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MKGE 2 Nr. 57

MKGE 2 Nr. 57 — Revisionsbegehren des Auditors e. D. G. 2 b in Sachen Ba d er resp. Frei.

Mkg · 1935-01-28 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

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No. 57

erschienen war, Adplf Frei, einfach eine Aufhebung jenes Entscheides in

Verbindung mit einer Gegenstandsloserklãrung zu erfolgen habe. Die

Aufgabe des Kassationsgerichtes ist mit dem Zuspruch des Revisions-

begehrens und der Rückweisung an das zustãndige Divisionsgericht zum

Zwecke der weitern gesetzlichen Folgegebung erschõpft.

(28. Januar 1935, Revisionsbegehren des Auditors e. D. G. 2 b in Sachen

Ba d er resp. Frei.)

57.

Ein Urteil, das unter Nichtberüclisichtigung der Bestimmungen

über d en Tatirt·tum (l\IStG Art. 16, Abs. 1) ergangen ist, verletzt

das Strafgesetz und ist nach MStGO At·t. 188,. Ziff. 1 aufzuheben.

Un jugement dans lequel les dispositions de l'at·t. 16, al. l

CPM (erreur sut· les faits) n'ont pas été obset·vées contient une

violation de la loi et doit être annulé en application de l'at·t. 188,

eh. 1 OJM.

U11a senteiiza, la f1Uale non tenga conto di un errore del pre-

venuto sui fatti, viola la legge penale e deve esset·e annullata a

norma dell'art. 188, n. 1 OGM.

A. Gemã13 Art. 15 MStG ist, wenn es das Gesetz nicht ausdrücklich

anders bestimmt, nur strafbar, wet ein Verbrechen oder Vergehen vor-

sãtzlich, d. h. mit Wissen und Willen verübt. Die im vierten Abschnitt

des zweiten Teils unter d em Titel > aufgezãhlten Delikte sin d somit Vorsatzdelikte. Au eh d er Tat-

bestand des Art. 82 MStG ist nur dann erfüllt, wenn der Tãter mit Wissen

und Willen einem Aufgebot nicht gehorcht. Das Kassationsgericht hat

bei der Auslegung und Abgrenzung der Tatbestãnde der Art. 81-84

MStG wiederholt festgesteilt, da13 diese Delikte, ungeachtet des Marginale

zu Art. 82 im franzõsisch~n Text, nur bei vorsãtzlicher Begehung unter

Strafe gestellt sin d. (V gl. Trüssel: > in Schweiz. Z. f. StR 48, S. 22f; Protokoll des Rapportes der

J ustizoffiziere vom 1. J uni 1931).

B. Aus dem Begriffe des Vorsatzes ist die strafrechtliche Bedeutung

des Irrtums abzuleiten. Das MStG unterscheidet zvvischen der irrigen

Vorstellung über den Sachverhalt (Art. 16) und dem Rechtsirrtum (Art.

17). Im ersteren Falle hat das Gericht die Tat zugunsten des Tãters nach

dem Sachverhalt, den er sich vorgestellt hat, zu beurteilen. Im zweiten

Falle kann Strafmilderung oder Straflosigkeit eintreten. In der Nicht-

berücksichtigung der Bestimmung über den Tatirrtum (Art. 16, al. 1)

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