepflege und Mechanik sei aufgrund der Vorgaben des kantonalen Bildungsamtes nicht mehr möglich. Grundsätzlich stelle sich daher die Frage, ob der Beschwerdeführer auch eine ungelernte Tätig keit (im Sinne eines fehlenden Berufsabschlusses) in den Bereichen Pflege oder Mechanikpraktik zu leisten im Stande sei. Der Pflegeberuf sei aufgrund des derzeit aktiven Suchtgeschehens auszuschliessen. Anders stelle sich die Sachlage im handwerklichen Bereich dar, wobei hier nicht explizit ein aktive s Sucht geschehen, sondern die allgemeine Arbeitssi cherheit im Umgang mit Werkstoff en und bedienbaren Maschinen im Vordergrund stehe. Dies könne den Suchtbereich aber mitbetreffen. Der Umgang mit Werkstoffen bei stabil eingestellter Opiat substitution und bei Einhalten einer Abstinenz des Beikonsums könne bedenken los empfohlen werden. Solange die Sicherheit am Arbeitsplatz durch akute Intoxikationen unterschiedlichster Substanzen nicht kompromittiert sei, würden sich für Menschen mit Opiatsubstitution kei ne Einschränkungen ergeben. Dr. F.___ gelangte zur Beurteilung, dass gegenwärtig weder eine der genannten angestammten noch eine Hilfstätigkeit im freien Arbeitsmarkt unter Wahrung der erwähnten Sicherheitsaspekte medizinisch zumutbar sei. Es bestehe derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, begründet durch eine die Sicherheit und Leistungs fähigkeit erheblich kompromittierende Pharmakotherapie und
aggraviert durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen. Eine verlässliche Quantifi zierung dieser Leistungsminderung lasse sich nicht vornehmen, da sich der Effekt psychotroper Substanzen in hohem Masse dynamisch darstelle. Zum Zeitpunkt der Begutachtung hätten sich relevante, substanzbedingte und soziale Faktoren erkennen lassen, welche einer derzeitigen Reintegration in den ersten Arbeits markt im Weg ständen. Die genannten Faktoren würden aber keine nicht-steuer baren Krankheitsfaktoren darstellen und liessen sich somit durch geeignete sozial-therapeutische Interventionen vollständig beseitigen. Eine der Beschwer den angepasste Tätigkeit sei als Hilfstätigkeit im handwerklichen Bereich, mit Vorteil im Bereich Mechanikpraktik, zu definieren. Andere handwerkliche Tätig keiten unter Ausschluss des Führens oder Bedienens von Maschinen seien ebenso möglich (beispielsweise Arbeiten im Bereich des Gebäudeunterhaltes). Dem Beschwerdeführer sei dabei eine strukturiert-ausführende Tätigkeit zuzuweisen, welche nach initialer Instruktion in Eigenverantwortung ausgeführt werden könne. Eine adäquate Supervision stelle eine notwendige Rahmenbedingung dar (S. 47 f.).
Nach erfolgreicher Entwöhnung der leistungsmindernden Substanzen und einer therapeutisch motivierten Etablierung einer Tagesstruktur in beschützendem Rah men sei nach längsten s ¾ Jahren eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgewiesen. Das derzeit limitierende Behandlungssetting mit drei maliger, ortsgebundener, direkt supervi s ierter Verabreichung von intravenösem Diaphin stelle längerfristig keine Limitation dar, da bei fehlendem Beikonsum die zweite Diaphin -Injektion zur Mittagszeit auch durch Mitgabe von Diaphin Tab letten ersetzt werden könne (S. 49).
E. 3.3 Facharzt für Psychiatrie- u nd Psychotherapie G.___ vom R egionalen ärzt lichen Dienst (RAD) der IV-Stelle führte am 7. Februar 2019 aus, das Gutachten von Dr. F.___ weise eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, welche durch eine die Sicherheit und die Leistungsfähigkeit erheblich kompromittierende Pharmako therapie begründet und durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substan zen aggraviert sei, aus. Aus versicherungsmedizinischer Sicht liege kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor, denn die Arbeits fähigkeit sei durch die Sucht verursacht. Aus diesem Grund (Fehlen eines ver sicherungsmedizinischen Gesundheitsschadens) seien die medizinischen Mass nahmen zur Erreichung einer Arbeitsfähigkeit nic ht aufzuerlegen (Urk. 9/44 S. 5 f.).
E. 4 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die: a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
E. 4.1 Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer an keinen somatischen Beschwerden leidet, die eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten.
E. 4.2 Bezüglich der psychischen Symptomatik stützte die Beschwerdegegnerin ihre leistungsabweisende Verfügung in erster Linie auf das psychiatrisch e Gutachten von Dr. F.___, welches sie zu Recht als beweiskräftig erachtete (Urk. 9/44/5).
So beruht da s
Gutachten von Dr.
F.___
(Urk. 9/41) auf einer einlässlichen psychiatrischen Untersuchung, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorak ten erstellt. Der Experte legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilte die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, Dr.
F.___ habe in seinem Gutachten keine Unterscheidung von Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit vorgenommen, ist festzuhalten, dass sich aus dem Gutachten zweifels frei ergibt, welche Leiden diagnostiziert werden und inwieweit diese Auswir kungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen (S. 34, S. 47 ff.). Dass nicht «formal» zwischen Diagnosen mit und ohne Auswirkung unterschieden wird, vermag den Beweiswert des Gutachtens somit nicht zu schmälern.
Die Fachpersonen der Z.___ und C.___
gingen im Bericht vom 28. September 2017 davon aus, beim Beschwerdeführer lägen neben der Sucht erkrankung weitere erhebliche psychische Leiden vor (E.
E. 4.3.1 Nach d er Beurteilung von Dr. F.___
ist d er Beschwerdeführer auf eine Fort setzung der
Opiatsubstitution angewiesen (vgl. Urk. 9/41 S. 42 und S. 43) . Bei substituiertem Opiatkonsum ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers inso weit eingeschränkt, als Hilfstätigkeiten in der Pflege und Tätigkeiten an Maschi nen mit Gefährdung Dritter ausgeschlossen sind (S. 47 f.) . Eine leidensangepasste Tätigkeit wäre dagegen
– bei «ausschliesslicher» Opiatsubstitution - zu 100 % zumutbar (S. 48 oben, S. 50). Dagegen ergibt sich zusätzlich aus der ärztlich ver ordneten Pharmakotherapie (Benzodiazepine, Z-Substanzen, Methylphenidat) sowie aus dem Beikonsum psychotroper Substanzen (THC, Kokain) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch leidensangepasst (S. 48) . Hinsichtlich der Pharmako therapie und des Beikonsums ist dem Beschwerdeführer eine Sistierung und ein Entzug zumutbar und ein e
Wiederherstellung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ist innert festgesetzter Frist von einem ¾ Jahr zu erwarten (S. 49).
