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109 No. 71 Le dom1nage à la pro}ll~iété n'est punissable ffUe s'il a été eommis intentionnellen1ent (CPM art. 13, 14, 130). Un danneggiamento alia ptop1·ietà non e punibile se non e ·commesso intenzionalmente (art. 13, l .4 e 130 de l CPM). ~ Art. 13 lVIStG stellt für das lVIilitarstrafrecht das allgemeine Prinzip auf - und Art. 14 "\\riederholt es speziell für die Schadigungsdelikte -, dass die angedrohten Strafen nur da Anwendung finden sollen, wo eine strafbare lfandlung mit rechtswidrigern \T orsatz verübt worden ist, es sei derin das Gegenteil ausdrücklich bestimmt. Diese letztere Ausnahme folgert das Territorialgericht für das Delikt der Eigentumsbeschadigung aus dem in Art. 130 MStG aufgeführten lVIotive des 1\iutwillens, womit zun1 vornherein ein FahrHissigkeitsdelikt ins Auge gefasst sei. Diese Auffassung ist irrtümlich. Denn selbstverstandlich kann auch die vor- satzliche Sachbeschadigung aus lVIutwillen verübt sein, d er V orsatz der Sachbeschadigung das l\1otiv des l\1utwillens in sich schliessen, so dass es nicht notwendig auch auf fahrlassige Begehung zu weisen braucht und mangels einer deutlichen Ausdehnung auf dieselbe gemass Art. 13 und 14lVIStG nur auf vorsatzliche Begehung bezogen "\verden darf. Dass diese allein gemeint ist, geht auch aus dem zweiten Satz des Art. 130 hervor, d er für di e Bestrafung d er anlasslich ei n er Sachbeschadigung erfolgten Totung oder kõrperlichen Schadigung eines l\!Ienschen nur der vorsatzlichen Delikte des l\iordes, des Totschlages und der Gewalttatig- keit gedenkt, und noch deutlicher erhellt es daraus, dass für die Bestra- fung der Eigentuinsbeschadigung auf die Grundsatze über die Be- strafung des (vorsatzlichen) Diebstahlsdeliktes verwiesen "\vird. Sogar di e vorsatzliche Eigentumsbeschadigung soll nicht unter allen U mstanden strafbar sein, sondern nur "\venn sie aus Rache, Bosheit, Mutwillen oder sonst in vviderrechtlicher Weise (unter \velcher clausula generalis in diesem Zusa1nmenhang offenbar nur ahnliche niedrige Motive verstanden sein kõnnen) verübt worden ist. Dies ist der Sinn der Anführung dieser l\1otive. Die Einschrankung hat ihren guten und natürlichen Grund darin, dass der Soldat auch ausser den in Art. 31 MStG aufgezahlten Fallen, namlieh infolge militarischer N'otwendigkeit, fremdes Eigentum vorsatzlich zn beschadigen in die Lage kommen kann und zu beschadigen berechtigt sein 1nuss.- Di e Auslegung des Delikts d er Eigentunlsbeschadi- gung des Art. 130 lVIStG als Vorsatzdelikt führt zu der Freisprechung des Angeklagten in diesem Punkte der Anklage .... (27. Dezember 1917, Barth e. T'. G. 4.) 71. Für die Strafbarkeit der Übertretung eines allgen1einen Dienst- befellls (MStGB Art. 70) ist die tatsachliche Kenntnis des Befehls
No. 71 110 - nicht erfordet·Iieh. Jedoch ist der Befehl nur verbindlich und seine Ubet·tretung nur stt·afbar, wenn er in gehoriget· Weise bekannt ge- macht worden ist, so dass jedermann, an den sich der Befehl richtet, ihn bei Anwendung der gewõhnlichen Aufmet·ksamkeit kennen kann. l\IStGO At·t. 1, Ziff. 10, ist nicht eine reine Kompe-· tenzbestimn1ung, sondern eine Inateriellrechtliehe Not·m, wonach au eh d er V ersuch d er Anstiftung zur Dienstverletzung durch Zivil- personen strafbar ist. Pour qu'une contravention à un ordt·e général de set·vice· soit punissable (CPM att. 70), il n'est pas indispensable que l'att- teur de la contravention ait eu effectivement connaissance de cet ordt·e. L'ordre n'est toutefois obligatoire, et son inobset·vatioil punissable, que s'il a été publié de mani(n·e convenable, de sot·te que tous ceux qu'il concerne aie11t }lU en avoir connaissance en y prêtant l'attention normale. Le chiff. 