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151 No. 88 stellen. Das ist nichtgeschehen, -das Gericht hat wie der Auditor den Ent- scheid in einer unerheblichen Erõrterung über den Versuch der Anstif- tung zur Meuterei gesucht. -. Es- fragt sicb, o b bei dem UrJeil, das nach Art. 194 MStGO vom Kassationsgericht selbst neu gefallt werden muss, darauf Rücksicht zu nehmen ist. - Die Veranderung des rechtlichen ·Gesichtspunktes ist nur dann zulassig, wenn der Angeklagte Gelegenheit · l1at, ·si eh· über di e vom Gericht in· Betracht gezogenen, in d er Anklage- schrift nicht erwahnten Strafbestimmungen zu aussern. Darin liegt eine Garantie der Verteidigung dafür, dass der· Fali nicht nach Schluss des }{oJitradiktorischen Verfahrens auf eine. andere Grundlage gestellt werde. Diese Garantie ist name:r:Itlich dann von Bedeutung, wenn, wie im vorliegenden Fali, die urteilende In.stanz die eingeklagte Handlung schwerer qualifiziert, als wie es der Anklager getan hat. Das Kassations- gericht kann die formelle Vorschrift des Art. 160, Abs. 2, MStGO nicht übersehen, da es selbst ein Urteil kassieren 1nüsste, das auf der Nicht- beachtung dieser Bestimmung beruhte. E. Es kann aber ebensowenig dem Angeklagten selber Gelegenheit zur Erõrterung der neuen Rechtslage geben. Die formellen Vorschriften über das Kassationsverfahren lassen eine soiche nachtragliche Erganzung d er Parteivortrage ni eh t zu. N o eh weniger lasst si eh di e Anklage erganzen; das Kassationsgericht kann n ur gestützt auf das Prozessn1aterial urteilen, wie es der ersten Instanz vorlag. Ausgeschlossen ist ferner eine Rückweisung an das Territorialgericht gemass Art. 196 MStGO, da hier lediglich ein materieller, nicht ein prozes- sualer Kassationsgruí1d in Frage steht, also gleichzeitig mit der Kassation
- > gefallt werden muss (Art. 194 lVI StGO). Das dem Gesetz entsprechende Urteil, d. h. der materiellrechtlich zutreffende Entscheid, kann aber nicht gefallt werden ohne Verletzung der in Art. 160, Abs. 2, MStGO geschützten Rechte der Verteidigung. So bleibt nichts übrig, als den Angeklagten mangels einer genü- genden Anklage freizusprechen. Unter diesen Umstanden erübrigt es sich auch, irn einzelnen festzustellen, welche Handlungen des Angeklàgten als grundsatzlich strafbar anzusehen und ob sie unter Art. 58 oder Art. 59 1\1StG zu subsumieren sind. (10. Januar 1919, Auditor e. 'r. G. 5 i. S. Arnold.) 88. Verl1altnis von Platzkommando uud Gemeinderat: das Platz- kommando kann de:t;n Gemeinderat mit Bezug auf seine Pflichten bei d er Mobilmacbung verbindliche W eisungen erteilen. Di e Straf- barkeit der Mitglieder der Mehrheit eines Gemeinderates für Zu-
No. 88 152 - widerhandlung gegeilüber e in em Befehl (Art. 6, Abs. 1, d er Ver- ·ordnung betreffend Strafbestimmungen für den Kriegszustand vom 6. August 1914) wird nieht dadureh ausgesehlossen, dass Mitglieder der Minderhett der-Behorde ·den Befehl tatsãehlieh doeh durehführen. Rapports entre le eommandant de plaee et le eonseil municipal: le eommandant de plaee peut donner au eonseil munieipal des. ordres relatifs à ses obligations lors de la mobilisation. Les membres. de la majorité d'un eonseil munieipal peuvent être punis pour ré- sistanee à un ordre (art. 6 de l'ordonnanee du 6 aoftt 1914 sur les. dispositions pénales pour l'état de guerre), alors même que eet ordre à été effectivement exéeuté par des membres de la minorité· du conseil. Rapporti fra il eomandante di piazza e la munieipalità. li eomandante di piazza puõ dare degli ordini al munieipio, relativi ai suoi obblighi in easo di mobilitazione. I membri della maggio- ranza di un municipio possono essere puniti per resistenza ad un ordine (art. 6 dell'ordinanza del 6 agosto 1914 relativa alle disposi- zioni penali per lo stato di guerra) anche se di fatto tale ordine sia stato eseguito dalla minora.nza della municipalità. D. Die Kassationsbeschwerde wendet ein, es liege überhaupt kein Befehl vor, das Platzkommando kõnne als militãrische dem Gemeinde- rat als einer bürgerlichen Behõrde nicht befehlen. · Wollte man sich auch auf diesen Standpunkt stellen, so kãme immer noch eine Widerhandlung gegen eine õffentlich bekannt gemachte Ver- ordnung des Bundesrates in Frage, ebenJalls gemãss Art. 6 der zitierten Verordnung. Es ist aber auch nicht richtig, dass kein Befehl im Sinne des Art. 6 vorliege. Freilich ist der Gemeinderat nicht schlechtweg der Befehls- gewalt des Platzkommandos unterstellt. Der Inhalt dieser Kompetenz ergibt sich aber aus der Stellung beider Instanzen als amtlicher Hilfs~ organe für die Mobilisation, aus der sich ohne weiteres zeigt, dass das Platzkommando den betreffenden Gemeinderãten in bezug auf Unter- kunft und Verpflegung, insbesondere in bezug auf den Zeitpunkt dieser Massnahmen verbindliche Weisungen zu geben hat· (Art. 45 KMobV in Verbindung mit Art. 6 der VO vom 6. August 1914). Diese Weisungen enthalten übrigens nichts als die Weiterleitung und pflichtgemãsse Aus- führung des Mobilisalionsbefehls, so dass der Ungehorsam sich im Effekt gegen eine Stelle richtet, der sich der Gemeinderat unter keinen Umstanden koordiniert fühlen kõnnte.