E. 4.3.2 Die Beschwerdegegnerin ging nach einer Rücksprache mit dem RAD angesichts der Behandelbarkeit des Suchtleidens innert unterjähriger Frist von keiner dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus (vgl. «Feststellungsblatt Ein wand», Urk. 9/44 S. 8) beziehungsweise begründete die Abweisung des Leistungs begehrens mit dem Umstand, dass ein primäres Suchtgeschehen vorliege (Urk. 2).
Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung für sich allein betrachtet, sagt nichts über deren invalidisierenden Charakter
aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vo m 7. November 2019 E. 4.3.1) . Für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfäh igkeit nach Art. 29 Abs. 1 lit . b IVG bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht (vorne E. 1.4; vgl. BGE 127 V 294 E. 4c).
Damit erweisen sich die S chlussfolgerung en der Beschwer degegnerin, wonach beim Beschwerdeführer die funktionellen Einschränkungen aufgrund deren Behandelbarkeit keine relevante Einschränkung der Arbeits fähigkeit begründen, als nicht gerechtfertigt.
Hinzu kommt, dass einer Suchterkrankung, welche gemäss Dr. F.___ im Vor dergrund steht, in Nach achtung der geänderten bundesgerichtlichen Praxis nicht mehr per se jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen wer den kann (BGE 145 V 215). Vielmehr ist – wie grundsätzlich bei sämtlichen psy chischen Leiden – in Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 festzustel len, ob und inwiefern sich das Abhängigkeitssyndrom auf das funktionelle Leistungsvermögen auswirkt (vgl. E. 1.3) .
Vorliegend deuten nicht nur die ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeiten, sondern namentlich auch die erstmals im Jahr 2004 erfolgte und seit April 2010 durchgängige Substitu tionsbehandlung und der stetig vorhandene Konsum, die lange Behandlungs dauer und die abgebrochenen Berufsausbildungen auf einen relevanten Schweregrad der psychischen Gesundheitsschädigung hin, sodass von einem strukturierten Beweisverfahren nicht abgesehen werden kann .
E. 4.4 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1): - Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) - Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1) - Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1) - Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2) - Komorbiditäten (E. 4.3.1.3) - Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res sourcen, E. 4.3.2) - Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) - Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4) - gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich baren Lebensbereichen (E. 4.4.1) - behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
E. 4.5.1 Was den K omplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Aus prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 5.2.2). Bei Abhängigkeitserkrankungen ist ins besondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung zu tragen (vgl. BGE 145 V 215 E. 6.3; vgl. auch E. 5.2.1 und 5.2.2).
Der Beschwerdeführer leidet an einem Abhängigkeitssyndrom multipler Substan zen (ICD-10: F19.2) und befindet sich seit 2004 beziehungsweise seit 2010
in einem überwachten Heroinprogramm. Ein schädlicher Konsum von Cannabis lässt sich mit Beginn in der frühen Jugend festhalten und ein Beginn eines schäd lichen Gebrauchs von Kokain in der Spätadoleszenz. Der Erstkonsum von Heroin erfolgte im frühen Erwachsenenalter (Urk. 9/41 S. 21). Trotz frühen Drogen programmteilnahmen gelang es dem Beschwerdeführer nicht, den harten, geschweige denn den weichen Drogen gänzlich zu entsagen.
Die 2007 begonnene Ausbildung zum Mechapraktiker
war vorerst erfolgreich und
wurde dennoch -
wegen erneuten Drogenkonsums trotz Substitution – offenbar noch vor der prak tischen Endprüfung abgebrochen (Urk. 9/21 S. 19, 9/41 S. 24). Die bereits seit 2010 bestehende Teilnahme an der Behandlung bei de n
Z.___
und C.___
kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Suchtproblematik sowohl eine erhebliche Schwere aufweist als auch chronifiziert ist, was sich aus der Biographie des Beschwerdeführers fraglos ergibt. Die Sistierung der Opiat substitution und ein Entzug
sind denn nach gutachterlicher Einschätzung auch nicht zumutbar (Urk. 9/41 S. 43). Obwohl D r. F.___ in seinem Gutachten keine abschliessende n Feststellung en zur Schwere der Abhängigkeit macht (Urk. 9/41 S. 36 f.), leuchtet es dennoch ein, dass er
angesichts der ebenfalls gegebenen Opiat abhängigkeit und unter Einbezug einer kompromittierenden Pharmako therapie und aggraviert durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausging. In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diag noserelevanten Befunde als schwer ausgeprägt.
E. 4.5.2 Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz » ist festzuhalten, dass gemäss Gutachten die Sistierung der Opiat substitution nicht zumutbar ist und insoweit von einer ausgewiesenen Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers auszugehen ist (Urk. 9/41 S. 43, S. 41) .
Dagegen ist di e aktuelle zusätzliche Pharmakotherapie (Benzodiazepine, Z-Sub stanzen, Methylphenidat), welche ärztlich verordnet ist, nicht lege artis und min dert die Leistung des Beschwerdeführers bei gleichzeitig nicht erkennbaren positiven gesundheitlichen Effekten. Die aus Sicht von Dr. F.___ nicht empfohlene Pharmakotherapie ist dem Beschwerdeführer aber nicht als fehlende Mitwirkung anzulasten (Urk. 9/41 S. 45).
Durch eine entsprechende Sistierung und Entwöh nung kann eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden.
Nach gutachterlicher Einschätzung sind die weiteren Kooperationsprobleme des Versicherten ressourcenbedingt, besitzen keinen Krankheitswert und sind zudem das Resultat eine r langjährigen Dekonditionierung mit fehlender Tagesstruktur (Urk. 9/41 S. 41). Insgesamt ergibt sich daraus, dass der Beschwerdeführer grund sätzlich verlässlich am Substitutionsprogramm teilnimmt und sich damit bemüht, seinen Gesundheitszustand zu stabilisieren, jedoch die Behandlungsmöglich keiten nicht vollständig aus ge schöpft respektive angepasst sind.
E. 4.5.3 Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Der Beschwerdeführer leidet neben den Abhängigkeits yndromen an einer Nick el allergie und es besteht der Verdacht auf iatrogene Methylphenidat -induzierte Hyper- und Dyskinesie (ICD-10: T88.8) . Gemäss Gutachten liegt keine weitere F Störung vor und es ist nicht von einer Dualdiagnose auszugehen (Urk. 9/41 S. 34, S. 46 f.). Relevante Komorbiditäten
liegen neben den möglichen Folgen der Fehl medikation mit Methylphenidat
damit nicht vor.
