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No. 115 --- 250 -= Dass seine zu Ende geführte strafbare Tãtigkeit ohne Erfolg blieb, ist auf von seinem Willen unabhãngige Umstãnde zurückzuführen. Seine Verurteilung wegen vollendeten Betrugsversuches durch die Vorinstanz ist deshalb zu Recht erfolgt. (22. Mai 1943, Diener e. D. G. 6.) 115. Vei·fahrensmangel, die erst nach der Urteilserõffnung walli·- genommen we1·den kõnnen, bl·aucllen, u1n eine Kassation mit Erfolg zu begebren, nicht wabren(l der Hauptverhandlung geriigt zu we1·den (Art. 188, Abs. 2, l\!IStGO) (E1·\v. A). - Der Angel{lagte muss auf di e V eranderung des recbtlicben Gesichtspunktes au eh dann auf- Inerl{sam gemacht we1·den, wenn die anzu\vendende Bestimmung milder ist, als di e in de r Anlilage ange1·ufene (Art. 160, Abs. 2, MStGO), es sei denn, es l1andle sieh um den blosse11 Sonde1·fall eines in dcr Anl{lageschrift enthaltenen allgemeinen Straftatbe- standes. - Die Verletzung n1ilitarischer Geheimnisse (A1·t. 86 1\IStG) ist }{e in qltalifizierter Sondertatbestand (les militariscben Nachrichtendienstes (Art. 274 StGB) (Erw. B). I..jorsque des vices de p:rocédure n'ont pu êt1·e connus qu'au moment de la communication du jugement, ils peuvcnt être in- voqués à Pappui de la cassation sans avoir fait Pobjet de conclusion ou sans avoir été signalés à Paudieuce prineipale (art. 188, al. 2, PPl\1) (cons. A). - 11 faut que Paccusé soi t rendu attentif au point de vue juridique nouveau, contre lequel il doit se défendre, même quand la disposition légale à appliquer est p l us favorable (art. 160, al. 2, PPl\1), à moins qu'il ne s'agisse d'un cas particulier de Pétat de fait général contenu dans Pacte d'accusation. - La violation de secrets militaires (art. 86 Clll}l) ne constitue p as un cas particulier du délit (Pespionnage (se1·vice (le renseignements militaires) p1·évu p ar Part. 27 4 CP (cons. B). N o n si puõ pretendere eh e p er poter formare oggetto di ricorso in cassazione dei vizi di proccdu1·a ebe si possono conoscere solo dopo la pubblicazione della sentenza siano stati rilevati al dibattimento (art. 188, cp. 2, O GPPl\1) (eons. A). - L'i1nputato deve essere avver- tito del mutamento del punto di vista giuridico ancbe se la disposi- zione di legge applicabile e piit mite di quella indicata nell'atto di accusa (art. 160, cp. 2, O GPPl\11), salvo ebe si tratti di uua sotto-
251 No. 115 specie di un reato previsto da uua disposizione generale indicata nell'atto di accusa. - La violazione di segreti militari (art. 86 CPl\1) non costituisce una sottospecie qualificata (lei delitto di spionaggio militare (a1·t. 274 CP) (cons. B). A. Der Auditor ist der Meinung, die Kassation wegen des Art. 160, Abs. 2, MStGO würde voraussetzen, dass der Beschwerdeführer den be- haupteten Mangel, welchen er bei der Verlesung des Urteilsspruches habe erkennen konnen, vor dem Territorialgericht gerügt hãtte (Art. 188, Abs. 2, MStGO); dies wãre noch vor der mündlichen Bekanntgabe der Entscheidungsgründe, jedenfalls aber vor der Entlassung der Parteien, moglich gewesen. Diese Auffassung ist unzutreffend. Wenn Art. 188, Abs. 2, MStGO verlangt, dass die Parteien die Verfahrensmãngel, aus welchen sie einen Kassationsgrund ableiten wollen, in der Hauptverhandlung rügen, so soll damit das Gericht in die L.age versetzt werden, den Mangel noch vor d er Fãllung des Urteils zu beheben. W enn die Partei d en vor d em Urteil eingetretenen Mangel erst nach der Urteilseroffnung wahrnimmt, braucht sie ihn nicht zu rügen, weil das Gericht trotz der Rüge das Verfahren nicht mehr verbessern konnte. B. Eine Verurteilung des Angeklagten auf Grund anderer Straf- bestin1mungen als der in der Anklage angerufenen darf nicht erfolgen, ohne dass der Angeklagte zuvor auf die Verãnderung des rechtlichen Gesichtspunktes besonders hingewiesen und ihm Gelegenheit zur Er- orterung des letzteren gegeben worden ist (Art. 160, Abs. 2, MStGO). Diese Bestimmung will die Verteidigungsrechte des Angeklagten gewãhrleisten. Sie soll verhüten, dass er verurteilt werde, ohne Gelegen- heit gehabt zu haben, sich unter dem neuen rechtlichen