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No. 140 -- 304 - Die ersterwãhnte Tatsache würde nicht einn1al durch das Zeugnis des Kommandanten der Ortswehr Amsteg widerlegt, denn einmal kann der Beschwerdeführer schon an sich der Meinung dieses Mannes nicht grõsseres Gewicht beigelegt haben als der Zuschrift des Luftschutzoffiziers des Territorialkommandos vom 31. August 1942 und den im Dienstbüchlein wiedergegebenen Vorschriften, und sodann erklãrte er im Schreiben vom
1. September 1942, sogar eine Arreststrafe auf si eh nehmen zu wollen, falls si e zulãssig sei; er rechnete mit d er Mõglichkeit einer Bestrafung und erklãrte sich damit einverstanden. Das gleiche Schreiben zeigt, das s di e W eigerung des Beschwerdeführers, am 7. September einzurücken, nicht auf dem Glauben beruhte, er sei bis 5. Oktober beurlaubt. Eine solche Beurlaubung kann aus dem Schreiben vom 15. Januar 1942 in der Tat nicht herausgelesen werden. Die erwãhnten tatsãchlichen }--~eststellungen schliessen den Rechts- irrtum (Art. 17 MStG) aus.
3. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Strafe hãtte nicht wegen des Tons seiner Briefe erhõht werden dürfen, denn hiefür habe er bereits e in en Verweis erhalten, weshalb « res iudicata)) vorliege. De r Verweis wurde indessen nur wegen des Briefes vom 28. August 1942 erteilt un d hat, obschon am 31. A ugust 1942 in s Dienstbüchlein ein- getragen, den Beschwerdeführer nicht davon abgehalten, am l. September noch unverschãmter zu schreiben. Zudem schliesst eine Disziplinarstrafe, ob vollzogen oder nicht, die nachtrãgliche kriminelle Bestrafung des Tãters nicht aus (MKGE 3, No. 63). (27. Dezember 1943, Epp e. T. G. 3 A.) 140. V crletzung Inilitai·ischcr Gebcimnisse (A1·t. 86 MStG): We1· cine mit Rii(~ksicl1t auf die Landesverteidigúng gelieimgelialtene Tat- saclie ni~,ht nu1· auss1lãht, sondern sie aueh einem fremden Staate, dessen Agenten O{let· (\er Offentliehl{eit bekannt oder zugãnglicl1 ma eh t, ist n ur in Anwcndung d er Bestimmung des AI·t. 86, Ziff. 1, Abs. 1, 1\IStG zu bestrafen. Das «Bel{annt- oder Zugãngliehmaehen» gilt als straflosc Nachtat. - «Ausspãhen » heisst «ermittcln ciner 1.,atsache ». Die Erstellung einer Kopie eines rechtmãssig bereits zur l(enntnis genommenen Scbi·iftstücl{es dient nicht der EI·mitt- lung einer Tatsache, sondern deren Festhaltung (Erlv. 1). - Die Aufstellung (lei· Dut·ciischnittszahlen dei· mobilisiei·t gewesenen \Vehrmünnet· und (lei· tãglichen l\lobilisationsl{osten ist ein Gegen- stand, de1· mit Rücl{sicht auf die Lan(lesverteidigung gel1eimge-
- 305 - No. 140 halten wh·d. Dies trifft auch zu auf die Ausgabeziffern fürmilitarische Einzelzweclíe (Erw. 2). Violation de secrets militaii~es (art. 86 CPl\1) : Celui qui no n seulement espionne des «eh o ses» secretes intéressant la déf~nse nationale mais encoi~e les fait connaitre 011 les rend accessibles à un Etat étrange1~, à un de ses agents ou au pttblic, est punissable uniquement en application de l'ai~t 86, eh. 1, al. 1, CPM. Dans le cadre de cette disposition légalc, l'acte de I~évélation n'est lui-même qu'un a ete postérieur no n I~épi~essible. -. - Qui di t « espionnei~ » di t « chercher à découvrir ». Celui qui copie un document, don t il a légitimement déj à connaissance, ne chei~che p as à y « découvrir » un fait, mais à s'en pi~ocurei~ la reproduction (cons. 1). - La quantité d'l1ommes mis sur pied en 1noyenne et les fi~ais journaliers de mobilisation constituent des faits qui doivent êti~e tenus seci~ets dans l'intérêt de la défense nationale. 11 en est (le même des sommes dépcnsées poui~ des objets ou des installations militaires isolés (cons. 2). Violazione di segreti n1ilitari (a1·t. 86 CPJ.\11) : Chi no n so lo scruta un fatto che e tenuto segreto nell'interesse (lella difesa nazionale, ma lo I~ivela o lo rende accessibile ad uno Stato estero, a' suoi agenti od al pubblico, e punibile unicamcnte in applica- zione de li' ru~t. 86, cif. 1, e p. 1, CPM. 11 « rivelare » il segreto o « ren(lerlo accessibile » costituisce un' azione successiva no n punibile. - « Scrutare » significa « cercare di scoprire ». - La esecuzione di una copia di un documento di cui si e legittimamente già pi~eso conoscenza no n sei~ve a scopri1·e, ma a ritene1·e un fatto (cons. l)., - I dati concei·ilenti il numero medio degli uo1nini mobilitati ed il costo gio1·naliero della mobilitazione costituiscono fatti da tenere segreti nell'intei~esse della difesa nazionale. Lo stesso vale per le spese. fatte .per singole operi n1ilitari (cons. 2).
