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MKGE 3 Nr. 64

MKGE 3 Nr. 64

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._ 133 No. 64 64. Die Eidesleistung }{ann niel1t unter Berufung auf BV At·t. 49, Abs. 2, verweigert lverden (Et·w. A und B). - Die Frage, ob das divisionsgerichtliche Urteil eine V erletzung des St1·afgesetzes enthalt, ist aueh dann zu prüfen, wenn in der Beschwerdeschrift bloss grund- satzlieb das v orliegen einer strafbaren IIandlung bestritten \Vird (Er\v. C). - Die Verlveigerung der Eidesleistung ist als Dienst- verletzung (1\IStG Art. 72), nicbt als Ungeborsam (l\IStG Art. 61) strafbar (Erlv. D und E). - l\IStGO At·t. 163 findet auf das Kassa- tionsvei·faliren keine Anwendungo Die Kosten des Kassations- verfabrens, lvozu aucl1 die Kosten der nach dem divisionsgericht- Iichen Urteil über den Veru1·teilten verhangten Sicherheitshaft ge- horen, líõnnen d em Verurteilten nicl1t auferlegt \Verde n (Er\v. G). U n sol(lat ne peut refuser de prêter le serment militaire en in- VO(JUant l'art. 49 al. 2 CF (cons. A et B). - I~e TJ\IIC doit examiner si le jugement du Tribunal de division co11tient une violation de la loi pénale même lo1·sque le 1·ecout·ant s'est borné à contester en p1·incipe Pexistence d'un a ete punissable (cons. C). - Le refus du serment doit être puni comme violation des devoirs du service (ar t. 72 CPl\11) e t no n comtne désobéissance (art. 61 CPl\1) (cons. D et E). - J}art. 163 PPM n'est pas applicable à la procédure de cassation. Les frais de cette procédure, qui comprennent égale- Illent ceux de la détention préventive posté1·ieure au jugeme11t du Tribunal de division, ne peuve11t être Inis à la cbarge du condamné (cons. G). La prestazione d ei giuramento no n puõ essere rifiutata invocando l'art. 49 alin e a secondo della Costituzione federale (cons. A e B). - I~a quistio11e, se una sentenza di tribunale di divisione contenga una violazione della legge pe11ale, deve esaminarsi a11che qualora nel ricorso si contesti solamente la esistenza di una azione delit- tuosa (cons. C). - 11 rifiuto d ei giuramento e punibile come violazio11e d ei do v eri d ei set·vizio (art. 72 CPl\1) e no n come disubbedienza (art. 61 CPM) (cons. D e E).- L'art. 163 della OGM 11011 e appli- cabile alia procedura di cassazione. Le spese di questa - tra le quali sono comprese quelle della detenzione preventiva, posteriore alia sentenza del tribunale di divisione - non possono caricarsi al conda1111ato (cons. G). lO

No. 64 - 134 .A.n1 ª· Se]Jiember 1939 iiusserte sich Tf. Sdt. F. nach der Ver- eidigung sein er Einheit - d er er, da er damals au f W ache komn1an- diert zvar, nicht beigewohnt hatte - gegenüber Kameraden, er zverde weder Eid noch Gelübde ablegen und in Zukunfi auch seinen Militiir- dienst nicht 1nehr leisten. Er konne das aus religiosen Gründen vor seinem Gezvissen nicht uerantworten. Einige Tage darauf, am 16. Sep- iember, liess der Regimentskommandant den F. zu sich kom1nen und erkliirte ihm, · dass er an der auf den folgenden Tag angeselzten ''er- eidigung der ]\T achzügler teilzunehmen habe. F. sagte daraufhin, er zverde diesem Befehl aus religiosen Gründen nicht nachkommen. Azzch zverde er nur noch auf Zusehen hin seinen Dienst leisten und seine Inilitiirischen Pflichien erfüllen. Auf diese Erkliirung hin zvies der Regimentskommandant den F. an, am folgenden Tage zu seiner Batterie zurückzukehren. Dies geschalz, und F. leisieie auch zveiier- hin seinen Dienst, blieb aber der Vereidigung fern. Gestützt hierauf erkliirte das Divisionsgericht 5 den F. des Ungehorsams Íln Sinne von Ar t. 61 M StG schilldig. '" A. Der Verteidiger macht geltend, die Verpflichtung zur Eides- leistung widerspreche Art .. 49, Abs. 2, BV, wonach niemand z ur Vornalnne einer religiosen 1-Iandlung gezwungen werden kann. Infolgedessen stelle die Weigerung des Beschwerdeführers keine strafbare I-Iandlung dar. · Diese Auffassung ist nicht zu horen. Die Eidespflicht ist niedergelegt in Art. 198, Abs. 2, MO, also in einem von der Bundesversammlung erlassenen Gesetz. Solche Gesetze sind aber gemãss Art. 113 BV für das Bundesgericht und da1nit analog auch für die Militãrgerichte mass- gebend (vgl. Entscheidungen MKG 1926-1935, No. 26, S. 85, lit. I)). De r Einwand de r angeblichen V erfassungswidrigkeit d er angefochtenen ~-::idespflicht kann daher vom Kassationsgericht nicht überprüft vverden. B. Beilãufig mag bemerkt werden, dass, auch wenn auf diesen Punkt eingetreten werden konnte, die Beschwerde in dieser Hinsicht unbegründet wãre. Die Vorschrift des Art. 198, Abs. 2, MO hat in .Axt. 26 des Dienst- reglementes ihre nãhere Ausgest.altung erfahren. Darin ist - \Vie dies schon im Bundesratsbeschluss vom 5. Mãrz 1875 betreffend den hei den eidgenossischen Truppenaufgeboten zu leistenden Kriegseid (AS l, S. 413) vorgeschrieben war - ausdrücklich erwãhnt, das s Le u te, >, statt des Schwures e in G-e- lobnis ablegen konnen. Ein blosses Gelobnis stellt aber, entgegen der _A_uffassung des Verteidigers, keine religiose l-Iancllung im Sinne der Art. 49, Abs. 2, BV dar, da clarin keine Áusserung liegt, \Velche als Ausclruck einer religiõsen Überzeugung zu werten wãre. C. Dagegen frãgt es sich, ob das Divisionsgericht nicht dadurch eine Gesetzesverletzung begangen hat, dass es den Beschwercleführer