E. 4.5.4 Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes:
Der Beschwerdeführer zeigte bis zum Übergang ins dritte Lebensjahrzehnt keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden körperlichen oder psychischen Leiden und war zudem fähig, ab 2007 einer Ausbildung zum Mechapraktiker während drei er Jahre nachzugehen (vgl. Urk. 9/41 S. 40) . Der Beschwerdeführer lebt in einem Zimmer mit Kochnische, wobei es sich um ein begleitetes Wohnen der H.___ handelt. Das Bad und WC steht ihm auf der Etage zur Mitbenützung zur Verfügung. Im Rahmen des Wohnens wird dem Beschwerdeführer eine Dop pelbetreuung zuteil, da jeweils dienstags und freitags jemand vorbeikomme. Der Beschwerdeführer hat kein aktives Sozialleben, jedoch auch keine nennenswerten Schwierigkeiten. Er hat zudem Schulden in Höhe von Fr. 30'000. -- und lebt ansonsten von Fürsorgegeldern (Urk. 9/41 S. 25 f.) . Grundsätzlich ist damit mit Dr. F.___ von gewissen Ressourcen auszugehen, wobei er
aber auch darauf hinwies, dass diese letztlich aktuell nur ungenügend erfass t werden könnt en, was eine zusätzliche Empfehlung zur Etablierung eine r therapeutisch motivierten Tagesstruktur in beschützendem Rahmen und einer Entwöhnung beziehungs weise Sistierung der Einnahme oder des Be ikonsums von Benzodiazepinen, Z Substanzen, Methylphenidat, Cannabinoiden und Kokain begründe
(S. 40) .
E. 4.5.5 In der Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/ Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt der Indikator « gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1). Der Tagesablauf des Beschwerdeführers gestaltet sich so, dass er um 07.00 Uhr aufsteht und sich zur Z.___
begibt, wo er sich 200mg Diaphin parenteral verabreicht und andere Medikamente erhält. Zu Hause verbringt er den Vormittag im Internet, liest eine Tageszeitung, spielt Computerspiele oder bewegt sich in Chatforen. Zur Mittagszeit macht er sich erneut auf zur Z.___ . Die Nachmittage verbringt er ähnlich wie seine Vormittage und geht am Abend ein drittes Mal zu Z.___ (Urk. 9/41 S. 26 f.). Nach nachvollziehbarer Einschätzung von Dr. F.___ haben die aktuell erkennbaren sowie früheren Einschränkungen des Aktivitätsniveaus sich nach Massgabe eines schädlichen und leistungsmindernden Substanzkonsums entwickelt mit gleichmässiger Beei n trächtigung aller vergleichbaren Lebensbereiche (Urk. 9/41 S. 45).
E. 4.5.6 Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus gewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht spre chung, S. 129) weist d ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie de rung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemacht e Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver sicherte Gesundheitsbe ein trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Zum Aspekt des Leidensdruckes ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer bei der Z.___ unter anderem in hochfrequenter Substitutions behandlung befindet, wobei die Psychopharmaka-Therapie von Dr. F.___ als nicht lege artis eingeschätzt wird. Subjektiv traut sich der Beschwerdeführer auf grund seiner derzeitigen psychosozialen Situation gänzlich keine Tätigkeit mehr zu und macht eine erhebliche Leistungseinschränkung geltend . Die Leistungs einschränkung wird nach der gutachterlichen Einschätzung durch den Beschwer deführer überbewertet (Urk. 9/41
S. 45) .
E. 4.5.7 Zusammenfassend kann bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren und in Anbetracht der Ausprägung des psychischen Gesundheits schadens
die gutachterlich angegebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von aktuell 100 % (mit der ausgewiesenen Möglichkeit zur Verbesserung; vgl. E. 4.3.1) auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollzogen werden .
E. 5.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2020 aufzu heben. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer – in Beachtung der sechsmonatigen Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) – ab dem 1. Mai 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten.
E. 5.2 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer bis anhin weder eine Schadenminderungspflicht nach Art. 21 Abs. 4 ATSG auferlegt noch ein Mahn-und Bedenkzeitverfahren durchgeführt (vgl. E. 3. 1) beziehungsweise ihn nicht auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen (vgl. BGE 145 V 215 Sachverhalt A). Sollten die dem Beschwerdeführer zumutbaren Massnahmen zwischenzeitlich noch nicht durchgeführt worden sein, wird dies die Beschwerdegegnerin gege benenfalls noch nachzuholen haben.
E. 6 Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest zulegen (Art. 69 Abs. 1 bis IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unter liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess führung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos. Das Gericht erkennt: 1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der Sozial versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
3. Juni 2020 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat . 2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800 .-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt. 3.
Zustellung gegen Empfangsschein an: - Stadt Zürich Soziale Dienste - Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle - Bundesamt für Sozialversicherungen sowie an: - Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft) 4.
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin GräubBabic
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich IV.2020.00420
III. Kammer Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens Ersatzrichterin Tanner Imfeld Gerichtsschreiberin Babic Urteil vom
24. März 2021 in Sachen X.___ Beschwerdeführer vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste Y.___, Sozialversicherungsrecht, Team Recht Hönggerstrasse 24, 8037 Zürich gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich Beschwerdegegnerin
Sachverhalt: 1.
X.___, geboren 1982, nimmt aufgrund seiner Opiatabhängig keit an einem ärztlich kontrollierten Substitutionsprogramm teil (Urk. 9/21 S. 2). Die in den Jahren 2000 und 2007 begonnenen Ausbildungen zum Psy chiatrie pfleger und zum Mecha praktiker Metalltechnik
schloss er
nicht ab (vgl. Urk. 9/7 S. 5, Urk. 9/3).
Am 11.
