Erwägungen (3 Absätze)
E. 30 interprétation fondée s ur les travaux préparatoires (cons. 2a);
d'apres la méthode d'interprétation historique objective, l'évolution du
droit doit paraitre émaner de la volonté du législateur, comme la l oi elle-
même (cons. 3a).
Rifiuto del servizio per motivi di coscienza (art. 81 n. 2 CPM); convinzioni
morali:
interpretazione fondata sulla genesi del disposto (cons. 2a);
secondo il metodo di interpretazione storico-oggettivo, l'evoluzione del
diritto deve risultare, come la legge stessa, conforme alia volontà dellegi-
slatore (cons. 3a).
Aus den Erwãgungen:
2.-
a) Durch die Gesetzesnovelle vom 21. Dezember 1950 wurde in Art. 29
Abs. 3 MStG ein Sonderstatut für die Dienstverweigerer geschaffen, welche
aus <<religiõsen Gründen in schwerer Seelennot>> handelten. Die damals neu
geschaffene Sonderbehandlung dieser Tãtergruppe ist mit der Novelle vom
5. Oktober 1967 auch auf die Tãter, welche aus rein ethisch-humanitãren
Gründen handeln, erstreckt und demzufolge auch der Begriff der <<schweren
Seelennot>> in der deutschen Fassung des Gesetzes entsprechend dem fran-
zõsischen Text durch <<schwere Gewissensnot>> ersetzt worden. D er Grundge-
danke der Ausdehnung dieser Privilegierung liegt einzig darin, <<dass die
echte und ehrliche Überzeugung berücksichtigt werden soll, auch wenn sie
nicht religiõs begründet ist>> (BB 11967 I. S. 584, li t. a). Die Botschaft des Bun-
desrates bezeichnete es als Aufgabe der Rechtsprechung, <<in dieser Hinsicht
gültige Kri teri en zu finden>>. Es müsse a b er Gewãhr dafür geboten sein, <<dass
n ur jener Tãter auf die entgegenkommende Behandlung rechnen kann, der
sich in einer schweren und kaum lõsbaren Gewissensnot befindet; diese ist
Tatbestandsmerkmal>> (Botschaft a.a.O. lit.a). Auch in den Rãten herrschte
nicht die Meinung, es solle mehr geschehen als n ur die Ausweitung des Privi-
legs aufnicht religiõs bestimmte Tãter. In den einzelnen Voten der Beratung
wurde die schwierige Aufgabe des Richters und die Pfiicht zu zurückhalten-
der Anwendung der Privilegierung besonders hervorgehoben (im Stãnderat:
die Voten Guisan und vor allem Leu, Sten. Bull. 1967 StR S. 259; im Natio-
nalrat: die Voten Masoni, Schaffer, Marthaler, Sten. Bull. 1967 NR S. 181,
183 und 184). Hãtte man anlãsslich der Revision bei gleichbleibender gesetz-
licher Umschreibung des Tatbestands eine grundsãtzlich largere Beurteilung
einführen wollen, so hãtte dies sein en Niederschlag in d en Materialien finden
müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Vor allem aber ist darauf hinzuweisen,
dass di e m eis t stillschweigende-vereinzelt a b er in d en Beratungen doch zum
Ausdruck kommende- Grundvoraussetzung für di e Privilegierung nach wie
vor darin besteht, dass die schwere Gewissensnot des Tãters durch den Kon-
fiikt zwischen Bürgerpfiicht und religios oder ethisch fundiertem absolutem
E. 31 Nr. 19 Verbot von Totung oder Gewaltanwendung hervorgerufen wird (<<les objec- teurs de conscience purs, qui refusent l'idée de se servir d'une arme contre d'autres humains ... >>, wie es Nationalrat Masoni forrnulierte, Sten. Buli. 1967 NR S. 181; <<Les objecteurs de conscience aiment leur pays, qu'ils enten- dent ... défendre mais par d'autres moyens que l'usage des armes ... >>, Natio- nalrat Borel a.a.O. S. 184). Die im Sinne der Privilegierung zu berücksichti- gende Motivation d er V erweigerung muss si eh unmittelbar direkt un d ohne Einschrãnkung auf den Militãrdienst, auf die damit verbundene Ausbildung an der Waffe und auf die (allenfalls einmal mõgliche) Gewaltanwendung beziehen .... 3.-
