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MKGE 9 Nr. 8

MKGE 9 Nr. 8 — B. e. OA

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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

11 Nr. 8 8. Loschung des Urteils im Strafregister (Art.59 Abs.l MStG): Anforderun- gen an das Wohlverhalten als Voraussetzung der Loschung eines Urteils im Strafregister. Radiation du jugement au casier judiciaire (art.59, t er al. CPM): exigen- ces relatives à la bonne conduite du condamné comme condition préalable pour la radiation du jugement au casier judiciaire. Cancellazione de lia sentenza ne l casellario giudiziale (art. 59 cpv .l CPM): esigenze concernenti la buona condotta del condannato come presup- posto per la cancellazione della sentenza nel casellario guidiziale. Aus den Erwãgungen:

2. -Z u prüfen bleibt, o b das gesetzliche Erfordernis des Wohlverhaltens gegeben ist. Wird das Rehabilitationsgesuch nicht im frühesten mõglichen Zeitpunkt gestellt, so sin d di e letzten (in casu 5) J ahre vor d er Gesuchstellung massgebend (MKGE6 Nr.26 und stãndige Praxis des Militãrkassationsge- richts, sowie auch BGE76 IV221). Bei d er Prüfung und Würdigung des W ohlverhaltens lãsst das Gesetz dem Richter einen weiten Ermessensspielraum. Indessen sollen nach der stãndigen Praxis des Militãrkassationsgerichts und auch nach derjenigen des Bundesgerichts die Anforderungen nicht zu hoch gespannt werden (MKGE5 Nr.19, BGE76 IV223). Auch wenn sich die Frage des Wohlver- haltens nach der gesamten Lebensführung des Gesuchstellers beurteilt (BGE 76 IV222), genügt es in der Regel, wenn in der massgebenden Zeit keine erneute strafrechtliche V erurteilung wegen vorsãtzlich verübter V er- brechen oder Vergehen erfolgt, und wenn dem Gesuchsteller auch sonst nicht eine kriminelle Gesinnung angelastet werden kann (MKGE5 Nr.19, 6 N r. 26). B. wurde am 18. September 1969 vom Bezirksgericht Zürich wegen schuldhafter Nichtbezahlung der Ersatzabgabe mit 5 Tagen Haft bestraft und vom Po1izeirichteramt der Stadt Zürich von 1968 bis 1972 viermal mit F r. 15.- bzw. F r. 20.- wegen Widerhandlung gegen das SVG gebüsst. Im Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 12. Januar 1973 sind für 1972 drei Betreibungen ohne Folgen sowie Steuerschulden aus den Jahren 1971 und 1972 verzeichnet. Die geringfügige Haftstrafe aus dem Jahre 1969 und die unbedeutenden V erkehrsbussen lassen keineswegs auf eine kriminelle Gesinnung des Gesuchstellers schliessen. Deswegen di e Lõsch un g z u verweigern, hiesse di e Anforderungen an das Wohlverhalten überspannen. Auch die Betreibungen und Steuerschulden aus jüngster Zeit lassen nicht ohne weiteres Zweifel an der korrekten Lebensführung B. entstehen. Der Aussagewert solcher Fest-' stellungen ist - wenn nãhere Angaben fehlen - für die Beurteilung der

Nr. 8, 9 12 Lebensführung allgemein ãusserst gering anzuschlagen. In casu blieben die Betreibungen ohne Folgen; die Gründe, aus denen sie erfolgten, sind nicht bekannt, ebensowenig wie die Hõhe der Betrãge, um welche es sich handelte. Da abgesehen von diesen unbedeutenden Vorgãngen dem Gesuchsteller in der massgebenden Zeit nichts vorgeworfen werden kann, sind auch die subjektiven Voraussetzungen für die Lõschung gegeben. Dem Begehren kann somit entsprochen werden. 3.- ... (Kosten) (2. Marz 1973, B. e. OA) 9. Nichtbefolgung von Dienstvorschriften (Art. 72 Ziff.l MStG), begangen durch die Weigerung, schulterlanges Haupthaar auf die reglementarische Lãnge zurückschneiden zu lassen: Voraussetzungen der Eingriffe in das Grundrecht der personlichen Frei- heit und damit in das Recht auf korperliche Unversehrtheit (Erw.l); Gesetzliche Grundlagen von Art. 203bis DR als Bestimmung, die einer unselbstãndigen bundesrãtlichen Verordnung angehõrt (Erw. 2 a); Art. 203bis DR ist eine im offentlichen lnteresse erlassene, verhãltnis- mãssige Vorschrift (Erw. 2 b). lnobservation de prescriptions de service (art. 72, ch.l CPM) p ar refus de se faire raccourcir à la longueur réglementaire une chevelure tombant aux épaules: conditions requises pour qu'il y ait atteinte au droit fondamental à la liberté individuelle et, par là-même, au droit à l'intégrité corporelle (cons.l); légalité du chiffre 203bis du RS, en tan t que disposition d'une ordonnance du Conseil fédéral fondée s ur un e délégation légale (cons. 2 a); le chiffre 203bis du RS est une prescription édictée dans l'intérêt public et appropriée aux circonstances (cons. 2 b). lnosservanza di prescrizioni di servizio (art. 72 n.l CPM) costituita dai rifiuto di tagliare capelli ebe arrivano fino sulle spalle fino ai limiti prescritti dai regolamento: presupposti per intaccare il diritto fondamentale alia libertà individuale e conseguentemente quello all'integrità corporale (cons.l); basi legali dell'art. 203bis RS come norma contenuta in un'ordinanza emanata per delega del Consiglio federale e approvata dallo stesso (cons.2a); l'art. 203bis RS e una norma emanata nell'interesse pubblico e adeguata alle circostanze (cons. 2 b).