November 2016 (Urk. 9/7) meldete er sich unter Hinweis auf eine Depression sowie ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) bei der Invalidenversicherung zum Bezug von Leistungen an. Die Sozialversicherungs anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Auskünfte über die erwerbliche und medizinische Situation ein und teilte dem Versicherten am
29. August 2017 (Urk. 9/20) mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt s eien . Mit Vorbe scheid vom 10.
Januar 2018 (Urk. 9/23) stellte sie dem Versicherten die Abwei sung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach erfolgten Einwänden vom 12. Februar 2018 (Urk. 9/24) und 15. März 2018 (Urk. 9/29) liess die IV-Stelle den Versicherten psychiatrisch begutachten (Expertise vom 28. Januar 2019; Urk. 9/41). Mit Schreiben vom 12. Februar 2019 (Urk. 9/42) gab die IV-Stelle dem Versicherten die Möglichkeit, sich zum Gutachten zu äussern, was dieser mit Stel lungnahme vom 22. Februar 2019 (Urk. 9/43) auch tat. Mit Verfügung vom 3. Juni 2020 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren schliesslich ab. 2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 24. Juni 2020 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 3. Juni 2020 sei aufzuheben und ihm sei eine Rente zuzusprechen, eventualiter seien weitere medizinische Mass nahmen in die Wege zu leiten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (S. 2). Die IV-Stelle schloss am 8. Oktober 2020 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde führer mit Verfügung vom 12. Oktober 2020 (Urk. 10) zur Kenntnis gebracht wurde. Das Gericht zieht in Erwägung: 1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetz es über den Allge meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ ATSG ]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 1. 2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 1 43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13 9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 1. 3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden einge treten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung in BGE 145 V 215 E. 4.1).Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit BGE 145 V 215
vom 11. Juli 2019 dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diag nostizierten - Abhängigkeitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsum störungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva nz abgesprochen werden kann (E. 5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenver sicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fal len (E.
6). Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits syndrome (E. 6.2). Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio kulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhän gigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit . b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1. 4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die: a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 3. Juli 2020 (Urk. 2) damit, dass die Arbeitsfähigkeit nach wie vor auf den Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen zurückzuführen sei. Das erstellte psychiat rische Gutachten vom 29. Januar 2019 sei zudem schlüssig und nachvollziehbar. Ebenso entspreche es den Vorgaben, weshalb darauf abgestützt werden könne. Das Sucht leiden sei als primär zu werten und ein eigenständiges psychisches Lei den liege nicht vor. Die von der Z.___ dargelegten Befunde seien aufgrund des fortgesetzten Substanzkonsums mit Beikonsum diagnostisch nicht verwertbar (S. 2). 2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), das Gutachten sei nicht beweiswertig. Es nehme keine Unterscheidung von Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Zudem ha be sich der Gut achter zu wenig mit dem Bericht der Z.___ auseinandergesetzt. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass sich die Rechtsprechung sänderung zu den Suchtleiden nicht auswirke, sei zu beanstanden . Das Gutachten sei noch vor Erlass der neuen Rechtsprechung verfasst worden. Auch der RAD nehme keine differenzierte Prüfung unter Berücksichtigung der neusten Rechtsprechung vor (S. 6 f.). 3. 3.1
Lic . phil. A.___, klinischer Psychologe und Neurobiologe und Dr. med. B.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, von de n
Z.___ und C.___ der D.___ hielten in ihrem Bericht vom 28. September 2017 (Urk. 9/21) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 2): - Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, vermeidend-selbst unsicheren und zwanghaften Zügen (ICD-10: F61): bestätigt nach SKID-II; mit sehr frühen Auffälligkeiten (seit Kindheit/Jugend und Persistierung bis heute) - Sonstige hyperkinetische Störung (ICD-10: F90.8), nicht näher bezeich nete Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung NNB (DSM-V: 314-01); Erstdiagnose E.___ 2005 - Mit frühen Auffälligkeiten in der Kindheit bei Störung des Sozial verhaltens in der Kindheit/Adoleszenz (ICD-10: F91.8) und Verdacht auf Dyslalie und Dyslexie - Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1);
seit Jugend/frühem Erwachsenenalter
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie die f olgen den auf (S. 2 f.) : - Substanzstörungen als sekundäre Folgestörungen der Diagnosepunkte 1 bis 3 - Sekundäre Opiatabhängigkeit, Teilnahme an einem ärztlich kontrol lierten Substitutionsprogramm (ICD-10: F11.22) - Sekundäre Kokainabhängigkeit, sporadischer Konsum (ICD-10: F14.26), ausserhalb eines arbeitsfähigkeitstangierenden Ausmasses - Anämie - Rezidivierendes Ulcus cruris recht s, seit Dezember 2013 - Status nach Abszess Unterarm links
Des Weiteren gaben sie an, aufgrund der medizinischen Abklärungen im Verlauf seien die Kriterien nach ICD-10 für eine kombinierte Persönlichkeitsstörung erfüllt und diese Störung führe zu einer starken Einschränkung der Arbeits fähigkeit. Der Beschwerdeführer sei bei einer zusätzlich diagnostizierten rezidi vierenden depressiven Störung instabil mit stark schwankendem psychischem Zustand und er leide stark unter innerer Unruhe und Ängsten und ziehe sich tagelang in seiner Wohnung zurück. Er könne dabei nicht einmal leichteste Haus haltsarbeiten verrichten. Es sei eine latente Aggression spürbar, die dann ausbreche, wenn er sich ungerecht behandelt fühle. Gesamthaft sei seine Persönlich keit geprägt von starkem pathologischem Vermeidungsverhalten . Nach eigenen Angaben fürchte er die Konfrontation seiner gegenwärtigen Lebensumstände. Dies zeige sich daran, wenn er zum Beispiel die Post nicht öffne oder e r Termine bei wichtigen psychiatrischen Gesprächen oder somatischen Untersuchungen intern
meide . Was sein seelisches Befinden anbelange, öffne er sich gegenüber dem Personal der Z.___ nicht oder nur wortkarg und ungern. Er schäme sich, über persönliche Dinge zu sprechen. Der Beschwerdeführer habe ausserdem starke Versagensängste bei der Arbeit. Zusammenfassend umfasse seine psychiatrische Grundstörung der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vermeidend-selbst unsicheren, zwanghaften und dissozialen Anteilen tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeig t en und mit persönliche m Leiden und gestörter sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einhergingen. Dies habe zu einer Ent gleisung seiner allgemeinen Lebenssituation geführt. Den Leistungsdruck und die daraus entstehenden Versagensängste bei beruflichen Anforderungen
– wie sich dies bei den zwei abgebrochenen Berufslehren gezeigt habe - habe er sekundär mit psychotropen Substanzen im Sinne einer Selbstmedikation zu mildern ver sucht, was ihn im Sinne einer Spirale immer weiter runtergezogen habe. Diese schweren Störungen/Einschränkungen würden sich negativ auf die Arbeits fähigkeit auswirken. Aufgrund der Fehlentwicklung sei die Zumutbarkeit für Vor gesetzte oder Mitarbeiter nicht gegeben. Der Beschwerdeführer sei nicht belastbar und nicht anpassungsfähig . Er sei nicht zuverlässig, vermeide oft Termine und habe starke emotionale Schwankungen mit tagelangem bis wochenlangem Rück zug in seine Wohnung (S. 16 f.).
