Volltext (verifizierbarer Originaltext)
-. 119 --- No.57 . 3°, Le recours étant ainsi fondé, il reste à statuer, en application de l'art. 194 OJPPM, sur la condamnation du. lt. R. L'Auditeur demande au Tribunal militaire de cassation de condamner R. à deux mois d'emprisonnement, avec trois ans de sursis. Il ne saurait être question d'adopter sans autre ces conclusions et de mettre ainsi sur le même pied le lt. R. et le lt. G. Ce dernier a joué un rôle primordial et prépondérant. La faute de R. a été surtout de se laisser influencer par son camarade. Dans ces conditions, le Tribunal militaire de cassation considere une condamnation à trente jours d'emprisonnement, avec sursis pendant deux ans, et à la moitié des frais, comme justifiée par les cir- cons~ances de la cause. (24 décembre 1939, auditeur e. T. D. l a dans l'affaire lt. R.) 57. Beschi1npfung einer Militarperson (MStG Art. 101) (Erw. A). Begriff der Wache, Abgrenzung gegen Ordonnanzen (MStG Art. 65; Dienstreglement, Ziff. 201-212) (Er\v. B-D).- Der Un- gehorsam gegen eine Wache (MStG Art. 65) stellt einen Sonderfall des Ungehorsa111s gegenüber Militarpersonen dar (At·t. 108). Eine Verurteilung auf Grund des Art. 108 statt auf Grund des in de1· Anklageschrift allein angerufenen Art. 65 stellt dalter líeine V er- anderung des rechtlichen Gesichtspunktes im Sinne von MStGO Art. 160, Abs. 2, dar (Erw. E und F). 1 Injures à un militaire (art. 101 CP~I) (cons. A). - Notion de la garde militaire. Distinction entre le service de garde et le service d'ordonnance (art. 65 CPM; art. 201 à 212 du Reglement de service) (cons. B à D). - La désobéissance à un e garde militaire est un cas particulier du délit de désobéissance à des ordres spé- ciaux donnés par un IItilitaire (art. 108 CPM). Une condamnation peut des lors être prononcée en vertu de l'art. 108 alors même que seul l'art. 65 était invoqué dans l'acte d'accusation et il n'y a pas dans ce cas changement du point de vue juridique (art. 160, al. 2, PPM) (cons. E et F). Ingiurie a d un militar e (art. 1 O 1 CPl\11) (cons. A). - N ozione della guardia. Distinzione fra servizio di guardia e servizio d'or- dinanza (art. 65 CPM; art. 201 a 212 del Regolan1ento di servizio) (cons. B a D). -La disubbidienza ad una guardia (art. 65 CPM) e un caso speciale di disubbidienza verso un militare (art. 108 CPM). Una condanna a norma dell'art. 108 CPM, invece che dell'art. 65, solo indicato nell'atto d'accusa, non costituisce quindi una modi-
No. 57 - 120 - ficazione del punto di vista giuridico nel senso dell'art. 160, al. 2, dell'OGM (cons. E e F). Am 10. September 1939 fuhr Kpl. G., der kurz zuvor aus dem Dienste entlassen worden war, mii seinem V elo in Zivil von Sch. nach D. Zur Zeit seiner Durchfahrt durch das Dorf N. hielt daselbst eine Geb. San. Kp. vor dem Schulhause ihr Hauptverlesen ab. Die Mann- schaft war auf dem Schulhausplatz it(zwei Gliedern aufgestellt, zvahrend die Offiziere und der Feldweibel rÍuf der Strasse standen. Zu beiden Seiten der Kompagnie stand je ein vom Feldweibel aufgesiellter Posten, welcher di e A ufgabe hatte, Sirassenbenützer anzuhalten un d hinter den Offizieren durchzuleiten. Als G. auf die Kompagnie zufuhr, war der in Richtung Sch. aufgestellte Posien gerade damit beschiifiigt, vier Velofahrer umzuleiien. G. stoppte seinerseits etwas ab, fuhr dann aber, da er sah, · dass der Posten anderwarts abgelenkt war, hinter seinem Rücken weiter. Der Feldweibel beobachtete diesen Vorgang und bemerkte, dass G. auf ihn zufuhr, um zwischen ihm und der M annschafi durchzufahren. Er irai ihm daher in di e Fahrbahn und ri e f ihm n1it erhobener H an d z u: >. G. bremsie, als o b er d er A ufforderung Folge leisten wollte. D er Feldweibel tral darauf hin einen Schritt zurück. In diesem Momente fuhr G. in raschem Tempo weiter, wobei er dem Feldweibel zurief: . Die Offiziere und der zweite Posten versuchten dann auch ihrerseits, G. anzuhalten, was ihnen jedoch ebenfalls nicht gelang. Gestützt hierauf