Erwägungen (4 Absätze)
E. 44 1nacht, bedeutet die Verbüssung einer Arreststrafe das gerade Gegenteil der Zuweisung einer solchen Dienststellung, da der Arrestant durch den Freiheitsentzug grundsãtzlich von der Dienstleistung ausgeschlossen wird. Art. 186, Abs. l, lVIStG verbietet denn auch beim Vollzug von scharfem Arrest ausdrücklich jede Dienstleistung. Dass der Arrestant, worauf die Vorinstanz besonderes Gewicht zu legen scheint, wãhrend der Strafverbüssung in jeder Beziehung als im Dienste stehender Wehrmann behandelt wird, ãndert nichts an der entscheidenden Tatsache, dass seine Pflich t zur Dienstleistung zwangsmãssig unterbrochen ist. Die vorinstanzliche Verurteilung des Kassationsklãgers wegen un~ erlaubter Entfernung verletzt somit das Strafgesetz. Das U rteil ist daher aufzuheben. B. Gemãss Art. 194 MStGO hat das Kassationsgericht nach Auf- hebung des vorinstanzlichen U rteils selber das d em Gesetz entsprechende Urteil zu fãllen. Entgegen der Auffassung des Kassationsklãgers kann nicht z'veifel- haft sein, dass sein Verhalten eine rechtswidrige schuldhafte Handlung dar-. stellt. Zu denken ist an einen keinen Vergehenstatbestand erfüllenden hlossen Disziplinarfehler im Sinne von Art.180 MStG oder an eine Dienst ... verletzung im Sinne von Art. 72 MStG, begangen clurch Verletzung einer aus cler Natur der militãrischen Strafverbüssung für jeden Soldaten als selbstverstãndlich sich ergebenden Pflicht, den ihm aufgezwungenen Frei- heitsentzug nicht zu unterbrechen. Nach der Praxis der Militãrgerichte unter der Herrschaft des l\1ilitãrstrafgesetzes von 1851 wurde das Ent- weichen aus dem Arrest als Fali des Ungehorsams (Art. 62) behandelt (vgl. Sammlung der Entscheide der Militãrgerichte 1914-1916, S. 18). Diese Betrachtungsweise wird den Verhãltnissen am besten gerecht. Im Entweichen aus dem Arrest liegt eine Auflehnung gegen die Pflicht zur militãrischen Unterordnung durch Missachtung des für den Arrestanten im Strafantrittsbefehl implizite mitenthaltenen Befehls, die Strafe im angewiesenen Lokal zu verbüssen. Die Zuwiderhandlung ist daher als Ungehorsam zu ahnden. (10. Oktober 1941, Jost e. D. G. 3 A.) 25. UnzuHissige Descbt·ãnkung der Verteidigung durch nicht recht- zeitige Bestellung des amtlichen Verteidigers (At·t. 120 UD(l 188, Abs. 1, Ziff. 6 1\IStGO). - Der Grossrichter hat dafür zu sorgen, dass sich der Ve1·teidiger seiner Aufgabe scbon lvãbi·end der Vor- bereitung der llauptverbandlung widmen l1:ann. Zu den Aufgaben des amtlichen V erteidiget·s gebõrt aucl1 di e Instruktion des An- geklagten, die sorgfãltige Überpt·üfung seiner Beweismittel und die
-
E. 45 No. 25 Beistandsleistung bei einer von ihm selbst als aussichtslos betrach- teten Kassationsbesclllvei·de. - Der Angelilagte ist von der Er- füllung der Rügepflicl1t im Sinne des Art. 138, Abs. 2, l\lStGO be- freit, wenn er hierzu ol1ne sein Verscl1ulden nicht in der Lage war. - Die Kassation eines Urteils wegen Bescliranliung der Verteidigungs- recllte oder V erletzung wesentlicl1er V orscbriften des V erfal1rens kommt nur in Frage, wenn der Verstoss für den Ausgang