a) Es ist nicht nõtig, hier auf di e theoretische Darlegung d er einzelnen Auslegungsmethoden und ihre Anwendung aufverschiedene Rechtsgebiete nãher einzutreten; es mag nur an den immer noch geltenden ersten Grund- satz der Hermeneutik erinnert werden: <<sensus non est inferendus sed effe- rendus>>. Auch nach der von der Vorinstanz bevorzugten objektiv-histori- schen Auslegungsmethode (welche auch die des Militãrkassationsgerichts ist) muss die vom Gesetzgeber vorgezeichnete Richtung für jegliche Rechts- fortbildung massgebend bleiben; diese aber zielt im gegebenen Fall ein- deutig un d ausdrücklich im Interesse d er Erhaltung unserer W ehrkraft auf eine restriktive Anwendung des privilegierten Tatbestands. Des weitern ver- langt die von der Vorinstanz angerufene Methode eine durchschlagende Begründung für eine allfállige Rechtsfortbildung, wie si e etwa im N achweis erheblicher Verãnderungen bezüglich der Realien seit Inkrafttreten des Gesetzes o d er im N a eh w eis eines tiefgehenden W andels in d en Bewertungen einer Interessenlage gegeben wãre (so- von der Vorinstanz n ur sehr unvoll- stãndig zitiert- Meier-Hayoz im Berner Kommentar zu Art. l ZGB, 1962, N. 155 ff.). Gerade diese Begründung ist nun aber die Vorinstanz schuldig geblieben. Sie versucht zwar, mit Zitaten aus Dokumenten des Zweiten Vati- kanischen Konzils, aus theologischer bzw. philosophischer Literatur z u bele- gen, dass sich die massgebenden Verhãltnisse und die allgemeinen Anschauungen in Fragen der Ethik seit dem Gesetzgebungsakte im Jahre 1967 bis heute grundlegend geãndert hãtten- ein Versuch, der mit den einge- setzten Mitteln von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist, weil diesen, grõsstenteils lange vor der Revision des Gesetzes erschienenen Schriften kla- rerweise nichts über die Entwicklung der rnassgebenden Verhãltnisse in den si e ben J ahren sei t d er Revision entnornmen werden kann, un d weil si e ferner, wenn auch bedeutende geistige Zeugnisse unserer Epoche, nicht einfachhin als Ausdruck der allgemeinen Anschauung gewertet werden kõnnen. Nach der angerufenen objektiv-historischen Auslegungsmethode muss aber die Rechtsfortbildung- zwar vom Richter vorgenommen- doch gleichermassen wie das Gesetz als vorn Willen des Gesetzgebers getragen erscheinen. Aus
Nr. 19, 20
E. 32 den Materialien der Revision von 1967 ist überdies unschwer zu erkennen,
dass sich die Rate der Entwicklungstendenzen in d en massgebenden Verhãlt-
nissen und Anschauungen durchaus bewusst waren und sie auch richtig ein-
geschãtzt haben. Die Statistik, welche in dieser Frage ebenfalls heranzuzie-
hen wãre, spricht nicht dafür, dass sei t d er Gesetzesrevision eine grundlegend
neue Situation eingetreten wãre. Die Zahl der Dienstverweigerer aus politi-
schen Gründen hat - wie schon damals vorauszusehen war - wohl etwas
zugenommen; di e Tãtergruppe stellt a b er im V ergleich zur Gesamtzahl d er
übrigen Dienstverweigerer eine Minderheit un d im V ergleich zur Zahl d er
dienstwilligen Schweizer gar eine ganz verschwindend kleine Minderheit
dar. Aus allen diesen Gründen besteht für das Militãrkassationsgericht kein
Anlass, von der bewãhrten Rechtsprechung z u Art. 81 Ziff. 2 MStG abzuwei-
chen ....
(15. Juni 1973, M. e. DG 7)
20.
Refus de servir pour motifs de conscience (art. 81, eh. 2 CPM). Convic-
tions morales:
résumé de la jurisprudence;
notion de conscience: son essence est individuelle.
Dienstverweigerung aus Gewissensgründen (Art. 81 Ziff. 2 MStG). Ethi-
sche Gründe:
Zusammenfassung der Rechtsprechung;
Gewissensgründe sind individueller Natur.
Rifiuto del servizio per motivi di coscienza (art. 81 n. 2 CPM). Convin-
zioni morali:
l
riassunto della giurisprudenza;
motivi di coscienza sono di natura individuale.
Extrait des motifs:
2.- ...
