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- 285 - No. 130 Untersuchung ein Delikt, für das der Beschwerdeführer nicht bestraft werde (Nichtanzeige der Schvvarzsenderangelegenheit) erst am 16. De- zemher 1942 restlos abgeklãrt worden sei, rechtfertige nicht, die Unter- suchungshaft aus der Zeit vor diesem Tage nicht anzurechnen. Nach Art. 50, Abs. l, MStG rechnet der Richter dem Verurteilten die Untersuchungshaft auf die Freiheitsstrafe an, soweit der 'Tãter die Untersuchungshaft nicht durch sein Verhalten nach der Tat herbei- geführt oder verlãngert hat. Die Frage, ob diese Voraussetzung erfüllt sei, ist tatsãchlicher N a tur. Das Kassationsgericht ist in dieser Beziehung an die tatsãchlichen Feststellungen der Vorinstanz gebunden, sofern diese nicht als willkürlich erscheinen. Stellt der Richter fest, dass der Tãter die Untersuchungshaft durch sein Verhalten rtach der Tat nicht herbei- geführt oder verlãngert hat, so ist die Anrechnung der Untersuchungshaft im Sinne von Art. 50, Abs. l, MStG vorzunehmen. Im vorliegenden Falle hat das 1'erritorialgericht festgestellt (Urteil S. 17), dass der Beschwerdeführer, der am 8. August 1942 festgenommen worden war, durch sein Leugnen und seine irreführenden Angaben die Untersuchung anfãnglich erheblich erschwert und die Haft verlãngert, un d das s er erst am 16. Dezember l 942 über die Schwarzsenderangelegen- heit erschopfende Auskunft gegeben und damit eine Frage abgeklãrt hat, die anfanglich einen Hauptbestandteil der gegen ihn geführten Untersuchung bildete. Diese Feststellungen sind nach der Aktenlage nicht willkürlich (act. 49-53; 71-77, 83-87). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer a1n 25. August 1942 seine illegalen Grenzübertritte gestanden und auch die Tatsache, dass das l'erritorialgericht davon ab- gesehen hat, ihn für die Nichtanzeige der Schwarzsenderangelegenheit zu strafen, vermogen daran nichts zu ãndern. E s ergibt si eh somit, das s di e Vorinstanz Art. 50, Abs. l, MStG nicht verletzt hat, indem sie dem Beschwerdeführer die Untersuchungshaft erst vom 16. Dezember 1942 an auf seine Freiheitsstrafe anrechnete. (19. ()ktober 1943, Berger e. 'T. G. 2 B.) 130. Die Niclitbeurteilung eines Anklage}lUU}{tes durch das Gericl1t verl('tzt die Vorscllt·ift des Art. 159 MStGO uud hat die Kassation uud Rücl{\Veisung an die Vorinstanz zur erganzenden Beurteilung zur Folge. Im Falle der Besch\ver(lefüht·ung durcl1 den Angeklagten wird (\as Strafmass wegen des V e t'" bo tes de r I'"eformatio in p ei us dadurcl1 nicht berührt (Erw. 1). - Eine Vet·falirensvorscllrift ist itn Sinne des Art. 188, Abs. 1, Ziff. 5 uud 6, MStGO nur daun als 19
No. 130 - 286 - wesentlich zu betrachten, wenn sich ibre Verletzung im Urteil zu- ungtinsten des Bescltwerdeführers ausge\iVirli:t l1at. Ein solcher Nach- teil tritt nicl1t ein, wenn ein Angeklagter, ohne auf die Veranderung des I~eclltlichen Gesichtspunktes aufmet·li:sam gemacht worden zu sein, nicht auf G1·und de1· in det· Anl{lageschrift enthaltenen Straf- bestimmung des bürgerlichen Straigesetzes (Art. 320 StGB) '~ sondet·n der ihr im \\'esentlichen entsp1·echenden des l\lilitat~strafgesetzes (Art. 77 l\IStG) verurteilt wot·(len ist (Erw. 2). - In der Bel{annt- gabe e in er au! amtlichen W ahrnehmungen gestützten V et·mutung über amtliche Vet·haltnisse durcb eine Beamte der Telephonverwal- tung liegt di e Verletzung eines Dienstgehehnnisses (Art. 3, Ziff. 3, und 77 1\rlStG) (Erw. 8). 