Des Weiteren führten sie aus, mehrere Psychotherapie-Settings seien ebenso gescheitert wie mehrere Arbeits-Integrationsversuche. Wenn die Belastung zu gross ge w orden sei, habe der Beschwerdeführer wieder angefangen, vermehrt psychotrope Substanzen zu nehmen. Seine Medikation werde laufend angepasst, verbessere seine Arbeitsfähigkeit jedoch nicht. Momentan sei dem Exploranden eine Ausbildung beziehungsweise eine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt nicht mög lich. Eine Arbeitsfähigkeit habe wohl noch nie bestanden. Es werde versucht, ihn in einem geschützten Rahmen arbeiten zu lassen und ihm so eine Tagesstruktur zu ermöglichen. Die Prognose sei ungünstig (S. 21). 3.2
Dr. med. F.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in seinem Gutachten vom 28. Januar 2019 (Urk. 9/41) folgende Diagnosen fest (S. 34): - Abhängigkeitssyndrome multipler Substanzen (ICD-10: F19.2): Diaphin (F11.22), Kokain (F14.26), Benzodiazepine (F13.22), Cannabis (F12.26) und Tabak (F17.25) - Verdacht auf iatrogene Methylphenidat -induzierte Hyper- und Dyskinesie (ICD-10: T88.8) - Anamnestisch Nickelallergie
Gemäss Dr. F.___
liess sich zum Zeitpunkt der Begutachtung keine Persön lichkeitsstörung gemäss ICD-10 diagnostizieren. Weder die aktenkundige hohe Impulsivität noch die aktenkundigen Beziehungs- und andere Verhaltens auffälligkeiten würden sich unter dem stetigen Einfluss psychotroper Substanzen als Persönlichkeitsmerkmale interpretieren lassen. Der verlässliche Ausschluss oder die verlässliche Bestätigung der aktenkundigen Komorbiditäten erfordere eine Sistierung des Beikonsums, insbesondere von Kokain und Cannabis und eine lege artis Pharmakotherapie mit Sistierung der Gabe von Methylphenidat und einer leitliniengerechten Entwöhnung von Benzodiazepinen und Z-Substanzen. Insbesondere liessen sich die aktenkundige kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, zwanghaften und vermeidend-selbstunsicheren Zügen, die aktenkundige hyperkinetische Störung beziehungsweise die aktenkundig nicht näher bezeichnete Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung und die akten kundige Störung des Sozialverhaltens in der Kindheit nicht bestätigen. Auch die rezidivierende depressive Störung habe sich nicht bestätigen lassen. Gegen eine Persönlichkeitsstörung spreche die Biographie des Beschwerdeführers bis zum Erwachsenenalter. Beim Beschwerdeführer lag und liege vor Beginn des gesund heitlich beeinträchtigenden Substanzkonsums keine tiefgreifende und schwer korrigierbare Verhalt en s- und Erlebensrigidität in den meisten Lebenslagen mit zeitlich überdauernder Beeinträchtigung der sozialen Funktions- und Leistungs fähigkeit vor (S. 35). Zum Untersuchungszeitpunkt habe kein anderes relevantes Leiden als Ursache der Suchtentwicklung definiert werden können und gegen wärtig würden keine irreversiblen Suchtfolgeschäden vorliegen (S. 39).
Dr. F.___ f ührte sodann aus, die zur Diaphi n -Substitution zusätzliche Phar makotherapie (Benzodiazepine, Z-Substanzen, hoch dosiertes retardiertes Methyl phenidat) stelle sich nicht lege artis dar und es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass durch eine solche zusätzliche Pharmako therapie unüberschaubare Interaktionen zwischen stimulierenden und sedieren den Effekten entständen, welche sowohl die Affekte wie auch die Kognition nach teilig beeinfluss t en und dadurch die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers signifikant beeinträchtig t en. Begleitend zur Etablierung einer Tagesstruktur sei daher eine Anpassung der Pharmakotherapie zwingend, mit Entwöhnung von Ben zodiazepinen und Z Substanzen und einem Sistieren von Methylphenidat sowie mit einem Sistieren des Beikonsums (THC, Kokain) und einem aussagekräftigen Monitoring des dabei erzielten therapeutischen Effekts (Haar- und Urinproben). Aufgrund des jungen Alte r s des Beschwerdeführers lasse sich durch eine Benzodiazepin-Entzugsbehandlung eine Verbesserung der kogni tiven Leistung, beispielsweise der Ausdauer sowie der affektiven Stabilität erwar ten. Eine solche Entzugsbehandlung sei lege artis mittel- bis langfristig anzu setzen um akute und protrahierte Benzodiazepin-Entzugssymptome zu vermeide n oder gering zu halten (S. 42). Eine Fortführung der Opiatsubstitution sei in jedem Fall zu empfehlen, wobei die Resultate der Untersuchungen des Beikonsums definierten, welche Art der Substitutionsbehandlung sich am zweckmässigsten erweise (S. 42).
Zur Arbeitsfähigkeit gab Dr. F.___ an, eine Fortsetzung der früher begonnenen Ausbildungen in den Bereichen Psychiatriepflege und Mechanik sei aufgrund der Vorgaben des kantonalen Bildungsamtes nicht mehr möglich. Grundsätzlich stelle sich daher die Frage, ob der Beschwerdeführer auch eine ungelernte Tätig keit (im Sinne eines fehlenden Berufsabschlusses) in den Bereichen Pflege oder Mechanikpraktik zu leisten im Stande sei. Der Pflegeberuf sei aufgrund des derzeit aktiven Suchtgeschehens auszuschliessen. Anders stelle sich die Sachlage im handwerklichen Bereich dar, wobei hier nicht explizit ein aktive s Sucht geschehen, sondern die allgemeine Arbeitssi cherheit im Umgang mit Werkstoff en und bedienbaren Maschinen im Vordergrund stehe. Dies könne den Suchtbereich aber mitbetreffen. Der Umgang mit Werkstoffen bei stabil eingestellter Opiat substitution und bei Einhalten einer Abstinenz des Beikonsums könne bedenken los empfohlen werden. Solange die Sicherheit am Arbeitsplatz durch akute Intoxikationen unterschiedlichster Substanzen nicht kompromittiert sei, würden sich für Menschen mit Opiatsubstitution kei ne Einschränkungen ergeben. Dr. F.___ gelangte zur Beurteilung, dass gegenwärtig weder eine der genannten angestammten noch eine Hilfstätigkeit im freien Arbeitsmarkt unter Wahrung der erwähnten Sicherheitsaspekte medizinisch zumutbar sei. Es bestehe derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, begründet durch eine die Sicherheit und Leistungs fähigkeit erheblich kompromittierende Pharmakotherapie und
aggraviert durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen. Eine verlässliche Quantifi zierung dieser Leistungsminderung lasse sich nicht vornehmen, da sich der Effekt psychotroper Substanzen in hohem Masse dynamisch darstelle. Zum Zeitpunkt der Begutachtung hätten sich relevante, substanzbedingte und soziale Faktoren erkennen lassen, welche einer derzeitigen Reintegration in den ersten Arbeits markt im Weg ständen. Die genannten Faktoren würden aber keine nicht-steuer baren Krankheitsfaktoren darstellen und liessen sich somit durch geeignete sozial-therapeutische Interventionen vollständig beseitigen. Eine der Beschwer den angepasste Tätigkeit sei als Hilfstätigkeit im handwerklichen Bereich, mit Vorteil im Bereich Mechanikpraktik, zu definieren. Andere handwerkliche Tätig keiten unter Ausschluss des Führens oder Bedienens von Maschinen seien ebenso möglich (beispielsweise Arbeiten im Bereich des Gebäudeunterhaltes). Dem Beschwerdeführer sei dabei eine strukturiert-ausführende Tätigkeit zuzuweisen, welche nach initialer Instruktion in Eigenverantwortung ausgeführt werden könne. Eine adäquate Supervision stelle eine notwendige Rahmenbedingung dar (S. 47 f.).
