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13 No. 9 von ihrer Zweckbestimmung kein Rechtsgut, dessen Verletzung ein > im Sinne des Art.· 153 lVIStG 'vare. Es ist nun wohl mõglich, di e Kontrollvorschriften in einer W eise z u übertreten, dass das z u schüt- / zende Rechtsgut selber getroffen vvird; dies vvird namentlich dann der Fall sein, wenn ein Pferd etwa durch falsche Angaben über seinen Stand- ort der Mobilisation entzogen wird. Das trifft aber auf den vorliegenden Fall nicht zu. In keinem Augenblick waren die zustandigen Behõrden im Irrtum darüber, wo das Pferd stehe. Einzig darüber waren sie ge- tauscht, wer der Eigentümer sei; dieser Irrtum war aber für das Recht und die Mõglichkeit des Bundes, über das Pferd zu verfügen, unwesent- 1ich und konnte nur die ordnungsgemasse Führung der Verzeichnisse stõren. Die Verletzung der Schutzvorschriften hat also das zu schützende Rechtsgut ni eh t getroffen un d ka tun gefahrdet; ein Nachteil ist ni eh t entstanden und konnte unter den gegebenen Verhaltnissen auch schwerlich beabsichtigt sein. - Besondere und selbstandige Rechte der Pferdestel- 1ungsoffiziere und der Oberleitung_ des Pferdedepots auf wahrheitsge- treue Angaben d er Pferdebesitzer bestehen ni eh t; si e haben di ese Re eh te n ur als Organe d er Militarverwaltung z ur W ahrung · d er Interessen des B un des; also kann au eh von einem N achteil, d er di ese n Personen er- wachsen ware, nicht gesprochen werden. - Ein Betrug liegt somit nicht vor ... E. Der Angeklagte hat einer Ordnungsvorschrift zuwidergehandelt, sich also eines Ordnungsfehlers schuldig ge1nacht, der eine disziplinarische Beurteilung durch den militarischen Vorgesetzten rechtfertigt ... (9. Dezember 1915, Bodenn1üller e. T. G. 5.) 9. U nkorrektes {lienstliches V erhalten ist ni eh t durcl1 Ausscbluss aus der Armee nach J\110 Art. 16 zu abnden. Das Ve1·fahren bei Anwendung von MO Art. 16 umfasst nur die Hauptve1·handlung und deren Vo1·bereitung (MStGO A1·t. 125 ff.) ~ eine Voi·untel·- suchung findet nicht statt. · Une conduite incorrecte au se1·vice ne doit pas être punie de l'exclusion du service personnel prouoncée en vertu de l'art. 16 loi OM. La procédure tendant à Papplication du dit art. 16 com- llrend seulement des débats devant le tribunal~ précédés des préli- minaires préparatoires de l'audience; il n'y a pas lieu à enquête préalable. La condotta sco1·retta in servizio non e da punire colP esclu- sione dalP armata a norma delP art. 16 della OM. La procedura in applicazione del detto articolo e costituita > (italienischer Text des Art. 16 MO: >. Die franzõsische Ausgabe spricht allerdings von >, 1neint aber auch nichts anderes als die gesàmte Lebensführung). Es lasst sich daher wohl nicht behaupten, dass l\11. lediglich aus Gründen, die de1n Art. 16 l\10 fren1,d seien, aus der Armee ausgeschlossen wurde. :B:. Grundsatzlich muss auch de1n Wunsche des Arn1eeauditors nach einer auf materieller Wahrheitserforschung beruhenden Untersuchung beigepflichtet vverden, da ein Ausschluss aus der Ar1nee nach Art. 16 l\IIO in der Tat eine so sehwerwiegende Massnahme ist, dass ihre Erledigung nicht in einen1 forinalistisch-sun1marischen Verfahren erfolgen darf und dass na1nentlich .auf die Moglichkeit einer tnnfassenden Verteidigung Bedacht genom1nen werden n1uss. Wenn das Gesetz die l\filitargerichte mit dem Ausschluss _Wehrpflichtiger aus der Ar1nee wegen lJnwürdigkeit betraut, so geschah dies offenbar deshalb, weil ein solcher Entseheid zu tief in die Interessen des Beschuldigten eingreift, als dass er in einer ein- seitigen V erwaltungsn1assnalnne getroffen