opencaselaw.ch

MKGE 3 Nr. 100

MKGE 3 Nr. 100

Mkg · · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 100 - 208 déclaré que son frere lui avait demandé de pouvoir prendre des tracts avec lui en lui disant que cela intéressait ses camarades e t qu 'il avait été d'accord. Le recourant semble d'autre part vouloir faire état, p o ur contester sa complicité, du fait que les tracts se trouvaient dans un logement habité en commun par son frere et lui. 11 veut sans dou-te laisser sous- entendre par là que son frere pouvait disposer de ces tracs sans que lui- même eut à intervenir. Mai~, i ei de nouveau, le recourant se heurte au x constatations formelles du jugement et à ses propres déclarations dans l'enquête. Contrairement à ce que soutient le recourant, le rôle qu'il a a1ns1 joué constitue non seulement un acte de complicité au sens de l'art. 23 CPM mais tombe en outre directement sous le coup de l'art. l er, al. 2, de l'arrêté du 4 décembre 1939. En autorisant son frere à disposer de tracts pour les répandre dans la troupe, le recourant a en effet préparé et soutenu la propagande subversive de son frere. On peut même ad- mettre qu'il a, ce faisant, remis à son frere du matériel de propagande, fait expressément prévu et réprimé par la prédite disposition. En ce qui concerne la remise du tract à Monnet, elle repose, entre autres, de l'aveu même du recourant, sur le témoignage de Monnet. O r, contrairement à ce que soutient le recourant, la l oi de procédure pénale militaire qui consacre à son art. 158 le systeme de la libre appré- ciation des preuves, ignore la regle > et ne s'o p p ose p as à ce que le tribunal fonde, le cas échéant, sa conviction sur les déelarations d'un coinculpé. (28 septembre 1940, Burtin e. T. D. l a.) 100. Die disziplinarische Bestrafung dui~cb den Vorgesetzten schliesst eine kriminelle Ahndung, sofern eine solche grundsatzlich gegeben ist, nicht aus (Erw. A und B). - Die Rechtsstellung der in einem neutralen Staat internierten Angehorigen des lleeres eines krieg- führenden Staates richtet sich nach den Bestimmungen des 11. Ka- pitels des V. Haagerabkommens betreffend die Rechte und Pflichten der neutralen Machte und Personen im Falle eines Landl{rieges vom 18. Oktober 1907. Die in der Anlage zum Abl{ommen be- treffend die Gesetze und Gebrauche des Landlirieges vom 18. Oli- tober 1907 (AI~t. 8) und im Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen vom 27. Juli 1929 (Art. 50) enthaltene Bestim- mung, wonach der Fluchtversuch von Kriegsgefangenen nur dis-

- 209 No. 100 ziplinarisch bestraft werden darf, kann nicht analog auf Internierte Anwendung finden. (Erw. C, D, E). - Das Entweichen von lnter- nierten ist nach MStG Art. 72, Ziff. 1, zu bestrafen (Erw. F). Une punition disciplinaire prononcée par un chef n'exclut pas une condamnation pénale lorsque les conditions d'une telle con- damnation son t réalisées (cons. A et B). - Ce son t les dispositions du chapitre 11 de la ve Convention de La Haye concernant les droits et les devoit·s des puissances et des personnes neutres en cas de guet·re sur terre, du 18 octobre 1907, qui déterminent la situation juridique des belligérants internés dans un Etat neutre. On ne peut appliquer par analogie aux internés la disposition prévue dans l'an- nexe à la eonvention concet·nant les lois et coutumes de la guerre sur terre, du 18 octobre 1907 (art. 8), et dans la eonvention re- lative au traitement des prisonniet·s de guerre, du 27 juillet 1929 (art. 50), et suivant laquelle les prisonniet·s de guerre qui auront tenté de s'évader ne seront passibles que de peines disciplinaires (cons. e, D, E). - L'interné qui s'enfuit doit être p uni en applica- tion de l'art. 72, eh. l, ePM (cons. F). Una punizione disciplinat·e, pt·onunciata da un superiore, non esclude una condanna penale, qualot·a ne ricot·rano gli estremi (cons. A e e). La situazione giuridica d ei militi di un o stato belli- gerante, internati in uno stato neutro, e regolata dai secondo capi- tolo della quinta convenzione dell'Aja, del 18 ottobre 1907, relativa ai diritti e doveri degli stati e delle persone neutrali in caso di guerra per terra. Non possono applicarsi, per analogia, agli inter- nati le disposizione dello annesso alia convenzione, relativa alle leggi ed usi della guerra per terra, del 18 ottobre 1907 (art. 8) e della convenzione sul trattamento dei prigionieri di guerra, del 27 luglio 1929 (art. 50), secondo le quali un tentativo di evasione di un prigioniero di guet·ra puõ esset·e punito solo disciplinarmente (cons. e, D, E). L'internato, che fugge, deve essere punito a norma dell'art. 72 del ePM (cons. F). A. Der Verteidiger macht in erster Linie geltend, der Beschwcrde- führer hãtte nicht kriminell verurteilt werden dürfen, da nach Art. 50 des internationalen Abkommens über die Behandlung der Kriegsgefange- nen vom 27. Juli 1929, das analog au eh für Internierte gelte, eine Ent- weichung nur disziplinarisch geahndet werden dürfe. T. sei auch bereits disziplinarisch bestraft worden, so dass für eine strafrechtliche Verur- teilung ohnehin kein Raum mehr bleibe.

