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MKGE 3 Nr. 4

MKGE 3 Nr. 4 — Dr. S. e. D. G. 5a.

Mkg · 1936-05-04 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 4

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die Rede sein, wenn das Divisionsgericht in dem unwahrhaftigen Ver-

halten des D r. S. einen Charakterfehler erblickte, d er ihm di e Z ubilligung

des bedingten Strafvollzuges nicht gerechtfertigt erscheinen liess. Der

Entscheid der Vorinstanz ist allerdings hart ausgefallen, da für Dr. S.

die Gefahr besteht, dass ihm für die Zeit seiner Einstellung in der bürger-

lichen Ehrenfãhigkeit die Ausübung des Arztberufes im Kanton ...

versagt werden wird. Das berechtigt aber das Kassationsgericht nicht,

das vom Divisionsgericht im Rahmen seines freien Ermessens ausgefãllte

Urteil abzuãndern. D em Angeklagten wird nahe gelegt, im W ege eines

Begnadigungsgesuches eine Milderung anzustreben, sofern die kantonale

Behõrde nicht von sich aus dazu gelangen sollte, hier von einem Entzug

der Bewilligung zur Ausübung des Arztberufes abzusehen.

(4. Mai 1936, Dr. S. e. D. G. 5a.)

4.

Bedingter Strafvollzug (1\JISt G Art. 32); bei d er Würdigung des

Charakters des Angel{lagten ist ni eh t nui~ sein V oi· le ben, sondern

au eh sein V erhalten bei un(l na eh d er zur Beurteilung stehenden

Tat zu berüclísichtigen. -

Das 1\IIStG hat für }{eine Delil{tskategorie

die Zubilligung des bedingten Strafvollzugs von vorneherein aus-

geschlossen.

Sursis (art. 32 CPl\11); pour apprécier le caractere du prévenu,

il faut tenir compte non seulement de ses antécédents, 1nais aussi

de la façon dont il s'est comporté lors de la commission du délit

et ultérieurement. -

Le sursis est en principe applicable à toutes

les eatégories de délits.

Condanna condizionale (art. 32 CPl\1).

P er apprezzare il

carattere del prevenuto bisogna tcner conto non solo dei suoi antece-

denti, ma anche del suo contegno al momento della perpetrazione

del delitto e posteriormente. La condanna condizionale non puõ

essere esclusa per determinate categorie di delitti.

Die Gewãhrung des bedingten Strafvollzuges im Sinne des Art. 32

MStG ist in erster Linie Sache des freien richterlichen Ermessens. Dabei

darf der Richter freilich nicht über die gesetzlichen Voraussetzungen

hinaus Anforderungen stellen, die zu einer Beschrãnkung des Anwendungs-

gebietes des bedingten Strafvollzuges führen, die den Intentionen des

Gesetzgebers nicht entspricht (vgl. statt vieler den Entscheid des MKG

in Sachen Eicher vom 31. Oktober 1932 1). Das ist aber im vorliegenden

Fall, entgegen der Annahme der Verteidigung, auch nicht geschehen.

1) Entscheidungen des MKG 1926-1935. No. 31.