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MKGE 9 Nr. 109

MKGE 9 Nr. 109 — Sp. e. DG 8

Mkg · 1976-11-18 · Deutsch CH
Sachverhalt

Am 14. Juli 1976 hob das Divisionsgericht 8 sein Urteil vom 13. November 1974 auf und verurteilte Sap Sp. wegen fortgesetzter Dienstverweigerung gemiiss Art. 81 Ziff. l Abs. l MStG und fortgesetzter Nichtbefolgung von Dienstvorschriften gemiiss Art. 72 Ziff. l MStG zu 45 Tagen Haft, unter Anrechnung von 3 Tagen Untersuchungshaft und un t er Gewiihrung des beding- ten Strafvollzugs bei ei ne r Probezeit von 2 J ahren. Ferner schloss e s de n Verur- teilten in Anwendung von Art. 12 Abs. l MStG aus dem Heere aus. Mit Schreiben an das <<Kassationsgericht EMD, Bern)> vom 15. Juli 1976 (Postaufgabe 1400) und in Kopie an <<Grossrichter Divisionsgericht 8, Oberst Peyer, 601 O Kriens)> (Postaufgabe 1600) meldete der Verurteilte die Kassa- tionsbeschwerde an. Sein amtlicher Verteidiger reichte in der Folgefristgerecht die Begründung und folgende Antriige e in: Das Urteil des Divisionsgerichts 8 vom 14. J u li 1976 sei aufzuheben, Sap S p. sei von der kriminellen Anklage vom

2. Oktober 1974 freizusprechen und unter Annahme eines leichten Falles von Dienstversiiumnis zu disziplinieren, er sei mit Wirkung ab 13. November 1974 aus dem Heere auszuschliessen und sodann von der Anklage vom 19. Januar 1976 in allen Punkten freizusprechen. Der Auditor beantragt, es sei auf die Kassationsbeschwerde nicht einzutre- ten, eventuell sei sie abzuweisen, unter Überbindung der Verfahrenskosten an den Beschwerdeführer . ... Aus den Erwãgungen: l.- Der Auditor macht geltend, das Kassationsbegehren sei nicht an j ene Stelle gerichtet worden, d er es na eh Gesetz un d Praxis hãtte zugestellt werden müssen. Da ferner di e Empfangsstelle di e Eingabe nicht innert d er 24-stündi- gen Frist an das Divisionsgericht 8 ha be weiterleiten kõnnen, sei auf di e Kas- sationsbeschwerde nicht einzutreten. Gemãss Art. 189 Abs. 2 MStGO ist das Kassationsbegehren binnen 24 Stunden nach d er Erõffnung des U rteilsspruchs d em Gerichtsschreiber zuhanden des Grossrichters anzumelden. Wird hiefür die schriftliche Form gewãhlt, so gilt die Frist nach konstanter Praxis als eingehalten, wenn die Eingabe innert 24 Stunden der (schweizerischen oder auslãndischen) Post übergeben wird (Kommentar Haefliger, N 3 zu Art. 189 MStGO). Es ist somit nicht erforderlich, dass die Beschwerdeanmeldung innert der genannten Frist beim Empfánger eintrifft. Die Regel, wonach die Kassationsbe- schwerde beim Gerichtsschreiber anzumelden ist, hat das Kassationsgericht seit jeher nicht mit aller Strenge angewandt. So wurde beispielsweise auch

