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No. 77 108 dem nicht auf dem Ergehnis des Schlussverhõrs ode1~ eines Schlusshe- richtes, sondern auf demjenigen der unmittelharen Befragung und Be- weisführung in· der Hauptverhandlung. (24. Februar 1948, Meyerhofer e. D. G. 8) 77. Art. 134 und 136 MStGO sind nieht verletzt, wenn das Gerieht hei langwierigen Prozessen gegen eine Mehrzahl von Beteiligten der Beweis- verhandlung gegen jeden Angeklagten jeweils die Parteivortrage und die Urteilsheratung folgen lasst, jedoeh das Urteil gegen alle Angeklagten am Sehluss des Verfahrens gemeinsam verkündet (Erw. l). - Fãlsehung dienstlieher Aktenstücke (Art. 78 MStG) liegt nur vor, wenn das Doku- ment den Charakter einer <<:Urkunde» hat, d. h. einer Sehrift, die geeignet oder bestimmt ist, eine Tatsaehe von reehtlichel' Bedeutung zu heweisen (Erw. 6). Le tribunal n'agit pas en violation des art. 134 et 136 PPM lorsque, dans un proees de longue durée ou l'apport des preuves concerne une plu- ralité d'intéressés, il passe aux plaidoiries et à la délibération pour chacun des accusés séparément et eommunique son jugement à la fin de la pro- cédure pour to us les accusés à la fois (cons. l). - On ne se trouve en présence d'un faux dans les documents de service (art. 78 CPM) que si le document en question a le caractere d'un «titre», e. à. d. d'une piece de nature ou destinée à étahlir un fait ayant une portée juridique (cons. 6). Art. 134 e 136 PPM: Non sono violati se, in un processo di lunga du- rata contro parecchi accusati, àll' esame delle prove contro ciaseuno di essi il tribunale fa seguire separatamente le arringhe e l~ deliberazioni, ma alia fine dei dihattimenti fa una puhblicazione unica della sentenza contro tutti gli aceusati assieme (cons. 1). - Falsità in documenti di servizio (art. 78 CPM): Rieorre solo quando l' «atto» (Aktenstüek) ha carattere di «doeumento» («Urkunde»), vale a dire e una scrittura ebe e propria per sua natura, od e destinata, ad attestare un fatto d'importanza giuridica (cons. 6).
l. Nach Art. 134 MStGO muss die Hauptverhandlung in ununtel·- brochener Gegenwart d er zur U rteilsfindung herufenen Personen, so"'"'ie des Auditors und des Gerichtsschreihers erfolgen, und nach Art. 135 MStGO darf sie nur insoweit unterhrochen werden, als es zur Erholung d er Beteiligten erforderlich ist. W enn die Hauptverhandlung lãngere Zeit unterhrochen wird, ist sie an einem spãteren Termin von neuem zu he- ginnen (Art. 136 MStGO). Der Beschwerdeführer hãlt diese Vorschrift für verletzt, weil das U rteil gegen ihn ni eh t sofort im Anschluss an d en
109 No. 77 V ortrag seines V erteidigers beraten und gesp1·ochen worden sei, das Ge- I·icht bis zur Erõffnung vielmehr 75 Tage habe verstreichen lassen. Nach seiner Auffassung ve1·stõsst dieses V orgehen indirekt auch gegen Art. 158, Abs. l MStGO, wonach das Gericht über das Ergebnis der Beweisauf- nahme nach seiner freien aus der Hauptverhandlung geschõpften Über- zeugung zu entscheiden hat; er glaubt, die Unterbrechung der Haupt- verhandlung habe das Gericht zum N achteil des Beschwerdeführers ver- hindert, bei der Schõpfung seiner Überzeugung aus der mündlichen Hauptverhandlung den Grundsatz «im Zweifel zugunsten des Angeklag- ten» anzuwenden. Der Beschwerdeführer erblickt in den behaupteten Verletzungen der. Militãrstrafgerichtsordnung l(assationsgründe nach Art. 188, Abs. l, Ziff. 5 uncl 6 MStGO. Aus den in diesen Ziffern genannten Gründen kann l(assation jedoch nur begehrt werclen, wenn die Partei den behaupteten Mangel wãhrend der Hauptverhandlung gerügt hat (Art. 188, Abs. 2 MStGO). Der Be- schwerdeführer hat das nicht getan. Er macht geltend, er sei dazu objektiv nicht in der Lage gewesen. Das stimmt nicht. Das Programm über das beabsichtigte V orgehen des Gerichts ist seinem V erteidiger schon am 11. Februar 1947 zugestellt worden. Zudem hat er vor dem Schluss der Hauptverhandlung wahrgenommen, dass die Erõffnung des Urteils der Beratung nicht unmittelbar gefolgt, sondern auf den 30. Juli verschoben worden ist. Der Beschwerdeführer hãtte dagegen Einspruch erheben kõnnen. Übrigens entsprach das V orgehen des Gerichts dem Sinne des Ge- setzes. Hãtte das Gericht dem Buchstaben folgen wollen, so hãtte es alle Parteivortrãge an den Schluss der õffentlichen V erhandlung verlegen und nachher das Urteil über alle Angeklagten gemeinsam beraten müssen. So wãre zwischen der Beweisführung über den Fali des einzelnen Angeklag- ten und der Urteilsberatung lãngere Zeit verstrichen. Indem das Gericht Parteivortrãge und Urteilsberatung .der Beweisführung auf dem Fusse hat folgen lassen, ist es dem in Art. 135 MStGO aufgestellten Grundsatz der Konzentration des V erfahrens auf zweckmãssige W eise gerecht ge- worden, so gut dies in der gemeinsamen, langen Hauptverhandlung überhaupt mõglich war.
