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MKGE 6 Nr. 89

MKGE 6 Nr. 89

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Nr. 89 226 dienstlich gehotener Eile; weder die Fahrt des einen noch die des an- dern war so dringend., dass die durch ein vorsichtiges l(reuzen bewirkte Verzogerung irgendwelchen Nachteil mit sich gebracht hatte. Vou leichten Fallen im Sinne der Art. 73., Ziff. 2 und Art. 169 bis., Ziff. 2 MStG kann unter diesen Umstanden keine Rede sein. Milde Beurteilung konnte der verfehlten Auffassung Vorscl1ub leisten, in der Armee dürfe der Motorfahrer auch ohne dienstliche Notwendigkeit die im offentlichen Verkehr gehotenen Vorsichtspflichten missachten. (14. Septen1her 1955, Auditor e. D. G. 3 i. S. M. un d T.) 89. Auf eine die Tat als leichten Fali oder als Disziplinarfehler he- zeichnende Anklage ist nicht einzutreten (Art. 122, Ahs. 2 MStGO) (Erw. 4). - Ob der Tater im Sinne von Art. 80 Ziff. 2 MStG unzu- rechnungsfahig war., ist Rechtsfrage (Art. 188, Abs. 1., Ziff. l MStGO). Spricht sich das Urteil üher die Tatsachen nicht aus., auf die es seine rechtlichen Schlüsse stützt., so entscheidet das l(assa- tionsgericht auf Grund der Akten (Art. 194 MStGO). Unzureeh- nungsfahigl~eit verneint. Art. 160, Ahs. 2 MStGO gilt im l{assations· verfahren nieht (Erw. 5). De simples fautes de discipline ou des infraetions considérées d'emblée comme de peu de gravité ne peuvent être l'ohjet d'une mise en accusation et le tribunal ne doit pas entrer en matiere à leur sujet (art. 122, al. 2 OJPPM) (cons. 4). - L'irresponsahilité due à l'ivresse (art. 80., eh. 2 CPM) est une question de droit (art. 188, al. l, eh. l OJPPM). Si le jugement est incomplet sur les faits ayant motivé en droit la décision prise, le TMC statue au vu du dossier (art. 194 OJPPM). lrresponsahilité no n admise. L'art. 160, al. 2 OJPPM n'est pas applieable à la procédure de cassation (cons. 5). 11 tribunale non puo entrare nel merito di un'accusa che pre- senta il fatto come poeo grave o come una maneanza di diseiplina (art. 122, al. 2 OGPPM) (cons. 4). - L'irresponsabilità dovuta ad ehbrezza nel senso dell'art. 80 cif. 2 CPM e una questione di diritto (art. 188, al. l., cif. l OGPPM). - Se la sentenza non si pronuncia sui fatti che hanno rnotivato le sue eonclusioni giuridiche il TMC decide sulla scorta degli atti (art. 194 OGPPM). lrresponsahilità non ammessa. L'art. 160, al. 2 OGPPM non e applicabile nella pro- cedura di cassazione (eons. 5).

4. Richtigerweise ist das Divisionsgericht auf die Anklage wegen eines Disziplinarfehlers nach Art. 180 MStG nicht eingetreten. N ach Art. 122 MStGO konnen nur Verbrecl1en und Vergehen, nicht aber blosse

227 Nr. 89 Disziplinarfehler Gegenstand der Anklage hilden. Daran ãndert nichts, dass der Angeklagte nehen Vergehen noch Disziplinarfehler hegangen hat. Auf diese kann der Auditor hei der Begründung seines Strafantrages als straferhõhendes Moment hinweisen. Ist die Verfehltmg schwerer wie- gend und erachtet der Auditor den Tathestand der Nichtbefolgung von Dienstvorschriften (Verletzung des Dienstreglements) als gegehen, so hat er diesen Tatbestand zum Gegenstand der Anklage zu machen, wohei es dann dem Gericht obliegt zu entscheiden, oh die V erfehlung hloss als leichter Fali oder sonst als Disziplinarfehler zu werten sei. Diesfalls ver- hangt es unter Freisprechung des Angeklagten selher die Disziplinar- strafe (Art. 160a MStGO). Erfolgt gleichzeitig eine Verurteilung wegen krimineller Vergehen, so ist der leichte Fali oder der Disziplinarfehler hei Bemessung der kriminellen Strafe nach Art. 44 MStG zu herücksich- tigen (MI(GE 2 N r. 16). Daraus kann aber keineswegs geschlossen wer- den, der Auditor kõnne im Widerspruch zu Art. 122 MStGO leichte Fali e oder Disziplinarfehler wie V,erhrecl1en oder V ergehen zum Ge- genstand einer Anklage machen.

5. Nachdem das Militarkassationsgericht ein neues Urteil fãllen muss, hat es auch zum letzten Punkt der Anklage, zum Trunkenheitsde- likt, Stellung zu nehmen. Das Divisionsgericht geht davon aus, der An- geklagte sei am 29. Januar 1955 infolge Trunkenheit unzurechnungsfalug gewesen. Unzurechnungsfahigkeit ist ein vom Militarkassationsgericht frei üherprüfharer Rechtshegriff. Dagegen ist es an die vom Divisions- gericht festgestellten Tatsachen gehunden. Das angefochtene Urteil nennt indessen die Tatsachen, auf Grund welcher es Unzurechnungs- fahigkeit annalun, nicht. Das l(assationsgericht hat daher die Tatsachen- feststellung auf Grund der Akten selber vorzunehmen. Unzureclmungs- fahigkeit infolge von Trunkenheit liegt vor, wenn sich der Tãter in einem pathologischen Rausch hefindet und nicht fahig ist, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemass seiner Einsicht in das Unrecht der Tat zu ha11deln (Art. 10 JVIStG; Ml(GE 4 Nr. 30). Für eine solche An- nahme hieten die Akten keine Anhaltspunkte. Die als Zeugin einver- nommene Wirtstochter hatte nicht den Eindruck, dass der Angeklagte stark hetrunken war. N a eh d em Polizeirapport w ar er bloss « angetrun- ken ». Der Angeklagte sagte vor Untersuchungsrichter lediglich aus, er sei betrunken ge,vesen. Weitere Erhebungen üher den Zustand des Ange- klagten am 29. J anuar 1955 finden sich in den Akten der Voruntersu- chung nicht. An der Hauptverhandlung wurden keine Zeugen einver- nommen. Der Angeklagte selber bestatigte seine in der Voruntersuchung gentachten Aussagen. Diese Feststellungen führen nicht zum Schluss, er sei am 29. J anuar 1955 infolge Trunkenheit unzurechnungsfahig gewe- sen. Eine Verurteilung nach Art. 80, Ziff. 2 MStG ist daher ausgeschlos- sen.