Nr. 109, 110 186 die fristgerechte Einreichung 4er Eingabe an einen andern Justizoffizier des Gerichts toleriert und die Frage offengelassen, ob sie auch an militãrische Amtsstellen oder Kommandos re.chtsgültig zugestellt werden kõnne. Das Kassationsgericht ging dabei von der Überlegung aus, dass das Rechts- schutzinteresse der Formstrenge voranzustellen sei, wenn bei einer ausdeh- nenden Auslegung dieser Formvorschrift keine nennenswerten prozessualen Schwierigkeiten zu befürchten seien; diese Überlegung rechtfertige sich vor allem in jenen Fãllen, wo rechtsunkundige V erurtei1te sel b er das Rechts- mittel einlegen (MKGE 8 N r. 69 und dort zitierte Entscheide). Vorliegend dauerte die Beschwerdefrist bis zum 15. Juli 1976, 1646. Der Beschwerdeführer hat sowohl das Original wie díe Kopie vor Ablauf dieser Frist der Post übergeben. Da ein Exemplar d er Eingabe an den Grossrichter des urteilenden Gerichts adressiert war, wurde die Kassationsbeschwerde nach der herrschenden Praxis rechtsgültig angemeldet. Der gleiche Schluss müsste übrigens gezogen werden, wenn die Beschwerdeanmeldung allein an den Oberauditor gerichtet gewesen wãre. Da dieser Gewãhr für eine unver- zügliche Weiterleitung der Eingabe an den zustãndigen Grossrichter bietet, wãre nicht einzusehen, inwiefern durch dieses Vorgehen nennenswerte pro- zessuale Schwierigkeiten entstehen kõnnten. Auf die Kassationsbeschwerde ist daher einzutreten. 2.- ... (18. November 1976, Sp. e. DG 8) 110. Sachverhaltsirrtum (Art. 16 Abs. 2 MStG); fahrlassige Dienstversaumnis (Art. 82 MStG). lrrige Vorstellung über die Einrückungspfiicht: pflichtwidrig ist der Irrtum, wenn der Wehrmann es- entgegen Ziff. 215 DR- unterHisst, sich anhand des Aufgebotsplakates über den Zeitpunkt des Einrückens zum WK zu vergewissern (Erw. lb). Erreur de fai t (art. 16, 2e aL CPM); insoumission par négligence (art. 82 CPM). Erreur sur l'obligation d'entrer en service: n'use pas des précautions voulues le militaire qui omet- contrairement au chiffre 215 du reglement de service- de se renseigner sur la da te de son cours de répétition en consultant l'affiche de mise sur pied (cons. l b). Errore di fatto (art.16 cpv. 2 CPM); omissione del servizio per negligenza (art. 82 CPM). Errore sull'obbligo di entrare in servizio: non usa le precau- zioni volute il milite ebe - contrariamente alia cifra 215 del regolamento di servizio - omette di informarsi sulla da ta del proprio corso di ripetizione sulla scorta degli affissi pubblici di chiamata (cons. 1b).

Erwägungen (1 Absätze)

E. 2 ... (18. November 1976, Sp. e. DG 8) 110. Sachverhaltsirrtum (Art. 16 Abs. 2 MStG); fahrlassige Dienstversaumnis (Art. 82 MStG). lrrige Vorstellung über die Einrückungspfiicht: pflichtwidrig ist der Irrtum, wenn der Wehrmann es- entgegen Ziff. 215 DR- unterHisst, sich anhand des Aufgebotsplakates über den Zeitpunkt des Einrückens zum WK zu vergewissern (Erw. lb). Erreur de fai t (art. 16, 2e aL CPM); insoumission par négligence (art. 82 CPM). Erreur sur l'obligation d'entrer en service: n'use pas des précautions voulues le militaire qui omet- contrairement au chiffre 215 du reglement de service- de se renseigner sur la da te de son cours de répétition en consultant l'affiche de mise sur pied (cons. l b). Errore di fatto (art.16 cpv. 2 CPM); omissione del servizio per negligenza (art. 82 CPM). Errore sull'obbligo di entrare in servizio: non usa le precau- zioni volute il milite ebe - contrariamente alia cifra 215 del regolamento di servizio - omette di informarsi sulla da ta del proprio corso di ripetizione sulla scorta degli affissi pubblici di chiamata (cons. 1b).

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

185 Nr. 109 Ricorso per cassazione (art. 189 cpv. 2 OGPPM): ai sensi di questo arti- colo un ricorso e annunciato validamente al > anche se viene indi- rizzato al gran giudice o all'uditore in capo con atto impostato nel termine di 24 ore dalla comunicazione verbale della sentenza. Aus dem Sachverhalt: Am 14. Juli 1976 hob das Divisionsgericht 8 sein Urteil vom 13. November 1974 auf und verurteilte Sap Sp. wegen fortgesetzter Dienstverweigerung gemiiss Art. 81 Ziff. l Abs. l MStG und fortgesetzter Nichtbefolgung von Dienstvorschriften gemiiss Art. 72 Ziff. l MStG zu 45 Tagen Haft, unter Anrechnung von 3 Tagen Untersuchungshaft und un t er Gewiihrung des beding- ten Strafvollzugs bei ei ne r Probezeit von 2 J ahren. Ferner schloss e s de n Verur- teilten in Anwendung von Art. 12 Abs. l MStG aus dem Heere aus. Mit Schreiben an das vom 15. Juli 1976 (Postaufgabe 1400) und in Kopie an (Postaufgabe 1600) meldete der Verurteilte die Kassa- tionsbeschwerde an. Sein amtlicher Verteidiger reichte in der Folgefristgerecht die Begründung und folgende Antriige e in: Das Urteil des Divisionsgerichts 8 vom 14. J u li 1976 sei aufzuheben, Sap S p. sei von der kriminellen Anklage vom