135 No. 64 des Ungehorsams im Sinne von Art. 61 11StG statt der Verletzung von Dienstvorschriften gemãss Art. 72 MStG schuldig erklãrte. In der Be- schwerdeschrift ist dies zwar nicht ausdrücklich geltend gemacht worden. N achdem aber in grundsãtzlicher I-Iinsicht das Vorliegen einer strafbaren Handlung bestritten wurde, ist auch diese Frage zu prüfen (vgl. auch Entscheidungen l\il{G 1926-1935, No. 6, S. 17, lit. a). D. Das Vergehen des Ungehorsams in1 Sinne des Art. 61 lVIStG setzt einen konkreten, an einen einzelnen Soldaten persõnlich oder an eine bestimmte Truppe direkt gerichteten Befehl voraus, wãhrend eine Dienstverletzung nach .Art. 72 MStG dann vorliegt, wenn allgemeine militãdsche Gebote, insbesondere die in Reglementen und anderen Er- lassen niedergelegten Vorschriften, welche eine dienstliche Angelegenheit zum Gegenstand haben, missachtet werden (vgl. auch Hajter; Vorentwurf zum MStG S. 67 und 85; ·Botschaft des Bundesrates zum MStG S. 27). Die v~idesleistungspflicht ist, wie bereits ben1erkt, in Art. 198, Abs. 2, l\10 sowie in A . .rt. 26 des l)ienstreglementes niedergelegt und umfasst ganz allgemein alle zum eidgenõssischen I)ienst aufgebotenen Truppen .. Es handelt sich daher ohne Zweifel um ein allgemeines militarisches Gebot, dessen Missachtung als eine Nichtbefolgung einer Dienstvorschrift im Sinne de~ ~t\.rt. 72 MStG zu bestrafen ist (vgl. auch Entscheidungen l\1KG 1915-1925, No. 105, S. 179). Daran ãndert auch der Umstand nichts, dass der Ileghnentskonunandant dem F. noch ausdrücklich mit- geteilt hatte, er habe an d er Vereidigung d er N achzügler teilzunehmen. Die l{olle, welche den militãrischen Vorgesetzten bei der Eidesleistung zuko1nmt, érschõpft sich in der Vorbereitung und Leitung der vom Dienst- reglement für diesen Akt vorgeschriebenen, in bestimmten ãusseren f"'ormen durchzuführenden Zeremonie. Die Leistung des Eides selber aber, die einen inneren Vorgang darstellt, gründet sich ausschliesslich auf das vom Gesetze aufgestellte allgemeine Gebot. Sie wird nicht >. Die Anweisung, die der Regimentskommandant dem F. gegeben hat, war daher nur insoweit ein Befehl, als sie die Aufforderung enthielt, an der fraglichen Zeremonie teilzunehmen. Da der Regimentskomman- dant j edoch, nachdem F. ihm erklãrt hatte, das s er de n Ei d nicht leisten werde, an · diesem Befehl ni eh t festgehalten hat, kommt dieser Weisung keine selbstãndige Bedeutung zu. Sie war ihrem Zwecke nach lediglich eine Feststellung, wie sich der l\1ann endgültig zur Eidesleistung stellen woll~. F. ist daher lediglich wegen de r V erweigerung de r Eidesleistung an sich, d. h. also auf Grund von Art. 72 MStG, zu bestrafen. Dies hat das l)ivisionsgericht verkannt. Das angefochtene Urteil ist daher auf- zuheben. E. Gemãss Art. 194 MStGO hat das l{assationsgericht, wenn die Kassation lediglich wegen falscher Anwendung des Gesetzes erfolgt, das dem Gesetze entsprechende Urteil selbst zu fãllen. F. ist somit auf Grund der vorgehenden Ausführungen von der Anschuldigung des Un-