opencaselaw.ch

MKGE 2 Nr. 51

MKGE 2 Nr. 51 — Auditor e. D.G. 5a in Sachen Siegenthaler.

Mkg · 1934-07-02 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

149 No. 51 .51. W er si eh gleichzeitig lvegen Versãumnis von Wiederholungs- }{ursen und Nichterfüllung der SchieJlpflicht zu ve.rantlvoi·ten hat, }{ann nur wegen Dienstver\veigerung resp. Dienstversãumnis (MStG Art. 81 resp. 82) nicht aucl1 wegen Nichtbefolgung von Dienstvor- schriften (1\IStG .Art. 72) bestraft lverden. Der Disziplinarfehler lvird du1·ch das i{riminelle Vergehen }{onsumiert. Celui ffUi est coupable d'avoir manqué à la fois des cours de répétition et des ti1·s obligatoires peut être puni uniquement pour refus de servi1· ou insoumission (a1·t. 81 ou 82 CPM), et non pas, en outt·e, pout· violation des devoirs du service (a1·t. 72 CPl\1). L'infraction. criminelle absorbe la faute de discipline. Chi, trovandosi all'estero, si rende colpevole di mancanza a corsi di ripetizione ed a ti1·i obbligatori, puõ essere punito solo per rifiuto di set·vizio o p er omissione di servizio (art. 81 e 82 CPM), no n an eh e p er inosserva:nza di prescrizioni di servizio (art. 72 CPM). 11 t·eato assot·be la colpa (lisciplinare. Man kann sich fragen, ob entsprechend der Auffassung des Divi- sionsgerichtes 5a schlechthin gesagt werden konne, mangels Aufgebotes oder einer besondern Organisation für die Erfüllung der Pflicht durch in der Schweiz nicht domizilierte Wehrmãnner sei eine Bestrafung wegen Nichterfüllung der Schie13pflicht nicht moglich. Diese Frage kann in- dessen aus folgenden Gründen dahingestellt bleiben. Das De1ikt der Dienstverweigerung im Sinne des Art. 81 MStGB erweist sich gegenüber dem Delikt d er blo13en Nichtbefolgung von Dienst- vorschriften gemã13 Art. 72 MStGB als das ungleich schwerere. Das kommt denn auch deutlich in den gesetzlichen Strafandrohungen zum Ausdruck (Gefãngnis schlechthin einerseits und Gefãngnis bis zu sechs Monaten, bzw. in leichtern Fãllen gar nur disziplinarische Bestrafung, andererseits). Bei Auslandschweizern, die sich durch Nichteinrücken zum Wiederholungskurs der Dienstverweigerung schuldig machen, und die zugleich die Schie13pflicht nicht erfüllen, tritt dieser Gradunterschied der beiden Widerhandl.ungen noch ganz besonders hervor, weil sich hier die Nichterfüllung der Schiel3pflicht gewisserma13en nur als Konsequenz, als Reflexwirkung der J)ienstverweigerung darstellt. Wãre daher in Fãllen der vorliegenden Art eine doppelte Bestrafung überhaupt denkbar, so würde die Nichterfüllung der Schie13pflicht der Dienstverweigerung gegen- über unter allen Umstãnden derart in den Hintergrund treten, daO für

No. 52 - 150 - jene von vornherein nur eine Disziplinierung in Frage kãme. In derar- tigen Fãllen liegt es indessen nahe, nicht eine Doppelbestrafung (krimi- nelle einerseits un d disziplinarische andererseits) vorzunehmen, sondern vielmehr den Disziplinarfehler als durch das kriminelle Vorgehen konsu- miert zu erachten, in dem Sinne, daf3 die Handlungen, die für sich allein betrachtet mit einer Disziplinarstrafe geahndet werden mü13ten, in Ver- bindung mit einem gerichtlich strafbaren Verbrechen e d er V ergehen lediglich als ein Moment, das bei der Zumessung der kriminellen Strafe zu berücksichtigen ist, aufgefaf3t werden (vgl. Art. 44 MStGB und dazu den Entscheid des MKG in Sachen F. vom 12. Dezember 1929)1• In Anwendung dieser Grundsãtze auf den vorliegenden Fali kãme man auch beim Vorliegen einer konkurrierenden Nichterfüllung der Schie13pflicht wegen der Geringfügigkeit einer solchen Verfehlung im Verhãltnis zu der Dienstverweigerung nicht zu einer andern Bestrafung. Aber auch n ur eine besondere Schuldigerklãrung eines solchen Disziplinar- fehlers wegen kãme nicht in Frage, weil nach der skizzierten Praxis des MK G in derartigen Fãllen das disziplinarische V ergehen al s selbstãndiger Straftatbestand wegfãllt (vgl. wiederum den zit. Entscheid in Sachen F.). (2. Juli 1934, Auditor e. D.G. 5a in Sachen Siegenthaler.) 52. Dienstpflichtige unterstehen auHerbalb des Dienstes nach 1\~IStG At·t. 2, Ziff. 4 dann flem 1\lilitãrstrafrecht, wenn sie sich Vergel1et1 zuschuld•~n){otnnlen lassen, die im Zusaminenhang stehen mit den besonderen Pflichten, die aus ibren Beziehungen zur Armee resultieren. Dies ist z. B. dann der Fali, liVenn sie unter besonderer Betotlung il1ret· militãrischen Stellung Handlungen be- gelien, die de11 Tatbestand des Art. 99 MStG erfüllen (Et·w. A). - Auslegung des Art. 99 1\IStG (Untergrabung der militãrischen Disziplin) (E1·w. B). Les personnes astreintes au service personnel sont, même hors du set·vice, soumises au d1·oit pénal militaire lot'Sftu'elles se rendent coupables de délits en rapport avec les devoit·s particuliers f{Ui découlent de leur appartenance à l'a1·mée. Tel est le cas, par ex., des personnes astreintes au service ftui, en faisant spéciale- ment état de leu1· situation n1ilitaire, commettent des actes tombant so us le coup de l'art. 99 CPM (cons. A). - Intei·prétation de l'art. 99 CPM (menées contre la discipline militaire) (cons. B). 1 Oben Nr. 16.