· No. 100 - 210 B. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer für die zur .Beurteilung stehende Tat bereits von dem ihm vorgesetzten Kommandanten diszi- plinarisch bestraft worden ist und dass er diese Strafe verbüsst hat, schliesst eine kriminelle Ahndung, sofern eine solche grundsãtzlich ge- geben ist, nicht aus (vgl., statt vieler, Entscheidungen MKG 1936-1940, No. 63, S. 132). C. Die Pflichten eines neutralen Staates, der Angehõrige eines Heeres eines kriegführenden Staates bei sich aufnimmt, sind im I l. 'Kapitel des V. Haager-Abkommens betreffend die Rechte und Pflichten der neu- tralen Mãchte und Personen im Falle eines Landkríeges vom 18. Oktober 1907, d em au eh di e Schweiz beigetreten ist, niedergelegt. Art. 11 dieses Abkommens legt dem internierenden Staate die Pflicht auf, die auf sein Gebiet übergetretenen Truppen eines Kriegführenden mõglichst weit vom Kriegsschauplatz unterzubringen und sie in Lagern zu verwahren oder in Festungen oder anderen zu diesem Zwecke geeigneten Orten ein- zuschliessen. In Ermangelung einer besondern V ereinbarung hat die neutrale Macht - gemãss Art. 12 des Abkommens - den bei ihr unter- gebrachten Personen Nahrung, Kleidung und die durch die Menschlich- keit gebotenen Hilfsmittel zu gewãhren. W eitere Vorschriften über die nãhere Ausgestaltung der Internierung, über die Behandlung der Inter- nierten ete. enthãlt das Abkommen · nicht. Ebenfalls an1 18. Oktober 1907 wurde ein weiteres internationales Abkommen > abgeschlossen, dem die Schweiz gleichfalls beigetreten ist. Die Anlage zu diesem Abkommen enthãlt imI. Abschnitt, I I. Kapitel, Vorschriften über die Behandlung der Kriegsgefangenen, wobei in Ar-L 8 bestimmt wurde, dass entwiehene Kriegsgefangene, die wieder ergriffen werden, bevor es ihnen gelungen ist, ihr Heer zu erreichen, oder bevor sie das Gebiet ver- lassen haben, das von den Truppen, welche sie gefangen genommen hatten, besetzt ist, nur disziplinarischer Bestrafung unterliegen. Diese Vorschrift wurcle in das internationale Abkommen vom 27. Juli 1929, das die Behandlung der Kriegsgefangenen eingehend regelt, übernommen (Art. 50). In Art. 89 wurde festgestellt, dass durch das neue Abkommen das vorerwãhnte II. Kapitel der de1n Abkommen beigefügten Ordnung ergãnzt wurde. Dagegen wurde nirgends vorgeschrieben, dass diese Bestimmungen analog auch auf die bei Neutralen untergebrachten An- gehõrigen einer Kriegsmacht anzuwenden seien. Die nãhere Ausgestal- tung der Behandlung Internierter blieb daher im Rahmen der vor- erwãhnten Vorschriften des II. Kapitels des V. I-Iaager-Abkommens dem Landesrecht der vertragschliessenden Parteien vorbehalten. D. })urch Art. 3, Ziff. 2, MStG wurden die internierten Militar- und Zivilpersonen im Falle aktiven Dienstes dem Militãrstrafrecht unterstellt, sofern der Bundesrat diese Unterstellung beschliesst. Dies ist für die Zeit

