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MKGE 4 Nr. 112

MKGE 4 Nr. 112 — Wolf und Kaufmann e. T. G. 2 B.

Mkg · 1943-05-06 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

- 241 No. 112 sondern sie muss Ausfluss einer Gesinnung sein, welche gegen die Landes- verteidigung gerichtet ist. Der Beschwerdeführer Ineint, eine solche Gesinnung erfordere, dass der Tãter die Landesverteidigung verneine. Auch das ist falsch. Es genügt, dass seine Gesinnung mit der Einsatz- bereitschaft für das Land unvereinbar ist. Die Landesverteidigung ver- langt vom Einzelnen nicht nur die L.eistung des Dienstes, sondern auch di e disziplinierte Einordnung in di e Armee un d di e U nterordnung unter die Vorgesetzten. W er, wie der Beschwerdeführer, sich als Ausfluss seiner Gesinnung fortgesetzt des Ungehorsams schuldig macht und dadurch bekundet, dass er die personlichen Opfer nicht restlos erbr~ngen will, welche die Landesverteidigung von ihm verlangt, soll ebenso in der bürgerlichen Ehrenfãhigkeit eingestellt werden konnen wie jemand, der den Dienst verweigert, und dies unbekümmert darum, ob seine Gesinnung auch im hergebrachten Sinne ehrlos ist oder nicht. (6. Mai 1943: Syfrig e. D. G. 6.) 112. Vorsel1riftsgemãsse Besetzung des Gericbts (Art. 142~ 188~ Abs. 1, Ziff. 2, MStGO; Art. 18 RDl\IJ) : lin Kassationsve1·fahi·en líann auf das Erforde1·nis der reehtzeitigen Itüge (Art. 188~ Abs. 2~ 1\IIStGO) verzicbtet werden~ wen11 anzunel1men ist~ de1· llescb\vei·{le- fübrer l1abe von deu Gründen der nicl1t vorschl·iftsgemãsseJl Be- setzung obne sein Verscbulden erst nach der Ilauptvéi·han{llung Kenntnis erhalten (Er\V. B). - In Zeiten des Aktivdienstes ist dem Grossrichter bei der Ladung von Riclitern ein ge,visses 1\;lass vou Freibeit zu,gewãbren (Erlv. C). -Verbãltnis der «Beschimpfung einer Militarpe1·son » (Art. 101 MStG) zu den Ebrverletzungen (Art. 145 bis 148 MStG). - Art. 101 1\tiStG \\TÍll die 1\ililitãrperson yor õffentlicben Besehimpfunge11 im eigentlichen Sinne scbützen und stellt einen rtualifizierten Tatbestand des Art. 148, Ziff.l ~ Abs. t~ MStG dar. Erfolgt die offentliche Eh1·verletzung (lurch üble Nacl1· rede oder Verleumdung, so bilden flie Art. 145 bis 147 1\IStG die zutreffende und genügende Grundlage (ler Strafverfolgung (ErlVo D bis F). Composition du tribunal. - Il y a lieu d~entrer en matiere sur le recours~ bien que cette il·t·égularité n'ait pas été signalée lors de Paudience Jlrincipale~ rtuand le recourant n'a connu~ sans sa faute, qu'apres les débats~ les ·motifs pour lesquels le t1·ibunal a été eon1posé de façon irréguliere (art. 142, 188, al. 1, cl1. 2, e t al. 2, PPM) (cons. B). - Pendant le set·vice actif, le Grand .... Juye

