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MKGE 4 Nr. 151

MKGE 4 Nr. 151

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- 329 - No. 151 wesen. Nãher liegt die Annahme, dass sich der deutsche Nachrichten- dienst um die drei Mãnner ihrer politischen Tãtigkeit wegen interessierte. Das Urteil des Territorialgerichtes ist daher auch in diesem Punkte dahin abzuãndern, dass der Beschwerdeführer statt des militãrischen des poli- tischen Nachrichtendienstes (Art. 274, Ziff. l, StGB) schuldig erklãrt wird. (15. Februar 1944, Lier e. T. G. 3 A.) 151. 1\lilitãriseher Nachrichtendienst (A1·t. 274 StGB): Da die Be- sthnmungen übe1· die pe1·sõnliche und sacliliche Geltung der Straf- gesetze dem materiellen Strafrechte angehõren, braucht die Rüge der Unzustandigkeit der Militargerichte gemass A1·t. 188, Abs. 2, MStG nicht erl1oben zu werden (Art. 1, Abs. 1, 1it. e, uud A1·t. 13 Bundesratsbeschluss vom 4. August 1942 über Straf- uud Verfahrens- bestimmungen zum Schutz der I..~andesverteidigung uud der Sicher- lleit de1· Eidgenossenscl1aft) (EI'\V. A). - Ein stadtisches Adress- buch hat líeinen militarischen Charal{ter, wol1l aber di e «Organisa- tio n de1· S ta be un d Truppen » (Erw. B). Se1·vice de renseignements militaires (a1·t. 27 4 CPS) : Les dis- positions relatives aux conditions pe1·sonnelles et matérielles ~e l'application de la loi pénale étant de droit matériel, le moyen tiré de l'incompétence des tribunaux militaires peut être invoqué en cassation sans que le recourant ait, comme le prévoit l'art.188, al. 2, PPM, présenté en conclusions au cours des débats à ee sujet (art.1, ep. 1, litt. e, et art. 13 de l'ACF du 4 aoftt 1942 édictant des dis- positions pénales et de procédure pour assuret· la défense nationale e t la sécurité de la Confédét·ation) (cons. A). - U n liv1·e d'adresses, qui est à disposition de ehacun, n'a aucun caractere militaire mais b i en un exemplaire de P« organisation des états-majors e t des troupes» (cons. B). Spionaggio militare (art. 27 4 CP) : Siccome le disposizioni eirca l'applicazione, tanto personale che materiale, della legge penale, fanno parte del diritto penale materiale, non occo1·re ehe l'ecee- zione di incompetenza della giurisdizione militare venga sollevata al dibattimento a' sensi dell'art. 188, cp. 2, O GPPl\tl (art. 1, cp. 1, lett. e, e art. 13 del DCF del 4 agosto 1942 ebe emana disposizioni penali e di procedura per garanti1·e la difesa nazionale e la sieurezza della

No. 151 330 - Confede1·azione) (cons. A). - Un elenco di indirizzi di una città no n ha carattere militare; lo ha invece la « Organizzazione degli stati maggiori e delle truppe » (cons. B). A. Unter Berufung auf den Kassationsgrund von Art. 188, Abs. l, Ziff. 3, MStGO macht der Verteidiger geltend, das Territorialgericht sei für die Verurteilung des Beschwerdeführers gemãss Art. 274 StGB nicht zustãndig gewesen. Durch die Verfügung des Bundesrates vorn

25. Mãrz 1943 seien die Tatbestãnde des bürgerlichen Rechts, soweit sie unter Art. 272 und 273 StGB fielen, dem Militãrgericht zur Beurteilung überwiesen worden. Unter Überschreitung seiner Kompetenz habe das Territorialgericht den Beschwerdeführer aber auch gemãss Art. 274 StGB verurteilt., Di e Einrede d er U nzustãndigkeit des Militãrgerichtes ist an d er Hauptverhandlung vor Territorialgericht weder vo1n Beschwerdeführer noch von seinem Verteidiger erhoben worden. Der Verteidiger hat an der H-auptverhandlung selbst die Anwendung von Art. 274 StGB be- antragt (Urteil S. 5). Trotz der Unterlassung einer Rüge im Sinne von Art. 188, Abs. 2, MStGO ist auf die Anfechtung einzutreten. Denn es liegt darin - da die Bestimmungen über die personliche und sachliche Geltung der Strafgesetze dem materiellen Strafrecht angehoren - impli- cite auch die Geltendmachung einer Verletzung des Strafgesetzes im Sinne von Art. 188, Abs. 1, Ziff. l, MStGO. Die Kassationsbeschwerde ist jedoch in diesem Punkte nicht be- gründet. Gemãss Art. l, Abs. l, lit. e, des BRB vom 4. August 1942 über Straf- und Verfahrensbestimmungen zum Schutze der Landes- verteidigung und der Sicherheit der Eidgenossenschaft (in Kraft seit

