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MKGE 4 Nr. 157

MKGE 4 Nr. 157

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No. 157 340 - heitlichen Entschlusses begangen. Diese Feststellung ist tatsãchlicher N a tur un d bindet das Kassationsgericht, da si e ni eh t willkürlich ist. Nach altem Recht ist · daher keine der Handlungen der Beschwerde- führerin verj ãhrt. Dies ist auch nicht nach dem von der Vorinstanz angewendeten neuen Recht der Fall, denn gemãss Art. 70, Abs. 4, StGB verjãhrt die Verfol- gung von Vergehen in fünf Jahren, und Art. 71, Abs. 3, StGB lãsst die Verjãhrung der zu verschiedenen Zeiten ausgeführten strafbaren Tãtigkeit erst mit dem Tage der letzten Tãtigkeit beginnen. Damit soll die Frage, ob von einer > nur dann gesprochen werden kann, wenn die Tãtigkeit, wie im vor- liegenden Falle, auf einem einheitlichen Willensentschluss beruht, nicht prãjudiziert sein.

2. Es ist davon auszugehen, dass eine der Aufgaben des Ehemannes Miller darin bestand, den in der Schweiz tãtigen deutschen Agenten ·ein Absteigequartier bereitzuhalten, dass dies nach Auffassung der Vor- instanz der Beschwerdeführerin bekannt war und dass sie auch wusste, das s alle di ese Personen im deutschen N achrichtendienst standen. Dan n hatten aber auch das Bewirten und Beherbergen ihre Bedeutung und sfellten si eh das als Vorschubleisten für diesen N achrichtendienst. E ine weitere Aufgabe des Ehemannes Miller bestand darin, den deutschen Agenten Geld bereitzuhalten, weil sie sich verdãchtig gemacht hãtten, w en n si e mit zu viel Geld di e Grenze überschritten hãtten. W enn n un die Beschwerdeführerin Geld, welches ihr Mann von Baumann im Auftrag des Agenten Hemmeter erhalten hatte, um es an einen Ageriten in Basel weiterzuleiten, entgegennahm und verwahrte, hat sie damit ebenfalls d em von Miller betriebenen N achrichtendienst Vorschub geleistet. O b Miller die Handlungen, welche die Beschwerdeführerin begangen hat, ebensogut selbst hãtte vornehmen konnen, ist unerheblich. (3. April 1944, Johanna Miller e. 1'. G. 3 A.) 157. 1\lilitarischer Nachricbtendienst (Art. 274 StGB).- Die Adress- büchel~ sind zwa1~ fü1· die Õffentlichkeit bestimmt, ihr Erwerb fallt aber dann unte1· Art. 274 StGB, wenn sie für militarische Zwecke verwendet werden sollen (Erw. 1). - Eine « ve1·botene Handlung für einen fremden Staat» (Art. 271 StGB) liegt uur dann vor, \venn der Tater eine Amtshandlung vorgenommen hat, mit ande1·n Worten eine Handlung, durch welcl1e sich ein Private1·, wenn er sie vor- nahme, der Amtsanmassung (Art. 287 StGB) . schuldig machen

- 341 - No. 157 würde. Erkundigungen, die Gegenstand einer Amtshandlung sein kõn~nen, daneben aber auch jedem Privaten erlaubt sind, fallen nicht darunter. Stráfbarkeit als politiscl1er Nachricl1tendienst (Art. 272 StGB) (Erw. 2). Service de renseignements n1ilitaires (art. 274 CPS). - Ilien qu'un livre d'adresses soit destiné au public et mis à la disposition de chacun, son acquisition peut néanmoins tomber sous le coup de l'art. 274 CPS s'il est établi qu'il doit servir à des fins :militaires, par exemple: à un service d'espionnage militaire (eons. 1). - Actes exécutés sans droit pout~ un Etat étranger (al~t. 271 CPS). - Cet article vise seulement la commission d'actes compétant à un organe officiel, c'est-à-dire des actes qu'un particulier ne peut accomplir qu'en se rendant coupable d'usurpation de fonctions (art. 287 CPS). Une enquête, à laquelle un organe officiel peut procéder dans le cadre de son activité, mais qu'une personne privée aussi est en droit de faire pour son compte, ne constitue pas un acte de ce genre. _, Culpabilité pour service de t·enseignements politiques (art. 272 CPS) (cons. 2). Spionaggio militare (art. 27 4 CP). - G li elenchi di indirizzi so no, e vero, destinati al pubblico; il loro acquisto pet~õ cade sotto la disposizione dell'art. 274 CP,quando ha luogo per adopei~arli a scopo militare (cons. l). - U n atto « compiuto senza autorizza- zione p er conto di un o S ta to estero » (art. 271 CP) esiste so lo quando l'autore ha compiuto un atto ufficiale, in altre parole: un atto mediante il quale, se compiuto da un privato, questi si renderebbe colpevole di usurpazione di funzioni (art. 287 CP). N o n son o tali le indagini che possono format~e oggetto di atti ufficiali, ma cl1e nello stesso tempo sono permesse a qualunque privato. Punibilità come spionaggio politico (art. 272 CP) (cons. 2).