vverden dürfte. Das Kreis- schreiben des sehvveizerischen lVIilitardeparte1nentes v o ni 17. J anuar 1908, das auf ein einfaches und billiges Verfahren abzielt, ist daher nicht in dem Sinne anzu-vvenden, dass auf eine kontradiktorische Verhandlung oder selbst auf die Erforschung der materiellen Wahrheit verzichtet vverden dürfte. - Das würde sehon der Bundesratsbeschluss vo1n 2. De- zemher 1907 betreffend den Vollzug des Bundesgesetzes vom 12. April 1907 über die l\Iilitarorganisation nicht erlauben. In Art. 4 dieses Be- schlusses ist gesagt: > Es gelten also die Bestün1nungen über di e notwendige V erteidigung, di e Beweiserganzung von A1ntes vvegen un d di e U rteilsfallung na eh de r frei en Überzeugung des Gerichts (Art. 126, 129, 136, 138, 139, 158 us"r· MStGO) uneingeschrankt auch für die Behandlung der Falle von Art. 16 l\110. F. So gut aber das l{reisschreiben des schweizerischen lVIilitar- cleparteinentes den1 Bundesratsbeschluss unterstellt ist, n1uss aueh der Bundesratsbesehluss im l-={ahinen des Bundesgesetzes, als Vollziehungs- beschluss, interpretiert werclen. Das i s t, au eh ohne de1n W ortlaut des Bundesratsbesehlusses Gewalt anzutun und gegen seinen Sinn zu ver- \
15 stossen, durchaus 1nõglich. Hier ist der Punkt; wo das Kassations- gericht der Auffassung des Armeeauditors nicht folgen kann. - Nach Art. 16 1\iO wird das Verfahren eingeleitet durch Vberweisung des Be- schuldigten an das M ilitiirgericht un d kan n n ur erledigt werden durch einen Entscheid des l.VJ ilitiirgerichts (>, >). Damit ist aber das Stadium der Voruntersuchung von vornherein übersprungen; denn di e Vorunter- suchung > (Art. 114- MStGQ). Die Frage, die durch die Voruntersuchung zu beantworten ware, "\vird in d en Fali en des Art. 16 MO also überhaupt nicht gestellt; das urteilende Gericht wird von vornherein 1nit der Sache befasst, eine Erledigung des V erfahrens d ur eh eine prozessuale V erfügung (Beschluss des Oberauditors, der Sache keine weitere Folge geben, Art. 122, Abs. 2 und 3, MStGO) ist ausgeschlossen, und ein Beschluss des Auditors, den Beschuldigten an das 1\iilitargericht zu überweisen (Art. 122, Absatz l~ l\1StGO) ist überflüssig, da die Überweisungsverfügung verbindlich durclt das schweizerische l\~1ilitardepartement getroffen ist. - Das V erfahren, das der Vollziehungsbeschluss des Bundesrates im Auge hat, ist also lediglich die Hauptverhandlung und die Vorbereitung der I-1auptver- handlung (Art. 125 ff. lVIStG()), die allerdings infolge des Fehlens einer Voruntersuchung in den Fallen des Art. 16 lVIO eine besondere Bedeutung erlangen kann. Art. 126 lVIStGO bringt es ohne weiteres 1nit sich, dass der Beschuldigte vor Beginn der 1-Iauptverhandlung von der Beschuldi- gung genügend einlassliche Kenntnis erhalten 1uuss, un1 seine Beweis- lnittel bezeichnen zu kõnnen. Art. 129 MStGO ern1õglicht es, die Gegen-· grüncle des Beschuldigten schon ün Vorbereitungsstadiun1 vorlaufig zu prüfen. Dem Grossrichter ist ~s auch anheimgestellt, sich zu den U ntersuchungsmassnahinen, di e er vor Einleitung d er I-Iauptverhandlung für angezeigt era eh tet, des U ntersuchungsrichters zu begienen. --- Eine Voruntersuchung im Sinne cler MStGO aber ist durch 'das Gesetz aus- gesGhlossen (l\iilitarkassationsgericht in Saehen Villiger vom 4. Juni 1913, Z. 27, S. 186) ... (9. Dezember 1915, Meier e. D. G. 4.) lO. Das l\IKG l1at nicbt reiu theorctiscbe Fragen Zll begutachten. I..4e tribunal militaire de cassation n"a pas à se }lrouoncer sur des questions purement théoriqttes. Il tribunale militare di cassazione non }lUÕ pronunciarsi sop1·a ftuistioni puramente teo1·icbe.