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MKGE 9 Nr. 70

MKGE 9 Nr. 70 — i.S. Sp.

Mkg · 1975-09-18 · Deutsch CH
Erwägungen (3 Absätze)

E. 3 a) Das vorliegende Lõschungsbegehren vom 25. August 1975 ist nach der revidierten Fassung von Art. 59 Abs. l MStG vom 4. Oktober 1974, in Kraft seit l. Februar 1975, zu beurteilen, obwohl es eine Verurteilung betrifft, die unter dem alten Recht ergangen ist. Dies ergibt sich aus Art. II Ziff. l des Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1974 über die Abãnderung des MStG. Darnach bestimmt sich das V erhãltnis d er ne uen Bestimmungen zum bisherigen Recht nach d en Art. 215, 216 Ziff. 2 un d Art. 217 MStG. Gemãss Art. 217 Abs. 2 MStG richtet sich die Lõschung der Eintragung eines vor Inkrafttreten dieses Gesetzes ergangenen Urteils im Strafregister nach den Bestimmungen dieses Gesetzes, das heisst nach dem neuen Recht.

b) Mit Bezug auf die Frage, o b hier im Sinne des revidierten Art. 59 Abs. l MStG eine <<nach Art. 37bis Ziff. l StGB vollziehbare Gefángnisstrafe von nicht mehr als drei Monaten>> vorliegt, ist zu berücksichtigen, dass das Mili- tãrstrafgesetz, abgesehen von der Vorschrift über den mi1itãrischen Straf- vollzug, keine Bestimmungen über den Vollzug der Freiheitsstrafen enthãlt. Das bedeutet, dass sie nach den Regeln des zivilen Strafgesetzbuches vollzo- gen werden. J e de Ânderung des bürgerlichen S trafrech ts bezüglich des S traf- vollzugs wirkt demzufolge automatisch auch für den Vollzug der nach dem Militãrstrafgesetz ausgesprochenen Strafen (vgl. Botschaft des Bundesrats vom 15.5.1974 an die Bundesversammlung über eine Ãnderung des MStG, BB1 1974 I S. 1459 und 1461; Comtesse, Kommentar zu MStG Art. 28 N. 2 und Haefliger, Kommentar zu MStGO Art. 209 N. l Abs. 2). Es bedarf daher keiner Ãnderung des Militãrstrafgesetzes, um die Regel des Art. 37bis Ziff. l StG B auch für d en Vollzug d er nach d em Militãrstrafgesetz ausgespro- chenen Strafen anzuwenden. I m vorliegenden F all betrifft das Lõsch ungs begehren e ine Gefãngnis-

113 Nr. 70, 71 strafe von 60 Tagen. Für diese gilt nach dem oben Dargelegten die Bestim- mung, dass sie in Anwendung von Art. 37bis StGB in den Formen der Haft vollziehbar ist. Die Verurteilung durch das Divisionsgericht vom 21. Septem- ber 1970 zu 60 Tagen Gefángnis kann demgemãss-jedenfalls für sich allein betrachtet- nach zweijãhrigem Wohlverhalten gelõscht werden.