des Ver- fahrens von Bedeutung war (Art. 188, Abs. 1, Ziff. 5 UU(l 6, 1\IStGO) (Erlv. A). - De1· Zustellbogen der FeldJlost ist ein dienstlicl1es Aktenstück (Art. 78 l\riStG) (Erlv. B). Entrave inadmissible à la défeuse par suite de la désignation tardive d'un défenseur d'office (art. 120 e t 188, al. 1, eh. 6, PPl\1). - Le Grand-Juge doit faire en sorte que le défenseu1~ puisse se con- sacrer à sa tâcbe assez tôt pour se préparer à l'audience de jugement (art. 120 PPJ\11). - Parmi les devoirs de sa charge, il incombe au défenseur d'office d'instruire son client sur ses d1·oits, d'étudie1· consciencieusement ses moyens de preuve et, mê1ne si cette procé- dure appa1·ait vouée à l'insucces, de l'assister dans son recours en cassation (au moins en donnant une forme juridique aux moyens e t conclusions du recours). - O n ne peut exige1· de l'accusé qu'il . siguale une irrégularité au seus de l'art. 183, al. 2, PPJ\1, s'il est bors d'état, saus sa faute, de le faire. - La question de savoir s'il y a Iieu de casser un jugement pour entrave aux droits de la défense ou pour violation des dispositions essentielles de la procé- dure ne peut se poser que si l'ir1·égularité était de nature à exercer de l'iufluencc sur le so1·t de la procédure (art. 188, al. 1, eh. 5 et 6, PPJ\11) (cons. A). - Le bulletin de réception de la poste de ca1npagne est un document de service (art. 78 CPl\1) (cons. B). Limitazione indebita della difesa, per il fatto di non aver nomi- nato tempestivamente il difensore d'officio (art. 120 et 188, cp.1, cif. 6, OGPPl\!1). - 11 Gran giudice deve aver cura ebe il difensore possa occuparsi del suo compito già durante il periodo preparatorio del dibattimento. E compito del difensore d'officio anche la istru- zione del prevenuto, l'accurato esame dei suoi mezzi di prova e l'assisteuza nella redazione del ricorso in cassazione, ancbe se il difensore d'officio lo considera senza probabilità di buon esito. - N o n si puõ f ar carico de lia inosservanza de lia disposizione del- l'art. 188, cp. 2, O GPPl\1 ad un prevenuto cl1e si e trovato, se uza colpa sua, nella impossibilità di ossequiarvi. - La cassazione di 4
No. 25 -
E. 46 - una sentenza pe1~ indebita limitazione della difesa o violazione di dispo.sizioni essenziali di proce(lura puõ aver luogo solo quando Pirregolarità abbia avuto co1iseguenze suli' esito del processo (art. 188, cp. 1, cif. 5 e 6, O GPPJ\11) (eons. A). - Il bollettino di ricevuta della posta (la campo e un docu1ncnto di servizio (art. 78 CPM) (cons. B). A. Der Kassationsklãger beschwert sich in erster Linie darüber, dass ihm der Name des amtlichen Verteidigers vor dem Tage der Haupt- verhandlung nicht mitgeteilt worden sei und dass er am Verhandlungs- tage keine Gelegenheit zu einer eingehenden Rücksprache mit seinem amtlichen Verteidiger, insbesondere bezüglich der Gegenbeweismittel zu dem ihm ungünstigen Leumundsbericht der Zürcher Kantonspolizei, gehabt habe. Die Verteidigung sei infolgedessen zu seinem Nachteil mangelhaft geführt worden. Au eh ha be si eh d er amtliche V erteidiger ge- weigert, die