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MKGE 4 Nr. 37

MKGE 4 Nr. 37

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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 37 70 37. Erfordernisse der Anklageschrift (Art. 124 1\iiStGO): Keine Verletzung wesentlieher Verfahrensvorsehrifteli (Art. 138, Abs. 1, Ziff. 5, MStGO) bei Abfassung der Anklageschrift, \venn a) die d em Angeklagten zur Last gelegte Ta t lilar aus ihr bervorgeht;

b) sie sich auf die Nennung der besonders \vichtigen Be\veismittel besehrankt; e) sich ni eh t alle in ih1~ ange1·ufcnen Be\veismittel bei den Akten befinden (Erw. C). - Eine unzuliissige Beschran]{ung der Verteidigung (A1·t. 183, Abs. 1, Ziff. 6, MStGO) liegt uicht vo1·, wenn die naehgesuchte Be\veisergiinzung ol1ne Willl{Ür als unwesent- lich abgelehnt oder ein von d er V erteidigung eingenommene1· Reclits- standpunkt vom Ge1·ieht nicht geprüft lvird (Erl:v. D 4). - Die wegen eines gleichzeitigen bürgei·lichen Verfah1·ens verhãugte Unter- suehungshaft }{aun auf die militai·gei~iclttliche Strafe nicl1t an- gereebnet werden (Art. 50 MStG) (Erw. D 5). - Begriff der «Pro- pagandastelle zugunsten Kriegführende1· » (Art. 2, Abs. 1, li t. e, V er- ordnung vom 14. April 1939 über die llandhabung der Neut1·alitat). - Tatei~scliaft uud Geliilfenschaft beim Einricbten uud Betreiben eine1· Propagandastelle (Erw. E). Conditions que doit remplir l'a ete d'accusation (art. 124 PPl\1) : 11 n'y a pas de violation des dispositions essentielles de la procédure (art. 133, eh. 5, PPM) dans la rédaction de l'a ete d'accusation

a) (tuan d le fai t mis à la eharge de l'aceusé en 1·essort clairement;

b) quand il se borne à mentionner les n1oyens de p1·euve spécialen1ent importants e t e) quand les moyens de pre u v e don t il y est fait état ne son t pas to11S joints au dossier (cons. C). - La défense n'est pas entravée d'une maniere inadmissible (art. 133, eh. 6, PPl\11), lo1·sque le tribunal, pa1· une décision non ai·bit1·aire, écarte des I'équi- sitions tendantes à (les pi~euves eomplémentaires qu'il considere de peu d'importance ou bien lorsqu'il n'examine pas un argument juridique du défenseur (eons. D 4).- La détention préventive, subie par l'accusé ensuite d'une affaire pénale inst1·uite simultanément par l'autorité eivile, ne }Jeut pas être imputée sur la peine prononcée par le tribunal militaii~e (art. 50 CPM) (cons. D 5). - « Services de propagande au profit de belligérants »; définitiou (art. 2, lit. e, (le l'Ord. du 14 avril 1939 sur le maintien de la neut1·alité). - Insti- tution et entretien (}'un set·vice de propagande; auteut·s e t (~Oinplices (eons. E).

