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No. 137 - 296 - Im vorliegenden Fali hat sich erst ein zustãndiges Organ der bürger- lichen Gerichtsbarkeit, der Bezirksrichter Reiath, für unzustãndig er- klãrt, nicht dagegen auch ein kompetentes Organ der Militãrgerichts- barkeit.,Der Untersuchungsrichter der 6. Division war nicht hefugt, über die Einleitung des militãrischen Strafverfahrens gegen den Rekurs- heklagten z u befinden; das konnte na eh Art. 11 O, Ziff. 2, de r Militãrstraf- gerichtsordnung nur der Kommandant des Regiments des l{ekurs- heklagten oder, wenn dieser einer kleinern; selbstãndig im Dienst be- findlichen Truppenabteilung angehorte, deren Kommandant tun, durch die Verfügung der Voruntersuchung. Infolgedessen kann das Bundes- gericht auf die Kompetenzkonfliktsbeschwerde nicht eintreten.
5. Immerhin mag bemerkt werden, dass der Rekursbeklagte die ihm zur Last gelegten Áusserungen unbestrittenermassen getan hat, als er sich im Militãrdienst befand. Er unterstand also dafür nach Art. 2, Ziff. l, und Art. 218 des Militãrstrafgesetzes dem Militãrstrafrecht und der Militãrstrafgerichtsbarkeit, weil Ehrverletzungen nach Art. 145 ff. j enes Gesetzes strafbar sin d. Darauf, o b au eh d er Rekurrent damals in1 lVlilitãrdienst war oder sich die Âusserungen des Rekursbeklagten auf seine militãrische Stellung und seine dienstlichen Pflichten bezogen, kommt es entgegen de r Auffassung des lJ ntersuchungsrichters de r
6. Division nicht an. (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 1940 i. S. Siegrist gegen Michel und Bezirksrichte~ Reiath, veroffentlicht im BGE 661, S. 159 ff.) 137. Et·ltebung des Koiitpetenzl{onflil{tes durch ein Teri-itorialkom- Inantlo (Et~w. 1). - Offentliche Beschimpfung einer Militarperson (1\IIStG A1·t. 101) (Erlv. 2). - Ehrvet~Ietzung gegenüber einer im J)ienst beiindlichen Person mit Bezug auf ihre dienstliche Stellung o(lei' Tatigl{eit (MStG Art. 3~ Ziff. 1~ Abs. 9, und Art. 148) (Erw. 3). - Aufhebuug (les ganzen Stt~afurteils (les büt~get·lichen Stt·africhters wegen U nzustandigl{eit~ obschon di e Verut·teilung aus ser \Vegen det· det· l\tlilitãrgerichtsbarl{eit untet·stelienden Handlungen auch wegen re in bürgerlichet· Vergcl1tn1 erfolgte (Er\v. 4). Conflit (le contpétence soulevé pat· le Contmandant territorial (cons. 1). - Injure publique à un militah·e (art. 101 CPM) (cons. 2). - Atteinte à l'honneur d'une personne au service~ quant à sa situation militaire ou à son activité de service (a1·t. 3~ ·eh. 1, al. 9, e t art. 148 CPM) (cons. 3). - Jugement rendu en juridiction OI'• dinaire et annulé dans son ensemble pour cause <l'incompétence
297 --- No. 137 bien que la conda1nnation eftt été prononcée non seule1nent pour des délits relevant de la juridiction militaire, mais également pou1· des infractions ne 1·elevant que de la juridiction ordinaire (cons. 4). Conflitto di competenza sollevato lla uu Comando territo1·iale (cons. 1). - Ingiuria pubblica ad un Inilitare (art. 101 CPM) (cons. 2). - Ingiuria a d una }lersona in servizio militai·e, con riferimento alJa sua situazioue od attività militare (CP~I art. 3, cifra 1, al. 9, e art. 148) (cons. 3). - Annullazione completa di una sentenza della giurisdizione penale ordinaria, a causa di in- competenza, quantunque la condanna sia avvenuta per un fatto, sottoposto, altrecche alia giurisdizione penale militare, anche a quella ordinaria (cons. 4). Am 29. Mai 1940 erkliirte der (;erichtspriisident von Thun den J?. schuldig des N achtliirms, des A.rgernis erregenden Benehmens un d der Beschimpfung von Militiirpersonen, begangen in Thun am 17. Mai 1940, und verurteilte ihn in Anwendung von Art. 266, Ziff. 4, 6 und 13, StGB sowie des Art. 260 StrV zu zwei Tagen Gefiingnis, Fr. 30 Busse und den Verfahrenskosten von Fr. 8. A m 1 S. J uni verfiigte das eidgenossische .ZVI ilitiirdepartement wegen der gleichen Vorgiinge eine vorliillfige Beweisaufnahme, die vom U ntersuchungsrichter des Territorialgerichtes 2 durchgeführt wurde. Der Bericht des Untersuclnzngsrichters vom 23. Juli 1940 schloss mii dem Antrag, es sei die Sache disziplinarisch zu erledigen. Das Departement verfiigte am 26. Juli in diesem Sinne und wies die Akten behufs Vollzug an das Territorialkommando 11. Der Vollzug der Gefiingnisstrafe gegen F. wurde auf Veranlassung des militarischen [J ntersuchungsrichters sistiert. Mii Eingabe vom 15. August erhob der Territorialkommandant 11 den Kompetenzkonflikt beiin Bundesgericht. Er beantragt, es sei das Urteil des Gerichtsprasidenten von Thun vom 29. Mai 1940 aufzu- heben in dem Umjange, als F. zvegen Beschímpfung von Militar- personen zu einer Gefiingnisstrafe von zwei Tagen verurteilt worden sei.