Kassationsbeschwerde zu begründen. Darin liegt die Rüge einer unzulãssigen Beschrãnkung der Ver- teidigung im Sinne von Art. 188, Ziff. 6,' MStGO. Formelle Voraus- setzung für ein Eintreten auf diesen Beschvverdegrund ist nach dem Schlussabsatz dieser Bestimmung, dass die <<Partei wãhrend der Haupt- verhandlung einen bezüglichen Antrag gestellt oder den Mangel ge- rügt hat>>. Nach dem vorinstanzlichen Verhandlungsprotokoll hat der Kassa- tionsklãger anlãsslich der Erledigung der Vorfragen gemãss Art. 142 MStGO wegen der lJnregelmãssigkeit in der Bestellung der Verteidigung keine Rüge erhoben und auch keinen Antrag auf Verschiebung der Ver- handlung gestellt. Ob und wie er sich am Schlusse der Hauptverhandlung zu diesem Punkte geãussert hat, ist aus dem entgegen der Vo1schrift von Art. 165 MStGO das Schlusswort nicht erwãhnenden Protokoll über die Hauptverhand1ung nicht ersichtlich. Wie das Kassationsgericht wiederholt entschieden hat, ist die Vor- schrift von Art. 188, Abs. 2, MStGO dann nicht anzuwenden, wenn eine Partei ohne ihr Verschulden nicht in der Lage war, die Mãngel recht- zeitig zu rügen (vgl. Entscheidungen MKG 1936-1940, S. 126 und dort. Zitat). Solche Ausnahmen wurden aber nur in Fãllen zugelassen, in denen die rechtzeitige Erfüllung der l1ügepflicht dem Angeklagten wegen Un- kenntnis des Mangels nicht zum Verschulden angerechnet werden konnte. I-Iier aber hatte der Kassationsklãger von der in seiner Beschwerde ge- rügten U nregelmãssigkeit in d er Bestellung d er amtlichen V erteidigung zu Beginn der I-Iauptverhandlung, im Stadium der Vorfragenerledigung nach Art. 142 MStGO, Kenntnis, und ebenso kannte er den ihm un- günstigen Leumundsbericht der Zürcher Kantonspolizei vom 11. Juni 1941, zu dem Stellung zu nehmen, ihm in der vorlãufigen Beweisaufnahme vom Untersuchungsrichter Gelegenheit gegeben worden war, so dass er
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E. 47 No. 25
die Ergãnzung des Beweisergebnisses zu Beginn der Hauptverhandlung
zu beantragen in der Lage gewesen wãre. Das Kassationsgericht ist denn
auch in einem jüngsten Entscheide i. S. Stauffer vom 14. Juni 1941 auf
die nachtrãgliche Rüge ãhnlicher Unregelmãssigkeiten in der Bestellung'
der amtlichen Verteidigung wegen nicht rechtzeitiger Anbringung im
Stadium der Erledigung der Vorfragen nicht eingetreten.
Die Erfüllung der Rügepflicht wegen Mãngeln des Vorbereitungs-
verfahrens kann allerdings praktisch dem Angeklagten schwer fallen,
in d em er vielfach ni eh t in d er Lage sein wird, si eh gegen sein en am tlichen
Verteidiger zu wenden, um nicht für den Fali der Verwerfung seines Ein-
spruches di e Durchführung sein er V erteidigung zu gefãhrden.
Nach Art. 120 MStGO beginnt die Aufgabe der Verteidigung gleich
nach Schluss der Voruntersuchung, so dass der Grossrichter dafür zu
sorgen hat, dass der Verteidiger sich rechtzeitig seiner Aufgabe widmen
kann, un d zwar ni eh t n ur mit Bezug auf sein Auftreten vor d em Divisions-
gericht, sondern auch schon mit Bezug auf die Erfüllung der Obliegen-
heiten wãhrend der Vorbereitung der Hauptverhandlung.
