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MKGE 3 Nr. 94

MKGE 3 Nr. 94 — Auditor e. D. G. 4 i. S. O.

Mkg · 1940-08-03 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

- 197 No. 94 E. Der Armeeauditor hat in seiner Vernehmlassung die Frage auf- geworfen, ob in diesem Verhalten O.s nicht der Tatbestand des Dienst- pflichtbetruges gemãss Art. 96 MStG zu erhlicken sei. Auch das muss verneint werden; denn es sin d keinerlei Anhaltspunkte dafür vorhanden, dass O. schon im Zeitpunkte, als er sein Urlaubsgesuch stellte, die Absicht hatte, die Urlaubszeit für · Zwecke zu verwenden, von denen er zum vorneherein wissen musste, dass ihm ein Urlaub hiefür nicht gewãhrt würde. F. De n Tatbestand des Betruges hat das Divisionsgericht deshalb nicht als gegeben era eh tet, weil e s ni eh t unglaubwürdig sei, das s O. für sein en Arosaaufenthalt sein e U niform lediglich deshalb angezogen habe, weil er die für einen im Februar absolvierten militãrischen Skikurs angeschaffte Ausrüstung gebrauchen wollte, nicht aber, um sich dadurch die Mõglichkeit zu verschaffen, die Reise zu halber Taxe ausführen zu kõnnen. Es habe ihm infolgedessen die Bereicherungsabsicht, die ein wesentliches Tatbestandsmerkmal des Betruges darstelle, gefehlt. ·Di ese Darstellung wird vom Auditor als unglaubwürdig erachtet. Hiebei han deit es sich jedoch um eine Feststellung tatsãchlicher Natur, die der Über- prüfung durch das Kassationsgericht entzogen ist. Steht aber verbindlich fest, dass eine Bereicherungsabsicht nicht bestanden hat, dann entfãllt eine Verurteilung "regen Betruges. (3. August 1940, Auditor e. D. G. 4 i. S. O.) 94. Beweiswürdigung auf Grund der Zeugenaussagen des Gescha- digten (MStGO Art. 158) (Erw. A). - Notigung zu einer unzücll· tigen Handlung (MStG Art. 154). Appréciation des preuves sur la base du témoignage du lésé (art. 158 PPM) (cons. A). - Attentat à la pudeur avec violence (art. 154 CPM). Apprezzamento delle prove in base alia testimonianza del danneggiato (art. 158 OGM) (cons. A). - Atti di libidine violenti (art. 154 CPM). A. Der Beschwerdeführer ficht das Urteil des Divisionsgerichtes in erster Linie deshalb an, weil die Vorinstanz lediglich auf Grund der ... L\us- sagen der am Ausgang des Prozesses interessierten Zeugin W. als erwiesen betrachtet habe, dass er - obwohl er dies von Anfang an bestritten habe _ - d er Korporal gewesen sei, welcher sich in d er geschilderten W eise an Frl. W. vergriffen hat. Dieser Einwand ist nicht zu h õren; de n n hiehei handelt es sich um eine reine Beweiswürdigung, deren Üherprüfung de1n Kassationsgericht entzogen ist. Willkür liegt, entgegen der Behauptung 14

No. 94 - 198 des Beschwerdeführers, ni eh t vor. Im Strafprozess ist d er Geschãdigte von de r Zeugnisfãhigkeit ni eh t ausgeschlossen. U n d es bestand für das Divisionsgericht auch kein zwingender Grund, an der Glaubwürdigkeit de r Zeugin W. z u zweifeln, zumal als Sch. si eh au eh andern Frauens- personen gegenüber in unanstãndiger Weise benommen hat. B. Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, dass ohnehin der Tatbestand des Art. 154 MStG nicht gegeben sei. Auch das trifft nicht zu. Dass das Betasten der Brüste des Mãdehens eine unzüchtige Handlung darstellt, kan n im Ernste nicht bestritten werden. N a eh d er verbindlichen Annahme de r Vorinstanz steht aber au eh fest, das s Frl. W. si eh hiegegen gewehrt hat, so dass der Beschwerdeführer, um zu seinem Ziele zu kommen, Gewalt anwenden musste. (3. August 1940, E. Sch. e. D. G. 9a.)

- 199 Nos. 95, 96 9.5. Trotz des Wortlautes von MStG A1·t. 82 (Dienstversãumnis) und Art. 84 (unerlaubte 'Entfernung) · kann der Richte1· im Falle des alítiven Dienstes ausser auf Zuchthaus auch auf Gefãngnis von meh1· als 6 Monaten erlíennen. Nonobstant les termes des a1·t. 82 CPM (insoumission) et 84 (ab- sence injustifiée), le juge, en cas de service actif, peut, s'il ne veut pas aller jusqu'à la réclusion, p1·ononeer une peine d'emprisonne- nlent de plus de si:x mois. N onostante la lettera de li' a1·t. 82 de l CPl\11 (o1nissione de l ser- vizio) e (lell' a1·t. 84 (assenza ingiustifieata) il giudiee puõ - in caso di servizio attivo - pronuneia1·e non solo la I"eelusione, ma anehe la detenzione oltre sei mesi. L'art. 82 CPM est rédigé de telle maniere qu'en temps de service actif -- et si l'o n prend eet artiele à la lettre - le juge devrait ehoisir entre l'emprisonnement jusqu'à six mois (al. l) et la réelusion de un à einq ans (al. 3). Il y a là une lacune évidente dans le texte de l'art. 82 et la question est de savoir si une interprétation correcte de la loi permet de eombler eette olaeune. Cette question doit être résolue par l'affir~àtive. On ne saurait en effet admettre .que la loi ait voulu poser des regles illogiques ou absurdes. Là ou elle permet au juge d'infliger une peine de réclusion de un à cinq ans, elle ne peut pas vouloir l'empêcher de prononcer la peine moins sévere de l'emprisonnement pour plus de six mois. Laloi l'a dit expressé- ment dans certains .eas (cf. par ex. art. 72, eh. l, al. l, et eh. 2). Là ou elle ne l'a pas dit (art. 82 et, de même, art. 84), il s'agit manifestement d'une pure inadvertanee qu'une interprétation raisonnable doit reetifier. (3 septembre 1940, Auditeur e. T. D. I b dans l'affaire Linder.) 96. W er si eh ni eh t zu1· Rekrutie1·ung stellt, ist wegen Dienst- versaumnis (MStG Art. 82) strafbar. Rechtsir1·tum (A1·t. 17) bei Begehung dieses Deliktes? Verfolgungsverjahrung (Art. 51 ff.). 15