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MKGE 1 Nr. 72

MKGE 1 Nr. 72 — Auditor e. D. G. 2b i. S. Daumüller und Mamie.

Mkg · 1918-02-20 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

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No. 72

der Grenztruppen gehõre, von der Anklage auf Anstiftung ebenfalls

freizuspreehen ...

(20. Februar 1918, Auditor e. D. G. 2b i. S. Daumüller und Mamie.)

72.

Die Ansteekung mit einer Gesehleehtskrankheit ist als fahr-

lassige Korperverletzung strafbar. MStGB Art. 115, 109.

La communication d'une maladie vénérienne est punissable

comme lésion eorporelle par imprudence ou négligence (CPM

at·t. 115, 109).

· La comunieazione di una malattia venerea e punibile come

lesione personale eagionata per imprudenza o negligenza (art. 115,

109 CPM).

Obschon die R. wusste, dass sie an einer ansteckenden Ge-

.schlechtskrankheit lili, verleitete sie Soldaten zum Geschlechtsverkehr

mii ihr. Diese erkrankten nachher.

La femme R. inviia des soldais à avoir avec elle des relaiions

.sexuelles, b i en qu'elle se sui atteinte d'un e maladie vénérienne

.coniagieuse. Ces soldats fureni contaminés ensuite de ces rapporis.

La donna R. indusse dei soldati a relazioni carnali con essa

.benche sapesse di avere una malattia venerea contagiosa, che venne

cosi coinunicala ai militi.

Art. 115 MStG (der durch Art. 109 zu erganzen ist) straft als Kõrper-

verletzung die aus Unvorsichtigkeit oder NachHissigkeit, ohne bõse

Absicht verursachte Gesundheitsschadigung. Eine bestimmte Art und

\Veise d er Begehung wird ni eh t vorausgesetzt, di e Schadigung auf irgend-

·eine \Veise wird bestraft. Dass diese weite Fassung nicht auch die An-

steckung durch Geschlechtskrankheiten begreife, lasst sich sch,verlich

.sagen. v'l en n d er Gesetzgeber diesen speziellen Fall d er Gesundheits-

schadigung bei AA.ufstellung der Norm nicht im Auge gehabt haben sollte,

so wird dadurch deren Anwendbarkeit keineswegs ausgeschlossen, denn

wenn er den Tatbestand des Deliktes so weit umschrieb, so tat er dies

doch wohl gerade in der Absicht, mõglichst alle Falle der Kõrperver-

Ietzung und Gesundheitsschadigung, die sich bieten mõchten, darin zu

begreifen. Dass mit Rücksicht auf das 1\ioment der Gemeingefahrlichkeit

die Ansteckung durch Geschlechtskrankheiten ihrem Wesen nach nicht

unter den Begriff der Kõrperverletzung gehõre, sondern als delictun1

sui generis behandelt werden müsse, wie in der Kassationsbeschwerde

a.usgeführt "\Vird, ist unzutreffend. Denn neben diesem Moment, das im

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