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MKGE 1 Nr. 98

MKGE 1 Nr. 98 — Truog e. D. G. 6 b.

Mkg · 1919-05-03 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 98

168

ni eh t rechtskraftig. D er V ollzug ist erst dann mõglich, w en n d er Ver-

urteilte, d er si eh gestellt hat o d er ergriffen wurde, ni eh t di e N eubeurtei-

lung verlangt. Sein einfaches Begehren genügt dann zur Aufhebung

des Urteils, ohne dass hierzu irgendwelehe Begründung nõtig wãre

(Art. 167 MStGO). -. Der Vermerk des Grossrichters, dass mangels eines

Kassationsgesuches das Urteil in Rechtskraft erw-achsen sei, ist also irr-

tümlich. -

Da kein rechtskraftiges Urteil vorliegt, so ist auch eine

Revision ausgeschlossen (vgl. Stooss, Kommentar, 180). -

Dagegen hat

das Divisionsgericht, bei dem das Gesuch eingereicht wurde, zu prüfen,

ob nicht die Voraussetzungen des Art. 5 der Verordnung vom 30. No-

vember 1917 (betreffend Verfolgung nicht Eingerückter) erfüllt sind.

(3. Mai 1919, Truog e. D. G. 6 b.)

98.

Die erfolglose Aufwiegelnng oder Verabredung zu einem Auf-

ruhr ist au eh dann Meuterei (l\IStGB Art. 58 un d 59), wenn sicl1

der Vorsatz des Taters nicht auf bestimmte Tt·uppen, sondern nur

auf bestimmte Handlungen bezieht.

L'instigation infructueuse à la révolte ou l'entente infructueuse

en vue d'une révolte constituent une mutinerie (CPM art. 58 et 59)

aussi Iorsque l'intention de l'auteur était de pt·ovoquer certains

actes déterminés sans s'adresser à des troupes particulieres plutôt

qu'à d'autres.

11 provocare o concerta1·e i11fruttuosamente una rivolta costi-

tuisce sedizione (art. 58 e 59 de! CPl\1) an eh e quando il colpevole

aveva l'intenzione di provocare determinati atti pur senza rivolget·si

a determinate truppe.

C .... Ei n direkter Vorsatz, Soldaten z u schweren Dienstverletzungen~

zur Insubordination u. dgl. aufzureizen, kann auch dann gegeben sein,

wenn der Tater sich von der militarischen Einteilung der Soldaten, die

er beeinflussen will, nicht von vornherein eine bestünmte Vorstellung

gemacht hat. Der Vorsatz braucht sich überhaupt nicht, wie der Ver-

teidiger von L. und H. anzunehmen scheint, auf bestimmte Truppen

zu beziehen, sondern nur auf eine bestiminte 1--Iandlung. Dass die Ange-

klagten Soldaten zu den in Art. 59 genannten Verbrechen anstiften

wollten, ist Tatfrage und ergibt sich übrigens ohne weiteres aus dem Wort-

laut des Flugblattes. Die entgegenstehende Behauptung ist in keiner

Weise belegt worden.

(3. Mai 1919, Herzog und Mithafte e. T. G. 5.)