6. Nach Art. 78, Ziff. l, Abs. l MStG in der abgeãnderten Fassung vom 13. J uni 1941 ist strafhar, w er ein Aktenstück, das dienstliche Be- deutung hat, fãlscht oder verfãlscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer solche:n. unwahren U r- kunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig heur- kundet oder heurkunden lãsst. Im vorliegenden Falle frãgt sich bloss, ob der Beschwe1·deführer· in einem Aktenstück, das dienstliche Bedeutung hat, eine 1·echtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet hat; die übrigen Formen des in Art. 78 geordneten V ergehens kommen nicht in Betracht und werden ihm auch nicht vorgeworfen.
No. 77 110 Der vom Beschwe1·deführer verfasste Bericht vom 16. Aprill943 ist ein Aktenstück, das dienstliche Bedeutung hat, und die darin enthaltene Behauptung des Beschwerdeführers, er habe die von den Lieferanten herechneten Einheitspreise einer «genauen N achkontrolle» unterzogen, giht eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig wieder. Damit der Be- schwerdeführer dafür bestraft werden kann, muss er sie jedoch «heur- kundet» haben. Nicht jede Niederschrift einer rechtlich erheblichen Tatsache in einem Aktenstück von dienstlicher Bedeutung ist eine Beurkundung. W er eine Tatsache niederschreibt, beurkundet sie n ur, wenn er über sie eine Urkunde erstellen will. Das sagt schon das deutsche Wort «heur- kunden» und ergiht sich auch aus dem Ausdruck «attesta1·e in un docu- mento» des italienischen Textes. Art. 78 MStG verwendet denn auch im deutschen Texte das W ort «U rkunde» neb en d em W orte «Áktenstück», und auch der italienische Text dieser Bestimmung spricht bald von «do- cumento», bald von «atto». Dabei zeigt schon die grammatikalische Aus- legung, das s das dienstliche «Áktenstück» lediglich als U nterbegriff von «U r kun de» gilt, w eis en do eh di e W endungen «solche U r kun de» un d «Urkunde dieser Art» auf den vorher gebrauchten Begriff des «Akten- stückes, das dienstliche Bedeutung hat». Das gleiche ergibt sich daraus, das s de r deutsche Text im zweiten Absatz von «U r kun de», d er italienische dagegen am gleichen Orte von «atto» spricht, ein Ausdruck, der im ersten Absatz die ÜheTsetzung von «Áktenstück» ist. Umgekehrt steht im dritten Absatz deutsch «Áktenstück» und italienisch «documento». Der franzõsische Text sodann verwendet ohne Unterschied im ganzen Artikel das W ort «document» und bestãtigt damit, dass dort, wo im deutschen und im italienischen Text «Urkunde» bzw. «documento» steht, man ebensogut «Aktenstück» bzw. «atto» hãtte setzen kõnnen, womit jedoch nicht widerlegt ist, dass «Urkunde» und «documento» im Ver- hãltnis zu «Áktenstück» bzw. «atto» Oberbegriff sind. E ine U r kun de (documento, franzõsisch titre) aber liegt n ur vor, wenn die Schrift bestimmt oder geeignet ist, eine Tatsache von recht- licher Bedeutung zu beweisen (Art. 175, Abs. l MStG). Beurkundet ist, daher eine rechtlich erhebliche Tatsache nur, wenn die Schrift bestimmt oder geeignet ist, gerade diese Tatsache zu beweisen. Mit dieser Begrün- dung hat denn auch das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung zu Art. 251, Ziff. l, Abs. 2 StGB (Urkundenfãlschung) und Art. 317, Ziff. l, Abs. 2 StGB (Urkundenfãlschung durch Beamte oder Personen õffent- lichen Glaubens) wiederholt erklãrt, dass nicht jede schriftliche Lüge über eine rechtlich erhebliche Tatsache eine Falschbeurkundungist (BGE 72, IV, 72., 139; 73, IV, 50, 109). Nicht um des .Inhaltes einer Schrift selbst willen, sondern um des Glaubens willen, den die Schrift als Mittel zum Beweis einer rechtlich erheblichen Tatsache soll verdienen kõnnen, ist die Falschbeurkundung mit Strafe bedroht. Das gilt für das dienstliche