211 No. 100 des gegenwãrtigen Aktivdienstes durch den Bundesratsbeschluss vom

29. August 1939 geschehen. Eine Bestimmung, wonach Fluchtversuche von Internierten nur disziplinarisch geahndet werden dürfen, wurde nicht erlassen. Infolgedessen geht es auch nicht an, ohne dass von seiten der zustãndigen Behõrde ein entsprechender Erlass vorliegt, den Art. 50 des Abkommens über di e Behandlung de r Kriegsgefangenen vom 27. J u li 1929 analog auf internierte l\1ilitãrpersonen anzuwenden. Der Hinweis des Verteidigers auf die vom General erlassenen provisorischen Vor- · schriften betreffend den Dienst der Kriegsgefangenen und Internierten ist ·unhehelflich; denn hiebei handelt e s sich um blosse V erwaltungsvor- schriften, durch die bestehende strafrechtliche Normen nicht abgeãndert werden konnten. Übrigens geht ·aus diesen Vorschriften auch nicht her- vor, dass die Internier~en in strafrechtlicher Hinsicht den Kriegsgefange- nen gleichgestellt werden sollen. E. Eine analoge Anwendung des vorerwãhnten Art. 50 auf Inter- nierte erschiene aber auch nicht gerechtfertigt. Der Internierte hat sich - anders als der Kriegsgefangene - durch eigenen ~~ntschluss unter die Gewalt des Gewahrsamsstaates begeben. Damit unterwirft er sich der in sein em Gastland bestehenden Rechtsordnung; un d e s ist sein e Pflicht, nichts zu unternehmen, das die Stellung seines Gastlandes zu den krieg- führenden lÁãndern beeintrãchtigen kõnnte. Hiezu gehõrt aber vor allein die Unterlassung jeglichen Versuches, sich der Internierung zu entziehen, da der internierende Staat nach Art. 11 des V. Haager-Abkommens ver- pflichtet ist, die)nternierten zu verwahren. Es wãre daher hõchst un- zweckmãssig, gerade für dasjenige Delikt eine Sonderregelung im Sinne einer Strafmilderung zu treffen, das dem Gastland unter Umstãnden Misshelligkeiten mit den kriegführenden Lãndern verursachen kõnnte. Das Territorialgericht hat infolgedessen .mit Recht den Art. 50 des Abkommens über die Behandlung der Kriegsgefangenen auf die Inter- nierten als nicht anwendbar erklãrt. F. Die Vorinstanz hat im Entweichen des Beschwerdeführers eine Zuwiderhandlung gegen Art. 108 MStG erblickt. Diese Subsumption ist vom Verteidiger an sich nicht angefochten worden, so dass es hiebei sein Bewenden haben muss. Doch ist zu bemerken, dass es richtig gewesen · wãre, den Beschwerdeführer wegen Nichtbefolgung von Dienstvor- schriften im Sinne des Art. 72, Ziff. l, MStG zu verurteilen. T. hat durch seinen Fluchtversuch einer allgen1einen, an die Internierten erlassenen Vorschrift, dass sie sich nicht aus dem ihnen angewiesenen Lager ent- fernen dürfen, zuwidergehandelt. Das Territorialgericht glaubte, diese Bestimmung hier deshalb nicht anwenden zu kõnnen, weil sie im Ab- schnitt. über die Dienstverletzungen steht, unter Dienst aber n ur d er schweizerische Militãrdienst verstanden werden kõnne. Dieser, Argu- mentation kann nicht zugestimmt. werden. Es ist zwar richtig, dass die