Gesichtspunkt, von welchem das Gericht ausgeht, zu verteidigen. Es kommt auch nicht darauf an, ob die angewendete Bestimmung milder oder hãrter ist als die in der Anklage angerufene. Art. 160, Abs. 2, MStGO - im Gegen- satz z. B. zu § 185 der zürcherischen Strafprozessordnung - macht diese Unterscheidung nicht und kann sie nach dem erwãhnten Zweck ni eh t machen; denn au eh eine mildere als di e in d er Anklage genannte Bestimmung kann die Tat unter einem Gesichtspunkt erfassen, unter welchem sich der Angeklagte nicht verteidigt hat und nach dem Wort- laut der Anklage auch nicht zu verteidigen brauchte. Aus dem gleichen Grunde erklãrt z. B. Art. 214 der Strafprozessordnung des Kantons Tessin, dass der Angeklagte auch dann auf die Verãnderung des recht- lichen Gesichtspunktes aufmerksam zu machen sei, wenn die anwendbare Bestimmung milder ist als die in der Anklageschrift angerufene. Das Militãrkassationsgericht hat in einem früheren Falle erkannt, wer des Ungehorsams gegen eine Wache angeklagt sei (Art. 65 MStG),
No.l15 252 dürfe des lJngehorsams' gegen besonclere Anordnungen (Art. 108 MStG) schuldig erklãrt "verden, ohne auf die Verãnclerung des rechtlichen Ge- sichtspunktes aufmerksam gemacht worclen zu sein, denn jenes Vergehen sei bloss ein Sonderfall des allgemeinen Tatbestandes des Ungehorsams gegen besondere Anorclnungen (MI{GE 3 No. 57). Grossrichter und, Armeeauclitor glauben, eine analoge Überlegung greife im vorliegenden Falle Platz; Art. 274 StGB beziehe sich auf den allgemeinen Tatbestancl der Militãrspionage gegen clie Sch,veiz, Art. 86 MStG clagegen auf eineh qualifizierten Sonclertatbestancl solcher Spionage. Dies ist nicht richtig. Wohl gibt es Fãlle, auf welche beide Bestimmungen zutreffen uncl in welchen Art. 86 MStG als Spezialbestimmung dem konkurrierenden Art. 274 StGB vorgeht. In anderen Fallen aber wird das Verbrechen des Art. 86 MStG durch eine llancllung begangen, die sich nicht auch un te r Art. 27 4 StGB subsumieren lãsst, weil si e ni eh t o d er zum mindesten nicht bewusst un d gewollt militarischem N achrichtendienst gegen di e Schweiz dient, so gegebenenfalls "venn ein militarisches Geheimnis vor- sãtzlich d er Offentlichkeit preisgegeben "vird. U n d andererseits erfasst Art. 274 StGB auch Tatbestãnde, welche sich vom Tatbestand des Art. 86 MStG schon durch clie Ausführungshandlung und nicht bloss durch das Fehlen des qualifizierenden Merkmals des militãrischen Ge- heimnisses unterscheiden. W er z. B. für militarischen N achrichtendienst anwirbt o d er ihm in bestimmter W eise Vorschub leistet (Art. 27 4, Ziff. 1, Abs. 2, StGB), begeht damit nicht ohne weiteres eine Handlung, welche sich auch als Ausspahen, Bekanntmachen oder Zugãnglichmachen in1 Sinne des Art. 86, Ziff. l, MStG bezeichnen lasst. Der Tãter braucht also selbst dann ni eh t unbedingt d er V erletzung militãrischer C1eheünnisse schuldig zu sein, wenn der Nachrichtendienst, für welchen angeworben oder welchem Vorschub geleistet wird, auf die Auskundschaftung mili- tãrischer Geheimnisse abzielt. Abschliessend braucht zu dieser Auf- fassung heute nicht Stellung genommen zu werden. Es genügt, dass sie vertretbar ist un d daher die V erteicligung gegen d en V orwurf des mili- tãrischen N achrichtendienstes si eh mit anderen rechtlichen Argtnnenten, tatbestãndlichen Anbringen und Gegenbeweisen führen lãsst als die Ver- teidigung gegen den Vorwurf der Verletzung militarischer Geheimnisse. Insbesondere auch im vorliegenden Falle braucht sich cler Angeklagte gegenüber der Anklage auf Verletzung militãrischer Geheimnisse nicht in gleicher W ei se verteidigt z u haben, wie er es gegenüber d em V orwurf des militãrischen N achrichtendienstes g etan hatte, denn di e Argumente dafür, dass in der Annah1ne des Auftrages von Grom kein Ausspãhen, Bekannt- oder Zuganglichmachen im Sinne des Art. 86 1VIStG liegt, brauchen nicht die gleichen zu sein wie die Argumente clafür, dass die Annahme dieses Auftrages au eh kein V orschubleisten im Sinne des Art. 274, Ziff. l, Abs. 2, StGB sei. Die Vorinstanz hat denn auch Art. 274 StGB nicht deshalb angewendet, weil sie den Plãnen, welche Grom zu