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- 317 - No. 145 Vollzug ·der Gefãngnisstrafe bestimmt, dass d er militãrische Strafvollzug Militãrdienstpflichtigen und Hilfsdienstpflichtigen zugebilligt werden kann, sofern sie nach ihrem Vorleben, ihrer militãrischen Führung und ihrer Gesinnung dieser Vergünstigung würdig erscheinen. Für einen Mann, der aus religiõsen Gründen die Ablegung des Fahnen- eides oder des Gelübdes verweigert, bedeutet aber die Anordnung des militãrischen Strafvollzuges keine V ergünstigung, sondern eine Erschwerung des Strafvollzuges. Es widerspricht daher dem Sinn dieser Vorschrift, in einem solchen FaHe den militãrischen Strafvollzug anzuordnen. In d em das Divisionsgericht di e s verkannte, hat e s A rt. l der zitierten VO verletzt. Das angefochtene Urteil ist daher im Sinne von Art. 188, Abs. l, Ziff. l, und 193 MStGO auch aufzuheben, soweit es den militãrischen Vollzug der Gefãngnisstrafe anordnet. D. Gemãss Art. 194 MStGO hat das Kassationsgericht selbst das dem Gesetze entsprechende Urteil zu fãllen. Es ist davon auszugehen, dass der Strafmilderungsgrund von Art. 45, Abs. l, MStG (Handeln aus achtenswerten Beweggründen) an sich gegeben ist. Beim Vorliegen von Strafmilderungsgründen im Sinne von Art. 45 MStG ist aber der Richter nicht verpflichtet, die Strafe zu mildern. Es liegt im Ermessen des Ge- richtes, die Strafmilderung zuzuerkennen oder nicht. Der Beschwerde- führer hat durch sein Verhalten gezeigt, dass er glaubt, sich über eine grundlegende Pflicht, die ihm als Schweizerbürger obliegt, hinweg- zusetzen und sich damit ausserhalb der Volksgemeinschaft, der er an- gehõrt, stellen zu künnen. Im Hinblick auf diese Haltung des Beschwerde- führers ist das Kassationsgericht der Auffassung, dass sich eine Straf- milderung im Sinne von Art. 45 und 46 MStG nicht rechtfertigt, obschon er aus achtenswerten Beweggründen gehandelt hat. Diese Beweggründe sind lediglich bei der Strafzumessung auf Grund von Art. 44 MStG als strafmindernd zu berücksichtigen. Als angemessen erscheint dem Kassa- tionsgericht eine Strafe von zwei Monaten Gefãngnis. Für die Gewãhrung des bedingten Strafvollzuges (Art. 32, Ziff. l, MStG) sind die subjektiven Voraussetzungen nicht erfüllt, da der Charakter des Beschwerdeführers nicht erwarten lãsst, dass er durch diese Massnahme von weiteren auf seinen religiõsen Ansichten beruhenden Vergehen abgehalten würde. Auch die Anordnung des militãrischen Strafvollzuges kommt aus den schon dargelegten Gründen (Erwãgung C) nicht in Frage. (18. Januar 1944, Wiedenmann e. D. G. 3 A.) 145. Nachrichtendienst gegen fremde Staaten (Art. 301 StGB): W er nach Entgegennahme eines Auftrages im Auslande in die Schweiz einreist, ohne hie1l mit det· Ausführung zu beginnen, ist nieht sttlafbar 21
No. 145 - 318 - (A1·t. 4 StGB) (Erw. A und B). - Die Unterlassung der Fest- stellung im Urteil, welche Tat beim Zusammentreffen mehrerer straibare1· Haudlungen als die schwerste zu betrachten sei, e~1thalt keine Verletzung d er V orschrift, wonach die Urteilsausfertigung die Strafzuinessungsg1·ünde enthalten muss (Art. 161, lit. A, Ziff. 2, lit. b, MStGO). - Beim. militarischen Nach1·ichtendienst (Art. 274 StGB; Art. 1, Abs. 3, Bundesratsbeschluss vom 4. August 1942 über Straf- un d V ei·fahrensbestimmungen zu1n Schutze d er Landes- verteidigung und d er Siehe1·heit d er Eidgenossenschaft) setzt di e Verurteilung zu einer Zuchthausstrafe die ausdrüel{Iiclie Feststel- lung, dass es siclt um einen «schweren Fall» handelt, nicht voraus (Erw. e uud D). Espionnage militaire au préjudice d'un Etat étrange1· (art. 301 ePS): eelui qui, à l'étranger, accepte de faire de l'espionnage en Suisse au p1·éjudice d'un Etat étranger n'est pas punissable pour ee délit si, une fois entré en Suisse, il- ne donne aucune suite à eette mission (art. 4 ePS) (cons. A et B). - Ne viole pas la regle posée par l'art. 161, lit. A, eh. 2, litt. b, PPM, le jugement qui, en cas de concou1~s d'infractions, ne spécifie pas laquelle de ces infractions est considérée la p l us g1·ave (art. 49 CPM) (cons. e e t D). - En matie1·e