1. Adressbücher sind für die Offentlichkeit bestimrht und dürfen erworben, ja sogar ins Ausland verbracht werden. Das schliesst jedoch nicht aus, dass ihr Erwerb dann unter Art. 274 StGB fãllt, wenn sie für militãrische Zwecke verwendet werden sollen, .z. B. zur Ermittlung von Adressen im Interesse der militãrischen Spionage oder Gegenspionage oder zur Feststellung des Standortes militãrisch bedeutsamer Gebãude. Dass der fremde Staat ein Adressbuch für solche Zwecke dienstbar machen wollte, muss jedoch im einzelnen Falle nachgewiesen sein. Auf diesen Willen kann nicht schon allein daraus geschlossen werden, dass der fremde Staat nach dem Buch verlangt, denn seiner Natur nach eignet es si eh ni eh t n ur für militãrische Zwecke, sondern z. B. au eh zur For-

No. 157 - 342- derung politischen o d er wirtschaftlichen N achrichtendienstes. Au eh di e Tatsache, dass eine militãrische Stelle den Auftrag zur Beschaffung des Buches erteilt, lãsst nicht unbedingt den Schluss zu, dass es militãrischen Z wecken di en en so li, di e s dan n nicht, wenn si eh di e gleiche Stelle au eh mit der Wahrung anderer Interessen befasst, wie es im vorliegenden Falle für die Abwehrstelle Wien/Salzburg zutrifft, die sich nach der Fest- stellung der Vorinstanz nicht ausschliesslich mit militãrischen, sondern auch mit politischem Nachrichtendienst und mit Nachrichtendienst gegen fremde Staaten befasst. Das Militãrkassationsgericht hat denn auch bereits in Sachen Feser durch Urteil vom 14. 'Mãrz 1944 in der im Auftrage des deutschen N achrichtendienstes erfolgten Ausfuhr eines Adressbuches nicht militãrischen N achrichtendienst erblickt, weil nicht bewiesen war, dass das Buch tatsãchlich solchem Dienst zum Nachteil der Sch\veiz dienstbar gemacht werden sollte. Auch im vorliegenden Falle ist dieser Beweis ni eh t erbracht; di e Vorinstanz hat di e Verurteilung lediglich darauf gestützt, dass ein Adressbuch >, > habe, w as, wie gesagt, nicht genügt, selbst wenn berücksichtigt wird, dass das Zürcher Adressbuch einen Stadtplan enthielt. Da an dere FaHe militãrischen N achrichtendienstes im U rteil ni eh t genannt werden, ist d er Beschwerdeführer von d er Anklage dieses V er- brechens freizusprechen.

2. Nach Art. 271 StGB ist unter anderem strafbar, wer auf ?Chwei- zerischem Gebiet ohne Bewilligung Handlungen für einen fremden Staat vornimmt, die einer Behorde oder einem Beamten zukommen, und wer solchen Handlungen Vorschub leistet. Zweck dieser Bestimmung ist, die Herrschaft des Staates innerhalb seiner Gebietsgrenzen zu wahren und zu verhindern, dass ein fremder Staat ohne Bewilligung auf schwei- zerischem Gebiet Handlungen vornim1nt, die nur der Gewalt des eigenen Staates zustehen. Gemeint sind aber stets Amtshandlungen, wie z. B. Festnahme, V erhaftung, Einvernahme zum Zwecke eines gerichtlichen V erfahrens, mit anderen W orten Handlungen, d ur eh welche si eh ein Privater, wenn er sie vornãhme, der Amtsanmassung (Art. 287 StGB) schuldig machen würde. Das kann aber von der blossen Erkundigung, dem Ausspãhen, ob eine Passfãlscherzentrale bestehe, nicht gesagt werden. Solche Erkundigung kann Gegenstand einer Amtshandlung sein, ist aber daneben auch jedem Privaten erlaubt, der bloss aus Neugierde, zun1 Zwecke der Erstattung einer Anzeige oder aus, ãhnlichen Beweggründen und nicht in Anmassung eines Amtes oder einer militãrischen Befehls- gewalt handelt. Unerlaubt ist sie nur, wenn sie im Interesse einer fremden Behõrde, Partei oder ahnlichen Organisation erfolgt. Dann aber fãllt si e als politischer N achrichtendienst unter Art. 272, ni eh t unter Art. 271 StGB. Andernfalls müsste z. B. die gesamte militãrische Gegenspionage statt unter Art. 274 unter Art. 271 StGB subsumiert werden, womit