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12!) No 59 59. Eine lvegen des gerichtlicl1 zu beurteilenden Vei~gehens ver- büsste Disziplinarstrafe (Art. 180 fi. 1\;ISt G) da:rf ni eh t gemass Art. 50 l\IStG als Untersuchungs- ode1· Sicbei·beitshaft auf die Strafe angerecl1net werden (Erw. A). - Die Übervveisuug des Unzurech- nungsfahigen oder vermindert Zui·ecbnungsfãbigeu an die bürger- Iichen Behorden kanu unterbleiben, lvenn die zlveckdieulicl1en l\lass- nahmen scl1on vorgangig getroffen vvorden sind (Art. 12, Abs. 2, MStG). - Ob de1· St1·afvollzug im Sinne von Art. 12, Abs .. 3, 1\IStG einzustellen sei, ist E1·n1essenssache (Erlv. B). U ne punition disciplinaire (art, 180 Sfl· CPl\11), subie à cause <Pun manquement pour lequel Pauteur est renvoyé devant le ti·ibunal, ne constitue pas de la détention préventive au seus de Part. 50 CPJ\1 e t n'a p as à être déduite de la p e ine (cons .. A). - Il n~y a p as li e u de renvoye1· aux autorités civiles un délinquaut irresponsable ou de responsabilité restreinte, lor s que des mesu:u.·es appropriées ont déjà été prises à son égard (art .. 12, al. 2, CPl\11). - I--~a question de savoir si l'exécution de la pei:ne doit être suspendue en vet~tu de l'art. 12, al. 3, CPl\1 est affaire d'ap}lréciation du tribunal de jugement (cons. B). Non si puõ considerare come carcere preventivo e non puõ essere dedotta dalla pena, a norma delP art. 50 CPJ.\11, una punizione disciplinare (art. 180 ss. CPl\11), su b ita pe1· il reato da giudicare dai tribunale. Si puõ omettere di deferire alia co1npetente autorità amministrativa civile una persona ii~responsabile o di responsabilità scemata, allorche le opportune misure sono già state in precedenza adottate (art. 12, cp. 2, CPJ\11). - E questione di apprezzamento il decidere se l'esecuzione della pena possa sospendersi a norma del- l'art. 12, cp. 3, CPM (cons. B). A. De r Ka s sa tionsklãger rügt in erster Li ni e al s Gesetzesverletzung, dass ihm das Divisionsgericht die verbüsste Disziplinarstrafe von 20 Tagen scharfen Arrests auf die wegen der gleichen Vergehen ausgefãllte Gefãng- nisstrafe nicht angerechnet hat. Der verbüsste Arrest unterscheide sich als Eingriff in die Freiheit in keiner Weise von einer Untersuchungs- oder Sicherheitshaft und konne daher zwanglos unter Art. 50, Abs. 3, MStG subsumiert werden; eventuell liege eine l..~ücke im Gesetz vor. Diese Anfechtung geht fehl. Gemãss Art. 50, Abs. l, MStG rechnet der Richter dem Verurteilten die Untersuchungshaft auf die Freiheits- 9
No. 59 126 strafe an, soweit der Tãter die Untersuchungshaft nicht durch sein Ver- halten nach der Tat herbeigeführt oder verlãngert hat. Nach Abs. 3 ist als Untersuchungshaft ccjede in einem Strafverfahren. verhãngte Haft, Untersuchungs- und Sicherheitshaft)), anzusehen. Nach dieser eindeutigen Umschreibung ist die Subsumtion einer verbüssten Disziplinarstrafe unter Abs. 3 ni eh t moglich; sie würde au eh offensichtlich d em Sinn d er bewusst en g gefassten Bestimmung zuwiderlaufen. N a eh dieser Vorschrift so li nur die in einem und demselben Strafverfahren verhãngte Haft zur Anrechnung kommen. Bei der hier in Frage stehenden Disziplinarstrafe aber handelt es sich u1n eine in einem besondern, vom nachfolgenden kriminellen Verfahren unabhãngigen Disziplinarstrafverfahren ausgefãllte Strafe, deren Verbüssung einen Strafvollzug darstellt. Dem Umstande, dass hier angesichts der kriminellen Strafwürdigkeit eine Disziplinar- strafe überhaupt nicht hãtte ausgefãllt werden sollen, hat die Vorinstanz billigkeitshalber mit Recht bei der Strafzumessung Rechnung getragen. B. Was die vom Kassationsklãger weiter geltend gemachte Ver- letzung des Art. 12, Abs. 2 und 3, MStG betrifft, so hat dic Vorinstanz erwogen, es bestehe für sie kein Anlass, den Angeklagten der bürgerlichen Be h orde z u weiteren Massnahmen zu überweisen, nachdem si eh di e Vormundschaftsbehorde Brugg bereits mit ihm befasst habe. Dabei biete die von dieser Behorde angeordnete Verbeistãndung nach Lage des Falles keinen genügenden Grund, die Einstellung des Strafvollzuges anzuordnen. Im I~ebruar 1942 hat die Vormundschaftsbehorde Brugg dem Be- sch\verdeführer auf Grund eines psychiatrischen Gutachtens der l-Ieil- und Pflegeanstalt Konigsfelden auf Zusehen hin einen Beistand gemãss -Art. 392 ZGB bestellt. Von der Anordnung einer Vormundschaft hat sie Umgang genommen, um ihn zu veranlassen, sich aus eigener Kraft wieder zurechtzufinden. Hatte aber dergestalt die Vormundschaftsbehorde den im Falle einer Überweisung gemãss Art. 12, Abs. 2, MStG in ihr ausschliessliches Er- messen gestellten Entscheid über die zu treffenden weiteren Massnahmen durch Anordnung einer Beistandschaft vorweggenornmen, und zwar auf Ci-rund einer diese Massnahme als ausreichend begutachtenden psychia- trischen Expertise, so konnte die Überweisung durch die Vorinstanz unterbleiben. W en n das Divisionsgericht bei dieser Sachlage keinen genügenden Grund sah, die Einstellung des Strafvollzuges gemãss Art. 12, Ahs~ 3, MStG anzuordnen, namentlich aus erzieherischen Gründen nicht, so kann das Kassationsgericht diesen Ermessensentscheid .nur aus dem Gesichts- punkte der Willkür überprüfen. Von Willkür aber konnte nur dann die Rede sein, wenn die vorinstanzliche Entscheidung sich nicht auf ernst- hafte, sachliche Gründe stützen liesse. Das trifft nicht zu. (17. Juli 1942, Müller e. D. G. 5.)