11 y a violation de la prescription de l'art. 159 PPM, lo1·sque le tribunal omet de statuer sur uu des chefs (le l'accusation. Dans ce cas, le jugement doit être renvoyé au tt·ibunal pour qu'il le complete. La mesure de la peine qui a été prononcée ne saut·ait cepen(lant être modifiée: le recours étant formé p ar l'accusé, la regle interdisant la «l·eformatio in peius » s'oppose à une aggravation de la p e ine (cons. 1).,, - Doit être considé1·ée con11ne « essentielle » au sens de l'art. 188, al. 1, eh. 5, PPl\il, la disposition de procédure dont la violation par le tt·ibunal a eu sur le jugement une influenee défavo1·able à l'accusé. On ne se trouve pas en pt~ésence d'une informalité de ce genre lorsque l'accusé, inculpé en vertu de dis- positions de la lo i pénale o1·dinaire (at·t. 320 CPS) a été condamné en application de dispositions de la lo i pénale militaire (art. 77 CPM) qui, dans leur essence, correspondent à celles articulées par l'acte d'accusation; il est indifférent que l'attention de l'accusé n'ait p as été attirée s ur cette n1odification du point de vue j11ridique (art. 160, al. 2, PPM) (cons. 2). - Se t·en(l coupable de violation du secret de service (art. 77 e t at~t. 3, eh. 3, CPl\1), le fonctionnaire de l'ad- ministration des téléphones qui, se basant sur ce qu'il a constaté dans l'exercice de sa fonction, fait des suppositions relatives à des rappot·ts de service et les communique (cons. 8). La mancata decisione da parte del tt·ibunale su un punto dell'atto di accusa viola la disposizione dell'art. 159 OGPPM e impone la cassazione del giudizio, con rinvio alia precedente istanza per la sua completazione. Se il I~icorso fu prodotto dai condannato, la pena non potrà essere aumentata in ossequio al (livieto di una << reformatio in peius » (cons. 1). - U na disposizione di procedura
- 287 - No. 130 deve considerarsi essenziale o eapitale, a' sensi dell'art. 188, cp. 1, cif. 5 e 6, OGPPl\1, solo quando la sua violazione ha avuto influenza sulla sentenza, a danno de l ricoiTente. N o n esiste un tale daun o quando un prevenuto, senza esse1·e stato avvertito del mutamento del punto di vista giuridico, venne condannato, non in base alia disposizione della legge penale comune, indicata dall'atto di accusa (art. 320 CP), ma a quella, sostanzialmente coi·rispoudente, de l CPl\11 (art. 77 CPM) (eons. 2). - La comunicazione da parte di una funzionaria dell'amministrazione dei telefoni della supposizione di circostanze ufficiali, basata su constatazioni d'ufficio, costituisce violazione di un segreto di servizio (a1ot. 3, cif. 3, e art. 77 CPl\1) (cons. 8). /
1. Darin, das s Fürst d em N a p ra vnik un d dieser de m Knüttel e ine Liste über die schweizerische Einfuhr von 01, Kohle und anderen Mine- ralien und über die OI- und Kohlenvorrãte der Schweiz übergeben habe, erblickte die Anklage sowohl für Fürst (Anklagepunkt l G) als auch für Napravnik (Anklagepunkt 2 G) den rfatbestand des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes (Art. 273 StGB). In den auf Fürst bezüglichen Erwãgungen des Urteils führt das Territorialgericht aus, die Vermittlung von N achrichten über Hilfsquellen d er Landesverteidigung sei mili- tãrischer Nachrichtendienst. Demnach sei Fürst dieses Vergehens auch insoweit schuldig zu erklãren, als die von ihm an Napravnik überbrachten Akten und Meldungen aus der amerikanischen Gesandtschaft kriegs- wirtschaftliche V erhãltnisse des Inlandes betrafen. Daher kann mit d em Áuditor die Auffassung vertreten werden, das Gericht habe den T'at- bestand l G der Anklage statt als wirtschaftlichen als militãrischen Nach- richtendienst qualifiziert. Eine entsprechende Erwãgung fehlt jedoch dort, wo das Gericht die Taten des Napravnik rechtlich würdigt. Anderer- seits hat es diesen auch nicht des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes schuldig erklãrt. Mit Recht macht Napravnik daher geltend, über Punkt 2 G der Anklage sei überhaupt nicht geurteilt worden. I)er Gross- richter, der