Les motifs moraux et religieux de l'objecteur de conscience au sens de
l'article 81, chiffre 2 du CPM procedent du discernement du bien et du mal,
par opposition aux motifs qui procedent de la distinction entre le juste et le
faux (ATMC 8 no 36, 42, 50, 57, 67). Ainsi, pour ne citer les criteres intéres-
sant la présente cause, il y a conviction morale lorsque le pacifisme, l'aspira-
tion au regne de la paix et la non-violence son t érigés p ar l'auteur en doctrines
fondamentales, quasi en religion, devenant alors dignes objectivement d'une
certaine estime, même de la part de ceux qui les combattent (ATMC 8 no 62).
En revanche, les motifs visant un but politique, tel qu'un changement du
systeme économique ou social ou la suppression de l'armée ou la création
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
Nr. 19 30 interprétation fondée s ur les travaux préparatoires (cons. 2a); d'apres la méthode d'interprétation historique objective, l'évolution du droit doit paraitre émaner de la volonté du législateur, comme la l oi elle- même (cons. 3a). Rifiuto del servizio per motivi di coscienza (art. 81 n. 2 CPM); convinzioni morali: interpretazione fondata sulla genesi del disposto (cons. 2a); secondo il metodo di interpretazione storico-oggettivo, l'evoluzione del diritto deve risultare, come la legge stessa, conforme alia volontà dellegi- slatore (cons. 3a). Aus den Erwãgungen: 2.-
a) Durch die Gesetzesnovelle vom 21. Dezember 1950 wurde in Art. 29 Abs. 3 MStG ein Sonderstatut für die Dienstverweigerer geschaffen, welche aus > handelten. Die damals neu geschaffene Sonderbehandlung dieser Tãtergruppe ist mit der Novelle vom
5. Oktober 1967 auch auf die Tãter, welche aus rein ethisch-humanitãren Gründen handeln, erstreckt und demzufolge auch der Begriff der > in der deutschen Fassung des Gesetzes entsprechend dem fran- zõsischen Text durch > ersetzt worden. D er Grundge- danke der Ausdehnung dieser Privilegierung liegt einzig darin, > (BB 11967 I. S. 584, li t. a). Die Botschaft des Bun- desrates bezeichnete es als Aufgabe der Rechtsprechung, >. Es müsse a b er Gewãhr dafür geboten sein, > (Botschaft a.a.O. lit.a). Auch in den Rãten herrschte nicht die Meinung, es solle mehr geschehen als n ur die Ausweitung des Privi- legs aufnicht religiõs bestimmte Tãter. In den einzelnen Voten der Beratung wurde die schwierige Aufgabe des Richters und die Pfiicht zu zurückhalten- der Anwendung der Privilegierung besonders hervorgehoben (im Stãnderat: die Voten Guisan und vor allem Leu, Sten. Bull. 1967 StR S. 259; im Natio- nalrat: die Voten Masoni, Schaffer, Marthaler, Sten. Bull. 1967 NR S. 181, 183 und 184). Hãtte man anlãsslich der Revision bei gleichbleibender gesetz- licher Umschreibung des Tatbestands eine grundsãtzlich largere Beurteilung einführen wollen, so hãtte dies sein en Niederschlag in d en Materialien finden müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Vor allem aber ist darauf hinzuweisen, dass di e m eis t stillschweigende-vereinzelt a b er in d en Beratungen doch zum Ausdruck kommende- Grundvoraussetzung für di e Privilegierung nach wie vor darin besteht, dass die schwere Gewissensnot des Tãters durch den Kon- fiikt zwischen Bürgerpfiicht und religios oder ethisch fundiertem absolutem
31 Nr. 19 Verbot von Totung oder Gewaltanwendung hervorgerufen wird (>, wie es Nationalrat Masoni forrnulierte, Sten. Buli. 1967 NR S. 181; >, Natio- nalrat Borel a.a.O. S. 184). Die im Sinne der Privilegierung zu berücksichti- gende Motivation d er V erweigerung muss si eh unmittelbar direkt un d ohne Einschrãnkung auf den Militãrdienst, auf die damit verbundene Ausbildung an der Waffe und auf die (allenfalls einmal mõgliche) Gewaltanwendung beziehen .... 3.-
