opencaselaw.ch

MKGE 9 Nr. 147

MKGE 9 Nr. 147 — K. e. DG 6

Mkg · 1978-05-19 · Deutsch CH
Erwägungen (2 Absätze)

E. 2 Im Lichte der vorstehenden Ausführungen ist die eingangs gestellte Frage entgegen der Ansicht des Divisionsgerichts dahin zu beant~orten, dass zwischen d em Ausreissen un d d em U ngehorsam in d er F orm des Uberschrei- tens des Ausgangsrayons unechte Gesetzeskonkurrenz besteht. Wenn auch das Ausreissen nicht notwendigerweise und nicht in jedem Fall mit einer Überschreitung des Ausgangsrayons verbunden ist, so geht es doch hãufig mit einer solchen einher. Diese Begleittat ist zudem als verhaltnismãssig geringfügig zu werten. Es rechtfertigt sich daher anzunehmen, sie sei durch das A usreissen konsumiert. Ein solcher Entscheid steht nicht im Widerspruch zu MKG E 8 N r. 5. Dort ging es darum, dass im Zusammenhang mit einer unerlaubten Entfernung ein konkreter Einzelbefehl, nãmlich sich zu einer andern Truppe zu begeben, missachtet worden war. Ein derartiger Ungehorsam kann nicht als hãufige und bloss geringfügige Begleiterscheinung des Ausreissens oder der uner- laubten Entfernung bezeichnet werden. · Wie die Konkurrenzfrage bei andern im Zusammenhang mit einem Aus- reissen vorkommenden Ungehorsamstatbestãnden zu entscheiden wãre, kann hier offen bleiben. Die Kassationsbeschwerde des amtlichen Verteidigers erweist sich daher als begründet, und das Urteil des Divisionsgerichts ist aufzuheben.

E. 3 ... (14 septembre 1978, B. e. TD lOA) 149. Bedingter Strafvollzug (Art. 32. Ziff. l MStG): die günstige Prognose muss si eh auf di e gesamte strafreehtlieh sanktionierte Reehtsordnung erstrek- ken (Bestãtigung der Reehtspreehung, vgl. MKGE 9 Nr. 86). Sursis (art. 32, eh. 1er, CPM): le pronostie d'amendement favorable doit s'étendre à tout l'ordre juridique protégé par des dispositions pénales (eonfir- mation de la jurisprudenee, voir l'arrêt du TMC 9 no 86).

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

Nr. 147 286 gung die regelmãssig damit verbundene Nichtanzeige des Fundes ab (zum Ganzen: Schwander, Das schweizerische Strafgesetzbuch 2. Aufl. 1963 Nr. 317). Auch andere Autoren setzten sich gerade in neuerer Zeit vor allem im Interesse der Einfachheit und einer Betrachtung, die dem natürlichen Rechtsempfinden besser entspricht, dafür ein, dass die Fãlle unechter Geset- zeskonkurrenz nach Mõglichkeit auszudehnen seien. So führt Haefliger aus (ZStrR 1965 S. 267), die moderne Gesetzgebung sei offenbar bestrebt, die Fãlle echter Konkurrenz in ihrer Zahl mõglichst zu beschrãnken, welches Anliegen gerade die obersten Gerichte ebenfalls berücksichtigen sollten .. Unter Berufung auf Jürgen Baumann (Strafrecht, Allg. Teil2. Aufl. 1964 S.