Zu diesen Vorbereitungshandlungen gehort vor allem auch eine
Instruktion durch den Beschuldigten und eine sorgfãltige Überprüfung
der von diesem in Vorschlag gebrachten Beweismittel. Der amtliche
Verteidiger ist verpflichtet, alles vorzukehren, was zu einer wirksamen
Verteidigung des Angeklagten notwendig ist (vgl. Entscheidungen MKG
1926--1935, S. 3 f., 1936-1940, S. 125). Auch bei Abfassung einer von
ihm als aussichtslos erachteten Kassationsbeschwerde muss er de1n Ver-
urteilten seinen Beistand wenigstens insoweit angedeihen lassen, als er
dessen Antrãge und Begründung in eine juristisch richtige F-;orm zu
kleiden hat (vgl. Entscheidungen MKG 1936-1940, S. 107).
Wenn nun auch .nach der Darstellung des Kassationsklãgers im vor-
liegenden Falle gegen diese Grundsãtze dadurch verstossen worden ist,
dass dem Angeklagten nicht rechtzeitig und hinreíchend Gelegenheit
geboten wurde, den Fali mit dem amtlichen Verteidiger zu besprechen,
so kõnnten diese Verstõsse deshalb nicht zur Kassierung des Urteils
führen, weil ni eh t z u erkennen i s t, das s si e für de n Ausgang des Ver-
fahrens von Bedeutung waren. Beweisantrãge, di e zufolge d er U nregel-
mãssigkeit in der Verteidigung unterblieben wãr~n und die von Einfluss
auf das Urteil hãtten sein kõnnen, sei es grundsãtzlich oder in bezug auf
die Strafe und deren Vollzug, sind nicht ersichtlich. J)er Nachweis einer
unzulãssigen Beschrãnkung d er V erteidigung in e in em für di e Ent-
scheidung wesentlichen Punkte im Sinne von Art. 188, Ziff. 6, MStGO
kann daher nicht als erbracht angenommen werden.
Damit entfãllt auch der Kassationsgrund der Verletzung wesent-
licher Verfahrensvorschriften im Sinne der Ziff. 5 von Art. 188 MStGO,
indem auch hier eine Kassation nur mõglich ist, wenn der Fehler von
Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts sein konnte (vgl. Entschei-
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
No. 25 - 44 - 1nacht, bedeutet die Verbüssung einer Arreststrafe das gerade Gegenteil der Zuweisung einer solchen Dienststellung, da der Arrestant durch den Freiheitsentzug grundsãtzlich von der Dienstleistung ausgeschlossen wird. Art. 186, Abs. l, lVIStG verbietet denn auch beim Vollzug von scharfem Arrest ausdrücklich jede Dienstleistung. Dass der Arrestant, worauf die Vorinstanz besonderes Gewicht zu legen scheint, wãhrend der Strafverbüssung in jeder Beziehung als im Dienste stehender Wehrmann behandelt wird, ãndert nichts an der entscheidenden Tatsache, dass seine Pflich t zur Dienstleistung zwangsmãssig unterbrochen ist. Die vorinstanzliche Verurteilung des Kassationsklãgers wegen un~ erlaubter Entfernung verletzt somit das Strafgesetz. Das U rteil ist daher aufzuheben. B. Gemãss Art. 194 MStGO hat das Kassationsgericht nach Auf- hebung des vorinstanzlichen U rteils selber das d em Gesetz entsprechende Urteil zu fãllen. Entgegen der Auffassung des Kassationsklãgers kann nicht z'veifel- haft sein, dass sein Verhalten eine rechtswidrige schuldhafte Handlung dar-. stellt. Zu denken ist an einen keinen Vergehenstatbestand erfüllenden hlossen Disziplinarfehler im Sinne von Art.180 MStG oder an eine Dienst ... verletzung im Sinne von Art. 72 MStG, begangen clurch Verletzung einer aus