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MKGE 4 Nr. 158

MKGE 4 Nr. 158 — Déléaval e. T. G. 3 A.

Mkg · 1944-05-02 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

- 343 - No. 158 ausser acht gelassen würde, dass der Nachrichtenagent nicht Amts- handlungen vornimmt, sondern lediglich auskundschaftet. Auch der Beschwerdeführer hat nicht eine Amtstãtigkeit ausgeübt, sondern bloss Nachrichtendienst getrieben. Er hatte nicht z. B. den Auftrag, die Pass- fãlscherzentrale auszuheben, die Beteiligten zu verhaften, sondern wollte lediglich, dass sich Lõri in das Vertrauen der Lente einschmeichle, um zu erfahren, ob sie für Juden Pãsse fãlschten. I-Iãtte er das erfahren, so hãtte er es weitergemeldet, und der auftraggebende Staat hãtte ge- gebenenfalls die Aufmerksamkeit der Schweiz auf die Passfãlscher ge- lenkt und die Aufhebung der Zentrale begehrt. Mehr kann aus den be- wiesenen Tatsachen nicht gefolgert werden. Jenny ist daher für seine Handlungen wegen Vorschubleistens zu politischem Nachrichtendienst, nicht wegen Vornahrne verbotener Handlungen für einen fremden Staat zu bestrafen. (2. Mai 1944, Jenny e. T. G-. 3 A.) 158. Politischer Nacl1richtendienst (Art. 272 StGB). - Es ist Sache des Ricbters, Falle, welche nach den suhjektiven uud objelitiven Tatumstãnden d en in Ziff. 2 beispiels\lveise genannten au Strafwürdig- }{eit gleichlioinmen, als scltwer zu behandeln. Dies darf nicht nur dann geschehen, \Venn der Naebrichtendienst direlit ode1· indit~elit gegen die Scbweiz gericbtet ist u1ul er ausserdem ibre innere oder aussere Sicherheit gefãhrdet. Service de renseignemeuts politiques (art. 272 CPS). - C'est l'affaire du juge de considérer comme « graves » d'autres cas que ceux énumérés à titre d'exemples pai~ le clt. 2e ftuand, d'apres les cii~constances objectives et subjectives de la cause, iis appcllent une répression du même genre. Il n'est pas nécessaire pour cela que le service de renseignements soit dirigé directement ou indii·ecte- ment contre la Suisse et qu'en outre il mette en }léril la sécurité intérieure ou extéi~ieui·e de la Confédération. Spionaggio politico (art. 272 CP). - Spetta al giudice di stabilire se siano gi~avi dei casi, i quali, secondo le circostanze soggettive ed oggettive, sono assimilabili a quelli indicati co1ne esempi nella cif. 2. N o n e detto eh e s ian o g1·avi so lo i casi di spionaggio eh e vennero, direttamente od indii~ettamente, compiuti contro la Svizzera e che ne compromettono la sicurezza inte1·na od esterna.

-No. l58 - 344 - Art. 272, Ziff. 2, StGB bedroht di e schweren Fãlle politischen N ach- richtendienstes mit Zuchthaus und bestimmt, als schwerer Fali gelte es insbesondere, wenn der Tãter zu Handlungen aufreizt oder falsche Berichte erstattet, di e- geeignet sin d, di e innere o d er ãussere Sicherheit der Eidgenossenschaft zu gefãhrden. Damit sind, wie sich aus der Ver- wendung des W ortes << insbesondere)) ergibt, n ur Beispiele schwerer Fãlle erwãhnt. Sache des Richters ist es, weitere Fãlle, welche den beispiels- weise genannten an Strafwürdigkeit nahe kommen, als schwer zu be- handeln. Dass er dies nur tun dürfe, wenn der Nachrichtendienst direkt oder indirekt gegen die Schweiz gerichtet ist und ausserdem die innere oder ãussere Sicherheit der Eidgenossenschaft geHihrdet, ergibt sich aus Art. 272, Ziff. 2, StGB nicht. In der vorliegenden Sache hat das, Terri- torialgerieht übrigens ausdrücklich und mit Recht angenommen, dass die Tat des Beschwerdeführers die ãussere Sicherheit der Eidgenossen- schaft gefãhrdet habe. Art. 272, Ziff. 2, StGB verlangt auch nicht, dass bei der Würdigung der Schwere des Falles bloss die subjektiven Umstãnde der Tat zu berück- sichtigen seien. Soweit das Territorialgericht objektiven Umstãnden Rechnung trug, bezeichnete es sie ausdrücklich als solche; insbesondere erklãrte es nicht, dass der Beschwerdeführer die Beteiligung von Landes- verrãtern an der betreffenden Organisation gekannt habe. In ihrer Ge- samtheit betrachtet, sind sowohl die objektiven als auch die subjektiven Umstãnde geeignet, den Fall als schwer erscheinen zu lassen. Falsch ist insbesondere die Auffassung des Beschwerdeführers, das Gericht hãtte nicht darauf abstellen dürfen, dass er den politischen Nachrichtendienst gewerbsmãssig betrieben hat. Art. 272 erwãhnt im Gegensatz zu anderen Bestimmungen des Strafgesetzhuches (z. B. Art. 119, 137, 144) die Ge- werbsinãssigkeit als qualifizierendes Merkmal nicht besonders, weil dies mit Rücksicht auf Ziffer 2 dieser Bestimmung, welche dem Richter bei der Würdigung der Schwere des Falles weitgehend freie Han'd lãsst, nicht nõtig ist. Endlich liegt eine Verletzung des Gesetzes auch nicht darin, dass die Vorinstanz die Unrichtigkeit des Berichtes über die Genfer Polizeiinspektoren als erschwerend mitberücksichtigt hat, obschon der Beschwerdeführer diesen Bericht nicht abgesandt hat. Wohl hebt Art. 272, Ziff. 2, StGB bloss die Erstattung falscher Berichte als Merkmal d er Schwere hervor. Das schliesst j edoch ni eh t aus, das s im einzelnen Falle schon die Bereitstellung solcher Berichte die Tat als schwer erscheinen lãsst, zumal wenn, wie hier, n'bch andere Urnstãnde sie besonders strafwürdig machen. (2. Mai 1944, Déléaval e. T. G. 3 A.)