No. 112 - 242 - doit, pour (les raisons pratiques, disposer d'une ee1·taine liberté d.ans la eomposition du tribunal (a1·t. 127, 128 PPM; 18 PSJM) (cons. C). - Relatio11 entre le délit d'«injures à un militaire » (art. 101 CPM) et les délits d'«atteintes à l'honneu1·» (art. 145 à 148 CPM): L'a1·t.101 CPl\1 tend à protéger le militaire en se1·viee aetif contre des inju1·es, au sens prop1·e {\u mo t, profé1·ées publiquement eont1·e lui; cet article implique, dans (les conditions qui le qualifient Sllécialement le même état de fait que eelui .de l'art. 148, eh. 1, al. 1, CPJ.\11. 11 ne vise p as to u tes les atteintes à l'honneui·; la diffamation et la calon1nie, même si elles sont faites publiquement contre un militaire en service actif, tombent sous le coup des art. 145 à 147 CPJ\11 (eons. D à F). Regolare costituzione del tribunale (art. 142, 188, cp. 1, cif. 2, OGPPM; art. 18 delle P1·escrizioni di se1·vizio per la giustizia mili- tare). - Puõ esset·e esamiuato un I'ÍCOI'SO iu cassazione ancl1e se non e stata, durante il dibattimeuto, sollevata la 1·elativa eccezioue (art. 188, cp. 2, O GPPl\l), allo1·che si puõ an11nettere eh e ili·icoi·reute venne a conosceuza, senza sua colpa, solo dopo il dibattimeuto, d ei motivi >. Im zehnten Abschnitt des MStG sind in Art. 145 bis 148 die «Ehrverletzungen)), nãmlich üble Nachrede, Verleum- dung und Beschimpfung geregelt. Es fragt sich, ob unter ccBeschimpfung)> im Sinne von Art. 101 MStG jede Art von Ehrverletzungen oder nur die Beschimpfung im eigentlichen Sinne (entsprechend Art. 148 MStG) zu verstehen ist. Gegen die Annahme, dass sich Art. 101 MStG auf alle Ehrverletzungen beziehe, spricht sein Wortlaut. Es liesse sich nicht erklãren und mit der Terminologie des Gesetzes nicht in Einklang bringen, dass in Art. 101 MStG von Beschimpfung statt von Ehrverletzung die Rede ist, wenn diese Bestimmung sich auf alle Arten der Ehrverletzung beziehen sollte. Wollte man Art. 101 MStG als lex speeialis gegenüber allen Ehr- verletzungen von Art. 145--148 MStG hetrachten, so konnte eine planmãssige Verleumdung (Art. 146, Ziff. 2, MStG), wenn sie offentlich erf olgte un d gegen e ine in1 aktiven Dienste stehende Militãrperson ge- richtet wãre, gemãss Art. 101, Abs. l, MStG milder bestraft werden (Gefãngnis), als es nach Art. 146, Ziff. 2, MStG der Fali wãre, wenn diese beiden Qualifikationen nicht vorlãgen (Gefãngnis nicht unter einem Monat). Eine solche Regelung wãre nicht verstãndlich.

No. 112 246 - Auch die Absicht des Gesetzgebers und der mit der Aufnahme von Art. 101 in das MStG verfolgte Zweck sprechen nach den Gesetzes- materialien nicht dafür, dass sich diese Vorschrift auf alle Arten von Ehr- verletzungen beziehen soll. Der Vorentwurf von Hafter zum MStG enthielt keine den Art. 101 und 145-148 MStG entsprechenden Bestim- mungen (vgl. Vorentwurf mit Motiven S. 120 ff.). Der nach den Bera- tungen der Expertenkommission der Bundesversammlung unterbreitete Entwurf des Bundesrates bestimmte unter dem Marginale « Storung des Militãrdienstes)) in Art. 100: «W er in Zeiten eines aktiven Dienstes ... eine Militarperson, ohne dass sie dazu Anlass gibt, offentlich beschimpft, wird mit Gefãngnis bestraft. n Der zehnte, Abschnitt (Art. 143-147) behandelte die «Vergehen gegen die Ehre)), Aus dem Gang der parla- mentarischen Verhandlungen (AStenBull StR 1921 461/462; NatR 1925, 431, 774 ff., StR 1926 238) ist zu schliessen, dass der Gesetzgeber mit der Bestimmung, die als Art. 101 in das MStG aufgenom1nen wurde, die Angehorigen der Armee im aktiven Dienste vor offentlichen Real- und Verbalinjurien, vor offentlichen Beschimpfungen hn eigentlichen Sinne s eh ützen wollte. D ami t sollten au eh das Ansehen d er Armee als solcher und die militãrische Sicherheit des I_.Jandes geschützt werden. Mit Rücksicht darauf, dass es sich um einen qualifizierten Tatbestancl der Beschimpfung handelt, wurde der Strafrahmen in Art. 101, Abs. l, l\fStG weiter gespannt als in Art. 148, Ziff. l, Abs. l, MStG. Allerdings konnen das Ansehen der Armee und die m.ilitãrische Sicherheit des Landes auch clurch eine in der Offentlichkeit erfolgende üble Nachrecle ocler Verleumdung, die sich gegen eine Militãrperson im aktiven Dienst richtet, verletzt werden. In diesen Fãlleu ist jedoch Art. 101 MStG nach seinem Wortlaut und seinem Sinne nicht anwendbar, sondern es bilden die Vorschriften von Art. 145 bis 147 MStG clie zutreffencle und auch ge- nügende Grundlage für die Verfolgung des Tãters und für den strafrecht- lichen Schutz der personlichen Interessen des Verletzten und - soweit diese berührt werden -- auch des Ansehens der Armee und der mili- tãrischen Sicherheit. Es ergibt sich somit, dass Art. 101 MStG nur bei cler offentlichen Beschimpfung einer im aktiven Dienste stehenden Militãrperson anwend- bar ist, dass dagegen bei übler Nachrede und Verleumdung, auch wenn sie offentlich erfolgen und sich gegen eine im aktiven J)ienste stehende Militãrperson richten, die Art. 145-147 MStG massgebend sind. (6. Mai 1943, Wolf und Kaufmann e. T. G. 2 B.)