cler Natur der militãrischen Strafverbüssung für jeden Soldaten als selbstverstãndlich sich ergebenden Pflicht, den ihm aufgezwungenen Frei- heitsentzug nicht zu unterbrechen. Nach der Praxis der Militãrgerichte unter der Herrschaft des l\1ilitãrstrafgesetzes von 1851 wurde das Ent- weichen aus dem Arrest als Fali des Ungehorsams (Art. 62) behandelt (vgl. Sammlung der Entscheide der Militãrgerichte 1914-1916, S. 18). Diese Betrachtungsweise wird den Verhãltnissen am besten gerecht. Im Entweichen aus dem Arrest liegt eine Auflehnung gegen die Pflicht zur militãrischen Unterordnung durch Missachtung des für den Arrestanten im Strafantrittsbefehl implizite mitenthaltenen Befehls, die Strafe im angewiesenen Lokal zu verbüssen. Die Zuwiderhandlung ist daher als Ungehorsam zu ahnden. (10. Oktober 1941, Jost e. D. G. 3 A.) 25. UnzuHissige Descbt·ãnkung der Verteidigung durch nicht recht- zeitige Bestellung des amtlichen Verteidigers (At·t. 120 UD(l 188, Abs. 1, Ziff. 6 1\IStGO). - Der Grossrichter hat dafür zu sorgen, dass sich der Ve1·teidiger seiner Aufgabe scbon lvãbi·end der Vor- bereitung der llauptverbandlung widmen l1:ann. Zu den Aufgaben des amtlichen V erteidiget·s gebõrt aucl1 di e Instruktion des An- geklagten, die sorgfãltige Überpt·üfung seiner Beweismittel und die
- 45 - No. 25 Beistandsleistung bei einer von ihm selbst als aussichtslos betrach- teten Kassationsbesclllvei·de. - Der Angelilagte ist von der Er- füllung der Rügepflicl1t im Sinne des Art. 138, Abs. 2, l\lStGO be- freit, wenn er hierzu ol1ne sein Verscl1ulden nicht in der Lage war. - Die Kassation eines Urteils wegen Bescliranliung der Verteidigungs- recllte oder V erletzung wesentlicl1er V orscbriften des V erfal1rens kommt nur in Frage, wenn der Verstoss für den Ausgang des Ver- fahrens von Bedeutung war (Art. 188, Abs. 1, Ziff. 5 UU(l 6, 1\IStGO) (Erlv. A). - De1· Zustellbogen der FeldJlost ist ein dienstlicl1es Aktenstück (Art. 78 l\riStG) (Erlv. B). Entrave inadmissible à la défeuse par suite de la désignation tardive d'un défenseur d'office (art. 120 e t 188, al. 1, eh. 6, PPl\1). - Le Grand-Juge doit faire en sorte que le défenseu1~ puisse se con- sacrer à sa tâcbe assez tôt pour se préparer à l'audience de jugement (art. 120 PPJ\11). - Parmi les devoirs de sa charge, il incombe au défenseur d'office d'instruire son client sur ses d1·oits, d'étudie1· consciencieusement ses moyens de preuve et, mê1ne si cette procé- dure appa1·ait vouée à l'insucces, de l'assister dans son recours en cassation (au moins en donnant une forme juridique aux moyens e t conclusions du recours). - O n ne peut exige1· de l'accusé qu'il . siguale une irrégularité au seus de l'art. 183, al. 2, PPJ\1, s'il est bors d'état, saus sa faute, de le faire. - La question de savoir s'il y a Iieu de casser un jugement pour entrave aux droits de la défense ou pour violation des dispositions essentielles de la procé- dure ne peut se poser que si l'ir1·égularité était de nature à exercer de l'iufluencc sur le so1·t de la procédure (art. 188, al. 1, eh. 5 et 6, PPJ\11) (cons. A). - Le bulletin de réception de la poste de ca1npagne est un document de service (art. 78 CPl\1) (cons. B). Limitazione indebita della difesa, per