E. 4 Indessen stellt sich hier die weitere Frage, o b die zweijãhrige Bewãh- rungsfrist auch gilt, obschon der Gesuchsteller zu weitern Gefángnisstrafen (z. T. als Zusatzstrafen) verurteilt worden ist und schliesslich drei der erlitte- nen Strafen von insgesamt 4 Monaten und 8 Tagen (g ena u: 60 Tage + 8 Tage + 2 Monate) in der Strafanstalt Gmünden/ AR hat verbüssen müssen, wobei er nach einer Strafzeit von drei Monaten bedingt entlassen wurde. Art. 37bis Ziff. l Abs. 2 StG B bestimmt diesbezüglich, dass für gleichzeitig vollziehbare Strafen, wie auch für Gesamt- und Zusatzstrafen Art. 397bis Abs. l li t. a StG B vorbehalten b lei b t. Diese Bestimmung ermãchtigt d en Bun- desrat, über den Vollzug von Gesamtstrafen, Zusatzstrafen und mehreren gleichzeitig vollziehbaren Einzelstrafen und Massnahmen ergãnzende Bestimmungen zu erlassen. Der Bundesrat hat dies in der Verordnung (l) zum Schweizerischen Strafgesetzbuch vom 13. November 1973 getan. Dort wird in Art. 2 Abs. 2lit. a bestimmt, dass bei Zusammentreffen von Gefáng- nisstrafen im Vollzug diese gemãss Art. 37 StGB (also als <<Gefángnis>> und nicht wie <<Haft>>) zu vollziehen sind, wenn sich eine Gesamtdauer von mehr als drei Monaten ergibt. Dies w ar beim Gesuchsteller d er F all. Die zur Lõschung beantragte militãrgerichtliche Strafe von 60 Tagen Gefángnis hat somit auf Grund der erfolgten weitern V erurteilungen und deren gesamthaften Vollzugs den Charakter einer <<Kurzstrafe>> im Sinne des Art. 37bis Ziff. l StG B verloren un d kann deshalb das Privileg d er Lõschung schon nach einer zweijãhrigen Bewãhrungsfrist nicht mehr für sich bean- spruchen. Eine isolierte Betrachtung der militãrgerichtlichen Strafe und ein Abstel- len bloss auf die theoretische Vollziehbarkeit derselben in der Form der Haft ist angesichts der zitierten Bestimmungen wie auch mit Rücksicht auf die tat- sãchlich gegebenen Verhãltnisse beim konkreten Strafvollzug nicht mõglich. Das Ergebnis ist sachlich begründet, da der Gesuchsteller auf Grund der Mehrzahl seiner Straftaten das Privileg der Lõschung einer Teilstrafe (nach nur zweijãhriger Frist) nicht verdient.

E. 5 ... (18. September 1975, i.S. Sp.) 71. Menaces (art. 62 CPM); mutinerie (art. 63 CPM); cas de peu de gravité (art. 160a OJPPM): acquittement pénal des chefs d'accusation de menaces et de mutinerie, le cas étant de peu de gravité.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

Nr. 70 112 Radiation du jugement au casier judiciaire (art. 59 CPM): Dispositions transitoires de la novelle du 4 octobre 1974 (RO 1975 60) appliquées dans le cadre de l'art. 59 CPM (cons. 3a). Portée de l'expression > (cons. 3b); réserve apportée par le second alinéa de l'art. 37 •s, eh. 1er CP quant aux peines devenues simultanément exécutoires, aux peines d'ensemble et aux peines supplémentaires (cons. 4). Cancellazione della sentenza nel casellario giudiziale (art. 59 CPM): Le disposizioni finali della legge di modificazione del4 ottobre 1974 (RU 1975 pag. 55) nell'ambito dell'art. 59 CPM (cons. 3a). Porta ta della precisazione > (cons. 3b); riserva secondo l'art. 37bis numero l cpv. 2 CP per pene da eseguire simultaneamente, pene cumulative e pene suppletive (cons. 4). Aus den Erwãgungen: 3.- a) Das vorliegende Lõschungsbegehren vom 25. August 1975 ist nach der revidierten Fassung von Art. 59 Abs. l MStG vom 4. Oktober 1974, in Kraft seit l. Februar 1975, zu beurteilen, obwohl es eine Verurteilung betrifft, die unter dem alten Recht ergangen ist. Dies ergibt sich aus Art. II Ziff. l des Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1974 über die Abãnderung des MStG. Darnach bestimmt sich das V erhãltnis d er ne uen Bestimmungen zum bisherigen Recht nach d en Art. 215, 216 Ziff. 2 un d Art. 217 MStG. Gemãss Art. 217 Abs. 2 MStG richtet sich die Lõschung der Eintragung eines vor Inkrafttreten dieses Gesetzes ergangenen Urteils im Strafregister nach den Bestimmungen dieses Gesetzes, das heisst nach dem neuen Recht.

