Volltext (verifizierbarer Originaltext)
No. 105
160-
unter Aufhehung des ersten Urteils den Gesamttatbestand zu beurteilen
und zu bestrafen.
Demnach ist die Auffassung der V orinstanz, die Zusatzstrafe des
Beschwerdeführers dürfe nicht bedingt aufgeschoben werden, richtig.
Denn Zusatz- und Grundstrafe hetragen j a zusammen mehr als ein Jahr.
Die l(assationsbeschwerde ist daher ahzuweisen.
(16. November 1949, Renz e. D. G. 4)
105.
Gegen prozessleitende V erfügungen des Divisionsgerichts (Art. 154
MStGO) giht es keine Kassationsbeschwerde, da solche keine Urteile ge-
mass Art. 187 MStGO sind und die Zulassung einer Kassationsbeschwerde
die Natur einer Beschwerde wegen Rechtsverzogerung hatte, was es nach
Art. 186 MStGO nicht gibt.
Le recours en cassation n'est pas donné contre des mesures relatives
à la marche de la procédure prises par le tribunal de division (art. 154
PPM). Ces mesures ne constituent pas des jugements au sens de l'art. 187
PPM. Un recours en cassation contre des mesures de ce genre aurait
le caractere d'un recours pour retard injustifié, ce que l'art. 186 PPM
ne prévoit pas.
Contro le decisioni di un Tribunale di divisione relative allo svolgi-
mento del dihattimento (art. 154 PPM) non e dato ricorso per cassazione,
perche queste decisioni non sono sentenze a' sensi dell'art. 187 PPM.
-Un ricorso siffatto avrebbe il carattere di un ricorso contro una «dila-
zione giudiziale»: cio ebe l'art. 186 PPM esclude.
Gemãss Art. 187 MStGO ist die l(assationsbeschwerde nur gegen
Urteile zulãssig. Ein solches liegt dann vor, wenn das Gericht üher das
Schicksal der Anklage endgültig entscheidet, nicht dagegen, wenn es
lediglich eine Anordnung über den Gang des V erfahrens, eine sogenannte
prozessleitende Verfügung trifft, z. B. einen Beweisantrag ablehnt oder
gutheisst oder die Verhandlung vertagt (MI(G l, Nr. 89, MI(G4, Nr. 77;
vgl. auch BGE 74, IV, 128). Dabei kommt es, wie das l(assations-
gericht in den zitierten Fãllen ausgeführt hat, auf die Wirkung des
Entscheides an, nicht auf dessen ãussere Form. Das anerkennt auch der
Beschwerdeführer. Er meint aber, die l(assationsbeschwerde sei nicht
n ur zulãssig, wenn tatsãchlich e in U rteil vorliege, sondern au eh, wenn
das Ger1cht verpflichtet gewesen wãre, im betreffenden Stadium des V er-
fallrens ein solches zu fãllen. Diese Auffassung hãlt nicht stand. Sie
widerspricht dem klaren Wortlaut des Art. 187 MStGO, wonach die
Kassationsbeschwerde gegen Urteile, also nicht auch zur Erzwingung