- 71 No. 37 Contenuto prescritto dall'art. 124 O GPPl\1 }lCl' l'atto di accusa: N o n esiste alcuna violazione (li disposizioni essenziali de lia procedura (a1·t. 188, C}l· 1, cif. 5, O GPPl\11), nella compilazione dell'atto di accusa, qualo1·a: a) dallo stesso risulti chia1·amente il fatto posto a carico (lell' imputato; b) e s so si limiti a d indica1·e i princitlali mezzi di prova; e) no n tutti i mezzi (li lli·ova indicati nell'atto di accusa si trovino nell'incat·to (cons. C). - N o n costituisce limi- tazione indebita della difesa (art. 188, cp. 1, cif. 6, O GPPM) il rifiuto di una 1·icbiesta di COID}lletazione di prove, 1·itenute, senza arbitt·io, come irrilevanti, od il man~ato esa1ne, da parte del tri- bunale, di un a1·gomento giuridico de l difensore (cons. D 4). - Non si puõ com}Jutare nella }lena il carcere llt·eventivo, subito dai condannato a cagione di una inchiesta di diritto penale commune, pendente contemporaneamente contro di lui (a1·t. 50 CPJ\11) (cons. D 5). - Concetto (lei « servizio di pi·o11aganda a p1·ofitto di bellige- ranti » (art. 2, cp. 1, lett. e, dell'Ot·d. <le l 14 aprile 1939 sulinanteni- mento (lella neutralità). -· Autori e complici <li un simile set·vizio (cons. E). C. Die Beschwerdeführer berufen sich auf den Kassationsgrund von Art. 188, Abs. l, Ziff. 5, MStGO. Sie behaupten, dass wesentliche Vorschriften über das Verfahren verletzt worden seien, indem die An- klage 1nangelhaft substanziert sei und den Vorschriften von Art. 124 MStGO ni eh t entspreche:

l. Weil darin der Kriegführende nicht ausdrücklich genannt und weil auch nicht gesagt sei, wer durch die Handlungen der Beschwerde- führer begünstigt sein soll. Diese Behauptung ist unbegründet, da sich aus dem Wortlaut der Anklage kiar ergibt, dass es sich nur un1 Propaganda zugunsten Deutsch- lands handeln kann. Es ist darin ausdrücklich von <(deutschem Propa- gandamateriah die Rede, das <(die Hervorhebung der Vorzüge und Leistungen des neuen Deutschland auf politischem, wirtschaftlichem, militãrischem und kulturellem Gebiete und die Herabsetzung der Ein- richtungen und Leistungen seiner Kriegsgegner zum Inhalte hab). Damit ist deutlich genug gesagt, dass die Propaganda zugunsten Deutschlands erfolgte.

2. Weil darin die Schriften, worauf sich die Anklage stützt, nur bei- spielsweise aufgezãhlt seien. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig. J)enn es genügt, wenn aus der sehr grossen Zahl der beschlagnahmten Propagandaschriften in der An- klage n ur diejenigen einzeln aufgeführt werden, die als besonders wichtig und neutralitãtsverletzend erscheinen.

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3. W eil si eh ein Teil d er in d er Anklage erwãhnten Propaganda- schriften nicht bei den Akten befunden habe. Diese Aussetzung geht fehl, da sich der weitaus grõsste Teil der in der Anklage erwãhnten Propagandaschriften bei d en Akten befindet- und dieses Material nach dem Ermessen des Territorialgerichtes genügte, um den Tatbestand der Einrichtung und des Betriebes von Propaganda- stellen zugunsten eines Kriegführenden als erfüllt zu betrachten.

4. W eil di e in d er Anklage erwãhnten Schriften n ur mit d em Titel bezeichnet seien, ohne dass in1 einzelnen festgestellt und hervorgehoben werde, warum jede Schrift gegen die Bestimmungen der Verordnung vom 14. April 1939 verstosse. A u eh dieser Einwand ist ni eh t begründet. Das eingeklagte Vor- gehen besteht in der Einrichtung oder im Betrieb einer Propagandastelle zugunsten eines Kriegführenden. lJm diesen Sachverhalt zu umschreiben, genügt es, das verwendete Propagandamaterial in der Anklage zu nennen, und es ist nicht notwendig, durch Zitate oder Inhaltsangaben im einzelnen den übrigens eindeutigen und unbestrittenen Propagandacharakter dieser Literatur darzulegen. Die Anklageschrift entspricht daher den gesetzlichen Erfordernissen von Art. 124 MStGO. Die Beschwerdeführer glauben aber noch, sich aus einem anderen Gesichtspunkt auf den Kassationsgrund von Art. 188, Abs. l, Ziff. 5, berufen zu kõnnen, nãmlich weil das Territorialgericht den Einwand des Verteidigers, sie seien nicht als Tãter, sondern nur als Gehilfen des Deutschen Generalkonsulates in Zürich zu betrachten, nicht gehõrt habe. Diese Behauptung ist unrichtig, weil sich das Territorialgericht im angefochtenen Urteil (S. 14/15) mit dieser Frage befasst hat. Übrigens liegt in diesem Einwand eher eine Berufung auf den Kassationsgrund von Art. 188, Abs. l, Ziff. l, MStGO als von Art. 188, Abs. l, Ziff. 5, MStGO. Auf die Frage der Gehilfenschaft wird unter E, 2, noch ein- zutreten sein. D. Die Beschwerdeführer machen auch den Kassationsgrund von Art. 188, Abs. l, Ziff. 6, geltend und behaupten, dass die Verteidigung in für die Entscheidung wesentlichen Punkten unzulãssig beschrãnkt worden sei:

l. W eil si eh e in 'Teil de r in de r Anklage erwãhnten Propaganda- schriften ni eh t bei d en Ak te n befunden habe. Dass dieser Einwand unbegründet ist, ergibt sich aus den Erwãgungen e, 3.

2. Weil das Territorialgericht den Einwand des Verteidigers, die Beschwerdeführer seien nicht als Tãter, sondern nur als Gehilfen des Deutschen Generalkonsulates in Zürich zu betrachten, nicht gehõrt habe.

- 73 - No. 37 Dieser Einwand ist auch unter dem Gesichtspunkte von Art. 188, Abs. l, Ziff. 6, MStGO nicht stichhaltig, wie ohne weiteres aus den Er- wãgungen hervorgeht.

3. Weil das Territorialgericht die von der Verteidigung in act. 1/51 bezeichneten Zeugen sowie den in der Hauptverhandlung angerufenen Zeugen Kunad, Zellenleiter der deutschen Kolonie für den Kreis Zürich 10, nicht einvernommen und den in der lJntersuchung einvernommenen Zeugen Brand nicht zur Hauptverhandlung vorgeladen habe. Demgegenüber ist festzustellen, dass sich das Territorialgericht im angefochtenen Urteil (S. 14/15) mit der Frage der Einvernahme der von d er V erteidigung angerufenen Zeugen auseinandergesetzt hat. Auf Grund der Ergebnisse des Verfahrens und der Zeugenaussagen ist es zur Überzeugung gelangt, dass der Tatbestand der Anklage für alle drei Beschwerdeführer gegeben sei. Es führt aus, dass es sich, selbst wenn die von der Verteidigung angerufenen Zeugen in dem behaupteten Sinne aussagen würden, nicht entschliessen kõnnte, den von der Ver- teidigung geltend gemachten Sachverhalt anzuerkennen, und dass daher die nachgesuchte Beweisergãnzung, weil unwesentlich, abzulehnen sei. Bei dieser Feststellung handelt es si eh um eine Frage d er Beweiswürdigung, di e di e V orinstanz na eh d em ihr zustehenden frei en Ermessen zu lõsen hatte. Die Erwãgungen, die sie zu ihrer Auffassung geführt haben, sind überzeugend; auf keinen Fali kõnnen sie al s willkürlich betrachtet werden. Was den Zeugen Brand anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass in der Verhandlung die von ihm in der Voruntersuchung gemachten Aus- sagen vorgelesen worden sind. Aus dem Bericht des Grossrichters des Territorialgerichtes geht hervor, dass die Einvernahme .des Zeugen Brand in der Verhandlung weder yom Auditor noch vom Verteidiger beantragt worden ist, und dass der Verteidiger bei der Behandlung der Vorfragen im Sinne von Art. 142 MStGO auch keinen dahingehenden Antrag gestellt hatte. Die nachtrãgliche Beanstandung, dass dieser Zeuge in der Verhandlung nicht einverno1nmen worden sei, ist daher unbegründet.

4. W eil ni eh t geprüft w orden sei, inwieweit di e einzelnen Propaganda- schriften die Neutralitãt der Schweiz verlet~en. E s ist in keiner W eis e dargetan, wieso di e V erteidigung in dieser Beziehung unzulãssig beschrãnkt worden sein soll. Sie konnte ihren Standpunkt zu dieser Frage ungehindert vertreten. Das angefochtene Urteil hat sich mit diese1n Einwand der Verteidigung auseinandergesetzt (S. 16) und hat festgestellt, dass die Schriften wegen ihres allgemeinen Inhalts, ihrer Tendenz und ihrer Zweckbestimmung, nãmlich zugunsten eines Kriegführenden vom Gebiete der Schweiz aus Propaganda zu machen, neutralitãtswidrig seien.