erkliirte das Territorialgericht 2 den G. mii Urteil vom 2. N ovember 1939 des U ngehorsams gegen e ine militiirische W a eh e sowie der Beschimpfung e in er i m Aktivdienst stehenden M iliiiirperson schuldig und verurteilte ihn gestützt auf Art. 65/62, 101, 29 MStG, Art. 1 ff. Verordnung betreffend den militiirischen Strafvollzug vom 29. No- vember 1937 und A ri. 163 M StGO zu 30 Tagen Gefiingnis, Ini t mili- tiirischem Strafvollzug, sowie zu den Kosten des Verfahrens. Die von ·G. erhobene Kassationsbeschwerde wurde teilweise gutgeheissen. A. Der Verteidiger behauptet in erster Linie, in dem vom Beschwerde- führer gegen d en Feldweibel verwendeten Ausspruch: > liege keine Beschimpfung, sondern lediglich eine etwas grobe Rückweisung einer Aufforderung, wodurch der Feldweibel nicht in seiner Ehre beeintrãchtigt worden sei. Dieser Auffassung kann nicht beigetreten werden. Der Ausspruch G.s war unverkennbar eine Kundgebung der Geringschãtzung, die gleich- zeitig geeignet war, den Feldweibel bei den anwesenden Untergebenen und Vorgesetzten lãcherlich zu machen~ Das Territorialgericht hat daher
121 No. 57 mit Recht den Tatbestand der Beschimpfung 1m Sinne von Art. 101 MStG als gegeben erachtet. B. Der Verteidiger macht ferner geltend, die beiden Soldaten, die als Wegweiser bzw. V erkehrsposten dienten, kõnnen nicht als militãrische Wachen im Sinne von Art. 65 MStG bezeichnet werden. Das Verhalten des Beschwerdeführers stelle daher keinen Ungehorsam gegen eine mili- tãrische Wache und auch kein anderes Vergehen, das nach Militãrstraf- recht strafbar wãre, d ar., C. ·ner Begriff der militãrischen Wache im Sinne von Art. 65 MStG ist anhand der einschlãgigen Bestimmungen des Dienstreglementes aus- zulegen. Dieses enthãlt ein besonderes, die Art. 201-212 umfassendes Kapitel über d en >. Darin wird ausdrücklich unterschieden zwischen blossen > einerseits un d > anderer- seits. Die letzteren - und nur diese - werden von einer besonders hiezu kommandierten > ausgestellt, d. h. von ei n em von d er Truppe ausgeschiedenen, speziellen Vorschriften unterstehenden und besonders organisierten Detachement. Die Wache untersteht einem besonderen Wachtkommandanten; der Aufzug der Wache und die Aufstellung der Schildwachen hat nach besonderen Regeln zu erfolgen. Ferner enthãlt das Dienstreglement genaue, strenge Vorschriften für das Verhalten der Wachtmannschaft im allgemeinen und der Schildwachen im besonderen. Wachen sind ~nur zu kommandieren, wenn > dies erfordern, d. h. wenn nicht ohne besondere Massnahmen oder mit blossen Ordonnanzen auszukommen ist (Art. 201/202 des Dienst- reglementes). Angesichts dieser ausdrücklichen Unterscheidung zwischen blossen Ordonnanzen, die nicht von der Wache gestellt werden, einerseits und eigentlichen Schildwachen, die auch ãusserlich als solche erkennbar sin d, andererseits, kann von einem V ergehen gegen eine militãrische Wache im Sinne von Art. 65 MStG dann nicht die Rede sein, wenn das Delikt gegen eine blosse Ordonnanz begangen wird. Dies lãsst sich durch die besondere Wichtigkeit der einer kommandierten Wache und ihrer Mannschaft zustehenden Bewachungsaufgaben erklãren. Der Ungehorsam nach Art. 65 MStG stellt sich als ein im Hinblick auf diese qualifizierte Aufgabe geschaffener Sondertatbestand des allgemeinen Tatbestandes des Ungehorsams gegen eine Militãrperson dar, wie er in Art. 108 MStG umschrieben und auch bei Ungehorsam gegen Ordonnanzen anwendbar ist. D. Geht man von dieser Auslegung des Begriffes der > aus, dann ist d em V erteidiger zuzugeben, das s das V erhalten des Beschwerdeführers nicht den Tatbestand des Art. 65 MStG erfüllt. G. hat, als er sich die Durchfahrt erzwang, nicht nur die Weisungen der beiden aufgestellten Posten missachtet, sondern auch diejenigen des Feld- weibels und der Offiziere, welche ihn ebenfalls aufzuhalten versuchten. Dass der Feldweibel und die Offiziere keine militãrischen Wachen waren, bedarf keiner weiteren Erõrterung, Aber auch den beiden Posten kam