10 de l'a1·t. 1 OJM n'est pas une pu1·e· disposition de compétence, mais uue regle de d1·oit matét·iel; la tentative par des pet·sonnes civiles d'instigation à la violation des. devoirs du service est done punissable. Perche la contravvenzione ad un ordine genet·ale di servizio sia punibile (CPM art. 70) non e necessario ebe il prevet1uto abbia effettivamente conosciuto tale ordine. L'ot·dine perõ e obbligato1·io e la sua violazione punibile solo se esso venne reso noto in modo adatto, di guisa che ciascuno cui esso concei·ne, abbia potuto aver11e conoscenza face11do uso di u11a noi"nlale attenzione. La cifra 1 O de li' art. 1 dell'O GM 11011 costituisce so lo una disposizione I'elativa alia giurisdizione ma u11a not·ma di diritto materiale, in base alia quale e punibile anche il tentativo da parte di pei·sone civili di stornare dei militari dall'adempimento dei loro doveri. Der Sanitiiissoldai D. vermiitelie auf Anstifien des M., cler in· d er N iihe der Grenze e in en Kaufladen hieli, e in en ausgedehnien Schmuggelverkehr mii deuischen und franzosischen Soldaten jen-· seits der Grenze. Gegen D. wurde Anklage auf Diensiverletzung und gegen M. Anklage auf Ansiifiung zur Dienstverletzung er- hoben. Das Divisionsgericht 2 b sprach bei de frei. Das Kassaiions- begehren des Audiiors wurde abgewiesen. A l'instigation de M., qui exploite un magasin à proximité de la fronii çre, le soldai sanitaire D. s'éiait livré à un trafic de contre- bande assez importani avec des soldats allemands ei français de l'autre côié de la frontiere. D. fui poursuivi pour violation des devoirs du
111 No. 71 service ei M. pout insiigaiion à ce délii. Le tribunal de division 2 b les libéra to us deux; un recours de l'auditeur fui écarté p ar le tribunal de cassation. Il soldato saniiario D. si era dato ad un traffico di contrabbando importante con soldati tedeschi e francesi al di là della frontiera; ciô su istigazione di M. che eserciva un negozio in prossimità del confine. Venne iniziata una procedura perviolazione dei doveri di servizio conlro D. e p er istigazione a questo delitto contro M. ·1z tribunale di divisione 2 b li mandô assolti. I l ricorso in cassazione dell'uditore venne Tespinto. A. Bei der Auslegung des Art. 70 lVIStG ist davon auszugehen, dass > mit > gleichbedeutend ist, dass also nicht etwa ein besonderer Vorsatz für die Begehung der Dienstverletzung erforderlich ist, sondern der rechtswidrige Vorsatz, wie ihn Art. 13 für die Vorsatz-. delikte verlangt, gemeint ist. Ein V ergleich mit d em franzõsischen Text, der > in Art. 70 und > in Art. 13. mit ·übereinstimmenden Ausdrücken wiedergibt (avec intention, intention criminelle), stellt dies ausserZweifel. -·· -Das Divisionsgericht verneint den rechtswidrigen Vorsatz des D. und damit die Anwendbarkeit des Art. 70 aus dem Grunde, weil D. im Zeitpunkte der Zuwiderhandlung gegen den Dienstbefehl, wonach die Grenztruppen den Zollorganen ihre Unter- stützung bei der Bekampfung des Sch1nuggels zu leihen haben, vou demselben keine Kenntnis gehabt habe, 'vahrend es gleichzeitig annim1nt,. dass die Nichtkenntnis der bundesratlichen Ausfuhrverbote die Straf- barkeit .der \rViderhandlung gegen dieselbe nicht ausschliesse. Es 1nacht demnach einen Unterschied zwischen der Rechtskraft der von der kon1-· petenten Behõrde erlassenen Gesetze und \Terordnungen und den Inili- tarischen Dienstbefehlen oder Reglementen. Wahrend es diesen und den sie schützenden ·Strafsanktionen, entsprechend der in \Vissenschaft un d Praxis bestehenden Auffassung, V erbindlichkeit für d en Bürger beimisst ohne Rücksicht darauf, ob er sie kenne oder nicht, macht es. di e V erbindlichkeit j ene r für de n einzelnen von ihre1n Bekanntsein abhangig. In. dieser Allge1neinheit kann