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11 • No. 8 · ·einander, dass es unmõglich ist, mit diesen Benennungen wesensver- schiedene Tatbestande festzuhalten. So braucht der deutsche Text als Gesa1ntbezeichnung für alle Ehrdelikte in der Überschrift des XI. Titels den Ausdruck >, im 2. Absatz des Art. 162 dagegen den Ausdruck >. Beide Kollektivbenennungen er- . scheinen aber auch als Bezeichnung für die Unterarten: die Ehrver- letzung als ponales Delikt - aber nur die > Ehrverletzung - die Beschimpfung als Orclnungsfehler- aber nur die > Beschünp- fung. Die Korrelate > und <<grobere Beschünp- fung>> fehlen; das Gesetz identifiziert also di e geringe Ehrverletzung Ini t -der geringen Beschimpfung und die grõhere Beschimpftzng 1nit der grõbern Ehrverletzung; es braucht verschiedene Bezeichnungen für de n gleichen Rechtsbegriff und unterscheidet trotz seine1n reichen \Vorterschatz tatsachlich nur leichtere und schwerere Falle strafbarer Handlungen gegen di e I~hre. - Z u m gleichen Ergebnis führt di e Prüfung de r franzõsi- schen und der italienischen Ausgabe des Gesetzes. Da-qüt ist aber das Schicksal d er Kassationsbeschwerde entschieden .. Di e U nterscheidung der Tatbestande des l. und des 2. Satzes des Art. 162 lVIStG ist eine Frage nicht der rechtlichen Qualifikation, sondern bloss der Schwere der eingeklagten J~Iandlung, also eine Frage, die das Territorialgericht end- :gültig beant\vortet hat... · (22. Nove1nber 1915, Auditor e. T'. G. 5 i. S. Buchn1ann.) Unte1· Haudlungen an Sacl1en, wclcbe der Armee dienen (1\IStGO, Art. 1, Ziff. 8), verstel1t das Gesetz IIandlunge:n, \velcl1e .sich auf solcl1e Sachen bezieheu.. Pil{ettpferde fallen UJlter diesen Begt·iff. Nicbt jede absicl1tliche Verletzung einer Pflicl1t zu \vahr- lu~itsgetreuen Angaben ist ein Betrug im Sinne des 1\IIStGB. Par Pexpressio:n «délit ... concernant <les choses destinées à son usage», Part. 1, ll 0 8, OJl\1 eutend tout délit commis à propos d'une chose destinée à l'usage de l'armée, comme un cbeval mis de piquet, par exemple. Chaf1ue violatio,n intentionnelle du devoir de véracité ne constitue pas toujours le délit de fraude p1·évu par le CPl\1. P er atti . . . « riguardo a cose - an Sacben - des tina te al- l'tiso dell'armata» (art. 1, 11° 8, OGl\1) s'inten{lono atti ebe l1anno I'ifel'imento a dette cose. Un cavallo messo di piccbetto entra in
1) Sachverhalt und Urteil des T. G. in der San1n1lung von Ent- scheiden der Militargerichte 1914-1916, S. 75.
12 questa categot·ia di cose. Non ogni volontat~ia violazione del dovere di dare fedeli indicazioni costituisce ft·ode nel senso del CPM. A. Der KassationskHiger behauptet, es stehe keine strafbare Hand-· lung in Frage, die an der Sache, welche der Armee dient, begangen worden sei; er g eh t also von d er Auffassung aus, das s di e Handlung, tun di e Zustandigkeit der Militargerichte zu begründen, in irgendeiner Weise die kõrperliche Substanz der Sache berühren 1nüsse. Diese enge und offenbar zweckwidrige Auffassung wird widerlegt durch eine \T ergleichung der Gesetzestexte. Die deutsche Fassung der Ziff. 8 des Art. l MStGO: > kõnnte, rein sprachlich g e-· nommen, mit der Auslegung des Kassationsklagers in Einklang ge- bracht werden, ni eh t aber d er franz.õsische Text: <<un délit ... concernanf des choses ... >> un d der italienische: >. D ar- aus geht hervor, dass die behauptete strafbare Handlung (in Kriegs- · zeiten) im1ner 0 dann die Zustandigkeit der Militargerichte begründet,. 'venn sie sich auf Sachen bezieht, die der Armee dienen. Pikettpferde sind Sachen, die der .A.rmee dienen (vgl. Militarkassationsgericht in Sachen Müller, lJrteil vom 17. November 1914). Auf ein solches Pikett- pferd bezieht sich die eingeklagte IIandlung. Damit ist die l(ompetenz. d er Militargerichte gegeben ... B ... Dagegen ist da1nit, dass das Territorialgericht eine Schadigung von Rechten Dritter als erwiesen angenon1men hat, die Angelegenheit lür das Kassationsgericht ni eh t erledigt; denn in einer solchen Annah1ne liegt nicht nur eine tatsachliche Feststellung, sondern auch ein juristi- sches Urteil (Zuerkennung von Rechten an Dritte). Darüber hinaus. vVird VOlU 1'erritorialgericht erklart, dass die V erletzung der erwahnten > als Nachteil im Sinne des Art. 153 zu betrachten sei. Diese Auffassung ist angefochten und damit der Betrugsbegriff selber in die Kontroverse gestellt, also eine Rechts- und nicht eine blosse Tat- frage aufgeworfen worden. D. Fraglich ist dagegen, ob die Tauschung vorgenom1nen wurde >, also in der Schadigungsabsicht~ die zu1n Vorsatz des Betruges gehõrt. Dass die verletzten Rechte auch an dere als V ermõgensrechte sein kõnnen, hat das Kassationsgericht ün erwahnten Urteil in Sachen 1\![ üller ausgeführt. D ami t ist aber ni eh t gesagt, dass jede absichtliche Verletzung einer Pflicht zu wahrheits- getreuen Angaben ein Betrug im Sinne des MStG sei. - Das Territorial- gericht hat tatsachlich n ur festgestellt, das s B. di e· Kontrollvorschriften für Pikettpferde umgehen wollte. Diese Vorschriften sind eine Schutz- lnassnahme zur Sicherung d er V erfügungsgewalt des B un des über di e Pikettpferde; in diese1n Zweck erschõpft si eh das rechtliche Interesse an d er Kontrolle; di e Kontrollvorschriften sin d also an si eh un d losgelõst