2. Oktober 1974 freizusprechen und unter Annahme eines leichten Falles von Dienstversiiumnis zu disziplinieren, er sei mit Wirkung ab 13. November 1974 aus dem Heere auszuschliessen und sodann von der Anklage vom 19. Januar 1976 in allen Punkten freizusprechen. Der Auditor beantragt, es sei auf die Kassationsbeschwerde nicht einzutre- ten, eventuell sei sie abzuweisen, unter Überbindung der Verfahrenskosten an den Beschwerdeführer . ... Aus den Erwãgungen: l.- Der Auditor macht geltend, das Kassationsbegehren sei nicht an j ene Stelle gerichtet worden, d er es na eh Gesetz un d Praxis hãtte zugestellt werden müssen. Da ferner di e Empfangsstelle di e Eingabe nicht innert d er 24-stündi- gen Frist an das Divisionsgericht 8 ha be weiterleiten kõnnen, sei auf di e Kas- sationsbeschwerde nicht einzutreten. Gemãss Art. 189 Abs. 2 MStGO ist das Kassationsbegehren binnen 24 Stunden nach d er Erõffnung des U rteilsspruchs d em Gerichtsschreiber zuhanden des Grossrichters anzumelden. Wird hiefür die schriftliche Form gewãhlt, so gilt die Frist nach konstanter Praxis als eingehalten, wenn die Eingabe innert 24 Stunden der (schweizerischen oder auslãndischen) Post übergeben wird (Kommentar Haefliger, N 3 zu Art. 189 MStGO). Es ist somit nicht erforderlich, dass die Beschwerdeanmeldung innert der genannten Frist beim Empfánger eintrifft. Die Regel, wonach die Kassationsbe- schwerde beim Gerichtsschreiber anzumelden ist, hat das Kassationsgericht seit jeher nicht mit aller Strenge angewandt. So wurde beispielsweise auch

Nr. 109, 110 186 die fristgerechte Einreichung 4er Eingabe an einen andern Justizoffizier des Gerichts toleriert und die Frage offengelassen, ob sie auch an militãrische Amtsstellen oder Kommandos re.chtsgültig zugestellt werden kõnne. Das Kassationsgericht ging dabei von der Überlegung aus, dass das Rechts- schutzinteresse der Formstrenge voranzustellen sei, wenn bei einer ausdeh- nenden Auslegung dieser Formvorschrift keine nennenswerten prozessualen Schwierigkeiten zu befürchten seien; diese Überlegung rechtfertige sich vor allem in jenen Fãllen, wo rechtsunkundige V erurtei1te sel b er das Rechts- mittel einlegen (MKGE 8 N r. 69 und dort zitierte Entscheide). Vorliegend dauerte die Beschwerdefrist bis zum 15. Juli 1976, 1646. Der Beschwerdeführer hat sowohl das Original wie díe Kopie vor Ablauf dieser Frist der Post übergeben. Da ein Exemplar d er Eingabe an den Grossrichter des urteilenden Gerichts adressiert war, wurde die Kassationsbeschwerde nach der herrschenden Praxis rechtsgültig angemeldet. Der gleiche Schluss müsste übrigens gezogen werden, wenn die Beschwerdeanmeldung allein an den Oberauditor gerichtet gewesen wãre. Da dieser Gewãhr für eine unver- zügliche Weiterleitung der Eingabe an den zustãndigen Grossrichter bietet, wãre nicht einzusehen, inwiefern durch dieses Vorgehen nennenswerte pro- zessuale Schwierigkeiten entstehen kõnnten. Auf die Kassationsbeschwerde ist daher einzutreten. 2.- ... (18. November 1976, Sp. e. DG 8) 110. Sachverhaltsirrtum (Art. 16 Abs. 2 MStG); fahrlassige Dienstversaumnis (Art. 82 MStG). lrrige Vorstellung über die Einrückungspfiicht: pflichtwidrig ist der Irrtum, wenn der Wehrmann es- entgegen Ziff. 215 DR- unterHisst, sich anhand des Aufgebotsplakates über den Zeitpunkt des Einrückens zum WK zu vergewissern (Erw. lb). Erreur de fai t (art. 16, 2e aL CPM); insoumission par négligence (art. 82 CPM). Erreur sur l'obligation d'entrer en service: n'use pas des précautions voulues le militaire qui omet- contrairement au chiffre 215 du reglement de service- de se renseigner sur la da te de son cours de répétition en consultant l'affiche de mise sur pied (cons. l b). Errore di fatto (art.16 cpv. 2 CPM); omissione del servizio per negligenza (art. 82 CPM). Errore sull'obbligo di entrare in servizio: non usa le precau- zioni volute il milite ebe - contrariamente alia cifra 215 del regolamento di servizio - omette di informarsi sulla da ta del proprio corso di ripetizione sulla scorta degli affissi pubblici di chiamata (cons. 1b).