opencaselaw.ch

MKGE 7 Nr. 28

MKGE 7 Nr. 28 — Auditor e~ D. G. 9 A i. S. H.

Mkg · 1961-10-25 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

45 Nr. 28 28. Degradation (Art. 37 Abs. l MStG). Beirn Entscheid üher die Würdigkeit des V erurteilten, einen Grad zu hekleiden, ist nicht allein auf di e im hegangenen V erbrechen oder V ergehen zum Ausdruck komrnende Gesinnung und Charakterveranlagung ahzustellen, son- dern es ist zur Beurteilung sein er Personlichkeit auch sein V orleben heranzuziehen. Dégradation (art. 37., al. l CPM). Pour décider de l'indignité du condamné à revêtir un grade, il faut non seulement tenir cornpte de la rnentalité et des traits de caractere qui se sont manifestés dans le crirne ou délit en cause, mais égalentent s'appuyer sur les antécédents du condamné pour juger de sa personnalité. Degradazione (art. 37 al. l CPM). Per decidere sull'indegnità del condannato di rivestire un grado, non hisogna solarnente tener conto della mentalità e dei tratti di carattere che si sono manifestati in base ai crimini o ai delitti, nta si devono anche prendere in considerazione i precedenti del condannato per potere farsi un giudizio della sua personalità. Das Divisionsgericht schloss d en Angeklagten gestützt auf Art. 36 MStG aus dem Heere aus 1nit der Begründung, er hahe sich durch einen lieder- lichen Lebenswandel und durch seine argerniserregende Haltung im Mi- litardienst als Zugführer unwiirdig gezeigt und sei dadurch als Offizier für die Armee untragbar geworden. Dagegen halt es die Degradation des Angeklagten für unzulassig, da Art. 37 MStG die V erurteilung wegen eines V erbrechens oder V ergehens vo:raussetze, das an sich, ohne Berück- sichtigung des Vorlebens des Verurteilten, die Degraclation rechtfertige. Di ese Auff assung geht f ehl. Art. 37 MStG verlangt, dass sich d er V erurteilte durch ein Verbrechen oder Vergehen seines Gracles unwürdig gemacht hat. Daraus folgt zu- nachst, dass die Unwürdigkeit sich aus der Straftat ergeben muss und ni eh t allein aus ausserhalh des V erbrechens oder V ergehens liegenden Tatsachen ahgeleitet werden darf. Anderseits ware es aher verfehlt, aus d em W ortlaut des Gesetzes zu schliessen, dass schon die T at als solche, losgelost von der Personlichkeit des Taters, den Verurteilten als unwür- dig erscheinen lassen müsse. E ine solche Betrachtungsweise widersprache dem W esen des Schuldstrafrechts. Die Degradation ist ihrem rechtlichen Charakter nach Nehenstrafe (vgl. Randtitel zu Art. 36 ff. MStG), und dies bedeutet, dass sie nicht verhangt werden darf, ohne dass die allge- meinen Grundsatze des Art. 44 MStG über die Strafzumessung mithe-

Nr. 28, 29 46 rücksichtigt werden. Die Unwürdigkeit des Taters zur Bekleiclung seines Grades hãngt demnacl1. nicht nur von der Art und objektiven Schwere der hegangenen Tat ab, sondern es ist zur Beurteilung seiner Gesinnung und Charakterveranlagung, auf die das V erbrechen oder V ergehen Rück- schlüsse zulasst, auch sein V orleben heranzuziehen (Ml(GE 5 N r. 43 Erw. 3; 6 N r. 29 Erw. 5) . Die vom Militarkassationsgericht frei überprüfhare Rechtsfrage, ob sicl1 L t. H. seines Grades unwürdig gemacht habe, ist zu bejahen. Die wie- derholten, auf einen langeren Zeitraum entfallenden Verletzungen der ausserdienstlichen Meldepflichten und das lmstichelassen der Dienstpi- stole als des wichtigsten militarischen Ausrüstungsgegenstandes, began- gen durch einen Offizier, von dem eine gesteigerte Pflichterfüllung zu er- warten ist, sind objektiv uncl subjektiv schwerwiegencle Vergehen. Da die Hancllungen auf keine besonclern V erumstandungen zurückzuführen sind, die den Angeklagten entlasten konnten, zeugen sie von einem er- heblichen Mangel an Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, der um so bedenklicher ist, als auch die ii.brige Lebensführung des Angeklagten auf Charakterfehler schliessen lasst, die sich mit der Bekleidung eines Offi- ziersgrades nicht vertragen. (25. Oktober 1961, Auditor e~ D. G. 9 A i. S. H.) 29. Sind mehrere strafhare llandlungen zu beurteilen, die der Tater teils vor, teils nach einer früheren Verurteilung hegangen hat, so ist eine Gesamtstrafe auszufallen, ohne dass der Teil der Strafe, der auf die vor der früheren V erurteilung verühte Ta t entfallt, zahlenmassíg ausgeschieden ztt werden hraucht (Art. 49 Ziff. l und 2 MStG). Lorsque plusieurs actes punissahles commis en partie avant, en partie apres une condamnation antérieure, font l'objet d'un juge· Inent, il faut prononcer UI1.e peine d'ensemble, sans qu'il soit hesoin d'exprin1.er en chiffres la part de peine se rapportant à l'acte commis avant la condan1.nation antérieure (art. 49, eh. let 2 CPM). Se diverse azioni punibili, commesse in parte prima e in parte dopo una condanna precedente, sono oggetto dello stesso giudizio, si dovrà pronunciare una pena cotnplessiva, senza dover esprimcre in cifre la parte della pena, che viene ad aggiungersi in base al reato commesso prima della condanna precedente (art. 49 cif. l e 2 CPM). R. verliess im ]ahre 1955 ohne Abmeldung und unter Zurücklassung seiner ntilitiirischen Ausrüstung seinen Wohnort Zürich, versiiumte im