1. Wer eine mit Rücksicht auf die Landesverteidigung geheim gehaltene Tatsache nicht nur ausspãht (Art. 86, Ziff. l, Abs. l, MStG), sondern sie au eh (einem fremden S taa te, dessen Agenten oder d er Offent- lichkeit) bekannt oder zugãnglich macht (Art. 86, Ziff. l, Abs. 2, 1\iStG), ist nach der Praxis des l\r1ilitãrkassationsgerichtes nur in Anwendung d er erstgenannten Bestimmung zu bestrafen; das Bekannt- o d er Zu- gãnglichmachen gilt als sogenannte straflose Nachtat. Trotzdem hat die Vorinstanz mit Recht im vorliegenden f_,alle heide Absãtze des Art. 86, Ziff. l, MStCi angewendet. Der erste Absatz trifft zu, weil der Beschwerdeführer die in Aktenbeilage Nr. 3 enthaltenen
No. 140 306 Durchschnittszahlen .- in d er Absicht, si e d en Deutschen preiszugeben - erforscht und herausgeschrieben hat. Der Beschwerdeführer hat dieses Herausschreiben ohne amtlichen Auftrag getan, hat also die betreffenden Angaben für seine eigenen Zwecke ausgespãht. Anders verhãlt es sich in bezug auf die Erstellung einer Kopie von Blatt 12 (Aktenbeilage N r. 1); der Beschwerdeführer hat dieses Schriftstück im Auftrage seines Vor- gesetzten abgeschrieben, erhielt so erlaubterweise davon Kenntnis und brauchte dessen Inhalt ni eh t auszuspãhen; di e Erstellung e in er Kopie für eigene Zwecke diente nicht der Ermit.tlung der Tatsache, sondern deren Festhaltung. Auf diese Handlung trifft daher Art. 86, Ziff. 1, Abs. 1, MStG nicht zu. Dagegen hat sich der Beschwerdeführer, weil er den Inhalt der Kopie den Deutschen bekanntgegeben hat, des Ver- brechens des Art. 86, Ziff. 1, Abs. 2, MStG schuldig gemacht.
2. Die rfatsachen, welche der Beschwerdeführer teils ausgespãht, teils bekanntgegeben hat, waren mit Rücksicht auf die Landesverteidi- gung geheimzuhalten. Di e s trifft in bezug auf di e in Aktenbeilage N o. 3 enthaltenen Durchschnittszahlen d er mobilisiert gewesenen W ehrmãnner und der tãglichen Mobilisationskosten deshalb zu, weil sie den MaBstab geben, um an Hand der Mohilisationskosten eines bestimmten Zeitraumes annãhernd die Zahl der mobiHsierten Wehrmãnner zu berechnen und daraus zu schliessen, mit welcher Abwehrbereitschaft das Land auf be- stimmte Ciefahren reagierte. Di e in Aktenbeilage N o. 1 wiedergegebenen Einzelzahlen sodann hat die Vorinstanz als militãrische Geheimnisse betrachtet, weil das Ausland aus den einzelnen Ausgabeziffern und aus dem Vergleich zwischen den Krediten und den tatsãchlichen Ausgaben Schlüsse auf di e W ehrbereitschaft unseres Lan des ziehen kõnne. D er Beschwerdeführer meint zu lJnrecht, das Gericht habe einfach die Er- klãrung zweier Bea1nter des eidgenõssischen Finanzdepartements über- noinmen, wonach militãrische Geheimnisse vorlãgen, ohne selbst zu prüfen, ob dieser Rechtsbegriff auf die vorliegenden Tatsachen zutreffe. Die Vorinstanz hat auf die Aussagen der beiden Zeugen nur Bezug genommen, um darzutun, das s di e in Aktenbeilage N o. 1 enthaltenen Einzelzahlen von den Verwaltungsbehõrden nicht verõffentlicht werden. Der Grund, aus dem das Territorialgericht diese tatsãchlich geheimgehaltenen Zahlen als militarische Geheimnisse betrachtet, ist zutreffend. Es kann in der Ta t dem Auslande für die Einschãtzurig der Wehrbereitschaft der Schweiz nicht gleichgültig sein, ob es bloss die Gesamtkosten der Landesverteidi- gung kennt oder auch weiss, für welche Einzelzwecke (militãrische Bauten, Materialreserven, Bewaffnung und Ausrüstung, Befestigungen usw.) das Geld ausgegeben wird. (17. Januar 1944, Baur e. T. G. 2 A.)