Nach erfolgreicher Entwöhnung der leistungsmindernden Substanzen und einer therapeutisch motivierten Etablierung einer Tagesstruktur in beschützendem Rah men sei nach längsten s ¾ Jahren eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgewiesen. Das derzeit limitierende Behandlungssetting mit drei maliger, ortsgebundener, direkt supervi s ierter Verabreichung von intravenösem Diaphin stelle längerfristig keine Limitation dar, da bei fehlendem Beikonsum die zweite Diaphin -Injektion zur Mittagszeit auch durch Mitgabe von Diaphin Tab letten ersetzt werden könne (S. 49). 3.3
Facharzt für Psychiatrie- u nd Psychotherapie G.___ vom R egionalen ärzt lichen Dienst (RAD) der IV-Stelle führte am 7. Februar 2019 aus, das Gutachten von Dr. F.___ weise eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, welche durch eine die Sicherheit und die Leistungsfähigkeit erheblich kompromittierende Pharmako therapie begründet und durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substan zen aggraviert sei, aus. Aus versicherungsmedizinischer Sicht liege kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor, denn die Arbeits fähigkeit sei durch die Sucht verursacht. Aus diesem Grund (Fehlen eines ver sicherungsmedizinischen Gesundheitsschadens) seien die medizinischen Mass nahmen zur Erreichung einer Arbeitsfähigkeit nic ht aufzuerlegen (Urk. 9/44 S. 5 f.). 4. 4.1
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer an keinen somatischen Beschwerden leidet, die eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten. 4.2
Bezüglich der psychischen Symptomatik stützte die Beschwerdegegnerin ihre leistungsabweisende Verfügung in erster Linie auf das psychiatrisch e Gutachten von Dr. F.___, welches sie zu Recht als beweiskräftig erachtete (Urk. 9/44/5).
So beruht da s
Gutachten von Dr.
F.___
(Urk. 9/41) auf einer einlässlichen psychiatrischen Untersuchung, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorak ten erstellt. Der Experte legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilte die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, Dr.
F.___ habe in seinem Gutachten keine Unterscheidung von Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit vorgenommen, ist festzuhalten, dass sich aus dem Gutachten zweifels frei ergibt, welche Leiden diagnostiziert werden und inwieweit diese Auswir kungen auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen (S. 34, S. 47 ff.). Dass nicht «formal» zwischen Diagnosen mit und ohne Auswirkung unterschieden wird, vermag den Beweiswert des Gutachtens somit nicht zu schmälern.
Die Fachpersonen der Z.___ und C.___
gingen im Bericht vom 28. September 2017 davon aus, beim Beschwerdeführer lägen neben der Sucht erkrankung weitere erhebliche psychische Leiden vor (E. 3.1) . D er Umstand, dass Dr. F.___
im Gutachten vom 28. Januar 2019 zu einem anderen Schluss gelangt e, vermag seine gutachterliche Einschätzung nicht in Frage zu stellen.
D enn d ie psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Daher bleibt dem begutachtenden Psychiater praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 29. Dezember 2017 E. 4.3). D ies trifft vorliegend zu, leitete d er Gutachter die von ihm gestellte Diagnose des Abhängigkeitssyndroms multipler Substanzen unter eingehender und detaillierter Würdigung der Aktenlage und nach eigener Erhebung des Status des Versicherten unter anderem mittels AMDP, das ein Instrument zur standardisierten Erfassung des psychopathologischen Befundes und körperlicher Symptome bereit hält, her (Urk. 9/41 S. 33 ff.). Er wies insbe sondere darauf hin, dass und weshalb er beim Beschwerdeführer keine Persön lichkeitsstörung sowie keine Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend diagnostizieren konnte . Dabei legte er einleuchtend dar, dass unter dem stetigen Einfluss psychotroper Substanzen weder die in den Akten beschriebene hohe Impulsivität noch die Beziehungs- und andere n Verhaltens auffälligkeiten als Persönlichkeitsmerkmale interpretiert werden könnten. Der Gutachter wies insbesondere auf das angemessene Funktionsniveau hin, welches der Beschwerdeführer im Rahmen seiner zwei Ausbildungen gezeigt habe, wobei die Beeinträchtigungen zu einem späteren Zeitpunkt eng mit dem problemati schen Substanzkonsum korreliert hätten. Damit ist auch die Schlussfolgerung, dass vor Beginn de s gesundheitlich beeinträchtigenden Substanzkonsums keine tiefgreifende und schwer korrigierbare Verhaltens- und Erlebensrigidität in den meisten Lebenslagen mit zeitlich überdauernder Beeinträchtigung der sozialen Funktions- und Leistungsfähigkeit vorgelegen hat, nachvollziehbar (Urk. 9/41 S. 35; vgl. auch S. 21, S. 40 und S. 45 f.) .
Auch die von den Fachpersonen der Z.___ und C.___
diagnostizierte rezidivierende depressive Störung lässt sich gemäss Dr.
F.___ weder aus dem dargelegten Befund noch aus der Anamnese mit fehlender Schilderung symptomarmer oder symptomfreier Intervalle im Zeitverlauf nachvollziehen . Sodann hielt Dr. F.___ fest, dass d epressive Items im Kontext einer Substitutionsbehandlung mit Opioiden und Benzodiazepinen und insbesondere im Kontext eines dokumentierten Beikonsums von Kokain und Cannabis vorrangig der Abhängigkeitsstörung zuzuordnen seien (S. 46). Damit ist der Einwand, dem Gutachten von Dr. F.___ mangle es an einer genügenden Auseinandersetzung mit dem Bericht der Fachpersonen der Z.___ und C.___
vom 28. September 2017 (E. 3.1), unbegründet . Soda nn ist darauf hinzuweisen, dass auch RAD-Arzt G.___
die im genannten Bericht diagnostizierten suchtfremden Leiden am 18. Dezember 2017 nicht hatte nachvollziehen können (vgl. Urk. 9/22 S. 3) .