10. August 1942) unterstehen Personen, die sich des Deliktes von Art. 274 StGB schuldig machen, der Militãrgerichtsbarkeit. Art. i3, Abs. 3, dieses BRB bestimmt: «Auf Strafsachen, die bereits den bürgerlichen Unter- suchungsbehorden oder Gerichten überwiesen sind, findet Art. l nicht Anwendung.)) Daraus muss geschlossen werden, dass für die Beurteilung der vor dem Inkrafttreten des BRB begangenen, in Art. l, Abs. l, erwãhnten Straftaten die Militãrgerichte zustãndig sind, sofern es sich um Fãlle handelt, in denen vorher noch kein Verfahren vor den bürger- lichen Untersuchungshehorden oder Gerichten eingeleitet worden war. Da dies hier noch nicht geschehen war, hat das Territorialgericht das Strafgesetz ni eh t verletzt, in d em es si eh für di e Anwendung von Art. 27 4 StGB auf den Beschwerdeführer als zustãndig betrachtete. B. Sodann macht der Verteidiger im Sinne von Art. 188, Abs. 1', Ziff. l, MStGO geltend, das Territorialgericht habe Art. 274 StGB dadurch verletzt, dass es den Beschwerdeführer des militãrischen Naéhrichten- dienstes schuldig erklãrte, weil er ein Basler Adressbuch durch einen gewissen Weiss nach Deutschland habe befordern lassen, und weil er ein

- 331 No. 151 Exemplar der > (OStT) sowie zwei Briefe des Daumüller, die dessen Adresse enthielten, über die Grenze nach Deutschland gebracht habe. Ein Adressbuch konne jedermann frei kaufen; es unterliege keiner Grenzsperre. Di e O StT sei seinerzeit amtlich veroffentlicht und sogar den. auslãndischen Militarattachés offi- ziell übergeben worden. In den Briefen Daumüllers hãtte lediglich dessen Adresse gestanden. Das Verhalten des Beschwerdeführers konne daher in den erwãhnten Punkten den Tatbestand des militãrischen Nachrichten- dienstes nicht erfüllen. Auf jeden Fali sei in subjektiver Beziehung dieser Tatbestand nicht gegeben, weshalb der Beschwerdeführer hinsichtlich dieser Handlungen von d er Anklage des militãrischen N achrichtendienstes freizusprechen sei. Das Basler Adressbuch hat der Beschwerdeführer nach den Fest- stellungen d er V orinstanz im Auftrage des deutschen N achrichtendienstes durch Weiss nach Deutschland in das Bureau des Agne in Weil a. Rh. verbringen lassen (Anklageschrift Ziff. 16, Urteil S. 11/12, 21/22). Das angefochtene Urteil stellt auch fest, dass sich der deutsche Nachrichten- dienst angelegentlich für di e N amen d er Anhãnger des ehemaligen > in Ba sel interessierte, d. h. einer rechtsextremen Partei, deren Führer sich nach Deutschland geflüchtet haben und aus deren Mitgliedern sich ein grosser Teil der für Deutschland tãtigen schweizerischen Spione rekrutiert. Daraus hat das Territorialgericht den Schluss gezogen, dass die Agenten des deutschen Nachrichtendienstes mit Hilfe des Adress- buches, das ihnen der Beschwerdeführer auf illegalem Wege in die Hãnde spielte, die Adressen von Leuten feststellen wollten, die sie für ihre Zwecke anzuwerben gedachten, und dass der Beschwerdeführer daher durch seine Handlung ·vorschub zu militãrischem Nachrichtendienst ge- Ieistet habe. - Diese Auffassung ist nicht haltbar. Das Basler Adress- buch ist allgemein zugãnglich; es kann von jedermann erworben und auch ins Ausland verbracht werden. Militãrischer Charakter ist ihm nicht zuzuschreiben. Wenn es auch zutreffend ist, dassdieAgentendesdeutschen Nachrichtéridienstes in dem Adressbuch die Namen und Anschriften von Personen·, die sie aus irgendeinem Grunde für ihre Zwecke als geeignet erachteten, suchen und vielleicht auch finden konnten, so genügt das noch nicht, um anzunehmen, dass der Beschwerdeführer dadurch, dass er das Adressbuch für den deutschen Spionagedienst nach Deutschland verbringe.n liess, d em deutschen militãrischen N achrichtendienst zum Nachteil der Schweiz Vorschub leistete. Es fehlt daher in diesem Anklage- punkt an einer zureichenden objektiven Grundlage, um den Art. 274 StGB arizuwenden. Dagêgen sin d di e Einwendungen des V erteidigers hinsichtlich d er O StT un d d er Briefe Daumüllers ni eh t begründet. Das Territorialgericht hat auf Grund der Aussagen des Experten, Oberst Nãgeli, festgestellt, dass·· die OStT, die seinerzeit in der amtlichen Sammlung der Bundes-