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MKGE 1 Nr. 69

MKGE 1 Nr. 69

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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 69 106 Hauptverhandlung vom Grossrichter abgelehnt worden sind, steht dem Gericht na eh Art. 130 di e endgültige Entscheidung zu. Eine > im Sin ne des Kassa tionsgrundes von Art. 188, Ziff. 6, kann also in der Abweisung eines Beweisantrages jeden- falls dann nicht liegen, wenn die Erheblichkeit des Antrages so ausser- ordentlich fraglich erscheint wie im vorliegenden Falle, steht doch selbst di e Existenz des einen Beweismittels, auf das di e V erteidigung verweist,. ni eh t ausser Zweifel. Au eh befand si eh das Gericht · einem Gestandnis gegenüber, für dessen Widerruf keine ernsthaften Gründe angeführt werden konnten. - Der Beweisantrag hatte vor der Hanptverhandlúng, ·er hatte noch zu Beginn der Verhandlung gestützt auf Art. 142 MStGO gestellt werden kõnnen, da er sich aus den Akten der Voruntersuchung, nicht aus neuen, wahrend der Hauptverhandlung zutage getretenen 'Tatsachen ergab. Das ist nicht geschehen. Man muss sich angesichts dieser Tatsachen fragen, ob die Verteidigung selber alles getan habe, um ihre angeblich verletzten Rechte zu wahren. -· Die Ablehnung des An- trages erscheint um so gerechtfertigter, al s es ni eh t angeht, Beweismittel un d V erteidigungsgründe zurückzuhalten, um si eh nachtraglich na eh Bedürfnis ihrer zu bedienen, am allerwenigsten dann, wenn sich der An- geklagte damit in Widerspruch zu sich selber zu setzen versucht. (11. Dezen1ber 1917, Bernegger e. D. G. 2b). 69. Di e V er\ven(lung anvertrauten Geldes ist dann keine Ver- untreuung (l\lStGB At~t. 150), wenn d er Tatei~ in der L·age ist, es je(lei~zeit zu ersetzen und bei der Verwendung sicher damit recl1nen ~larf, e.s I~echtzeitig ersetzen zu }{Õnnen. Celui qui lltilise ttne somme d"argent qui lui est confiée ne se I~end pas coUJlable de malversation (CPl\1[ art. 150) loi~squ'H lui est en tout temps possible de rend1le cet argent, et s'il était assuré, au mon1e11t oii il a disposé des fonds à lui confiés, de }Jouvoir les restituer en temps voulu. N o n si rende colpevole di prevaricazione cbi utilizza de l denaro confidatogli, avendo la possibilità di ren{leillo quando c.he sia e potendo fare sicuro affidamento, allorcbe lo adopera, (li restituirlo tempestivamente. Dem Sp., Bureauordonnanz beim Ziuilarbeiterdetachement Si. Goiihard, lVLZrden Fr. 76 Sold des beurlaubien Oberlieuienani N. anuertraui. Er uerbrauchte dauon Fr. 25 für sich, konn.ie aber auf sein Ersuchen am niichsien Tage seinen dann fiilligen Lohn

107 No. 69 .von F r. 44. 7 5 beziehen, Lvodul·ch er in den Stand gesetzt wurde, dem Oberlieutenant N. den Sold unverkürzt auszuzahlen. Ferner Lvaren ihm Fr. 4. 60 zur Einzahlung auf Postcheck übergeben Lvorden; ·iliese verbrauchte er für siéh. Une somme de fr. 76, solde du premier lieutenant N., alors en -congé, auait été confiée à Sp., ordonnance de bureau au détachement,c[e pionniers ciuils du Gothard. Sp. dépensa pour son usage fr. 25, mais i l se fil payer le lendemain le salaire qui lui était du, f r. 44.7 5; -ei se trouua ainsi en état de remettre intégralement ei sans retard au premier lieutenant N. sa solde. Outre cela Sp. disposa pour son nsage d'une somme de fr. 4. 60. qu'il auait été chargé de uerser à un compte ele cheque postal. Sp., ordinanza d'ufficio del distaccamento dei pionieri civili al S. Gottardo, aueua riceuuto in consegna fr. 76, costituenti il solda del 1° tenente N., che si trovava in congeclo. Utilizzà per conto pro- ]Jrio f r. 25, ma i l giorno clopo si faceua pagare i l su o salario di f r. 44.7 5, auendo cosi la possibilità di rimettere integralmente il sua solda al 1° tenente N. Gli erano anche slali consegnaii fr. 4. 60 da uersare .sul coniq cheque poslali; questo importa l'adoperà p er conio proprio. A. [las Vergehen der Veruntreuung im Sinne von Art. 150 MStG ist nach seiner objektiven Seite sowohl hinsichtlich des Betrages von Fr. 4. 60 als auch hinsichtlich desjenigen von Fr. 25 erfüllt. Sp. hat die ilnn behufs Verwendung zu eine1n bestim1nten Zweeke anvertrauten Geldbetrãge in seinem eigenen Nutzen verwendet und sich dieselben -da1nit zugeeignet. Zu untersuchen bleibt, ob auch die subjektive Vor- .aussetzung des Vergehens, die rechtswidrige, diebische Absicht beim An- geklagten vorgelegen habe. Das Territorialgericht hat dies bejaht uncl an diese tatsachliche Feststellung ist das Kassationsgericht gebunden, sofern sie nicht auf einer unrichtigen rechtlichen Auffassung des Begriffes der rechtswidrigen Absicht beruht. Das Territorialgericht sieht die rechtswidrige Absicht in der bewussten Verwendung des dem Ange- klagten zu bestimmte1n z,vecke anvertrauten Geldes in seinem eigenen Nutzen, ohne dass es der 1\;iõglichkeit des rechtzeitigen Ersatzes irgend- welche Bedeutung beimisst. Auch die nur vorübergehende Verwendung des Anvertrauten sieht es als Veruntreuung an. Diese Auffassung ist irrtiilnlich. Für den Fall, da Geld durch Hinterlegungsvertrag ün Sinne von Art. 481 OR anvertraut worden ist, ist dies ohne weiteres klar. Es wird die stillschweigende Vereinbarung vermutet, dass der Aufbewahrer das Geld für sich verwenden dürfe, vorausgesetzt nur, dass er jederzeit die gleiche Summe zurückzuzahlen in der Lage ist. Der Depositar, der das Geld verwendet, handelt in diese1n Falle nicht vertragswidrig, Ver-