l. Es handelt sich un1 einen Konflikt zwischen dem hürgerlichen Strafrichter und einer militãrischen Stelle, die Disziplinarstrafkompetenz hat. Der bürgerliehe lliehter hat ein Strafurteil gegen eine Person er- lassen wegen eines Tatbestandes, von dein geltend gemacht wird, dass er unter die Militãrgeriehtsharkeit falle. Zur Militãrgerichtsbarkeit irn Sinne von Art. 223 MStC;B gehort auch die Disziplinargerichtsbarkeit (Kirehhofer: l) er Kompetenzkonflikt im Verhaltnis d er Inilitãrischen
No. 137 298 - un d bürgerlichen Gerichtsbarkeit, Schweizerische Zeitschrift für Straf- recht 46, S. 20 ff.). Wird hier die Militãrgerichtsbarkeit bejaht, so ist das Territorial- kommando 11 die zustãndige Disziplinarinstanz (l. e. Art. 195 II). Es ist vom eidgenõssischen Militãrdepartement in Kenntnis des gegen F. ergangenen bürgerlichen Strafurteils mit der disziplinarischen Behand- lung der Sache beauftragt worden. Man kann annehmen, dass dieser Auftrag auch die Anhebung des Kompetenzkonfliktes umfasst, so dass keine Bedenken in der Frage bestehen, ob der Konflikt von einer hiezu legitimierten militãrischen Stelle erhoben worden sei (Kirchhofer: a. a. O.
s. 27).
2. Unter dem Titel > behandelt das MStG in Art. 101 auch die Beschimpfung einer Militãrperson. <<Wer eine l\!Iilitãrperson, die in1 aktiven Dienst stcht, offcntlich beschimpft, wircl mit Gefãngnis bestraft. In leichten Fãllen erfolgt disziplinarische Bestrafung. >> Das ·Erforclernis der Offentlichkeit kann im vorliegenden Fall bejaht werden, da F. die beiden, iin Aktivdienst stehendcn Soldatcn in Wirt- schaften, das h eis s t in ~Q!Ie.ntlichen, j eder1nann zugãnglichen L.okalcn _beschimpft hat. Aus den Akten ergibt sich auch, dass in den beiden \Virt- schaften noch andere Personen anwesend waren. Nach Art. 3 I MStG unterstehen iin Falle aktiven Dienstes dem Militãrstrafrecht, wenn und sQweit der Bundesrat die lJnterstellung be- schliesst, Zivilpersonen, die sich unter anderrn schuldig n1achen << einer Storung de r rnilitãrischen Sicherheit (Art. 98 bis l 08) >>. J) er I3undesrat hat durch Beschluss vo1n 29. August 1939 (GS S. 748) die Unterstellung cler Zivilpersonen für in Art. 3 genannte lfandlungen beschlossen. I~,. untersteht daher für die fraglichen Beschimpfungen der beiden (in1 Aktivdienst stehenden) Soldaten den1 Militãrstrafrecht und darnit auch der Niilitãrgerichtsbarkeit (Art. 218).
3. Wollte man dagegen annelunen, dass es sich nicht um õffentliche Beschimpfung handle, so wãre die lJnterstellung unter das lVlilitãrstraf- recht aus einem andern Gesiehtspunkte gegeben. Das MStCJ-B hehandelt in Art. 145 ff. dic J~hrverletzungen. Art. 148 handelt speziell von den Beschiinpfungen. Nach Art. 3 I l. e. in Verbindung mit dem erwãhnten BRB fallen Zivilpersonen un te r das l\1ilitãrstrafrecht in Hinsicht au f eine << E.hr- verletzung gegenüber einer im l)ienste hefindlichen Person mit Bezug auf ihre dienstliche Stellung oder rfãtigkeit (Art. 14,5 his 148) >>. Zitiert wird also hier au eh 1\rt:. 148, die Bestimmung hetreffend die Beschünpfung. Voraussetzung der lJnterstellung ist aher in diesem Zusammenhang, dass clie I~hrverletzung I3ezug habc auf die dienstliche Stellung oder