il fatto di non aver nomi- nato tempestivamente il difensore d'officio (art. 120 et 188, cp.1, cif. 6, OGPPl\!1). - 11 Gran giudice deve aver cura ebe il difensore possa occuparsi del suo compito già durante il periodo preparatorio del dibattimento. E compito del difensore d'officio anche la istru- zione del prevenuto, l'accurato esame dei suoi mezzi di prova e l'assisteuza nella redazione del ricorso in cassazione, ancbe se il difensore d'officio lo considera senza probabilità di buon esito. - N o n si puõ f ar carico de lia inosservanza de lia disposizione del- l'art. 188, cp. 2, O GPPl\1 ad un prevenuto cl1e si e trovato, se uza colpa sua, nella impossibilità di ossequiarvi. - La cassazione di 4
No. 25 - 46 - una sentenza pe1~ indebita limitazione della difesa o violazione di dispo.sizioni essenziali di proce(lura puõ aver luogo solo quando Pirregolarità abbia avuto co1iseguenze suli' esito del processo (art. 188, cp. 1, cif. 5 e 6, O GPPJ\11) (eons. A). - Il bollettino di ricevuta della posta (la campo e un docu1ncnto di servizio (art. 78 CPM) (cons. B). A. Der Kassationsklãger beschwert sich in erster Linie darüber, dass ihm der Name des amtlichen Verteidigers vor dem Tage der Haupt- verhandlung nicht mitgeteilt worden sei und dass er am Verhandlungs- tage keine Gelegenheit zu einer eingehenden Rücksprache mit seinem amtlichen Verteidiger, insbesondere bezüglich der Gegenbeweismittel zu dem ihm ungünstigen Leumundsbericht der Zürcher Kantonspolizei, gehabt habe. Die Verteidigung sei infolgedessen zu seinem Nachteil mangelhaft geführt worden. Au eh ha be si eh d er amtliche V erteidiger ge- weigert, die Kassationsbeschwerde zu begründen. Darin liegt die Rüge einer unzulãssigen Beschrãnkung der Ver- teidigung im Sinne von Art. 188, Ziff. 6,' MStGO. Formelle Voraus- setzung für ein Eintreten auf diesen Beschvverdegrund ist nach dem Schlussabsatz dieser Bestimmung, dass die >. Nach dem vorinstanzlichen Verhandlungsprotokoll hat der Kassa- tionsklãger anlãsslich der Erledigung der Vorfragen gemãss Art. 142 MStGO wegen der lJnregelmãssigkeit in der Bestellung der Verteidigung keine Rüge erhoben und auch keinen Antrag auf Verschiebung der Ver- handlung gestellt. Ob und wie er sich am Schlusse der Hauptverhandlung zu diesem Punkte geãussert hat, ist aus dem entgegen der Vo1schrift von Art. 165 MStGO das Schlusswort nicht erwãhnenden Protokoll über die Hauptverhand1ung nicht ersichtlich. Wie das Kassationsgericht wiederholt entschieden hat, ist die Vor- schrift von Art. 188, Abs. 2, MStGO dann nicht anzuwenden, wenn eine Partei ohne ihr Verschulden nicht in der Lage war, die Mãngel recht- zeitig zu rügen (vgl. Entscheidungen MKG 1936-1940, S. 126 und dort. Zitat). Solche Ausnahmen wurden aber nur in Fãllen zugelassen, in denen die rechtzeitige Erfüllung der l1ügepflicht dem Angeklagten wegen Un- kenntnis des Mangels nicht zum Verschulden angerechnet werden konnte. I-Iier aber hatte der Kassationsklãger von der in seiner Beschwerde ge- rügten U nregelmãssigkeit in d er Bestellung d er amtlichen V erteidigung zu Beginn der I-Iauptverhandlung, im Stadium der Vorfragenerledigung nach Art. 142 MStGO, Kenntnis, und ebenso kannte er den ihm un- günstigen Leumundsbericht der Zürcher Kantonspolizei vom 11. Juni 1941, zu dem Stellung zu nehmen, ihm in der vorlãufigen Beweisaufnahme vom Untersuchungsrichter Gelegenheit gegeben worden war, so dass er