567) weist Haefliger sodann darauf hin, dass die moderne Lehre unechte Konkurrenz auch dann annehme, wenn zur Erfüllung eines Tatbestandes (zwar nicht notwendig, aber) typisch verschiedene andere und leichtere Tat- bestãnde miterfüllt würden (a. a. O. S. 268). Schultz (Einführung, Allg. Teil I S. 105 f.) unterscheidet innerhalb der unechten Idealkonkurrenz unter anderem zwischen Konsumtion und Subsidiaritãt. Konsumtion ist dann gegeben, wenn ein gesetzlicher Tatbestand die V erletzung mehrerer Rechtsgüter zusammenfasst. Subsidiaritãt bezieht sich demgegenüber auf den Schutz desselben Rechtsgutes in verschiedenen Angriffsstadien, so ge- gen Gefáhrdung und Verletzung, und gibt der schwereren Beeintrãchtigung des Rechtsgutes, der Verletzung, den Vorrang (a. a. O. S. 106). 2.- Im Lichte der vorstehenden Ausführungen ist die eingangs gestellte Frage entgegen der Ansicht des Divisionsgerichts dahin zu beant~orten, dass zwischen d em Ausreissen un d d em U ngehorsam in d er F orm des Uberschrei- tens des Ausgangsrayons unechte Gesetzeskonkurrenz besteht. Wenn auch das Ausreissen nicht notwendigerweise und nicht in jedem Fall mit einer Überschreitung des Ausgangsrayons verbunden ist, so geht es doch hãufig mit einer solchen einher. Diese Begleittat ist zudem als verhaltnismãssig geringfügig zu werten. Es rechtfertigt sich daher anzunehmen, sie sei durch das A usreissen konsumiert. Ein solcher Entscheid steht nicht im Widerspruch zu MKG E 8 N r. 5. Dort ging es darum, dass im Zusammenhang mit einer unerlaubten Entfernung ein konkreter Einzelbefehl, nãmlich sich zu einer andern Truppe zu begeben, missachtet worden war. Ein derartiger Ungehorsam kann nicht als hãufige und bloss geringfügige Begleiterscheinung des Ausreissens oder der uner- laubten Entfernung bezeichnet werden. · Wie die Konkurrenzfrage bei andern im Zusammenhang mit einem Aus- reissen vorkommenden Ungehorsamstatbestãnden zu entscheiden wãre, kann hier offen bleiben. Die Kassationsbeschwerde des amtlichen Verteidigers erweist sich daher als begründet, und das Urteil des Divisionsgerichts ist aufzuheben. 3.- ... (19. Mai 1978, K. e. DG 6)

287 Nr. 148, 149 148. Reeours en eassation (art. 188, l er al., eh. 7, OJPPM); défaut de motifs: Ce grief n'est pas fondé quand les motifs du jugement son t simplement laeu- naires. Kassationsbesehwerde (Art. 188. Abs. l Ziff. 7 MStGO); Fehlen von Ent- seheidungsgründen: bloss mangelhafte Motive des divisionsgeriehtliehen Urteils erfüllen die Voraussetzungen dieses Kassationsgrundes nieht. Rieorso per eassazione (art. 188 epv. l n. 7 OGPPM); maneanza di moti- vazione della sentenza: il presupposto non e adempiuto quando la motivazione presenta soltanto delle defieienze. Extrait des motifs: 2.- Il y a lieu à cassation, selan l'article 188, l er al., eh. 7 de l'OJPPM, lors- que le jugement attaqué n'est p as motivé. Cette disposition légale sanctionne l'absence de motifs sur un point essentiel du jugement et non la présence de motifs inexacts (Haefliger, N 14 ad art. 188 OJPPM e t les arrêts cités). En l'occurrence, les premiers juges ont motivé les points essentiels de leur décision. Le fai t que le jugement entrepris ne dise mo t des attestations versées au dossier, comme le reproche le recourant, peut être ressenti comme une lacune mais n'est pas un motif de cassation au sens de la disposition légale précitée. Les considérants du jugement ne doivent p as, en effet, se prononcer sur to us les arguments avancés p ar les parties, ni indiquer en détail comment fut apprécié chaque moyen de preuve fourni. Les attestations produites en cours de procédure n'ont d'ailleurs pas, comme semble l'affirmer le recourant (mémoire de recours, page 3, no 4, 3e et 4e al.), été passées so us silence. Il ressort au contraire du proces-verbal de l'audience d'instruction principale (page 2) que le grandjuge en a donné con- naissance au tribunal. Le grief de non-motivation (art. 188, l er al., eh. 7 OJPPM) n'est donc pas fondé. 3.- ... (14 septembre 1978, B. e. TD lOA) 149. Bedingter Strafvollzug (Art. 32. Ziff. l MStG): die günstige Prognose muss si eh auf di e gesamte strafreehtlieh sanktionierte Reehtsordnung erstrek- ken (Bestãtigung der Reehtspreehung, vgl. MKGE 9 Nr. 86). Sursis (art. 32, eh. 1er, CPM): le pronostie d'amendement favorable doit s'étendre à tout l'ordre juridique protégé par des dispositions pénales (eonfir- mation de la jurisprudenee, voir l'arrêt du TMC 9 no 86).