b) Mit Bezug auf die Frage, o b hier im Sinne des revidierten Art. 59 Abs. l MStG eine > vorliegt, ist zu berücksichtigen, dass das Mili- tãrstrafgesetz, abgesehen von der Vorschrift über den mi1itãrischen Straf- vollzug, keine Bestimmungen über den Vollzug der Freiheitsstrafen enthãlt. Das bedeutet, dass sie nach den Regeln des zivilen Strafgesetzbuches vollzo- gen werden. J e de Ânderung des bürgerlichen S trafrech ts bezüglich des S traf- vollzugs wirkt demzufolge automatisch auch für den Vollzug der nach dem Militãrstrafgesetz ausgesprochenen Strafen (vgl. Botschaft des Bundesrats vom 15.5.1974 an die Bundesversammlung über eine Ãnderung des MStG, BB1 1974 I S. 1459 und 1461; Comtesse, Kommentar zu MStG Art. 28 N. 2 und Haefliger, Kommentar zu MStGO Art. 209 N. l Abs. 2). Es bedarf daher keiner Ãnderung des Militãrstrafgesetzes, um die Regel des Art. 37bis Ziff. l StG B auch für d en Vollzug d er nach d em Militãrstrafgesetz ausgespro- chenen Strafen anzuwenden. I m vorliegenden F all betrifft das Lõsch ungs begehren e ine Gefãngnis-

113 Nr. 70, 71 strafe von 60 Tagen. Für diese gilt nach dem oben Dargelegten die Bestim- mung, dass sie in Anwendung von Art. 37bis StGB in den Formen der Haft vollziehbar ist. Die Verurteilung durch das Divisionsgericht vom 21. Septem- ber 1970 zu 60 Tagen Gefángnis kann demgemãss-jedenfalls für sich allein betrachtet- nach zweijãhrigem Wohlverhalten gelõscht werden. 4.- Indessen stellt sich hier die weitere Frage, o b die zweijãhrige Bewãh- rungsfrist auch gilt, obschon der Gesuchsteller zu weitern Gefángnisstrafen (z. T. als Zusatzstrafen) verurteilt worden ist und schliesslich drei der erlitte- nen Strafen von insgesamt 4 Monaten und 8 Tagen (g ena u: 60 Tage + 8 Tage + 2 Monate) in der Strafanstalt Gmünden/ AR hat verbüssen müssen, wobei er nach einer Strafzeit von drei Monaten bedingt entlassen wurde. Art. 37bis Ziff. l Abs. 2 StG B bestimmt diesbezüglich, dass für gleichzeitig vollziehbare Strafen, wie auch für Gesamt- und Zusatzstrafen Art. 397bis Abs. l li t. a StG B vorbehalten b lei b t. Diese Bestimmung ermãchtigt d en Bun- desrat, über den Vollzug von Gesamtstrafen, Zusatzstrafen und mehreren gleichzeitig vollziehbaren Einzelstrafen und Massnahmen ergãnzende Bestimmungen zu erlassen. Der Bundesrat hat dies in der Verordnung (l) zum Schweizerischen Strafgesetzbuch vom 13. November 1973 getan. Dort wird in Art. 2 Abs. 2lit. a bestimmt, dass bei Zusammentreffen von Gefáng- nisstrafen im Vollzug diese gemãss Art. 37 StGB (also als > und nicht wie >) zu vollziehen sind, wenn sich eine Gesamtdauer von mehr als drei Monaten ergibt. Dies w ar beim Gesuchsteller d er F all. Die zur Lõschung beantragte militãrgerichtliche Strafe von 60 Tagen Gefángnis hat somit auf Grund der erfolgten weitern V erurteilungen und deren gesamthaften Vollzugs den Charakter einer > im Sinne des Art. 37bis Ziff. l StG B verloren un d kann deshalb das Privileg d er Lõschung schon nach einer zweijãhrigen Bewãhrungsfrist nicht mehr für sich bean- spruchen. Eine isolierte Betrachtung der militãrgerichtlichen Strafe und ein Abstel- len bloss auf die theoretische Vollziehbarkeit derselben in der Form der Haft ist angesichts der zitierten Bestimmungen wie auch mit Rücksicht auf die tat- sãchlich gegebenen Verhãltnisse beim konkreten Strafvollzug nicht mõglich. Das Ergebnis ist sachlich begründet, da der Gesuchsteller auf Grund der Mehrzahl seiner Straftaten das Privileg der Lõschung einer Teilstrafe (nach nur zweijãhriger Frist) nicht verdient. 5.- ... (18. September 1975, i.S. Sp.) 71. Menaces (art. 62 CPM); mutinerie (art. 63 CPM); cas de peu de gravité (art. 160a OJPPM): acquittement pénal des chefs d'accusation de menaces et de mutinerie, le cas étant de peu de gravité.