Volltext (verifizierbarer Originaltext)
No. 47 56 lichkeit hat sie, entgegen dem Antrag des Auditors, von der Einstellung in der bürgerlichen Ehrenfãhigkeit Umgang genommen, obwohl sie eine gegen die Landesverteidigung gerichtete Einstellung des Burgener als Beweggrund der strafbaren Handlungen feststellt. Nichts stand ent- gegen, dass das Divisionsgericht auch das uneinsichtige, reuelose V er- halten des l(assationsklãgers vor Gericht bei der Strafzumessung straf- erhõhend berücksichtigt hat. (18. Februar 194 7, Burgener e. D. G. 3 B) 47. Verletzung militariseher Geheirnnisse (Art. 86, Ziff.l, Ahs.l MStG): W er ausspaht und hekannt giht, ist naeh konstanter Praxis nur nach Art. 86, Ziff. l, Abs. l strafbar. Das Bekanntgehen k3:nn aher im Rabmen von Art. 44 MStG straferhohend herücksichtigt werden (Erw. l). - Der «Erfolg» in Art. l9his, Abs. 2 (tatige Re ue) ist d er tatbestandsmassige Erfolg (heim V erbreehen naeh Art. 86, Ziff. l, Ahs. l also das «Áus- spahen») (Erw. 2). Violation de seerets intéressant la défense nationale (art. 86, eh. l CPM): D'apres une jurisprudenee constante eelui qui «espionne» (al. l) puis «fait connaitre» (al. 2) des seerets militaires, n'est punissaLle qu'en applieation de l'alinéa premier du chiffre l de l'art. 86 CPM. Cela ne veut pas dire que sa eulpabilité ne soit pas plus grande que celle du délinquant qui se horne à espionner; e' est pourquoi, dans le eadre de l'art. 44 CPM, le juge le punira plus séverement (cons. l). - P ar «résultat» au sens de l'art. l9his, al. 2 CPM (repentir aetif soit disposition ne trouvant son ap- plication que dans des eas de tentative) il faut entendre eelui qui déeoule de la réalisation des éléments eonstitutifs de l'infraetion. Dans le eas de l'art. 86, eh. l, al. l ee résultat est atteint -le crime est eonsommé - des l'instant ou l'auteur a «espionné» (cons. 2). Violazione di segreti militari (art. 86, eif. l CPM): Seeondo la co- stante giurisprudenza, chi «scruta» (al. l) indi «rivela» (al. 2), e punibile solo in base all'art. 86, cif. l, al. l.- 11 «rivelare» puo pero eoneorrere ad aggravare la pena nello spirito dell'art. 44 CPM (cons. l). - Per «risul- tato» nel senso dell'art. l9his, al. 2 CPM (pentimento attivo), intendesi quello che direttamente attiene agli elementi costitutivi d ei reato (n ei easo dell'art. 86, cif. l, al. l, questo risultato e quindi raggiunto- e il erimine eonsumato - non appena l'autore ha «scrutato») (cons. 2).
l. W er eine mit Rücksicht auf die Landesverteidigung geheim ge- haltene Tatsache nicht nur ausspãht (Art. 86, Zi:ff. l, Abs. l MStG), son- dern si e au eh (einem fremden Staate, des se n Agenten o d er d er Offentlich- keit} bekannt oder zugãnglich macht (Art. 86, Ziff. l "JAbs. 2 MStG), ist
57 No. 48 n ur in Anwendung der erstgenannten Bestimmung zu bestrafen; das Bekannt- oder Zugãnglichmachen gilt als sogenannte «straflose N achtat» (MI(G 4, Nr. 33, 140). Unter Bezugnahme auf diese Rechtsprechung hat das Divisionsgericht den Beschwerdeführer für das Ausspãhen und das V erraten von Befestigungsanlagen n ur in Anwendung von Art. 86, Ziff. l, Abs. l verurteilt, dem Verraten jedoch bei der Strafzumessung gleichwohl Rechnung getragen. Das war zulãssig. Der Sinn der erwãhnten Rechtsprechung ist nicht der, dass der Tãter, der die Geheimnisse selber ausspãht, durch de1·en Bekanntgabe an den fremden Staat etwas Er- laubtes tue und dafür nicht bestraft werden dürfe, sondern bloss, dass ·die Bekanntgabe neben dem Ausspãhen nicht selbstãndige Bedeutung habe~ weil sie sich gegen das gleiche Rechtsgut richte wie das Ausspãhen und lediglich die V erwirklichung der schon zum Tatbestande von Art. 86, Ziff. l, Abs. l gehõrenden Absicht darstelle (MI(G 4, Nr. 33), dass also die Bekanntgabe nicht ein mit dem Ausspãhen konkurrierendes selb- stãndiges V erbrechen sei. W er das Ausgespãhte mitteilt, geht auf dem W ege zum verbrecherischen Endziele, das er ins Auge gefasst hat, einen Schritt weiter und verdient daher strengere Strafe als wer es beim Aus- spãhen bewenden lãsst. Seine Schuld ist grõsser, was gemãss Art. 44 MStG bei der Zumessung der Strafe innerhalb des gesetzlichen Rahmens durch Erhõhung der S~rafe berücksichtigt werden muss.
2. Ist bei der Strafzumessung mit Recht der Tatsache Rechnung getragen worden, dass der Beschwerdeführer gewisse Geheimnisse nicht nur ausgespãht, sondern auch verraten hat, so war nichtsdestoweniger das V erbrechen schon mit dem Ausspãhen vollendet und sind daher auch in den Fãllen, wo es beim Ausspãhen blieb, die V oraussetzungen der Strafmilderung nach Art. 19bis, Abs. 2 MStG nicht erfüllt. Diese Be- stimmung gilt nur für Fãlle von V ersuch. Der Tãter muss aus eigenem Antriebe zum Nichteintritt des Erfolges beitragen oder den Eintritt des Erfolges verhindern. Gemeint ist der tatbestandsmãssige Erfolg, der das Verbrechen oder Vergehen vollendet, nicht das Endziel, das der Tãter durch Begehung der Tat erreichen will. Tatbestandsmãssiger Erfolg ist beim V erbrechen des Art. 86, Ziff. l, Abs. l MStG das Ausspãhen des Geheimnisses., nicht die beabsichtigte Mitteilung desselben an den frem- den Staat. (15. Aprill947, Ruf e. D. G. 4) 48. Fahrlãssige Totung (Art. 120 MStG) (Verkehrsunfall); Begriff der Fahrlãssigkeit (Art~ 15, Abs. 3, MStG). Homicide p ar négligence (art .. 120 CPM) (accident de la circulation): Notion de la négligence (art. 15, al. 3 CPM).