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MKGE 1 Nr. 73

MKGE 1 Nr. 73 — Spring e. T. G. 5.

Mkg · 1918-02-20 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 73 114 - Unterschied zu derjenigen l{õrperverl_etzung, die sich als l\1isshandlung im engern Sinne darstellt, hier allerdings vorhanden ist, liegt auch - und vor allem - di e V erletzung eines Einzelnen vor, d er in sein er Gesundheit geschützt werden 'soll. ·.Die Ansteckung durch Geschlechtskrankheiten ist denn auch z. B. in der deutschen Praxis auf Grund einer ahnlich weiten Fassung des gesetzlichen Begriffes der Kõrperverletzung verschieclentlich als solche bestraft worden, und sie scheint von der Expertenkommission des V orentwurfes zum Schweizerischen Strafges.etzbuche, d er in gleicher Weise als Kõrperverletzung die Gesundheitsschadigung schlechthin unter Strafe stellt, ebenfalls clarin begriffen zu werden (vgl. Protokoll~ Bel. 2, S. 258, Votum Planta, und S. 260, Votum Reichel). (20. Februar 1918, Rohrer e. T. G. 4.) 73. Auch derjenige Zeuge, der mit der Absicht, selbst der Straf-· vei~iolgung zu entgehen, ialsches Zeugnis ablegt, ist nach MStGB Art. 159 strafbar. Di e Strafbarlíeit des ialschen Zeugnisses ist in diesem Fali weder durch MStGO Art. 87 (Recht der Zeugnis- verweigei~ung) noch durch MStGB Art. 31 (Notwel1r) ausgeschlossen •. L'art. 159 CPM est applicable aussi au témoin qui fait un faux témoignage pour se soustraire Iui-même à des poursuites pénales .. Dans ce cas ni l'ai~t. 87 OJM (droit du témoin de refuser de déposer),, ni l'ai~t. 31 CPM (légitime défense), ne suppriment le caractere délictueux au faux témoignage. E punibile secondo l'art. 159 del CPl\11 ancl1e quel testimonio C}le depone il falso per sottrarre se stesso ad una procedura penalee. N o n os tan o alia punibilità di questa falsa testimonianza ne l'art. 87 dell'OGM (diritto del testimonio di rifiutarsi a deporre) ne l'art. 31 del CPM (legittima difesa). Art. 87 M S t GO schliesst das Zeugnis einer Person über Tatsachen,. die ihre strafrechtliche Verfolgung rechtfertigen, nicht aus, sondern gibt ihr lediglich die Berechtigung, das Zeugnis zu verweigern, wenn sie clen Weigerungsgrund glaubhaft macht, vrobei es den1 Gericht überlassen ist, denselben nach freie1n Ermessen zu würdigen und gegebenenfalls. die Befreiung auszusprechen. lVIacht cler zun1 Zeugnis Berufene von diesem Rechte nicht Gebrauch, so liegt in seiner .A.ussage ohne Rücksicht auf deren Inhalt ein formgültiges gerichtliches Zeugnis. Es besteht keine gesetzliche Bestünn1ung, die gestatten würde, der Aussage hin- sichtlich solcher 1'atsachen, cleren Kenntnisgabe für den Zeugen die er- \vahnte nachteilige Folge haben· kõnnte, einen andern, beispielsweise,

115 Na.. 74 bloss infor1natorischen Charakter beizulegen, oder sie gar,. wie der Kassa- tionskHiger tut, der Aussage des Angeschuldigten gleichzustellen. In- folgedessen untersteht der .A.ussagende auch insoweit der Wahrheits- pflicht gen1ass Art. 90 lVÍStGO, bei deren Verletzung er sich der Ablegung falscheh Zeugnissés im Sinne de·s Art. 159 MStG schuldig macht. --- Frei- lich ware es denkbar, dass, in Anbetracht der besondern Lage, in der sich der Zeuge befindet, dessen wahrheitsgen1asse Aussage ihn der Straf- verfolgung · aussetzen 1nüsste, d er àber au eh d en vVeigerungsgrund ni eh t ohne dieses Risiko glaubhaft machen kann, der in1merhin begreifliche Ausweg, die Wahrheit durch falsche Aussage zu verhein1lichen, straflos erkHirt würde. Es gibt denn au eh Gesetzgebungen, di e dies getan haben:

z. B. die italienische und die tessinische, die in solchern Falle sogar den lVIeineid ungestraft lassen (~;\rt. 125 eod. pen. bzw. 187 cod. pen.). Allein dies kann n ur dureh ausdrücklichen \T orbehalt im Gesetz geschehen, der ün l\1StG fehlt. Niangels eines Vorbehaltes ist die auf das falsche Zeugnis gesetzte Strafe au eh gegen di ese A ussagen gerichtet, da e s si eh, wie gesagt, auch in solche1n Falle um ein for1ngültiges gericbJliches Zeugnis handelt. - Es geht auch nicht an, die auf Grund des Art. 159 bestehende Str~f­ harkeit des Zeugen, der zur Abwendung der ihm bei wahrheitsgernasser 1-\ussage drohenden Gefahr z ur falschen Aussage Zuflucht nimmt, gestützt auf Art. 31 l\IStG· wegen Notstandes auszuschliessen. Denn wenn das Gesetz den1 Zeugen di e lVIõglichkeit d er Zeugnisverweigerung ausdrücklich offenHisst, so verschliesst es ih1n implicite jeden andern Ausweg, und so- fern die Zeugnisverweigerung unter Glaubhaftrnachung des Weigerungs- grundes sein en Interessen ni eh t in vollkom1nener W eis e z u dienen ge- eignet i s t, will es dieselben nicht schützen. D er N otstand, d er zur Straf- losigkeit führt, setzt aber ein bereehtigtes Interesse des Taters für sein I-Iandeln voraus. (20. Februar 1918, Spring e. T. G. 5.) 74. Das Divisionsgeriel1t entscheidet f1·ei dai'Über, ob es einem An- ti'ag des Auditors aui Untei'bi'echung oder Vertagung der Verhand- Iung (MStGO A1lt. 154, Abs. 2) entspi'echen will~ Es bedeutet eine Verletzung des Sti'afgesetzes, wenn bei gleichzeitiger Bestraiung n1ehrerer Delilite desselben Tatei'S als Gesamtstrafe nur die l\lini- Inalstraie des schwei'Sten diesei' Delilite ausgesprochen wird (MStGB AI·t. 34). Le tribunal de division décide libi'ement s'il doit être fait droit à une requête d'interruption ou d'ajournement des débats pré- sentée par l'auditeur (OJM· art. 154, al. 11). 11 y a violation de la loi pénale Iorsqu'un t1·ibunal reconnait par 11n seul jugement un