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MKGE 5 Nr. 11

MKGE 5 Nr. 11 — Reinhard e. T. G. 2 B

Mkg · 1945-12-27 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 11 12 Nach Art. 103, Abs. l MStG macht sich strafbar, wer vorsãtzlich ein militãrisches Aufgebot oder eine für Dienstpflichtige bestimmte W ei- sung fãlscht, verfãlscht, unterdrückt oder beseitigt. Schutzobjekt ist die militãrische Sicherheit, und zwar hezweckt die Bestimmung, wie nament- lich auch aus den Gesetzesmaterialien hervorgeht, im besondern die Sicherung der Mobilmachung, des Aufmarsches der Armee. Es sollen die vou militãrischen Stellen uud vou Truppenkommandanten für die Mo- bilisation des Heeres getroffenen Anordnungen gegeu Stõruugeu Dritter durch Fãlschung vou Aufgeboten uud W eisungeu geschützt werdeu. Als Beispiele solcher Auschlãge auf das Fuuktiouieren des Aufgebotsappa- rates hat der l(ommissionsrefereut im Stãuderat, Bolli, augeführt die Angabe iu der Fãlschung, eine Truppe habe nicht einzurücken, oder es sei ihr ein ande1·er Sammelplatz zugewiesen, o d er aber, das s eine Truppe vom unrichtigen l(ommandanten aufgeboten werde (vgl. Sten. Buli. StR 1921, S. 463; 1922, S. 176). Dass es sich nach Art. 103, Abs.l MStG um die Fãlschung von Aufgeboten uud W eisungen handelt, die sich an nicht im Dienste stehende Dienstpflichtige richten, ergibt sich namentlich aus dem franzõsischen Text, der denjenigen strafbar erklãrt, der vorsãtzlich «un ordre de se présenter au recrutement, un ordre de mise sur pied, un ordre de marche ou une instruction destinée à des citoyens astreints au service militaire» fãlscht. U m einen Tatbestand dieser Art han deit e s sich hier aber nicht, indem der J\ngeklagte den angeblich aus lnterlaken eingetroffenen Befehl zur Wiederherstellung der unterbrochenen Tele- phonleitung nach St'õckalp an eine damals auf der Frutt Dienst leistende Telephonpatrouille weitergeben liess. Seine Freisprechuug durch die V or- instanz vou d er Anklage na eh Art. l 03 M S t G verletzt daher das Gesetz ni eh t. (27. Dezember 1945, Reinhard e. T. G. 2 B) 11. Kassationsheschwerden, welche sich auf einen der in Art. 188, Ziff. 5 und 6 MStGO erwahnten Gründe stützen, unterliegen dann nicht der pro .. zessualen V orschrift vou Art. 188, Abs. 2, wenn der Partei vor Schluss der Hauptverhandlung der Grund zur Rüge nicht hekannt war .. - Die Anklage- scbrift muss gemass Art. 124, Ziff. 4 MStGO nur die zum Gegenstand der Anklage gemachten Straftatbestande des zweiten besonderen Teiles des MStG, nicht auch noch alle Artikel des allgemeinen Teiles über die aus- zufallenden Strafen aufführen; das Gericht kann nicht beantragte Neben- strafen ausfallen, ohne die Partei im Sinne von Art. 160, Ahs .. 2 MStGO darauf aufmerksam gemacht zu haben. Est recevable un recours en cassation hasé sur les chiffres 5 et 6 du premier alinéa de l'art. 188 PPM, alors même que le recourant n~a pas

13 No. 11 satisfait aux regles de procédure de l'al. 2 dudit article, si la partie recou- rante n'a p as e u conaissance avant la fia de l'instruction principale de l'irrégularité qu"'elle aurait du signaler. - Aux termes de l'art. 124 eh. 4 PPM il suffit que l'acte d"'accusation mentionne les articles de la deuxieme partie du livre premier du CPM relatifs aux crimes ou délits visés par l'audi- teur. 11 n'est pas nécessaire qu"'y figurent également les articles des dis- positions gériérales du code concernant les peines applicahles; le tribunal peut prononcer des peines accessoires qui n"'ont pas été proposées par l"'auditeur, sans y avoir auparavant rendu attentif l'accusé au sens de l"'art. 160, al. 2 PPM. Ricorsi in cassazione basati sui motivi indicati ai nri 5 e 6., cif. l dell"' art. 188 PPM non sottostanno alia limitazione prevista alia cif. 2 ar· ticolo citato, se la parte ricorrente non ha avuto conoscenza, prima della chiusura del dihattimento, dell"' irregolarità che avrehbe dovuto segnalare. Perche l"art.l24., cif .. 4 PPM sia ossequiato, basta che l"'atto d"'accusa indichi gli articoli della Parte 11 Lihro I del CPM («D ei singoli reati») applicabili ai fatti delittuosi enunciati; non e necessario vengano richiamati anche gli articoli (lelle «disposizioni generali» (Parte I. Lihro I); il tribunal e puo quindi pronunciare delle pene accessorie senza che l"'accusato sia stato precedentemente avvertito in modo particolare di questa eventualità nel senso dell"' art. 160, cif. 2 PPM. In erster Linie macht der V erteidiger geltend: D er Beschwerde- führer sei gestützt auf Art. 36 MStG aus dem Heere ausgeschlossen und gemãss Art. 37 MStG zur Degtadation verurteilt worden. Diese beiden Artikel seien in der Anklageschrift nicht aufgeführt gewesen. Auch sei den Parteien nicht Gelegenheit gegeben worden, sich zur Frage der Aus- fãllung dieser beiden N ebenstrafen zu ãussern. Diese Ein,vendungen sind insofern zutreffend, als in der Anklage· schrift die Art. 36 und 37 MStG nicht aufgeführt waren, und der Auditor an der Hauptverhandlung vor Territorialgericht als Nebenstrafe nur die Einstellung in der bürgerlichen Ehrenfãhigkeit, nicht aber die Ausschlies- sung aus de1n Heere und die Degradation beantragt hat (Protokoll S. 10, Urteil S. 3); auch ist den Akten nicht zu entnehmen, dass der Beschwer- deführer und sein V erteidiger an der Hauptverhandlung darauf hinge- wiesen worden wãren, dass die Ausfãllung der Nebenstrafen der Aus- schliessung' aus dem Heere und der Degradation vom Gerichte in Be- tracht gezogen werde. Auf die Anfechtung ist einzutreten, da der Beschwerdeführer .und sein V erteidiger er s t d ur eh di e mündliche Erõffnung des U rteils l(ennt- nis von d er Ausfãllung dieser bei d en N ebenstrafen erhielten und sie da- her ohne i4r V erschulden nicht in der Lage waren, rechtzeitig eine Rüge im, Sinne von Art. 188, Abs. 2 MStGO zu erheben. Dass in einem solchen Falle, wie der Grossrichter meint, der Verurteilte oder sein Verteidiger