5. W eil dern Beschwerdeführer Ernst Kunz auf di e Gefãngnisstrafe die Untersuchungshaft nicht angerechnet worden seL

No. 37 74 Wie der Beschwerdeführer Ernst Kunz selbst erwãhnt, befand er sich nicht wegen des gegenwãrtigen militãrgerichtlichen, sondern wegen eines bürgerlichen Strafverfahrens in Untersuchungshaft. Er hat auch ni eh t geltend gemacht, das s di e erstandene U ntersuchungshaft infolge des militãrgerichtlichen Verfahrens verlãngert worden sei. Das Terri- torialgericht hatte daher keinen Anlass und keine Moglichkeit, diese bürgerliche Untersuchungshaft auf die Gefãngnisstrafe anzurechnen. Auf keinen Fall kann in der Nichtanrechnung der Untersuchungshaft eine Beschrãnkung der Verteidigung erblickt werden.

6. Weil der Beschwerdeführer Otto Frei nach Verbüssung der Ge- fãngnisstrafe am 10. November 1941 neuerdings verhaftet und erst wieder entlassen worden sei, nachdem er eine Erklãrung unterzeichnet habe, dass er die Schweiz verlassen werde. Auf diesen Beschwerdepunkt kann nicht eingetreten werden, da er sich nicht gegen das angefochtene Urteil des Territorialgerichtes, sondern gegen nachher angeblich getroffene Massnahmen der Polizei- organe wendet. E. Die Beschwerdeführer berufen sich auch auf den l{assations- grund d er Verletzung des Strafgesetzes im Sinne von Art. 188, Ahs. 1, Ziff. 1, MStGO un d machen dafür verschiedene Gesichtspunkte geltend:

1. Sie behaupten, die Bestimmung von Art. 2, Abs. 1, lit. e, der Verordnung des Bundesrates vom 14. April 1939 über die Handhabung der Neutralitãt sei verletzt worden, weil durch die Handlungen der Be- schwerdeführer di e N eutralitãt d er Schweiz weder verletzt no eh ge- fãhrdet worden sei. Zur l3egründung dieser Auffassung machen die Beschwerdeführer umfangreiche und zum Teil recht abwegige Aus- führungen über den staats- und volk.errechtlichen Begriff der Neutralitãt der Schweiz. Hierauf komü1t es jedoch nicht an, sondern auf den Wort- laut und auf den Sinn der in Frage stehenden Bestimmungen. Art. 2 der Verordnung verbietet jede Begünstigung eines Kriegführenden vom Gebiete der Schweiz aus. Unter anderem ist in Abs. 1, lit. e, insbesondere untersagt, Propagandastellen zugunsten von Kriegführenden einzu- richten oder zu betreiben. Das Territorialgericht hat im angefochtenen Urteil (S. 13 ff.) festgestellt, dass in der Handlungsweise der Beschwerde- führer di e Einrich tun g o d er de r Betrieb von Propagandastellen zugunsten eines Kriegführenden zu erblicken ist. In dieser Feststellung liegt keine Verletzung von Art. 2, Abs. 1, lit. e, der Verordnung. Denn es ist kiar, dass es sich bei den in Frage stehenden Schriften um Propagandamaterial zugunsten des Deutschen 11eiches handelt. Und es ist auch kein Zweifel darüber moglich, dass die Aufbewahrung grõsserer Bestãnde solcher Propagandaschriften in einem Hotel oder einer Wirtschaft zu dem Zwecke, sie an Gãste oder andere Personen zu verteilen, und die Ver- teilung dieses Ma teri al s an e ine grossere Anzahl von Personen, um di ese zugunsten eines Kriegführenden oder zuungunsten seiner Gegner zu be-