die letztere Einschrankung- nicht als richtig anerkannt werden. Es muss vielmehr auch für allge- n1eine Dienstbefehle genügen, dass si e in gehõriger \\r eise bekannt ge- lnacht worden sin d, sei es d ur eh õffentlichen Anschlag, wie z. B. di e Auf- gebote, oder sei es durch Bekanntgabe in den Einheiten a1n Hauptver- lesen o d er in anderer W eis e, di e Gewahr bietet, dass bei Anwendung d er ge,võhnlichen Aufmerksamkeit jeder1nann, an den sich der Befehl wen- det, ihn kennen kann. Und an diese Aufrnerksamkeit wird ein um so strengerer Massstab angelegt "verden dürfen, je naheliegender seinem In- halte nach der Befehl für den pflichtbewussten Soldaten ist.- Solche Be-
No. 71 112 kanntgabe des Befehls vorausgesetzt, begeht der Soldat, der demselben durch vorsatzliche Handlung zuwiderhandelt, eine Dienstverletzung, auch wenn er ihn tatsachlich nicht kennt und er sich der Rechtswidrig- keit seiner Handlung nicht bevvusst ist. Dagegen genügt ohne Bekannt- _gabe auch das Bewusstsein, eine nach den Gesetzen des Landes verbotene Handlung zu begehen, nicht, um die ausserdem damit begangene Zu- widerhandlung gegen de n Dienstbefehl al s V erletzung desselben gemass Art. 70 zu bestrafe.ri, so 'venig als eine strafbare Zuwiderhandlung gegen -ein nicht ordnungsgemãss erlassenes Gesetz denkbar ist. Es kann in solchem Falle hõchstens eine nüt Ordnungsstrafe zu ahndende Verletzung allgen1einer rnilitariseher Pflichten in Frage komrnen, indern der Soldat, \Venn er eine durch die Gesetze des Landes verbotene Handlung begeht, in gewissem Sinne damit stets auch seine militarischen Pflichten, die von ihm als Soldat erwartete I-laltung, verletzt. - Im vorliegenden Falle fehlt es nun naçh den Feststellungen des Divisionsgerichtes an einer solchen gehõrigen Bekanntgabe des Befehls, wegen deren Nichtbefolgung gegen D. Anklage erhoben worden ist. Übrigens ware ausserdem frag- lich, ob 'virklieh ein Befehl zur Bekampfung des Warenverkehrs über die Grenze, wie er nach der Kassationsbeschwerde einzig noch in Frage steht, ausgegeben worden ist . . . (Es wird ausgeführt, dass die beiden angerufenen Erlasse nicht als solehe Befehle angesehen werden kõnnen.) Ist deshalb der Angeklagte D. für die durch die \Varenausfuhr begangene Zuwiderhandlung gegen d en Befehl vom 26. J anuar 1917 ni eh t wegen Dienstverletzung strafbar, so entfallt damit nicht ohne vveiteres - wie das l)ivisionsgerieht annimmt - auch die l\1õglichkeit zur Bestrafung des wegen Anstiftung zu dieser Warenausfuhr mitangeklagten l\L Denn da dieser als Zivilperson gehandelt hat, trifft auf ihn Ziff. 10 von Art. 1 MStc;o zu, die im Sinne der Ausführungen des Armeeauditors nicht als reine Kompetenzbestimrnung aufzufassen ist, sondern als eine materiell- rechtliche N orn1, auf Grund welcher eine Zivilperson, di e lVIilitarpersonen zur Verletzung wichtiger militarischer Obliegenheiten auch nur zu ver- leiten suchl, al s Anstifter zu bestrafen ist. E s bedarf dernnach d er Z u- widerhandlung der lVIilitarperson gegen ihre militarischen Obliegenheiten und der Verurteilung derselben wegen dieser zu,viderhandlungen nicht, um den Anstifter zu bestrafen, sondern dieser ist für die Anstiftung, ohne l{ücksicht auf ihren Erfolg, selbstandig strafbar. Allein da es sich bei der Verletzung wichtiger militarischer Obliegenheiten im Sinne von Ziff. 10 um Dienstverletzungen, die als Verbrechen strafbar sind, han- deln muss, nach dern über den Charakter des Befehles vom 26. Januar 1917 Ausgeführten eine solche verbrecherische Dienstverletzung durch Begehung des Ausfuhrschmuggels aber nicht in Frage kon1n1en kann, so ist l\L, trotzdem er sich im Gegensatz zu D. zweifellos bewusst war, dass di e \r erhinderung d er Warenausfuhr rnit z u d en Obliegenheiten