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MKGE 9 Nr. 31

MKGE 9 Nr. 31 — Sch., L. und F. e. DG 6

Mkg · 1973-11-22 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

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Nr. 31, 32

Der Oberauditor schliesst auf Abweisung beiderBeschwerden. Der Gross-

richter hat einen Bericht erstattet.

Aus den Erwãgungen:

l.- Gemãss Art. 187 MStGO findet die Kassationsbeschwerde n ur gegen

Urteile d er Divisionsgerichte un d Territorialgerichte statt. N ach d er Praxis

des Militãrkassationsgerichts sind für die Frage, ob ein Urteil vorliegt, der

Inhalt und die materielle Wirkung, nicht die ãussere Form des Entscheids

massgebend. Ein Entscheid ist als Urteil zu betrachten, wenn dadurch auch

n ur in einzelnen Punkten di e Anklage endgültig erledigt un d das V erfahren

abgeschlossen wird. Au eh Entscheide über Vorfragen sin d U rteile, sofern si e

über das Schicksal der Anklage de:finitiv entscheiden. So ist die Kassations-

beschwerde auch mõglich gegen einen Entscheid, durch den das Gericht sich

als sachlich unzustãndig erklãrt (Haefliger, Kommentar zu MStGO Art. 187

N. 2 und dort zitierter Entscheid MKGE l N r. 89 Erw. B.; ferner MKGE 7

Nr. 54 Erw. la). Ein solcher Entscheid, mit dem das Gericht sich selber als

unzustãndig erklãrte, liegt hier vor. Gegen den Beschluss des Divisionsge-

richts 6 vom 9. Mai 1973, auf die Anklage i. S. MotrdfSch. & Kons. nicht ein-

zutreten, ist somit eine Kassationsbeschwerde zulãssig.

2.- ...

(22. November 1973, Sch., L. und F. e. DG 6)

32.

Hauptverhandlung (Art. 158 MStGO): Pflicht des Grossrichters, den

Angeklagten zum Sachverhalt einzuvernehmen.

Instruction principale (art. 158 OJPPM): devoir du grand juge d'interro-

ger l'accusé sur les faits de la cause.

Istruzione principale (art. 158 OGPPM): obbligo del grau giudice di inter-

rogare l'accusato sui fatti oggetto dell'imputazione.

Aus den Erwãgungen:

l.- ...

Gemãss Art. 158 MStGO darf das Gericht seine Überzeugung nur aus

der Hauptverhandlung schõpfen. Das in dieser Gesetzesbestimmung statu-

ierte Unmittelbarkeitsprinzip erfordert u.a. auch die richterliche Einver-

nahme des Angeklagten zum Sachverhalt (Art. 144 und 145 MStGO), wãh-

rend seine Erklãrungen aus der Voruntersuchung lediglich zum Zweck der

Feststellung eines Gestãndnisses oder zur Klãrung von Widersprüchen zu

verlesen sind (Art. 152 MStGO; KommentarHaefliger, N. l zum vorzitierten

Artikel). Diese prozessualen Vorschriften wurden vom Grossrichter befolgt.

Er hat richtigerweise den Angeklagten zur Sache einvernommen. Da dieser

durchwegs gleichlautende Angaben rnachte wie in der Voruntersuchung und