diese Behauptung des Beschwerdeführers kannte und in der Lage gewesen wãre, dazu Stellung zu nehmen, hat sie in der Vernehm- lassung nicht widerlegt. Di e Nichtbeurteilung eines Anklagepunktes verletzt die V erfahrens- vorschrift des Art. 159 MStGO, wonach die in der Anklage bezeichnete Tat auch Gegenstand der Urteilsfindung sein soll. Diese Vorschrift ist im Sinne des Art. 188, Abs. l, Ziff. 5, MStGO wesentlich, denn der Angeklagte hat ein Recht, zu wissen, ob die Anklage begründet oder unbegründet ist. Eine Rüge im Sinne des Art. 188, Abs. 2, MStGO brauchte Napravnik nicht anzubringen, da er vom Mangel des Ver- fahrens erst mit der Eroffnung des Urteils Kenntnis erhalten hat (Urteil
No. 130 - 288 - des Militãrkassationsgerichtes vom 28. Juni 1943 i. S. Tschumi). Daher ist di e Sa eh e an die V orinstanz zurückzuweisen, damit sie nachtrãglich über Punkt 2 G der Anklage urteile, den Angeklagten entweder schuldig erklãre oder ihn freispreche. Di e Strafe, welche das Territoriàlgericht für die übrigen V erbrechen und Vergehen des Beschwerdeführers ausgesprochen hat, ist nicht auf- zuheben, denn selbst im Falle der Verurteilung in Punkt 2 G der Anklage dürfte sie wegen des Verbots der reformatio in peius nicht erhoht werden, wie sie andererseits im Falle des Freispruchs auch nicht herabzusetzen ist, da sie den bisher nicht beurteilten Tatbestand 2 G der Anklage nicht mitumfasst. Das 'Territorialgericht wird sich im Falle der Schuldig- erklãrung mit der Feststellung begnügen rnüssen, dass die am 19. Mai 1943 ausgesprochene Strafe au eh als Sühne für das neu beurteilte Ver- gehen zu gelten hat. Dagegen ist das angefochtene Urteil gegenüber Napravnik im Kostenpunkte aufzuheben, da das Territorialgericht im Falle der Freisprechung von Punkt 2 G der Anklage freie Hand haben muss, dem Freigesprochenen eventuell einen Teil der Kosten abzunehmen . . 2. Darin, dass Napravnik Gertrud Minder bestimmte, ihm zensu- rierte Telephonanschlüsse zu melden, erblickte die Anklage eine Anstif- tung z ur V erletzung militãrischer Geheimnisse im Sinne des Art. 86, Ziff. l und 2, 1VIStG (Punkt 2 E a der Anklage) und eine Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne des Art. 320, Ziff. 1, StGB in Verbindung mit Art. 39 des BG betreffend den Telegraphen- und 'Telephonverkehr (Punkt L der Anklage). Das Territorialgericht nahm an, durch den erwãhnten I'atbestand habe sich Napravnik der Anstiftung zur Verletzung militãrischer Geheimnisse im Sinne des Art. 106 MStG in d er Fassung d er V erordnung vom 28. Mai 1940 un d in Idealkonkurrenz damit d er Anstiftung zur V erletzung des Dienstgeheimnisses im Sinne des Art. 77 MStG schuldig gemacht. Auf die Verãnderung des recht- lichen Gesichtspunktes machte es den Angeklagten entgegen der Be- stiminung des Art. 160, Abs. 2, MStGO nicht aufmerksam. Napravnik beanstandet dies nicht, soweit statt Art. 86 Art. 106 l\tiStG, wohl aber, soweit statt Art. 320, Ziff. l, StGB Art. 77 MStG angewendet \JVurde. ()b er den Fehler als Verletzung einer Vorschrift über das Verfahren (Art. 188, Abs. 1, Ziff. 5, MStGO) oder als un- zulãssige Beschrãnkung der Verteidigung (Art. 188, Abs.l, Ziff. 6, MStGO) betrachtet, sagt er nicht. Im einen wie im andern Falle lãge indessen ein Kassationsgrund nur vor, wenn die verletzte Vorschrift wesentlich gewesen wãre, d. h. di e V erletzung si eh zuungunsten des Beschwerde- führers im Urteil ausgewirkt hãtte (MKGE 1926-1935, No. l, 33). Das war hier nicht der Fall. Die 'Tatbestãnde des Art. 320 StGB und Art. 77 MStG sind in den wesentlichen Punkten gleich umschrieben, und die angedrohten Strafen weichen voneinander nur insofern ab, als das bürgerliche Recht Gefãngnis (bis zu drei Jahren) oder Busse androht,