Zusammengefasst ist daher auf das beweiskräftige psychiatrische Gutachten ab zustellen (vgl. E. 1.5 hiervor) und von weiteren Abklärungen ist abzusehen. 4.3
4.3.1
Nach d er Beurteilung von Dr. F.___
ist d er Beschwerdeführer auf eine Fort setzung der
Opiatsubstitution angewiesen (vgl. Urk. 9/41 S. 42 und S. 43) . Bei substituiertem Opiatkonsum ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers inso weit eingeschränkt, als Hilfstätigkeiten in der Pflege und Tätigkeiten an Maschi nen mit Gefährdung Dritter ausgeschlossen sind (S. 47 f.) . Eine leidensangepasste Tätigkeit wäre dagegen
– bei «ausschliesslicher» Opiatsubstitution - zu 100 % zumutbar (S. 48 oben, S. 50). Dagegen ergibt sich zusätzlich aus der ärztlich ver ordneten Pharmakotherapie (Benzodiazepine, Z-Substanzen, Methylphenidat) sowie aus dem Beikonsum psychotroper Substanzen (THC, Kokain) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch leidensangepasst (S. 48) . Hinsichtlich der Pharmako therapie und des Beikonsums ist dem Beschwerdeführer eine Sistierung und ein Entzug zumutbar und ein e
Wiederherstellung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ist innert festgesetzter Frist von einem ¾ Jahr zu erwarten (S. 49). 4.3.2
Die Beschwerdegegnerin ging nach einer Rücksprache mit dem RAD angesichts der Behandelbarkeit des Suchtleidens innert unterjähriger Frist von keiner dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus (vgl. «Feststellungsblatt Ein wand», Urk. 9/44 S. 8) beziehungsweise begründete die Abweisung des Leistungs begehrens mit dem Umstand, dass ein primäres Suchtgeschehen vorliege (Urk. 2).
Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung für sich allein betrachtet, sagt nichts über deren invalidisierenden Charakter
aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vo m 7. November 2019 E. 4.3.1) . Für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfäh igkeit nach Art. 29 Abs. 1 lit . b IVG bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht (vorne E. 1.4; vgl. BGE 127 V 294 E. 4c).
Damit erweisen sich die S chlussfolgerung en der Beschwer degegnerin, wonach beim Beschwerdeführer die funktionellen Einschränkungen aufgrund deren Behandelbarkeit keine relevante Einschränkung der Arbeits fähigkeit begründen, als nicht gerechtfertigt.
Hinzu kommt, dass einer Suchterkrankung, welche gemäss Dr. F.___ im Vor dergrund steht, in Nach achtung der geänderten bundesgerichtlichen Praxis nicht mehr per se jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen wer den kann (BGE 145 V 215). Vielmehr ist – wie grundsätzlich bei sämtlichen psy chischen Leiden – in Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 festzustel len, ob und inwiefern sich das Abhängigkeitssyndrom auf das funktionelle Leistungsvermögen auswirkt (vgl. E. 1.3) .
Vorliegend deuten nicht nur die ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeiten, sondern namentlich auch die erstmals im Jahr 2004 erfolgte und seit April 2010 durchgängige Substitu tionsbehandlung und der stetig vorhandene Konsum, die lange Behandlungs dauer und die abgebrochenen Berufsausbildungen auf einen relevanten Schweregrad der psychischen Gesundheitsschädigung hin, sodass von einem strukturierten Beweisverfahren nicht abgesehen werden kann .
4.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1): - Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) - Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1) - Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1) - Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2) - Komorbiditäten (E. 4.3.1.3) - Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res sourcen, E. 4.3.2) - Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) - Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4) - gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich baren Lebensbereichen (E. 4.4.1) - behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4). 4.5 4.5.1
Was den K omplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Aus prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 5.2.2). Bei Abhängigkeitserkrankungen ist ins besondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung zu tragen (vgl. BGE 145 V 215 E. 6.3; vgl. auch E. 5.2.1 und 5.2.2).
Der Beschwerdeführer leidet an einem Abhängigkeitssyndrom multipler Substan zen (ICD-10: F19.2) und befindet sich seit 2004 beziehungsweise seit 2010
in einem überwachten Heroinprogramm. Ein schädlicher Konsum von Cannabis lässt sich mit Beginn in der frühen Jugend festhalten und ein Beginn eines schäd lichen Gebrauchs von Kokain in der Spätadoleszenz. Der Erstkonsum von Heroin erfolgte im frühen Erwachsenenalter (Urk. 9/41 S. 21). Trotz frühen Drogen programmteilnahmen gelang es dem Beschwerdeführer nicht, den harten, geschweige denn den weichen Drogen gänzlich zu entsagen.
Die 2007 begonnene Ausbildung zum Mechapraktiker
war vorerst erfolgreich und
wurde dennoch -
wegen erneuten Drogenkonsums trotz Substitution – offenbar noch vor der prak tischen Endprüfung abgebrochen (Urk. 9/21 S. 19, 9/41 S. 24). Die bereits seit 2010 bestehende Teilnahme an der Behandlung bei de n
Z.___
und C.___
kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Suchtproblematik sowohl eine erhebliche Schwere aufweist als auch chronifiziert ist, was sich aus der Biographie des Beschwerdeführers fraglos ergibt. Die Sistierung der Opiat substitution und ein Entzug
sind denn nach gutachterlicher Einschätzung auch nicht zumutbar (Urk. 9/41 S. 43). Obwohl D r. F.___ in seinem Gutachten keine abschliessende n Feststellung en zur Schwere der Abhängigkeit macht (Urk. 9/41 S. 36 f.), leuchtet es dennoch ein, dass er
angesichts der ebenfalls gegebenen Opiat abhängigkeit und unter Einbezug einer kompromittierenden Pharmako therapie und aggraviert durch einen Beikonsum mehrerer psychotroper Substanzen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausging. In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diag noserelevanten Befunde als schwer ausgeprägt. 4.5.2
Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz » ist festzuhalten, dass gemäss Gutachten die Sistierung der Opiat substitution nicht zumutbar ist und insoweit von einer ausgewiesenen Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers auszugehen ist (Urk. 9/41 S. 43, S. 41) .