de « service de renseignements militaires », la lo i (art. 27 4 ePS; ai~t. 1, al. 3, de l'ACF du 4 aoftt 1942 édictant des dispositions pénales et de procédure pour assurer la défense nationale et la sécu- rité de la Confédé1·ation) ne dispose p as que la p e ine de réclusion ne puisse être p1·ononcée contre l'auteur de ee délit que « dans les eas graves » (eons. C e t D)~ Spionaggio in danno di Stati estet·i (art. 301 CP) : Cbi, do p o aver accettato all'este1·o un mandato, entra in Isvizzera, senza inizia1·ne la esecuzione, no n e punibile (art. 4 CP) (cons. A e B). - Non constituisce violazione della norma secondo la quale la sentenza deve contenere l'indicazione delle ch·costanze ebe servirono di cri- terio pe1·la misura della pena (art. 161, lett. A, cif. 2,'Iett. b, OGPPM) il non indicare, in caso di concorso di reati, quale fatto sia stato conside1·ato come il piu grave. - Nel caso di spionaggio militare (art. 274 CP; art. 1, ep. 3, del DeF del 4 agosto 1942 che emana disposizioni penali e di procedura p~1· garantire la difesa nazionale e la sieurezza de lia eonfederazione) no n occorre, per una condanna alia reclusione, eh e sia espressamente indicato trattarsi di un « caso grave » (cons. e e D).
-· 319 - No. 145 A. De r V erteidiger ma eh t geltend, das angefochtene U rteil verletze Art. 301 StGB. Damit will er sich offenbar - allerdings ohne es aus- drücklich zu sagen - auf den Kassationsgrund von Art. 188, Abs. l, Ziff. l, MStG berufen. Zur Begründung führt er aus: Der Umstand, dass der Beschwerdeführer von einer deutschen Agentin in Besançon den Auftrag entgegengenommen habe, in Bern einen Agenten anzuwerben, der mit Englãndern in der Schweiz hãtte Bekannt- schaft schliessen und sie beobachten sollen, erfülle den Tatbestand des Nachrichtendienstes gegen fremde Staaten im Sinne von Art. 301 StGB nicht. Der Beschwerdeführer habe auf dem Gebiete der Schweiz keine Handlung begangen, auf die Art. 301 StGB angewendet werden konne. Art. 4 StGB, wonach gewisse Delikte, auch wenn sie hn Ausland begangen worden seien, in der Schweiz bestraft werden konnten, sei auf Art. 301 StGB nicht anwendbar. Demgemãss sei der Beschwerdeführer von der Anklage des Nachrichtendienstes gegen fremde Staaten freizusprechen. B. Nach Art. 301 StGB wird bestraft, wer im Gebiete der Schweiz für einen fremden Staat zum Nachteil eines anderen fremden Staates militãrischen N achrichtendiesnt betreibt o d er e in en solchen Dienst ein- richtet und vver für solche Dienste anwirbt oder ihnen Vorschub leistet. Das Territorialgericht hat festgestellt, dass der Beschwerdeführer in Besançon von einer deutschen Agentin den Auftrag entgegennahm, in Bern einen Agenten anzuwerben, der mit Englãndern Bekanntschaft schliessen und beobachten sollte, was sie in der Schweiz trieben. Im angefochtenen Urteil (S. 13) wird ausgeführt, es habe sich darum ge- handelt, auf dem Gebiete der Schweiz für Deutschland zum Nachteile Englands einen N achrichtendienst z u betreiben, um dergestalt Tatsachen in Erfahrung zu bringen, deren Kenntnis für Deutschland von militãr- politischer Bedeutung sein konnte; di e objektiven un d subjektiven Tat- bestandsmerkmale von Art. 301 StGB seien daher erfüllt. Es ergibt sich somit, dass das Territorialgericht Art. 301 StGB ver- letzt hat, indem es den Beschwerdeführer im Anklagepunkt III des Nach- richtendienstes gegen fremde Staaten schuldig erklãrte. Das angefochtene Urteil ist daher in diesem Punkte gemãss Art. 188, Abs. 1, Ziff. l, und 193 MStGO zu kassieren. Da sich die vom Territorialgericht ausgesprochene Strafe samthaft auf alle Delikte bezieht, die den Gegenstand der Verurtei- lung des Beschwerdeführers bildeten, ist auch das Straferkenntnis auf- zuheben. C. Ferner macht der Verteidiger ohne Nennung bestimmter Kassa- tionsgründe (Art. 188 MStGO) geltend:
a) Aus dem angefochtenen Urteile gehe nicht hervor, welche der vom Beschwerdeführer begangenen strafbaren Handlungen von der Vor- instanz als die schwerste betrachtet worden sei (Art. 49 MStG); darin liege eine Verletzung von Art. 161, li t. A, Ziff. 2, li t. b, MStGO;