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MKGE 1 Nr. 92

MKGE 1 Nr. 92 — Müller u. Kons. e. T. G. 4.

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163 No. 92 Tãter das von ihm verletzte positive Gesetz nach den Umstanden des Falles gekannt haben müsse. - Es wãre vor allem in eine1n l-fall váe dem vorliegenden nicht einzusehen, was die Pron1ulgationsvorschriften mit der > zu tun haben, da ja eine bewusste und organisierte ... .\..uflehnung gegen die bestehende Rechtsordnung zu einer ganzen Reihe von Handlungen ge- führt hat, dere n Strafbarkeit keinen1 d er Beteiligten verborgen sein konnte, und diese Auflehnung selber die vo1n Gesetzgeber angeordnete intensive Bekannt1nachung der Verordnung teilweise gestõrt hat. - Die Auffas- sung der Verteidigung n1üsste zu der schon ethisch untnõglichen Konse- quenz führen, dass die gewaltsa1ne Sperrung einer Druckerei genügen würde, um selbst die an1 Gewaltakt Beteiligten dem Gesetze zu entziehen, dessen V erõffentlichung si e rechtswidrig verhindert hãtten. E s ist aber juristisch undenkbar, dass eine Rechtsverletzung solche den Tãter begünstigende Rechtsfolgen haben kann. ~ Das Kassationsbegehren stellt sich also unter jede1n Inõglichen rechtlichen Gesichtspunkt a1s unbe- gründet dar. (8. Marz 1919, Müller u. Kons. e. T. G. 4.) 92. Die i\no1·dnung der Voruntersuchung durch eine unzustandige Behõrde ist nacll 1\tiSt G O A1·t. 182 durcl1 e ine Beschlvei·de, ni eh t aui d em Kassationslvege, anzufechten. Di e Teri·itorialkommandantcn sind befugt, den Tei·ritoi·ialgerichten den Befehl zur Voruntersu- cllung zu erteilen. L'ordonnance d'enquête rendue par une autorité ineompé- tente doit être attaquée par le reeours à l'au(liteur en chef de l'art. 182 OJM, et non par un 1·ecours en cassation. Les commandants d'ar ..... rondissements territoriaux sont compétents pour saisir les tribunaux te1·ritoriaux par une ordonnauce d'enquête. Un ordine d'inchiesta emanato da un' autorità incompetente puõ formare oggetto di I·ico1·so all'uditore in capo (art. 182 della O GM) ma no n di un 1·icorso in cassazione. I comandanti terri- toriali sono competenti a(l emana1·e ot·dini d'inchiesta 11er i tribu- nali territoriali. B. Die Verletzung wesentlicher Vorschriften über das Verfahren liegt nach Auffassung des Rekurrenten zunachst darin, dass eine nicht zustãndige Stelle (Territorialkommando statt schweizerisches Militãr- departenlent) die Vóruntersuchung befohlen habe.- Abgesehe~ von der Frage, o b darin di e V erletzung einer wesentlichen prozessüalen Vorschrift

No. 93 164 (eine Verletzung, die auf das Urteil einwirken konnte), erblickt werden dürfe, ist dieser Einwand schon deshalb hinfallig, weil der gerügte Mangel nicht das Verfahren vor dem Divisionsgericht, sondern einen Akt der Prozesseinleitung betrifft. Das Eintreten des Untersuchungsrichters auf de n Voruntersuchungsbefehl einer unzustandigen Stelle ist durch Besch,verde nach Art. 182 MStGO, nicht auf dem Kassationswege anzufechten (vgl. Stooss, Kommentar, 168 un d 157, und die dort angeführte Rechtsprechung, MKG in Sachen Tockus und Imhof, vom 19. Juli 1918) 1).- Der Einwand ist aber auch materiell võllig haltlos. Die Zustandigkeit des Territorial- kommandos 4 zur Erteilung des Befehls ergibt sich daraus, dass die Territorialko1nmandanten als Organe des schweizerischen lVIilitardepar- tements für die Funktionen des Territorialdienstes erscheinen (MO Art. 58 un d 211); Ar t. 6 d er V erordn un g über de n Territorialdienst vom

4. Marz 1892 bezeichnet sie ausdrücklich als Vertreter des schweizerischen Militardeparte1nents und 'veist ihnen die I-Iandhabung der militarischen Ordnung iln vollen Umfange für ihre Kreisgebiete zu; ihnen ist dort di e hõchste Polizeigewalt übertragen un d ihnen ist ein Ersatzgericht (das Terri- torialgericht) zugeteilt. Daraus ergibt sich ohne weiteres, dass die 'rerri- torialkommandanten kompetent sind, den Befehl zur Voruntersuchung an di e Territorialgerichte zu erteilen, wie si e j a au eh Befehle zu vorlaufigen Beweisaufnahmen gemass Art. 108 lVIStGO zu erteilen haben (vgl. die vo1n Arineeauditorat erlassenen Verzeichnisse vo1n 22. Marz 1916 usw.). So die konstante Praxis seit der Mobilisation. (2. April 1919, Küng e. T. G. 4.) 93. Die Meuterei (MStGB Art. 58/59) ist ein 1\lassendelikt. La mutinerie (art. 5.8 j59 CPM) est un délit collectif. IAa sedizione (art. 58 e 59 dcl CPl\1) e un delitto collettivo. A. N a eh d en J~'eststellungen des Divisionsgerichts beschr~inkt si eh der erste eingeklagte Vorfall darauf~ dass I. in1 Gesprach mit einem Füsilier, den er zu diesem z,vecke an einen Tisch gerufen hatte, der l\1ei- nung Ausdruck gab, die Soldaten sollten sich ... zu Soldatenraten zu- sammenschliessen usw ... - \Vie das MKG festgestellt hat, ist die Meuterei ein sogenanntes Massendelikt; das ergibt sich aus Art. 58 MStG (Auf- wiegelung oder Verabredung zu Aufruhr). Im gleichen Sin n ist auch Art. 59 MStG aufzufassen: der Aufwiegler muss sich an melzrere Personen wenden (MKG in Sachen Dammann vom 28. Oktober l 914) 2). - Die tats~i.chlichen

1) O ben No. 81. -

2) Z. 27, S. 379.