opencaselaw.ch

MKGE 5 Nr. 64

MKGE 5 Nr. 64 — Tiefenauer e. D. G. 6

Mkg · 1947-11-19 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

85

No. 64

unter Umgehung der schweizerischen Grenzkontrolle verliess. Es handelt

sich dabei um zwei in allen Teilen erfüllte selbstãndige Tatbestãnde, die

durch die Straftat der Dienstversãumnis nicht konsumiert worden sind.

Durch das Nichteinrücken zum Ahlõsungsdienst seiner Einheit hat der

Beschwerdeführer einen neuen selbstãndigen Tatbestand (Art. 82 MStG)

gesetzt, der in Realkonkurrenz zu den zwei schon vorher erfüllten Tat-

bestãnden getreten ist. Die beiden ersten Tatbestãnde wãren auch erfüllt

gewesen, wenn er aus Deutschland heimgekehrt und zu dem in Frage

stehenden Ablõsungsdienst seiner Einheit eingerückt wãre. Es ergibt sich

somit, das s das angefochtene U rteil das Strafgesetz ni eh t verletzt hat,

indem es den Beschwerdeführer im Sinne der Art. 72, 107 und 82 MStG

schuldig erkannte und ihm für diese drei verschiedenen Straftaten eine

Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 MStG auferlegte.

(19. November 1947, Tiefenauer e. D. G. 6)

64.

Art. 129, Ziff. 4 MStG: Entwendung zur Befriedigung eines Gelüstes;

strafharer Vot~satz (Erw. 5).- Das Gesetz kennt keine starre Wertgrenze;

die Gewãhrung des Privilegs liegt im richterliehen Ermessen (Erw. 6).

Art. 129, eh. 4 CPM: Soustraetion pour satisfaire une envie; inten-

tion punissable (cons. 5).- Laloi ne connait pas de limites rigides quant

à la détermination de la valeur de r objet soustrait; le juge appréeie libre-

ment si cette soustraction doit être considérée comme un larein (eh. 4,

auquel cas le juge n"est d"ailleurs pas obligé de liquider le cas diseipli-

nairement) ou un vol (eh. l) (cons. 6).

Art. 129, eif. 4 CPM: Sottrazione di cose di poeo v alo re per soddisfare

un caprieeio; intenzione punibile (cons. 5). -

La legge non impone dei

limiti rigidi; la eoncessione del privilegio e laseiata all" apprezzamento del

giudice (cons. 6).

5. Die Beschwerdeführer Baumann, Balmer, Rhyn und Friedrich

bestreiten de n s ub j ektiven Tatbestand des Diebstahls, weil si e, wie das

Divisionsgericht feststelle, Schnaps, Honig und Sardinen aus Leichtsinn

und zur Befriedigung eines Gelüstes an sich genommen hãtten; ein Han-

deln aus Leichtsinn erfolge nicht mit Wissen und Willen und entbehre

der Bereicherungsabsicht. Diese Überlegung geht fehl. Auch wer leicht-

sinnig handelt und von einem Gelüste getrieben wird, kann die Tat be-

wusst und ge,vollt begehen und sich durch sie unrechtmãssig bereichern

wollen. Das ergibt sich schon daraus, dass der Gesetzgeber sich veranlasst

gesehen hat, die aus Leichtsinn oder zur Befriedigung eines Gelüstes

verübte Entwendung einer Sache von geringem Werte durch Zu1assung