a) Es ist nicht nõtig, hier auf di e theoretische Darlegung d er einzelnen Auslegungsmethoden und ihre Anwendung aufverschiedene Rechtsgebiete nãher einzutreten; es mag nur an den immer noch geltenden ersten Grund- satz der Hermeneutik erinnert werden: >. Auch nach der von der Vorinstanz bevorzugten objektiv-histori- schen Auslegungsmethode (welche auch die des Militãrkassationsgerichts ist) muss die vom Gesetzgeber vorgezeichnete Richtung für jegliche Rechts- fortbildung massgebend bleiben; diese aber zielt im gegebenen Fall ein- deutig un d ausdrücklich im Interesse d er Erhaltung unserer W ehrkraft auf eine restriktive Anwendung des privilegierten Tatbestands. Des weitern ver- langt die von der Vorinstanz angerufene Methode eine durchschlagende Begründung für eine allfállige Rechtsfortbildung, wie si e etwa im N achweis erheblicher Verãnderungen bezüglich der Realien seit Inkrafttreten des Gesetzes o d er im N a eh w eis eines tiefgehenden W andels in d en Bewertungen einer Interessenlage gegeben wãre (so- von der Vorinstanz n ur sehr unvoll- stãndig zitiert- Meier-Hayoz im Berner Kommentar zu Art. l ZGB, 1962, N. 155 ff.). Gerade diese Begründung ist nun aber die Vorinstanz schuldig geblieben. Sie versucht zwar, mit Zitaten aus Dokumenten des Zweiten Vati- kanischen Konzils, aus theologischer bzw. philosophischer Literatur z u bele- gen, dass sich die massgebenden Verhãltnisse und die allgemeinen Anschauungen in Fragen der Ethik seit dem Gesetzgebungsakte im Jahre 1967 bis heute grundlegend geãndert hãtten- ein Versuch, der mit den einge- setzten Mitteln von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist, weil diesen, grõsstenteils lange vor der Revision des Gesetzes erschienenen Schriften kla- rerweise nichts über die Entwicklung der rnassgebenden Verhãltnisse in den si e ben J ahren sei t d er Revision entnornmen werden kann, un d weil si e ferner, wenn auch bedeutende geistige Zeugnisse unserer Epoche, nicht einfachhin als Ausdruck der allgemeinen Anschauung gewertet werden kõnnen. Nach der angerufenen objektiv-historischen Auslegungsmethode muss aber die Rechtsfortbildung- zwar vom Richter vorgenommen- doch gleichermassen wie das Gesetz als vorn Willen des Gesetzgebers getragen erscheinen. Aus
Nr. 19, 20 32 den Materialien der Revision von 1967 ist überdies unschwer zu erkennen, dass sich die Rate der Entwicklungstendenzen in d en massgebenden Verhãlt- nissen und Anschauungen durchaus bewusst waren und sie auch richtig ein- geschãtzt haben. Die Statistik, welche in dieser Frage ebenfalls heranzuzie- hen wãre, spricht nicht dafür, dass sei t d er Gesetzesrevision eine grundlegend neue Situation eingetreten wãre. Die Zahl der Dienstverweigerer aus politi- schen Gründen hat - wie schon damals vorauszusehen war - wohl etwas zugenommen; di e Tãtergruppe stellt a b er im V ergleich zur Gesamtzahl d er übrigen Dienstverweigerer eine Minderheit un d im V ergleich zur Zahl d er dienstwilligen Schweizer gar eine ganz verschwindend kleine Minderheit dar. Aus allen diesen Gründen besteht für das Militãrkassationsgericht kein Anlass, von der bewãhrten Rechtsprechung z u Art. 81 Ziff. 2 MStG abzuwei- chen .... (15. Juni 1973, M. e. DG 7) 20. Refus de servir pour motifs de conscience (art. 81, eh. 2 CPM). Convic- tions morales: résumé de la jurisprudence; notion de conscience: son essence est individuelle. Dienstverweigerung aus Gewissensgründen (Art. 81 Ziff. 2 MStG). Ethi- sche Gründe: Zusammenfassung der Rechtsprechung; Gewissensgründe sind individueller Natur. Rifiuto del servizio per motivi di coscienza (art. 81 n. 2 CPM). Convin- zioni morali: l riassunto della giurisprudenza; motivi di coscienza sono di natura individuale. Extrait des motifs: 2.- ... Les motifs moraux et religieux de l'objecteur de conscience au sens de l'article 81, chiffre 2 du CPM procedent du discernement du bien et du mal, par opposition aux motifs qui procedent de la distinction entre le juste et le faux (ATMC 8 no 36, 42, 50, 57, 67). Ainsi, pour ne citer les criteres intéres- sant la présente cause, il y a conviction morale lorsque le pacifisme, l'aspira- tion au regne de la paix et la non-violence son t érigés p ar l'auteur en doctrines fondamentales, quasi en religion, devenant alors dignes objectivement d'une certaine estime, même de la part de ceux qui les combattent (ATMC 8 no 62). En revanche, les motifs visant un but politique, tel qu'un changement du systeme économique ou social ou la suppression de l'armée ou la création