- 47 - No. 25 die Ergãnzung des Beweisergebnisses zu Beginn der Hauptverhandlung zu beantragen in der Lage gewesen wãre. Das Kassationsgericht ist denn auch in einem jüngsten Entscheide i. S. Stauffer vom 14. Juni 1941 auf die nachtrãgliche Rüge ãhnlicher Unregelmãssigkeiten in der Bestellung' der amtlichen Verteidigung wegen nicht rechtzeitiger Anbringung im Stadium der Erledigung der Vorfragen nicht eingetreten. Die Erfüllung der Rügepflicht wegen Mãngeln des Vorbereitungs- verfahrens kann allerdings praktisch dem Angeklagten schwer fallen, in d em er vielfach ni eh t in d er Lage sein wird, si eh gegen sein en am tlichen Verteidiger zu wenden, um nicht für den Fali der Verwerfung seines Ein- spruches di e Durchführung sein er V erteidigung zu gefãhrden. Nach Art. 120 MStGO beginnt die Aufgabe der Verteidigung gleich nach Schluss der Voruntersuchung, so dass der Grossrichter dafür zu sorgen hat, dass der Verteidiger sich rechtzeitig seiner Aufgabe widmen kann, un d zwar ni eh t n ur mit Bezug auf sein Auftreten vor d em Divisions- gericht, sondern auch schon mit Bezug auf die Erfüllung der Obliegen- heiten wãhrend der Vorbereitung der Hauptverhandlung. Zu diesen Vorbereitungshandlungen gehort vor allem auch eine Instruktion durch den Beschuldigten und eine sorgfãltige Überprüfung der von diesem in Vorschlag gebrachten Beweismittel. Der amtliche Verteidiger ist verpflichtet, alles vorzukehren, was zu einer wirksamen Verteidigung des Angeklagten notwendig ist (vgl. Entscheidungen MKG 1926--1935, S. 3 f., 1936-1940, S. 125). Auch bei Abfassung einer von ihm als aussichtslos erachteten Kassationsbeschwerde muss er de1n Ver- urteilten seinen Beistand wenigstens insoweit angedeihen lassen, als er dessen Antrãge und Begründung in eine juristisch richtige F-;orm zu kleiden hat (vgl. Entscheidungen MKG 1936-1940, S. 107). Wenn nun auch .nach der Darstellung des Kassationsklãgers im vor- liegenden Falle gegen diese Grundsãtze dadurch verstossen worden ist, dass dem Angeklagten nicht rechtzeitig und hinreíchend Gelegenheit geboten wurde, den Fali mit dem amtlichen Verteidiger zu besprechen, so kõnnten diese Verstõsse deshalb nicht zur Kassierung des Urteils führen, weil ni eh t z u erkennen i s t, das s si e für de n Ausgang des Ver- fahrens von Bedeutung waren. Beweisantrãge, di e zufolge d er U nregel- mãssigkeit in der Verteidigung unterblieben wãr~n und die von Einfluss auf das Urteil hãtten sein kõnnen, sei es grundsãtzlich oder in bezug auf die Strafe und deren Vollzug, sind nicht ersichtlich. J)er Nachweis einer unzulãssigen Beschrãnkung d er V erteidigung in e in em für di e Ent- scheidung wesentlichen Punkte im Sinne von Art. 188, Ziff. 6, MStGO kann daher nicht als erbracht angenommen werden. Damit entfãllt auch der Kassationsgrund der Verletzung wesent- licher Verfahrensvorschriften im Sinne der Ziff. 5 von Art. 188 MStGO, indem auch hier eine Kassation nur mõglich ist, wenn der Fehler von Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts sein konnte (vgl. Entschei-