247 No. 113 113. Revision (Art. 199 ff. 1\JIStGO): \V er in einem militargericht- lichen V erfahren als Angel{lagter Belastungstatsachen verschweigt, um di e Vei~urteilung wegen eines leicbtern V ergehens zu ei~wirl{en, }{ann unter Berufung auf die vei~scbwiegene Tatsache bezüglich dieser Verurteilung die Revision verlangen, wenn er nachtraglich wegen des schwereren, mit dem ersteu Urteil in Widerspruch stehenden Deliktes ve1·urteilt \Vorden ist. Revision (art. 199 s q. PPl\11) : Celui qui, étant inculpé dan s une procédure judiciah·e militaire, garde le silence sur d'autres faits existant à sa chal~ge afin d'obtenir une condamnation plus favorable, peut invoquer ces faits à Pappui d'une demande en revision du jugement ainsi p1·ononcé, lorsque, dans la suite, il a été 1·econnu coupable d'un délit plus grave qui est en contradiction avec le délit retenu contre lui par ce jugement. Revisione (art. 199 s s. O GPPl\1) : Chi, in una procedura giudi- ziaria militare, quale imputato, sottace dei fatti a suo ca1·ico, allo scopo di limitare la con{lanna ad un reato piu lieve, puõ {\oman- dare la 1·evisione {\i questa condanna, invocando le circostanze sotta- ciute, qualora successivamente sia stato condannato - in contra- dizione col precedente giudizio - per il reato piu grave. A. Die Revision ist zulãssig auf Grund neuer für die Verteidigung erheblicher Tatsachen (Art. 199, Abs. 1, MStGO). Solche liegert hier vor. Sie bestehen darin, dass Wohler von Strenkert nicht nur, wie er im ersten Verfahren geltend machte, anzuwerben versucht worden war, sondern in seinem J)ienste stand und von ihm entschãdigt wurde. Wie das Divisionsgericht bemerkt, hãtte es bei Kenntnis dieser Tatsachen Wohler am 29. September 1942 nicht der Widerhandlung gegen die Verordnung vom 22. September 1939 schuldig erklãrt, da es die durch Art. 7 dieser Verordnung festgesetzte Anzeigepflicht verneint, wenn sich der Anzeigende selber denunzieren müsste. Zu dieser Auffassung hat das Kassationsgericht nicht Stellung zu nehmen. Es genügt, dass sie vom Divisionsgericht vertreten wird und daher die neuen Tatsachen voraussichtlich zur Freisprechung führen werden. B. Die Revision ist dann nicht zulãssig, wenn der Revisionsklãger die neuen Tatsachen im Verfahren gekannt, aber schuldhafterweise nicht geltend gemacht hat (MKGE 2, No. 17; 3, No. 8, 51). Hier wusste Wohler, in welchen Beziehungen er zu Strenkert stand. Dass er sie dem Gericht nicht mitteilte, kann ihm aber nicht zum Verschulden angerechnet werden,