Dagegen ist di e aktuelle zusätzliche Pharmakotherapie (Benzodiazepine, Z-Sub stanzen, Methylphenidat), welche ärztlich verordnet ist, nicht lege artis und min dert die Leistung des Beschwerdeführers bei gleichzeitig nicht erkennbaren positiven gesundheitlichen Effekten. Die aus Sicht von Dr. F.___ nicht empfohlene Pharmakotherapie ist dem Beschwerdeführer aber nicht als fehlende Mitwirkung anzulasten (Urk. 9/41 S. 45).
Durch eine entsprechende Sistierung und Entwöh nung kann eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden.
Nach gutachterlicher Einschätzung sind die weiteren Kooperationsprobleme des Versicherten ressourcenbedingt, besitzen keinen Krankheitswert und sind zudem das Resultat eine r langjährigen Dekonditionierung mit fehlender Tagesstruktur (Urk. 9/41 S. 41). Insgesamt ergibt sich daraus, dass der Beschwerdeführer grund sätzlich verlässlich am Substitutionsprogramm teilnimmt und sich damit bemüht, seinen Gesundheitszustand zu stabilisieren, jedoch die Behandlungsmöglich keiten nicht vollständig aus ge schöpft respektive angepasst sind. 4.5.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Der Beschwerdeführer leidet neben den Abhängigkeits yndromen an einer Nick el allergie und es besteht der Verdacht auf iatrogene Methylphenidat -induzierte Hyper- und Dyskinesie (ICD-10: T88.8) . Gemäss Gutachten liegt keine weitere F Störung vor und es ist nicht von einer Dualdiagnose auszugehen (Urk. 9/41 S. 34, S. 46 f.). Relevante Komorbiditäten
liegen neben den möglichen Folgen der Fehl medikation mit Methylphenidat
damit nicht vor. 4.5.4
Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes:
Der Beschwerdeführer zeigte bis zum Übergang ins dritte Lebensjahrzehnt keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden körperlichen oder psychischen Leiden und war zudem fähig, ab 2007 einer Ausbildung zum Mechapraktiker während drei er Jahre nachzugehen (vgl. Urk. 9/41 S. 40) . Der Beschwerdeführer lebt in einem Zimmer mit Kochnische, wobei es sich um ein begleitetes Wohnen der H.___ handelt. Das Bad und WC steht ihm auf der Etage zur Mitbenützung zur Verfügung. Im Rahmen des Wohnens wird dem Beschwerdeführer eine Dop pelbetreuung zuteil, da jeweils dienstags und freitags jemand vorbeikomme. Der Beschwerdeführer hat kein aktives Sozialleben, jedoch auch keine nennenswerten Schwierigkeiten. Er hat zudem Schulden in Höhe von Fr. 30'000. -- und lebt ansonsten von Fürsorgegeldern (Urk. 9/41 S. 25 f.) . Grundsätzlich ist damit mit Dr. F.___ von gewissen Ressourcen auszugehen, wobei er
aber auch darauf hinwies, dass diese letztlich aktuell nur ungenügend erfass t werden könnt en, was eine zusätzliche Empfehlung zur Etablierung eine r therapeutisch motivierten Tagesstruktur in beschützendem Rahmen und einer Entwöhnung beziehungs weise Sistierung der Einnahme oder des Be ikonsums von Benzodiazepinen, Z Substanzen, Methylphenidat, Cannabinoiden und Kokain begründe
(S. 40) . 4.5.5
In der Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/ Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt der Indikator « gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1). Der Tagesablauf des Beschwerdeführers gestaltet sich so, dass er um 07.00 Uhr aufsteht und sich zur Z.___
begibt, wo er sich 200mg Diaphin parenteral verabreicht und andere Medikamente erhält. Zu Hause verbringt er den Vormittag im Internet, liest eine Tageszeitung, spielt Computerspiele oder bewegt sich in Chatforen. Zur Mittagszeit macht er sich erneut auf zur Z.___ . Die Nachmittage verbringt er ähnlich wie seine Vormittage und geht am Abend ein drittes Mal zu Z.___ (Urk. 9/41 S. 26 f.). Nach nachvollziehbarer Einschätzung von Dr. F.___ haben die aktuell erkennbaren sowie früheren Einschränkungen des Aktivitätsniveaus sich nach Massgabe eines schädlichen und leistungsmindernden Substanzkonsums entwickelt mit gleichmässiger Beei n trächtigung aller vergleichbaren Lebensbereiche (Urk. 9/41 S. 45). 4.5.6
Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus gewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht spre chung, S. 129) weist d ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie de rung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemacht e Einschränkung sei anders begründet als durch eine ver sicherte Gesundheitsbe ein trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Zum Aspekt des Leidensdruckes ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer bei der Z.___ unter anderem in hochfrequenter Substitutions behandlung befindet, wobei die Psychopharmaka-Therapie von Dr. F.___ als nicht lege artis eingeschätzt wird. Subjektiv traut sich der Beschwerdeführer auf grund seiner derzeitigen psychosozialen Situation gänzlich keine Tätigkeit mehr zu und macht eine erhebliche Leistungseinschränkung geltend . Die Leistungs einschränkung wird nach der gutachterlichen Einschätzung durch den Beschwer deführer überbewertet (Urk. 9/41
S. 45) . 4.5.7
Zusammenfassend kann bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren und in Anbetracht der Ausprägung des psychischen Gesundheits schadens
die gutachterlich angegebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von aktuell 100 % (mit der ausgewiesenen Möglichkeit zur Verbesserung; vgl. E. 4.3.1) auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollzogen werden . 5.
5.1
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2020 aufzu heben. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer – in Beachtung der sechsmonatigen Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) – ab dem 1. Mai 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten. 5.2
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer bis anhin weder eine Schadenminderungspflicht nach Art. 21 Abs. 4 ATSG auferlegt noch ein Mahn-und Bedenkzeitverfahren durchgeführt (vgl. E. 3. 1) beziehungsweise ihn nicht auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen (vgl. BGE 145 V 215 Sachverhalt A). Sollten die dem Beschwerdeführer zumutbaren Massnahmen zwischenzeitlich noch nicht durchgeführt worden sein, wird dies die Beschwerdegegnerin gege benenfalls noch nachzuholen haben.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest zulegen (Art. 69 Abs. 1 bis IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unter liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess führung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos. Das Gericht erkennt: 1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der Sozial versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
3. Juni 2020 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat . 2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800 .-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt. 3.
Zustellung gegen Empfangsschein an: - Stadt Zürich Soziale Dienste - Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle - Bundesamt für Sozialversicherungen sowie an: - Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft) 4.
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin GräubBabic